<?xml version="1.0"?><rss version="2.0"><channel><title><![CDATA[Taiwan heute - Wirtschaft]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/]]></link><description><![CDATA[RSS]]></description><language><![CDATA[Deutsch]]></language><image><title><![CDATA[Taiwan heute - Wirtschaft]]></title><url><![CDATA[https://taiwanheute.tw/images/logo.jpg]]></url><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/]]></link></image><item><title><![CDATA[Umweltfreundlich werden]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/161743/Umweltfreundlich-werden]]></link><guid>161743</guid><pubDate>2019/09/09</pubDate><description><![CDATA[Taiwans Beh&ouml;rden und die Privatwirtschaft arbeiten zusammen, um die mit &Ouml;ko-Technologie verbundenen Wachstumschancen zu nutzen.<br />
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Im Juni reiste Ardex Huang, stellvertretender Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von Sunmade Inc, einem Unternehmen aus Taichung in Zentraltaiwan, nach Katar, um die umweltfreundlichen Verkehrszeichen seines Unternehmens auf dem neu er&ouml;ffneten Al Khor Highway in einem Pilotprojekt zu testen.<br />
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Die Produkte enthalten die neueste Erfindung des Unternehmens: runde Kunststoffteile namens DOT. Sie brechen das Licht, beleuchten Beschilderung ganz ohne Strom und bieten so eine wartungsfreie L&ouml;sung gegen Blendung.<br />
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Die aus bis zu 200 Metern Entfernung sichtbaren DOTs funktionieren auch unter starkem W&uuml;stensonnenlicht.<br />
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Die Technologie erregte das Interesse vieler Besucher des Project Qatar 2019, einer Fachmesse f&uuml;r Bauwesen und verwandte Branchen, die vom 29. April bis 1. Mai im Ausstellungs- und Kongresszentrum in Doha stattfand.&nbsp;Im Publikum waren auch lokale Beamte, die f&uuml;r Katars Infrastruktur verantwortlich sind.<br />
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&bdquo;Als die Regierungsvertreter sahen, was unsere DOT-Schilder ohne Leuchtdioden [LED] leisten k&ouml;nnten, waren sie beeindruckt,&quot; sagte Huang. &bdquo;Sie luden uns dann ein, ein Pilotprojekt zu starten, um den Weg f&uuml;r eine gro&szlig;fl&auml;chige Installation zu ebenen.&quot;<br />
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Sunmade wurde 2014 gegr&uuml;ndet und produziert auch solarbetriebene LED-Schilder.<br />
Das Unternehmen entwickelte die DOTs nach vier Jahren intensiver Forschung und Entwicklung in Zusammenarbeit mit dem Department of Photonics der Feng Chia University in Taichung.<br />
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&bdquo;Unsere Mission ist es, umweltfreundliche, langlebige und praktische Produkte zu entwickeln,&quot; sagte Huang. &bdquo;Dank Regierungsinitiativen im In- und Ausland sowie des wachsenden Umweltbewusstseins der Verbraucher besteht ein enormes Marktpotenzial f&uuml;r umweltfreundliche Waren.&ldquo;<br />
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Sunmade h&auml;lt Patente f&uuml;r DOT-Schilder in 12 L&auml;ndern und Gebieten. Aktuell sind die Produkte in Japan, Malaysia und Singapur erh&auml;ltlich.&nbsp;Mit der Unterst&uuml;tzung des Autobahnamtes des Ministeriums f&uuml;r Verkehr und Kommunikation sowie lokaler Beh&ouml;rden in Taichung und den Landkreisen Changhua und Nantou in Zentraltaiwan wurde das Produkt f&uuml;r Pilotprojekte auch schon auf mehreren Autobahnen in Taiwan installiert.<br />
&nbsp;]]></description></item><item><title><![CDATA[Die Zukunft heißt Freihandel]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101555/Die-Zukunft-hei%C3%9Ft-Freihandel]]></link><guid>101555</guid><pubDate>2015/01/23</pubDate><description><![CDATA[Beim APEC-Gipfeltreffen im November 2014 in Peking einigten sich Festlandchina und Südkorea über die Rahmenbedingungen für ein bilaterales Freihandelsabkommen (FTA). Diese Übereinkunft, die einen wichtigen Meilenstein in der rasanten regionalen Wirtschaftsintegration markiert, stellt eine ernste Herausforderung dar für die Republik China (Taiwan), denn einerseits ist Südkorea Taiwans stärkster Wirtschaftskonkurrent und andererseits ist Festlandchina sowohl für Taiwan als auch Südkorea der wichtigste Absatzmarkt.

In jüngster Zeit ist es Südkorea gelungen, die Zahl seiner Freihandelspartner signifikant zu vergrößern. Dazu gehören die USA und die EU - zwei der wichtigsten Wirtschaftsregionen. Das Freihandelsabkommen zwischen Festlandchina und Südkorea, das voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2015 in Kraft treten wird, sieht sofortige Zollbefreiungen für 44% der südkoreanischen Handelsexporte nach Festlandchina vor. Innerhalb der folgenden zwanzig Jahre soll dieser Anteil allmählich auf 91% erhöht werden. Da ca. 77% der Exportgüter Taiwans und Südkoreas identische Warenklassen betreffen, werden taiwanische Unternehmen im Handel mit Festlandchina Nachteile erleiden, so lange es noch kein FTA zwischen Taipei und Peking gibt.

Die Regierung der Republik China hat auf diese Entwicklungen reagiert und aktiv Maßnahmen ergriffen, damit taiwanische Waren auf wichtigen Märkten nicht schlechter gestellt werden. Im Jahre 2010 haben Taiwan und Festlandchina das wichtige Rahmenabkommen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit (ECFA) unterzeichnet, das die Grundlage weiterer Verhandlungen zwischen den beiden Seiten der Taiwanstraße darstellt.

Im Jahre 2013 folgten weitere bilaterale Wirtschaftsabkommen mit Neuseeland und Singapur. Diese sind für Taiwan besonders wichtig, denn sowohl Neuseeland als auch Singapur sind Verhandlungspartner in den Blöcken Transpazifische Partnerschaft (TPP) und Umfassende Regionale Wirtschaftliche Partnerschaft (RECP). Taiwan erhofft sich Zugang zu beiden Zusammenschlüssen. Darüber hinaus bemüht sich Taiwan um bilaterale Übereinkünfte mit seinen wichtigsten Handelspartnern. Seit Mai 2013 hat Taiwan bereits zehn Absichtserklärungen mit Japan unterzeichnet, die den Weg ebnen sollen zu einem Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im März 2013 wurden zudem Unterredungen mit den USA basierend auf dem Rahmenabkommen über Handel und Investitionen wieder aufgenommen.

Obgleich die Regierung der Republik China große Anstrengungen unternimmt, heimische Exportgüter auf vielen verschiedenen Absatzmärkten unterzubringen, ist der Handel mit Festlandchina schon allein aufgrund der geografischen Lage Taiwans weiterhin ungemein wichtig. Im Wissen, dass institutionalisierte Zusammenarbeit mit Festlandchina taiwanischen Unternehmen zugute kommt und die nationalen Wirtschaftsentwicklung voranbringt, hat die Regierung der Republik China im Jahre 2013 ein Dienstleistungsabkommen mit Festlandchina unterzeichnet. Taipei ist zudem bemüht, ein Güterabkommen mit Peking schnellstmöglich abzuschließen, um die nachteiligen Folgen des Freihandelsabkommens zwischen Festlandchina und Südkorea auszugleichen.

Um die Gespräche zum Güterabkommen fortführen zu können, muss der Legislativyuan jedoch zuerst über einen neuen Kontrollmechanismus für Abkommen zwischen Taiwan und Festlandchina abstimmen und das Dienstleistungsabkommen ratifizieren. Auch 18 Monate nach Unterzeichnung des Dienstleistungsabkommens ist der politische Streit über die Einrichtung des Kontrollmechanismus‘ noch nicht gelöst. Diese Verzögerung wirkt sich nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen Freihandelsgespräche zwischen Peking und Seoul negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung Taiwans aus.

Taiwans Wirtschaft ist sehr stark exportorientiert. Die weltweite Zunahme des Freihandels und die geografische Nähe zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind Tatsachen, die Taiwan nicht ignorieren kann. Die Regierung der Republik China hat dies erkannt und stellt sich den Herausforderungen der regionalen wirtschaftlichen Integration. Nach Ratifizierung des Dienstleistungsabkommens und nach Abschluss der Verhandlungen zum Güterabkommen wird Taiwan noch besser in der Lage sein, seine wirtschaftlichen Interessen zu wahren und Zugang zu großen regionalen Handelsblöcken zu erhalten. So können Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlicher Erfolg einheimischer Unternehmen auf dem Weltmarkt gesichert werden.]]></description></item><item><title><![CDATA[Regionale Firmengründungen fördern]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101554/Regionale-Firmengr%C3%BCndungen-f%C3%B6rdern]]></link><guid>101554</guid><pubDate>2014/10/31</pubDate><description><![CDATA[Taiwans Bemühungen, im Rahmen der APEC Firmengründungs-Starthilfen zu fördern, kommen neuen Unternehmen im Inland und in der ganzen asiatisch-pazifischen Region zugute. 
<P>In vielerlei Hinsicht führt der Erfolg der einheimischen Firmenneugründung AirSig auf sehr beispielhafte Weise die neuen Methoden vor, wie man im Technologiesektor rasantes Wachstum erreichen kann. Anfang September 2014 — nur etwa drei Monate, nachdem Mitbegründer Jay Chen seine Stelle aufgegeben hatte, um sich ganztägig auf die neue Unternehmung zu konzentrieren — erhielt AirSig eine Investition in Höhe von 2 Millionen US$ vom taiwanischen Elektronikkonzern Hon Hai Precision Industry Co.</P>
<P>Der Grund für Hon Hais Investition in AirSig war die einzigartige Authentifizierungstechnologie, mit der die Nutzer Apps auf ihren Smartphones aufschließen oder öffnen können, indem sie mit dem Gerät durch die Luft wedeln, um Worte zu schreiben. Diese Art schneller Entwicklung von einem innovativen Konzept zu einem tragfähigen Geschäft ist indes alles andere als einfach, und Chen beeilt sich, darauf zu verweisen, dass das rasche Wachstum der Firma ohne die Unterstützung durch eine Firmengründungs-Starthilfe nicht möglich gewesen wäre. Der 31-jährige Unternehmer stellt fest, dass diese Organisationen nicht nur wertvolle geschäftliche Anleitungen bieten, sondern auch ein großartiger Kanal seien, durch den neue Firmen mit Risikokapital-Anlegern in Kontakt gebracht werden könnten. Überdies verdankt AirSig viel Taiwans Anstrengungen zur Förderung von Firmengründungs-Starthilfen in der ganzen asiatisch-pazifischen Region.</P>
<P>Die erste Firmengründungs-Starthilfe, eine Organisation namens Y Combinator, war 2005 in den USA gegründet worden, und in den Jahren seither sind solche Gebilde in der Sphäre der Hightech-Firmenneugründungen rund um den Erdball zu einem zunehmend wichtigen Bestandteil geworden. „Firmengründungs-Starthilfen tragen dazu bei, das Wachstum neuer Unternehmen zu fördern, indem sie ihnen Finanzhilfe, Anleitung und Gelegenheiten bieten, Verbindungen mit internationalen Investoren und Partnern herzustellen“, meint Johnny Yeh, Generaldirektor der Verwaltung kleiner und mittelständischer Unternehmen (<EM>Small and Medium Enterprise Admiistration</EM>, SMEA) im Wirtschaftsministerium der Republik China.</P>
<P>Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) machen fast 98 Prozent aller Firmen in Taiwan aus, und die SMEA spielt eine entscheidende Rolle dabei, diesen Betrieben beizustehen. Die Behörde half dabei, einen Verbund von Inkubationszentren in ganz Taiwan einzurichten, wo Firmenneugründungen allgemeine Beratung und zudem Büroräume zu vernünftigen Preisen für bis zu fünf Jahre finden. Firmengründungs-Starthilfen unterscheiden sich allerdings insofern von Inkubationszentren, als sie neuen Firmen, denen ein großes Potenzial zugetraut wird, kurzfristige Spezialschulung bieten. Firmengründungs-Starthilfen arbeiten alle drei bis sechs Monate mit Gruppen neugegründeter Unternehmen zusammen, um innovativen neuen Firmen zu helfen, ihre Ideen so schnell wie möglich in profitable Unternehmungen zu verwandeln.</P>
<P>Als globaler Führer im Gewerbe der Informationstechnologie (IT) erkennt Taiwan die wachsende Bedeutung von Firmengründungs-Starthilfen an und wirbt durch die Asiatisch-pazifische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (<EM>Asia-Pacific Economic Cooperation</EM>, APEC) für das Konzept. Bei der 35. Konferenz der APEC-Arbeitsgruppe KMU <EM>(APEC SME Working Group</EM>, SMEWG) im August 2012 im russischen Sankt Petersburg stellte Taiwan die APEC-Initiative Firmengründungs-Starthilfen (<EM>APEC Startup Accelerator</EM>, ASA) vor. Die ASA-Initiative soll als Rahmen dafür dienen, in der Region Zusammenarbeit zu erleichtern und Unternehmertum zu ermutigen, und im September jenes Jahres wurde sie von der 20. Konferenz der APEC-Volkswirtschaftsführer im russischen Vladivostok gebilligt.</P>
<P>Im vergangenen Jahr fand die erste größere Veranstaltung unter dem ASA-Programm in Taipeh statt. Das über zwei Tage laufende Ereignis wurde gemeinsam vom US-amerikanischen Chiphersteller Intel Corp. und der SMEA organisiert und bot den ASA-Führungsgipfel am 13. August und die Intel APEC Challenge (Intel-APEC-Herausforderung) am Tag darauf. Auf dem Gipfel trafen sich über 400 Firmenchefs, Mentoren neuer Unternehmungen und Risikokapital-Anleger aus APEC-Volkswirtschaften, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Gleichzeitig stellten bei der Intel APEC Challenge 30 Teams aus der asiatisch-pazifischen Region, darunter acht aus Taiwan, ihre innovativen Produktideen einer internationalen Jury vor, um einen Platz bei der Intel Global Challenge zu gewinnen, die zwei Monate später an der University of California in Berkeley (USA) stattfand. Die Intel Global Challenge wird seit 2005 jedes Jahr abgehalten und präsentiert Geschäftsideen und innovative Technologien, die das Potenzial aufweisen, positive Auswirkungen auf die Gesellschaft zu haben. Im vergangenen Jahr arbeitete Intel erstmals mit Taiwan zusammen, um Teams in der asiatisch-pazifischen Region auszuwählen.</P>
<P>Um die Kooperation zwischen den regionalen Firmengründungs-Starthilfen zu konsolidieren, schlug Taiwan beim 20. Ministertreffen für kleine und mittlere Unternehmen im September vergangenen Jahres im indonesischen Bali die Einrichtung eines APEC-Netzwerks für Firmengründungs-Starthilfen (<EM>APEC Accelerator Network</EM>, AAN) vor. Im März dieses Jahres fand im Rahmen der Vorbereitungen für einen offiziellen Start des Netzwerks während der 38. SMEWG-Konferenz im zentraltaiwanischen Taichung ein AAN-Forum statt. Fast 300 Gewerbefachleute und Repräsentanten aus Firmengründungs-Starthilfen, Inkubationszentren und KMUs aus den 21 Mitglieds-Volkswirtschaften von APEC besuchten das Forum, um über das Netzwerk zu sprechen und Meinungen über die Herausforderungen auszutauschen, mit welchen Firmenneugründungen in der Region zu kämpfen haben. „Das AAN wird als Mechanismus dienen, das unternehmerische Ökosystem zu verbessern und neugegründeten Firmen grenzüberschreitenden Marktzugang zu verschaffen“, sagt Yeh. „Es wird mehr regionale Geschäfts-Kooperation schaffen und das Wirtschaftswachstum fördern.“</P>
<P>Das AAN wird vom Zentrum für Gewerbe-Starthilfen und Patentstrategie (<EM>Center of Industry Accelerator and Patent Strategy</EM>, IAPS) der National Chiao Tung University (NCTU) in der nordtaiwanischen Stadt Hsinchu koordiniert. IAPS-Direktor Huang Ching-yao rechnet damit, dass das AAN im kommenden Jahr offiziell ins Leben gerufen wird, und er plant, fünf oder sechs der einflussreichsten Firmengründungs-Starthilfen in Taiwan dazu aufzufordern, sich dem Netzwerk anzuschließen. </P>
<P><STRONG>Produkte lancieren</STRONG><BR>Eine weitere Initiative, die Entwicklung von Firmenneugründungen in Taiwan und der Region zu stimulieren, ergab sich im August dieses Jahres, als in Taipeh der AAN-Gipfel und Herausforderung stattfand. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der SMEA, Intel und der Siemens AG organisiert, und dabei präsentierten 13 Teams aus Taiwan und 21 aus anderen APEC-Volkswirtschaften ihre Produkte einer Jury, zu der unter anderem führende Manager der Veranstaltungs-Firmen gehörten. Jede Firma wählte drei Sieger aus, welche in die nächste Runde vorrückten — die von Intel ausgewählten Teams kommen zur Intel Global Challenge, die von Siemens zum Siemens New Ventures Forum im Silicon Valley. Drei der sechs Teams, die bei der AAN-Herausforderung weiterkamen, stammten aus Taiwan, in der Siemens-Gruppe war es AirSig.</P>
<P>Die verbesserten Verbindungen zwischen Firmengründungs-Starthilfen in APEC-Volkswirtschaften kommen bereits neuen taiwanischen Unternehmen zugute. Sowohl IAPS als auch die in Kalifornien ansässige Firmengründungs-Starthilfe SWELL sind angehende Mitglieder von AAN, und IAPS beauftragte sein amerikanisches Gegenstück damit, für die 13 taiwanischen neuen Firmen, die an der AAN-Herausforderung teilnehmen sollten, einen dreitägigen Intensiv-Schulungskurs für Präsentations-Fertigkeiten in Taipeh abzuhalten. Außerdem erhielten in den zwei Wochen vor den Wettbewerben von Intel und Siemens in den USA die drei taiwanischen Teilnehmer in Kalifornien von der amerikanischen Firmengründungs-Starthilfe weitere Anleitung.</P>
<P>Eines der Unternehmen, die von SWELLs Hilfe profitierten, war die taiwanische Firma bOMDIC Inc., die 2011 gegründet worden war und sich einen Platz in der diesjährigen Intel Global Challenge erkämpfte. bOMDIC behauptet, den ersten tragbaren Ausdauer-Sensor der Welt entwickelt zu haben, mit dem man auf dem optimalen Intensitäts-Niveau Sport treiben kann. „Für mich war das Beste an der Teilnahme an dem Wettbewerb in den USA, dass ich mein Produkt potenziellen Kunden dort vorstellen konnte“, verrät Scott Cheng, einer der Firmengründer. „Die Reise war wirklich bedeutsam, weil das Land dort ein großer Markt für Sportgeräte ist.“</P>
<P>Ähnlich wie Cheng äußert sich Lee Chiang-suo, Produktmanager der neuen Firma Golface, die eine App für Golfplatzmanagement entwickelt hat und im vergangenen Jahr der einzige taiwanische Teilnehmer bei der Intel Global Challenge war. „Die Veranstaltung hat uns die Augen geöffnet, denn wir konnten dabei eine Reihe innovativer Produkte sehen, die von Leuten aus aller Welt kreiert worden waren“, bemerkt Lee. Zwar schaffte Golface es nicht in die letzte Runde des Wettkampfs in Kalifornien, doch Lee glaubt, die Teilnahme des Unternehmens habe ihm dabei geholfen, Anfang dieses Jahres Investitionen hereinzuholen, und nach seinen Worten wird die App jetzt zur Verwaltung von zwei Golfplätzen in Taiwan benutzt.</P>
<P>Während Initiativen für internationale Vernetzung dazu beitrugen, diese Gelegenheiten zu vermitteln, ist es aber auch wichtig, die Rollen zu erwähnen, welche einheimische Firmengründungs-Starthilfen bei dem Erfolg der Teilnehmer spielten. Beispielsweise vollendeten die Mitbegründer von AirSig im Mai ein sechsmonatiges Programm im Rahmen der achten Runde von Firmen-Neugründungen, bei der AppWorks Ventures, eine 2009 gegründete Firmengründungs-Starthilfe in Taipeh, als Mentor fungierte. Wie bOMDIC und Golface erhielt AirSig zudem Beistand und Beratung von IAPS. „Meine Firma hat viel von der Anleitung profitiert, die wir bei Buchhaltung und Rechtsbeistand erhielten, und das schützt uns davor, dass man uns ausnutzt, wenn wir Verträge mit Partnern aushandeln“, freut sich Lee. </P>
<P><STRONG>Ehrgeizige Unternehmungen</STRONG><BR>Laut Jamie Lin, dem Gründer von AppWorks, besteht eine der wichtigsten Funktionen von Firmengründungs-Starthilfen darin, innovative Unternehmer zusammenzubringen, damit sie voneinander lernen können. „Wir bilden eine einzigartige Gemeinschaft — einen Kreis von Leuten mit unternehmerischem Ehrgeiz und globaler Sichtweise, die darauf brennen, Ansichten und Informationen auszutauschen“, beschreibt Lin. „Manche Leute wollen eine Firma gründen, indem sie zum Beispiel ein Café aufmachen, aber das ist nicht die Art von Unternehmen, der wir helfen. Wir bieten Hilfe für Firmen-Neugründungen, die über das Potenzial verfügen, an die Börse zu gehen oder sogar multinationale Konzerne zu werden.“</P>
<P>AppWorks ist eine der bekanntesten Firmengründungs-Starthilfen Taiwans und stand über 200 Neufirmen zur Seite. Alle sechs Monate werden 25 Firmen-Neugründungen der Bereiche Verbrauchertechnologie und mobiles Internet eingeladen und Sitzungen organisiert, bei denen die Teilnehmer ihre Produkte und Geschäftsmodelle vorstellen können. Die Teilnehmer kritisieren dann gegenseitig ihre Konzepte, um dazu beizutragen, ihre jeweiligen Innovationen zu verfeinern, und bei den Sitzungen sind auch erfolgreiche Unternehmer dabei und bieten Anleitung. Teilnehmende Firmenneugründungen bekommen zuweilen auch Finanzierungs-Angebote von AppWorks, denn die Firmengründungs-Starthilfe managt seit 2012 einen Risikokapitalfonds.</P>
<P>Ebenso wie AppWorks ist IAPS von der NCTU gleichermaßen wählerisch bei den Firmen, die unterstützt werden sollen, und IAPS konzentriert sich auf innovative Neufirmen in wissensgestützten Gewerben wie Cloud Computing und umweltfreundliche Energie-Technologie. Seit seiner Gründung im Jahr 2013 hat das Zentrum unter 700 Anträgen 45 Firmen-Neugründungen für die Firmengründungs-Starthilfeprogramme ausgewählt, die drei bis sechs Monate dauerten. „Diese Firmen brauchen zum Teil deswegen Anleitung, weil sie nicht genug im großen Rahmen denken“, begründet IAPS-Direktor Huang. „Deswegen laden wir regelmäßig internationale Experten ein, unser Zentrum zu besuchen, damit sie Teilnehmern helfen, den Umfang und das Ausmaß ihres Geschäfts zu überdenken.“</P>
<P>Das im Wissenschaftspark Hsinchu, Standort von über 500 Hightech-Unternehmen, gelegene Zentrum hegt die Hoffnung, einen Synergie-Effekt zwischen den betreuten Firmen und den vielen großen Firmen in der Gegend zu erzeugen. Große Firmen haben in der Regel Zugang zu reichlichen Ressourcen, ausgedehnten Verkaufskanälen und einem großen Netz internationaler Kontakte, aber manchmal mangelt es ihnen an innovativen Ideen. Andererseits fehlt es Firmenneugründungen mit eigenen Ideen häufig an Expertise und Finanzmitteln, ihre Ideen in kommerziell brauchbare Produkte zu verwandeln. Huang hofft, dass das IAPS dabei helfen kann, diese Kluft zu überbrücken. „Für unser neues Projekt wollen wir Firmenneugründungen helfen, in den Büros großer Firmen für einen bestimmten Zeitraum eine Niederlassung einzurichten, wodurch die Unternehmer Zugang zu einem Expertenpool hätten und gleichzeitig ihre Innovationen entwickeln könnten“, wirbt er. „Unterdessen könnten die großen Firmen die Neulinge genau beobachten und ihr Potenzial einschätzen, bevor eine Entscheidung darüber gefällt wird, ob man darin investieren soll.“ Huang merkt an, dass er zahlreiche große Firmen im Wissenschaftspark besucht hat, und einige bekundeten ihr Interesse an dem Projekt.</P>
<P>Laut Huang wandten sich in diesem Sommer Vertreter der taiwanischen United Microelectronics Corporation (UMC) — einem der größten Chiphersteller auf Auftragsbasis der Welt — an ihn, um die Möglichkeit auszuloten, bei IAPS in Firmenneugründungen zu investieren. „In der Vergangenheit haben sie sich nur in den USA, in Festlandchina und Israel nach Investitionsgelegenheiten umgeschaut, doch nun haben sie gemerkt, dass Taiwan ebenfalls in der Lage ist, Firmenneugründungen mit großem Potenzial zu fördern“, führt er aus.</P>
<P>Während Firmengründungs-Starthilfen dazu beitragen, das einheimische Umfeld für Firmenneugründungen zu verbessern, stellt AirSig-Mitbegründer Chen fest, dass noch mehr getan werden muss, um die gesellschaftlichen Haltungen gegenüber neuen Firmen zu ändern. Nach Ansicht des Unternehmers sind die meisten jungen Leute in Taiwan nicht gewillt, für neu gegründete Firmen zu arbeiten, und er verheimlicht nicht die Schwierigkeiten, welche seine Firma dabei hatte, Nachwuchs zu finden. Daneben glaubt er, dass konservative Einstellungen in der taiwanischen Gesellschaft das Unternehmertum behindern. „Obwohl vielen Firmenneugründungen kein Erfolg beschieden ist, betrachten die Menschen dieses Scheitern immer noch als beschämend“, geißelt er. „Doch wenn man auf die Nase fällt, na wenn schon? Wenn man die unschätzbare Erfahrung gemacht hat, eine Firmenneugründung zu entwickeln, ist man besser in der Lage, mit den harten Herausforderungen fertig zu werden, die das Leben für einen bereithält.“</P>
<P>Das rasante Tempo der technologischen Entwicklung bedeutet, dass innovativen Firmenneugründungen immer kleinere Zeitfenster bleiben, um zum Erfolg zu gelangen. Damit lässt sich die Entstehung von Firmengründungs-Starthilfen erklären, und es unterstreicht auch ihre Bedeutung. Indem sie Kapital, Vernetzungdienste und spezialisierte Beratung anbieten, helfen diese Organisationen innovativen Firmen, schnelles Wachstum zu erzielen. In einem Land, das bekannt ist für sein dynamisches KMU-Umfeld, ist es wenig überraschend, dass Firmengründungs-Starthilfeprogramme unter neuen Unternehmen in Taiwan immer beliebter werden. Durch die Werbung für Firmengründungs-Starthilfen im APEC-Rahmen hilft Taiwan überdies dabei, dafür zu sorgen, dass Technologie-Neufirmen in der asiatisch-pazifischen Region mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung erfahren als je zuvor.</P>
<P align=right><EM><STRONG>(Deutsch von Tilman Aretz)</STRONG></EM><BR></P>]]></description></item><item><title><![CDATA[Sich einen Namen machen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101553/Sich-einen-Namen-machen]]></link><guid>101553</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Der Aufbau eines Markennamens bedeutet harte Arbeit, und Marvin Wei weiß, wie kompliziert und fordernd es sein kann, die ersten Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. „Als Fabrikant fremder Designs im Auftrag anderer Firmen (<I>Original Equipment Manufacturer</I>, OEM) konzentriert man sich darauf, eine Fabrik effizient zu betreiben und sich all die Dinge anzueignen, mit denen man die Herstellungskosten senken kann“, definiert der Präsident von AROPEC Sports Corp. in der zentraltaiwanischen Stadt Taichung. „Sobald man jedoch den Kurs ändert und sich voll und ganz dem Markenaufbau widmet, gibt es eine Menge mehr zu lernen, etwa Ausrichten von Veranstaltungen und Umgang mit Agenten, um die eigenen Produkte zu vermarkten.“
<P>Nachdem AROPEC zu Anfang eine Reihe von Marken-Wassersportprodukten entwickelt hatte, richtete die Firma im vergangenen Jahr in Taipeh ein Konzeptgeschäft ein, wo das vollständige Sortiment im Angebot von AROPEC präsentiert und für AROPEC als Marke geworben wird. „Durch diesen Laden kann ich die Probleme, mit denen Einzelhandelsgeschäfte rund um den Erdball, die meine Markenware verkaufen, zu kämpfen haben, besser verstehen“, versichert Wei.
<P>Paul Yang, der an der Spitze von Continental Chemical Industries Co. steht, hat sich zum gleichen Schritt entschlossen. Die auch unter dem Namen „Conti“ bekannte Firma will vor Ende dieses Jahres ein Konzeptgeschäft im Erdgeschoss des Gebäudes in Taipeh, in dem sich auch die Firmenzentrale befindet, eröffnen. Jahrelang fertigte Conti Basketbälle und verschiedene Gummi-Sportbälle für globale Händler wie Wilson Sporting Goods Co. in den USA. In den jüngsten Jahren nahm das Unternehmen bei der Förderung von Conti als Markennamen aber eine ernsthaftere Haltung an.
<P>Lange Zeit arbeiteten die meisten taiwanischen Sportartikelhersteller als OEMs, auch wenn es ein paar nennenswerte Ausnahmen gab wie Giant Manufacturing Co. Ltd., einen der größten Fahrradproduzenten der Welt. Die jüngsten Anstrengungen von AROPEC und Conti belegen den Ehrgeiz kleiner und mittelständischer Unternehmen, die mit ihren eigenen Marken im In- und Ausland ein schärferes Profil erwerben möchten.
<P>Die Ursprünge der Firmen von Wei und Yang lassen sich bis in die sechziger Jahre zurückverfolgen, als ihre Väter jeweils ein kleines Fabrikationsgeschäft gründeten, woraus sich mit der Zeit ein Konzern entwickelte, der von dem Sohn übernommen wurde. In beiden Unternehmen dachte man seit den achtziger Jahren über die Entwicklung einer eigenen Marke nach, doch vor der Jahrhundertwende ging es dabei nur langsam voran. „Als OEM verzeichnete ich Jahr für Jahr schwindende Verkaufszahlen wegen des heftigen Wettbewerbs“, kommentiert Yang den wachsenden Druck, einen neuen Weg für seine Firma zu suchen. „Und das Geschäft kann in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn Käufer plötzlich abspringen, weil sie OEMs mit günstigeren Konditionen gefunden haben.“
<P>Wie bei vielen taiwanischen Unternehmen trieben die steigenden Kosten für Personal und Land Conti Anfang der neunziger Jahre dazu, die Fertigung aufs chinesische Festland zu verlegen, doch die Zentrale befindet sich weiterhin in Taiwan. Seitdem hat sich der Geschäftsumfang vergrößert. In Taiwan hatte Conti 100 Fabrikarbeiter beschäftigt, nun bedienen in der Fabrik in der südchinesischen Stadt Guangzhou etwa 600 Arbeiter die Maschinen. Als die Firma 1969 gegründet wurde, stellte sie pro Tag 500 Bälle unterschiedlicher Art her, heute ist der Ausstoß zwanzig Mal so groß. Langfristig denkt Yang, dass das Wachstum des Unternehmens von der Entwicklung der eigenen Marke abhängen wird, weswegen er 2007 eine Consultingfirma beauftragte, das Conti-Management über Markenaufbau zu unterrichten, und er begann damit, auf dem Inlandsmarkt systematisch für die Marke zu werben.
<DIV class=photo>
<IMG alt="Sich einen Namen machen-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201409p29.jpg" MMOID="222842">
<P>Eine Werbetafel für Conti in einer MRT-Schnellbahnstation in Taipeh. Eine solche Publicity-Kampagne hat sich bei der Werbung für die Marke als wirksam erwiesen. (Foto: Courtesy Continental Chemical Industries Co.)</P></DIV>
<P>Teilweise aus persönlichen Gründen entschied Wei sich dafür, den Fabrikationsbetrieb von AROPEC in Taiwan beizubehalten, und es wurden Produkte für Spitzenmarken von Tauch- und anderen Wassersportarten wie Aqua Lung hergestellt. Wei wollte aber immer schon sein Geschäft in eine andere Richtung lenken, trotz der Herausforderungen, den Kurs zu ändern und sich von alten Geschäftsmodellen zu entfernen. „Meine Kunden stornierten Bestellungen, wenn ich auf internationalen Handelsmessen dabei gesehen wurde, wie ich Großhändler kontaktierte“, beschreibt er die Folgen, eine größere Unabhängigkeit für seine Firma anzustreben. „Sie glaubten, dass wir bei solchen Anlässen für eine eigene Marke werben wollten, und sie fürchteten, wir würden ihnen Marktanteile wegnehmen wollen.“ AROPECs neue Methode zog einen erheblichen Knick bei den Einkünften nach sich, doch Wei wusste, dass das der Preis war, der auf dem Weg zum Wandel gezahlt werden musste. Allerdings wurde seinen Kunden bald klar, dass es schwierig sein würde, den langjährigen Partner vollständig zu ersetzen, und sie gaben weiterhin Bestellungen auf, wenn auch für geringere Mengen. Gleichzeitig baute die Firma auf Handelsmessen mehr Verbindungen mit Großhändlern auf und sammelte Bestellungen für die eigene Marke. Schließlich neigten sich die harten Zeiten dem Ende zu.
<P>Conti beschränkte seine Markenaufbau-Strategie auf den vergleichsweise kleinen Taiwan-Markt, und Contis Auslandskunden sahen keinen Grund zur Beunruhigung, als die Firma über den Bereich der OEM-Geschäftsstrategie hinausging. Yang lernte, dass Markenaufbau für jede Firma eine Herausforderung darstellt. „Erträge aus Investitionen sind berechenbar, wenn man als OEM arbeitet“, weiß er. „Man bekommt Bestellungen, sorgt für die entsprechenden Rohstoffe und produziert die Ware gemäß den Vorgaben der Käufer. Doch beim Markenaufbau geht es um Marketing. Dazu braucht man Mut. Man steckt Geld in Publicity-Kampagnen, kann aber nicht wissen, inwieweit sich das lohnt.“
<P>Contis Markenaufbau-Taktik umfasst Maßnahmen wie Werbung in belebten Stationen der MRT-Schnellbahn in Taipeh, Sponsern von Veranstaltungen von Taiwans Fußball- und Basketballverbänden und ähnliche. Ein Verbund von etwa 300 Verteilern lanciert Yangs Ware in Schulen rund um die Insel, und durch die Finanzierung der Conti-Volleyballmannschaft gewann die Marke an Bekanntheit. Die mit Conti-Markenprodukten erzeugten Einkünfte machen heute über 3 Prozent der Gesamteinnahmen des Unternehmens aus. Yang gibt zu, es habe zwei Jahre länger gedauert als erwartet, mit der Marke der Firma aus den roten Zahlen zu kommen. Dieser Meilenstein wurde im Jahr 2012 passiert. Das viel größere OEM-Geschäft war dagegen hilfreich dabei, die finanziellen Belastungen der Markenaufbau-Anstrengungen abzufedern.
<P>„Die Firma arbeitete lange als OEM, was für die Entwicklung der eigenen Marke positiv war“, urteilt Andy Chou, Sportartikelhändler mit einem Laden in Taipeh. „Contis Fabrikationserfahrung gab dem Unternehmen die Expertise bei Qualitätskontrolle, die man für ein gutes Markenimage braucht. Als Hersteller kann die Firma die Qualität der Ware direkt kontrollieren. In Sachen Bekanntheit des Namens hinkt Conti noch hinter den großen Marken hinterher, doch ich würde diese taiwanische Marke ohne Zögern den Schulbehörden oder Einzelkäufern empfehlen.“ Chou fügt hinzu, Conti sei die einzige Sportball-Marke, die aus Taiwan stammt.
<P>In ähnlicher Weise hat Wei die Bekanntheit der Marke vergrößert, indem er AROPEC-Produkte als Spenden verteilte und einheimische Profi-Athleten sponserte, die an Wettkämpfen im In- und Ausland teilnahmen. Daneben baut er Beziehungen mit seinen Vertriebskanälen rund um den Erdball auf, indem er ihnen persönliche Besuche abstattet und jedes Jahr bei wichtigen internationalen Handelsmessen präsent ist. „Der Großhändler mit den besten Resultaten in einer bestimmten Region erhält das Exklusivrecht, meine Produkte in jener Region zu verkaufen“, verkündet der Unternehmer im Hinblick darauf, wie er die Großhändler dazu anspornt, seine Marke zu fördern.</P>
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<IMG alt="Sich einen Namen machen-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p31.jpg" MMOID="222843">
<P>Das AROPEC-Konzeptgeschäft in Taipeh soll für das Image der Marke werben und hilft Wei dabei, mögliche Probleme seiner Einzelhändler nachzuvollziehen. (Foto: Chang Su-ching)</P></DIV>
<P><B>Phänomenales Wachstum</B>
<P>Beträchtlichen Anteil am phänomenalen Wachstum von AROPEC in den jüngsten Jahren hat auch Marketing über elektronische Handelsforen wie Taiwan Trade, betrieben vom staatlich finanzierten Rat für Außenhandelsentwicklung Taiwan (<I>Taiwan External Trade Development Council</I>, TAITRA), und Alibaba.com, dem Hauptgeschäftszweig der Alibaba-Gruppe in Festlandchina.
<P>Der Unternehmer hatte nach eigenen Worten bereits im Jahr 2000 daran gedacht, im Internet für seine Marke zu werben, doch damals waren Online-Dienste für seine Zwecke noch zu rudimentär. Heute wird Taiwans Breitband-Service Jahr für Jahr immer schneller, und so hat sich die Lage allmählich gebessert. Außerdem begann Alibaba.com, das größte Forum für Online-Handel der Welt, vor sechs Jahren, mit taiwanischen Firmen zusammenzuarbeiten. Nachdem Wei einer der Kunden dieses Portals wurde, konnte er ein rasantes Wachstum seiner Marke beobachten.
<P>Nach Weis Ansicht ist Online-Marketing besonders wirksam für Firmen, die sich an Kunden mit Spezialinteressen wenden wie Taucher und Surfer. Heute kommen über 70 Prozent der Gesamteinnahmen seines Unternehmens von Produkten mit dem AROPEC-Markenlogo, vor dem Einstieg ins Online-Marketing waren es lediglich 30 Prozent gewesen. Kunden, die online Ware erwerben, machen heute 85 Prozent des Kundenstamms der Firma aus. Besonders erfolgreich war das Unternehmen laut Wei in Nahost, wo sich die Tauchanzüge von AROPEC besser verkaufen als Erzeugnisse von allen anderen asiatischen Marken. „Große Namen konzentrieren sich üblicherweise auf relativ dickwandige Anzüge und die schwere Ausstattung, die man in gemäßigten und kalten Klimazonen braucht, doch wir verstehen uns trefflich auf die Produktion leichterer Anzüge für wärmere Regionen wie Nahost“, kommentiert er AROPECs Erfolg in jenem Winkel der Welt.
<P>Die Entwicklung einer breiteren Palette von AROPEC-Artikeln ist eine weitere Strategie, mit der die Firma den Einfluss der Marke steigern und die Verkaufszahlen erhöhen will. Wassersport-Bekleidung ist heute nach wie vor das Kerngeschäft von AROPEC Sports Corp., doch es sind auch Schwimmwesten, Schwimmbrillen, GPS-Sportuhren und andere Produkte im Angebot, die nicht unbedingt von der Firma gefertigt werden. Des Weiteren hat sich der AROPEC-Katalog im Laufe der jüngsten drei Jahre erweitert und enthält jetzt zusätzlich Artikel für Land-Sportarten wie Radfahren und Langstreckenlauf.
<P>Innovatives Produktdesign verbessert häufig das Image einer Marke. Von dieser Weisheit inspiriert begann Conti 2008 mit dem Verkauf eines besonders gestalteten Balls für Wasserball, für den die Firma auch das Patent hält. Der Gummiball weist eine Oberflächenstruktur auf, durch die der Ball griffiger wird und besser zu handhaben ist, wichtige Faktoren beim Wasserball, weil der Spieler den Ball immer nur mit einer Hand berühren oder halten darf. Contis Wasserball wird mittlerweile bei Wettkampfspielen im In- und Ausland benutzt, wodurch die internationale Bekanntheit der Marke vergrößert wird. 2010 wurde Conti vom Kanupolo-Technikkomitee des Internationalen Kanuverbandes als offizieller Ball-Lieferant für die folgenden vier Jahre ausgewählt, das erste Turnier danach war die Kanupolo-Weltmeisterschaft 2010, bei der 64 Mannschaften aus 25 Ländern sich für die Wettkampf-Endrunde qualifizierten. Das Sponsorverhältnis wurde später um weitere vier Jahre verlängert.
<P>„Taiwans Textilsektor ist recht stark dabei, Gewebe für bestimmte Funktionen zu gestalten und herzustellen“, lobt Wei. „Viele meiner Bekleidungsstücke brauchen Stoffe, die atmungsaktiv sind und sich gut an die Körperform anpassen, also zwei Merkmale, die man nur selten gemeinsam antrifft, und ich kann einheimische Firmen finden, die solche Materialien anbieten.“
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<IMG alt="Sich einen Namen machen-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p33.jpg" MMOID="222844">
<P>Die Conti-Volleyballmannschaft entstand 2009 als Teil der Strategie, die Bekanntheit der Marke in der Öffentlichkeit zu erhöhen. (Foto: Courtesy Continental Chemical Industries Co.)</P></DIV>
<P>AROPEC hält seinen Wettbewerbsvorteil aufrecht, indem die Funktionen der eigenen Produkte laufend verbessert werden. Ein jüngere Innovation ist Joggingkleidung mit ergonomischem Design, welches die Gefahr von Muskelverletzungen wie Zerrungen und Krämpfen vermindert.
<P>Die Innovationen der Firma sind zum großen Teil Shiang Tzyy-yuang zu verdanken, nach dessen Darstellung frühere Forschung im Bereich Sportartikel zumeist darauf abzielte, die Effizienz der Produktionsanlagen zu steigern und die Eigenschaften von Materialien zu verbessern. Shiang ist Professor in der Abteilung für sportliche Leistung der Pädagogischen Hochschule Taiwan (<I>National Taiwan Normal University</I>, NTNU) in Taipeh. Im Jahr 2006 erhielt er von Nike den Auftrag, ein Projekt zu beaufsichtigen, bei dem Schuhwerk für Kampfkünstler gestaltet wurde, die 2008 an den 29. Olympischen Sommerspielen in Beijing teilnahmen. Das Projekt brachte ihn dazu, im Jahr 2008 das NTNU-Sportlabor einzurichten, um Sportprodukte zu entwerfen und zu testen, und Wei wandte sich 2012 um fachlichen Rat über Bekleidung für Läufer an den Gelehrten. Danach beantragten Shiang, AROPEC und das Textilforschungsinstitut Taiwan einen Zuschuss aus dem staatlich finanzierten Forschungsprogramm Innovation kleiner Firmen. Dem Antrag wurde stattgegeben, und die Finanzhilfe wurde für das Projekt ergonomisch verbesserter Joggingkleider verwendet, das im April vergangenen Jahres anlief und bis Juli 2014 abgeschlossen werden sollte.
<P><B>Leidenschaft lohnt sich</B>
<P>„Innovativ zu sein ist für Markenaufbau von zentraler Bedeutung, denn das ist eine Geisteshaltung, mit der man sich von der Konkurrenz abhebt und die Einzigartigkeit der eigenen Marke unterstreicht“, philosophiert Shiang. Der Akademiker fungiert außerdem als Direktor des Sporttechnologieverbandes Taiwan (<I>Taiwan Sports Technology Association</I>, TSTA). Die 2008 gegründete gemeinnützige Organisation ist ein Forum für bessere Interaktion zwischen Firmen in dem Bereich und Akademikern, die auf Ergonomik, biomedizinische Technik und Physiotherapie spezialisiert sind. „In der Anfangsphase konzentrierten die Unternehmen sich auf Herstellung und dachten nicht über Markenaufbau nach“, verrät Shiang. „Später fing man an, Produkte gemäß bestimmten Anforderungen zu gestalten. Mittlerweile ist ihnen die Notwendigkeit bewusst geworden, ihre eigenen Marken zu schaffen und zu vermarkten, teilweise wegen der harten Konkurrenz anderer Fabrikanten.“ Für Shiang zeigt die Gründung von TSTA, dass der Sektor in der letzten Zeit für die Fortschritte in der Sporttechnologie als Mittel zur Stärkung von Markenaufbau empfänglich geworden ist.
<P>Sowohl bei AROPEC und als auch bei Conti ist man davon überzeugt, dass Markenaufbau die beste Strategie für nachhaltiges Wachstum in der Zukunft darstellt. Yang und Wei haben beide Zeit und Geld geopfert, um mit ihren ehrgeizigen Zielen voranzukommen. Im vergangenen Jahr schrieb Yang sich für einen Management-Magisterstudiengang in Betriebswirtschaftslehre (<I>Master of Business Administration</I>, MBA) an der National Taiwan University (NTU) in Taipeh ein, wodurch er die Gelegenheit erhielt, mit anderen taiwanischen Unternehmern Ansichten über Markenaufbau auszutauschen. Wei wiederum belegt weiterhin Kurse im Fach e-Handel, um zu lernen, wie man seine Produkte online vermarktet.
<P>Bislang konzentriert Conti sich weiter auf den Inlandsmarkt, denn die Firma erachtet die Heimat als den besten Ort, das Können beim Markenaufbau für zukünftigen Einsatz auf ausländischen Märkten — die heute von Spitzenmarken wie Spalding und Wilson dominiert werden — zu mehren. „Es ist eine große Herausforderung, eine Marke aufzubauen, doch der wachsende Anteil von Produkten mit meiner eigenen Marke an den Einnahmen ermutigt mich, in dieser Richtung eine Zukunft zu erwarten“, versichert Yang, der hofft, in absehbarer Zeit mit seiner Marke 10 Prozent der Gesamteinkünfte der Firma erzeugen zu können.
<P>„Man braucht Leidenschaft und ein Sendungsbewusstsein, um beim Markenaufbau Erfolg zu haben“, definiert Wei. Der Wandel von einem OEM zu einem Markennamen ist ein verlockendes und dabei schwer zu erreichendes Ziel, doch Firmen wie AROPEC und Conti haben gezeigt, was es wert ist, ein Risiko beim Markenaufbau einzugehen. Die beiden Unternehmen dienen als Vorbilder für andere kleine und mittelständische Unternehmen, die noch zögern, mit dem Aufbau ihrer eigenen Träume anzufangen.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Eine günstige Gelegenheit]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101552/Eine-g%C3%BCnstige-Gelegenheit]]></link><guid>101552</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Am 6. März dieses Jahres bescherte Taiwans Trachten nach Wirtschaftsliberalisierung Taiwans Finanzsektor großen Nutzen. An jenem Tag erteilte die Regierung der Republik China zwölf Wertpapierfirmen in Taiwan Genehmigungen, über ihre Offshore-Wertpapierabteilungen (<I>Offshore Securities Unit</I>, OSU) neuartige internationale Geschäfte durchzuführen. Eine OSU ist ein in Taiwan eingerichtetes unabhängiges Konto für internationale Wertpapiergeschäfte wie Makler-, Assekuranz- und Eigentumshandel, und der OSU-Meilenstein ist Teil des Drängens der Regierung, einen Plan für Freiwirtschafts-Pilotzonen (<I>Free Economic Pilot Zone</I>, FEPZ) umzusetzen. Nach Auskunft der Finanzaufsichtkommission (<I>Financial Supervisory Commission</I>, FSC), die Taiwans Finanzinstitutionen beaufsichtigt, wird der Sektor in diesem Jahr wegen der Deregulierung des Wertpapiergeschäftssektors ungefähr 20&nbsp;000 zusätzliche Arbeitskräfte brauchen. 
<P>„Meine Freunde in Hongkong und Singapur waren recht verwundert über Taiwans konservative Beschränkungen des Finanzsektors, welche den Abfluss von Kapital und talentiertem Personal aus Taiwan in diese globalen Finanzzentren verursachten“, kolportiert Lin Chien-fu, Professor in der Wirtschaftsabteilung der National Taiwan University (NTU) in Taipeh. Geld floss ins Ausland, weil in Hongkong und Singapur verschiedene Finanzprodukte angeboten werden, führt Lin aus, danach folgten Taiwans Fachleute, um Taiwanern, die an Vermögensverwaltungs-Dienstleistungen interessiert waren, solche Produkte zu bieten. Im Dezember 2013 wurde eine weitere Maßnahme verabschiedet, welche es den Offshore-Bankabteilungen von Finanzinstitutionen gestattet, eine Negativlisten-Methode zu verfolgen, um die Bandbreite von verfügbaren Finanzprodukten zu erweitern. Die Negativlisten-Methode beschreibt ausschließlich jene Dienstleistungen oder Sektoren, welche von Liberalisierung ausgeschlossen sind, und jeder Posten, der nicht auf der Liste steht, wird liberalisiert. Nun, wo Taiwans Finanzsektor sich in Richtung Liberalisierung bewegt, könnten sowohl Kapital als auch talentiertes Personal zurückkehren, und laut staatlichen Schätzungen wird erwartet, dass die Bank- und Wertpapiersektoren des Landes innerhalb von fünf Jahren zusätzliche 30 Milliarden NT$ (750 Millionen Euro) bzw. 40 Milliarden NT$ (1 Milliarde Euro) erzeugen werden. 
<P>FEPZs arbeiten sozusagen innerhalb der Landesgrenzen, aber außerhalb der Zollhoheit des Landes. Den Plan hatte Staatspräsident Ma Ying-jeou (馬英九) als Wahlversprechen vorgeschlagen, als er sich 2012 um eine zweite Amtszeit bewarb, und die erste Phase des FEPZ-Plans begann offiziell im August 2013. Bislang konzentriert der Plan sich auf Liberalisierung in fünf Sektoren: intelligente Logistik, Finanzdienstleistungen, internationale Gesundheitsfürsorge, Innovation von Bildung sowie hochwertige Landwirtschaft. In Zukunft könnten weitere Sektoren hinzugefügt werden. Die Ziele der Liberalisierung sind eine Steigerung des inländischen Produktionswertes, von Spitzenjobs und privaten Investitionen. Die erste Phase des Projekts begann mit der Bekanntgabe administrativer Bestimmungen, welche nicht vom Legislativ-Yuan (立法院), also dem Parlament der Republik China in Taipeh, genehmigt werden müssen. Entsprechend brauchen die Bestimmungen, welche Wertpapierfirmen die Einrichtung von OSUs erlauben, ebenfalls keine parlamentarische Zustimmung. 
<P>Für die zweite Phase des Plans muss dagegen das Sondergesetz für Freiwirtschafts-Pilotzonen von der Volksvertretung gebilligt werden. Im Einklang mit entsprechenden Regierungsbestimmungen wird erwartet, dass das Gesetz die Aufenthaltsbeschränkungen für ausländische Büroarbeiter lockert. Das Gesetz mit seinen 73 Paragrafen war zunächst vom Rat für Wirtschaftsplanung und Entwicklung (<I>Council for Economic Planning and Development</I>, CEPD), der im Januar dieses Jahres mit der Kommission für Forschung, Entwicklung und Bewertung (<I>Research, Development and Evaluation Commission</I>, RDEC) zum Nationalen Entwicklungsrat (<I>National Development Council</I>, NDC) fusioniert worden war, entworfen worden. 
<P>Das Gesetz bietet überdies neue Steueranreize. Unter den geltenden FEPZ-Bestimmungen sind Rohmaterialien und Güter für Landwirtschaft und Industrie, welche in die Zonen eingeführt werden, von allen Steuern und Zöllen befreit. 
<P>Gemäß dem Gesetz dürfen ausländische Buchhalter, Architekten und Anwälte Firmen gründen oder in Firmen investieren, welche professionelle Dienstleistungen in einer FEPZ anbieten. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes wird beim Gehalt eines ausländischen Arbeitnehmers in den ersten drei Jahren des Arbeitsverhältnisses für die Einkommenssteuererklärung nur die Hälfte des tatsächlichen Gehalts gezählt, was es Firmen erleichtern soll, ausländische Fachleute einzustellen, so dass sie ihr Dienstpersonal verbessern können. Der Anstieg der Zahl ausländischer Fachleute fördert zudem Gelegenheiten für einheimische Arbeitnehmer, sich mit ihnen auszutauschen. 
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<IMG alt="Eine günstige Gelegenheit-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201409p22.jpg" MMOID="222839"></P></DIV>
<P>Freiwirtschaftszonen sind in Taiwan kein neues Konzept, man befasste sich erstmals damit, als Mitte der neunziger Jahre ein Projekt namens Regionales Betriebszentrum Asien-Pazifik (<I>Asia-Pacific Regional Operation Center</I>, APROC) geplant wurde. Die Deregulierungsmaßnahmen des Projekts zielten darauf ab, Taiwan in eine Wirtschafts-Drehscheibe mit sechs Sektoren umzuwandeln, unter ihnen Finanzen, Versand und andere. Im Jahr 2003 begann die Regierung mit der Einrichtung von Freihandelszonen in den wichtigsten Häfen des Landes und am internationalen Flughafen Taiwan-Taoyuan, in Übereinstimmung mit dem Gesetz über Aufbau und Verwaltung von Freihandelszonen, welches der Legislativ-Yuan im Juli jenes Jahres verabschiedet hatte. Vor dem Amtsantritt von Präsident Ma im Mai 2008 war die Wirksamkeit dieser Projekte jedoch durch konservative Politik hinsichtlich Verkehrsverbindungen über die Taiwanstraße und Taiwans Verhältnis mit Festlandchina insgesamt gedämpft. Das 2008 frisch gewählte Staatsoberhaupt drängte dann dynamisch darauf, die Kommunikationsbeschränkungen mit Festlandchina — der größten Volkswirtschaft in der Region — zu lockern. 
<P>Die Resultate sind deutlich erkennbar in den Zahlen vom Ministerium für Verkehr und Kommunikation (<I>Ministry of Transportation and Communications</I>, MOTC), welches den Betrieb dieser Freihandelszonen beaufsichtigt. Ein Beispiel ist die FEPZ unweit des internationalen Flughafens Taiwan-Taoyuan im Norden der Insel. Betrieben wird sie von der Farglory Free Trade Zone Co. gemäß einem seit 2003 laufenden 50-jährigen Vertrag mit BOT-Modell (engl. „Build-Operate-Transfer“, zu Deutsch: Bauen, betreiben, übertragen). Im Jahr 2007 erreichte das Handelsvolumen dort 38,7 Milliarden NT$ (967,5 Millionen Euro), im vergangenen Jahr waren es bereits 167,1 Milliarden NT$ (4,17 Milliarden Euro). 
<P>Der FEPZ-Plan ist sowohl wegen seiner Entwicklungsgeschichte als auch wegen seines zweigleisigen Umsetzungs-Mechanismus einzigartig. Das erste Gleis umfasst klar umrissene Gebiete, nämlich die an den sechs wichtigen Seehäfen des Landes und das am internationalen Flughafen Taiwan-Taoyuan, also größtenteils wie im Freihandelszonenprojekt von 2003, plus den Landwirtschaftlichen Biotechnologiepark Pingtung (<I>Pingtung Agricultural Biotechnology Park</I>, PABP) in Südtaiwan. Beim zweiten Gleis geht es um vorgesehene Testpunkte für Projekte, die innerhalb der Gebiete des ersten Gleises nicht umsetzbar sind. Zum Beispiel könnte eine OSU eher ein Testpunkt in einer urbanen Gegend sein als an einem entlegenen Ort unweit eines Hafens. Das trifft auch auf eine Misch-Universität zu, die von einer einheimischen Lehranstalt und einer ausländischen Partnereinrichtung gemeinsam finanziert wird, auch wenn eine solche Hochschule in Taiwan nur nach Verabschiedung des Sondergesetzes den Betrieb wird aufnehmen können. 
<P><B>Ausgelagerte Fabrikation</B> 
<P>Ein weiteres Merkmal des Plans ist das Modell „vor Ort einkaufen, außerhalb produzieren“, wobei die Firmen, die in den Pilotzonen aktiv sind, den Wert der Exportgüter steigern, indem sie Hersteller von außen mit dem Einbau von Schlüsselkomponenten oder der Bearbeitung von importiertem Rohmaterial beauftragen. „Der wirtschaftliche Nutzen des FEPZ-Plans ist vergleichsweise begrenzt, wenn man die Wertsteigerungsarbeit auf die Pilotzonen beschränkt“, warnt NDC-Vizeminister Chen Chien-liang (陳建良). „Der Plan kann nur dann wesentlichen Einfluss haben, wenn Hersteller von außerhalb einbezogen werden.“ Die Zollverwaltung der Republik China arbeitet am Aufbau eines raffinierten Elektroniksystems, vermerkt Chen, um Güter, die in die Pilotzonen hineinkommen und von dort hinausgehen, zu verfolgen. Damit sollen Schmuggel und andere Probleme verhütet werden, die durch die Praxis des „vor Ort einkaufen, außerhalb produzieren“ entstehen könnten. 
<P>Der FEPZ-Plan konzentriert sich nicht ausschließlich auf Fertigung. Stattdessen wird auch mehr Augenmerk auf das Dienstleistungsgewerbe gelegt, und man betont institutionelle Reformen und Deregulierung, um den grenzüberschreitenden Fluss von Finanzen, talentiertem Personal und Gütern zu erleichtern. Außerdem braucht man dazu keine großen Landflächen oder viel Geld zum Aufbau von Infrastruktur. Wenn es um Landnutzung geht, wird die Regierung nach Auskunft von NDC-Minister Kuan Chung-ming (管中閔) nach Landressourcen Ausschau halten, die bereits entwickelt wurden, etwa solche in bestehenden Gewerbeparks. Dies begünstigt die Umsetzung des Plans, denn der Ablauf von Landenteignung und Umweltgutachten kann recht zeitraubend sein. 
<P>Bis dato hat das Hinarbeiten auf FEPZs Ergebnisse gezeitigt wie zusätzliche Einkünfte aus neu eröffneten internationalen Bank- und Wertpapiergeschäften. Zwischen August 2013 und April 2014 investierten sieben Firmen insgesamt 47 Millionen NT$ (1,17 Millionen Euro) in Logistik. Der PABP, der die Entwicklung von hochwertiger Landwirtschaft zur Aufgabe hat, verzeichnete im gleichen Zeitraum Investitionen in Höhe von 2 Milliarden NT$ (50 Millionen Euro) von 13 Firmen, darunter Lohmann Animal Health GmbH und Co.KG, der viertgrößte Anbieter von Geflügel-Impfstoffen der Welt. Laut Chen zog der PABP in der ersten Phase des FEPZ-Plans mehr Investitionen an als sonstige vergleichbare Einrichtungen in Taiwan. 
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<IMG alt="Eine günstige Gelegenheit-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201409p25.jpg" MMOID="222840">
<P>Paul Chen von der Farglory Free Trade Zone Co. erläuterte im April dieses Jahres einer Korrespondenten-Gruppe die Freiwirtschafts-Pilotzone am internationalen Flughafen Taiwan Taoyuan. (Foto: Jimmy Lin)</P></DIV>
<P>Diese Ergebnisse sind jedoch quasi nur die Vorspeise, das Hauptgericht kommt auf den Tisch, sobald die zweite Phase des Plans anbricht. Dazu zählen Straffungsverfahren für Landerwerb und Baugenehmigungen, Zollabfertigung und Gewerbeanmeldung. Man hofft, dass solche Deregulierungen für Unternehmen einen echten Investitionsanreiz darstellen werden. Sobald das Sondergesetz in Kraft tritt, werden Lokalverwaltungen außerdem bei der Zentralregierung die Einrichtung von Pilotzonen in ihrem jeweiligen Verwaltungsbereich beantragen können, mit der Erwartung, dass sich dort lokale Ressourcen und klar umrissene Gewerbe entwickeln. Laut NDC haben mindestens acht Lokalverwaltungen ein starkes Interess am FEPZ-Plan bekundet. 
<P>Wu Ming-yen, Generaldirektor des Nichtstaatlichen Krankenhaus- und Arztpraxenverbandes Taiwan, gehört zu jenen, die sich viel von den FEPZs versprechen. „Taiwan muss bei internationalen Gesundheitsdienstleistungen aufholen, denn der Wettbewerb auf dem Weltmarkt wird da immer härter“, rät er. Wenn der als Zahnarzt ausgebildete Wu über die heftige Konkurrenz spricht, mit der Taiwan beim Kampf um internationale Kunden konfrontiert ist, verweist er häufig auf Connexion, ein neu eröffnetes medizinisches Zentrum in Singapur, zu dem das hochmoderne Farrer Park Medical Centre, das Farrer Park Hospital, das One Farrer Hotel &amp; Spa und das Owen Link-Einkaufszentrum gehören. Der funkelnagelneue Hochhauskomplex ist nur eines der jüngeren Beispiele für die Anstrengungen des Stadtstaats, durch die Verbindung von Tourismus und medizinischen Dienstleistungen internationale Kunden zu gewinnen. Im Kontrast dazu ist Taiwans internationaler Gesundheitssektor vergleichsweise klein, obwohl das Land begonnen hat, sich in diese Richtung zu bewegen, und einige wenige Krankenhäuser, die dabei mitmachen, wandeln einen Teil ihrer Räumlichkeiten um, so dass sie diesen neuen Service anbieten können. 
<P>Es wird erwartet, dass das Sondergesetz den Umfang internationaler Gesundheits-Dienstleistungen in Taiwan verbessert. Ausländische Spezialistengruppen und inländische Institutionen für Gesundheitsfürsorge werden dadurch ermuntert, gemeinsam internationale medizinische Institutionen einzurichten, in welchen es zum Beispiel ausländischen Staatsbürgern erlaubt wäre, den Posten des Vorstandsvorsitzenden zu bekleiden, was momentan gemäß dem Gesetz über medizinische Pflege verboten ist. Mindestens zwei größere Krankenhäuser, nämlich in Taichung und Taoyuan, brennen darauf, solche Partnerschaften aufzubauen. 
<P>Im Zeitalter der Liberalisierung besitzt Taiwan überdies das Potenzial, ein Regionalzentrum für höhere Bildung zu werden. Nach Auskunft von Chiang Wei-ling (蔣偉寧), bis Ende Juli dieses Jahres Bildungsminister der Republik China, haben mindestens sieben angesehene Universitäten rund um den Erdball, unter ihnen die Cornell University, die Kyoto University und die Hong Kong University of Science and Technology, Interesse bekundet, im Rahmen des FEPZ-Plans mit inländischen Lehranstalten zu kooperieren. „Weil inländische Colleges und Unis bei Bereichen wie Beschäftigung von Lehrern keine Beschränkungen haben, gibt es verständlicherweise in ausländischen Schulen die Motivation, nach Taiwan zu kommen“, begründet Jan Fang-guan, Direktor der Abteilung für gewerbliche Entwicklung im NDC. 
<P><B>Anschluss an die Welt</B> 
<P>Im Logistiksektor freut sich zudem die Farglory Free Trade Zone Co. auf vermehrte geschäftliche Aktivität, wenn das FEPZ-Projekt solider wird. „Der FEPZ-Plan wird Taiwan und seine Unternehmen noch enger mit der Welt verbinden und gleichzeitig Investitionen von wichtigen internationalen Firmen anlocken“, prophezeit Paul Chen, Assistenz-Vizepräsident der Geschäftsverwaltungs-Planungsabteilung von Farglory. Heute befindet sich Taiwans einzige FEPZ für Luftfrachtlogistik auf einer 45 Hektar großen Landparzelle, wo Flächen in Farglory-Gebäuden an Firmen geleast werden wie DHL International und den japanischen Logistikbetreiber Kintetsu World Express Inc. Die Pilotzone liegt am Brennpunkt eines bedeutenden Stadtentwicklungsplanes namens Taoyuan Aerotropolis, und in Zukunft könnte sie sich in anliegende Gebiete ausdehnen, denn mehr Firmen prüfen die Möglichkeit, von den im FEPZ-Plan gebotenen Anreizen zu profitieren. 
<P>Paul Chen macht indes darauf aufmerksam, dass potenzielle Investoren eine „Abwarten und Tee trinken“-Haltung einnehmen könnten, andere mögen ein gewisses Misstrauen hegen, viel Geld in die Freiwirtschafts-Pilotzonen zu stecken, vor allem weil das Sondergesetz im Legislativ-Yuan auf Widerstand stieß. Der Entwurf des Sondergesetzes war im Dezember 2013 vom Exekutiv-Yuan (行政院), also dem Regierungskabinett oder Ministerrat der Republik China, gebilligt worden, und im März dieses Jahres wurde der Entwurf erstmals dem Parlament zur Beratung vorgelegt. Diese Beratungen gehen allerdings nur im Schneckentempo voran. 
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<IMG alt="Eine günstige Gelegenheit-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p27.jpg" MMOID="222841">
<P>Der Seehafen von Kaohsiung ist einer von sechs taiwanischen Seehäfen, die im FEPZ-Plan enthalten sind, und man hofft, dass der Hafen seinen Einfluss durch das Modell „vor Ort einkaufen, außerhalb produzieren“ steigern kann. (Foto: Chang Su-ching)</P></DIV>
<P>Der Widerstand in der Volksvertretung spiegelt manche Sorgen in der Öffentlichkeit über negative Auswirkungen der FEPZs wider. Eines der genannten Probleme betrifft beispielsweise die Zuteilung von Ressourcen. Manche befürchten laut Wu, dass Taiwans Ärzte und Krankenpfleger wegen der verlockenderen finanziellen Anreize lieber in internationalen Gesundheitsparks arbeiten möchten und dies für einheimische Patienten einen Personalmangel bei medizinischen Arbeitskräften nach sich ziehen könnte. Die Regierung plant momentan jedoch nur die Einrichtung von zwei solcher Parks mit je 200 Betten, wie Kuan der Öffentlichkeit einmal während einer Echtzeit-Kommunikation online erläuterte, um Missverständnisse auszuräumen und Befürchtungen über FEPZs zu zerstreuen. Die Zahl der Betten, höchstens 400, ergibt einen Bedarf an etwa 200 Ärzten, ein kleiner Anteil von den über 43&nbsp;000 Ärzten in Taiwan. „Und es wird Klauseln geben, welche die zulässige Dauer für das Beschäftigungsverhältnis eines einheimischen Arztes in Gesundheitsparks beschränken“, ergänzt Wu und fährt fort, wenn in Taiwan keine internationalen Gesundheitsfürsorge-Dienstleistungen entwickelt würden, wäre es wahrscheinlich, dass mehr Ärzte Taiwan verlassen werden, um ähnliche Gelegenheiten an Orten wie Singapur und Festlandchina zu suchen. 
<P>Eine weitere Sorge ist die Lockerung von Beschränkungen für Menschen, Kapital und Güter vom chinesischen Festland. Die Politik über Festlandchinas Beteiligung im FEPZ-Plan unterliegt jedoch vielen Bestimmungen. So ist es zum Beispiel Festlandchinesen nicht erlaubt, in Firmen zu investieren, die mit Taiwans nationaler Sicherheit zu tun haben. Des Weiteren dürfen in den FEPZs hergestellte Produkte, die der Kontrolle unterliegende landwirtschaftliche Güter enthalten wie Erdnüsse aus Festlandchina, nicht auf den Inlandsmarkt kommen. Außerdem dürfen Mediziner aus Festlandchina, Hongkong und Macau nicht in den FEPZs arbeiten, Angehörigen dieser Berufsgruppen von anderswo ist das dagegen gestattet. 
<P>Trotz all dieser Befürchtungen meint Chen Chien-liang, es lohne sich, den Plan zu verfolgen, denn er könne Taiwan dabei helfen, zu verhindern, auf der Bühne des Welthandels an den Rand gedrängt zu werden, und er ebne den Weg für die langfristige Entwicklung des Landes. Tatsächlich will man mit der Umsetzung des Plans zwei Ziele für Taiwan erreichen — zum einen mehr Schwung für das Wirtschaftswachstum des Landes und zum anderen für die Welt ein Zeichen setzen, dass Taiwan entschlossen ist und es ernst damit meint, sich dem globalen Trend zu Liberalisierung anzuschließen. Gegenwärtig unternimmt die Regierung Anstrengungen, an Verhandlungen über zwei regionale Freihandelsblöcke teilzunehmen, nämlich die Transpazifische Partnerschaft (<I>Trans-Pacific Partnership</I>, TPP) und die Regionale Umfassende Wirtschaftspartnerschaft (<I>Regional Comprehensive Economic Partnership</I>, RCEP). RCEP besteht aus Mitgliedstaaten des Verbandes südostasiatischer Nationen (<I>Association of Southeast Asian Nations</I>, ASEAN) und dessen Partnern mit Freihandelsabkommen (<I>Free Trade Agreement</I>, FTA). Beide Blöcke sind für Taiwan von großer Bedeutung, weil Taiwan mit vielen der Beteiligten in beiden Handelsgruppen enge Wirtschaftsbeziehungen unterhält. Man erwartet, dass die Einrichtung von FEPZs die Liberalisierung von Taiwans Wirtschaft beschleunigen wird, was wiederum hilfreich bei den Bemühungen des Landes ist, Zugang zu RCEP und TPP zu erlangen. 
<P>Gerade beim Wettbewerb gegen Südkorea, das von vielen als Taiwans Haupt-Handelsrivale betrachtet wird, wäre ein liberalisierteres Umfeld für Taiwan nützlich. Bislang hat Taiwan außer mit Festlandchina Wirtschaftsverträge mit sieben Ländern unterzeichnet. Bis Mai dieses Jahres stammten von jeden 100 US$, welche Taiwan im Außenhandel mit allen Handelspartnern erwirtschaftete, 9,65 US$ aus Handelsware, die von FTAs abgedeckt ist — vor der Unterzeichnung ähnlicher Abkommen mit Festlandchina, Neuseeland und Singapur vor 2008 waren es lediglich 0,14 US$ gewesen. Die aktuelle Zahl liegt immer noch deutlich unter den 36,1 US$ von Südkorea, das 10 Verträge mit 48 Ländern besiegelte. 
<P>Angesichts des heftigen Wettbewerbs und des Trends in Richtung regionaler Wirtschaftsintegration muss Taiwan wesentliche Durchbrüche erzielen. „Taiwans Wirtschaftsentwicklung stagniert“, analysiert Wang Chien-chuan, stellvertretender Direktor des Chunghua-Instituts für Wirtschaftsforschung (<I>Chung-Hua Institution for Economic Research</I>, CIER). „Warum sollen wir dann nicht ein kleines Fenster aufmachen, durch das wir mit der Außenwelt in Verbindung treten können? Die Situation könnte sich dann verbessern, und danach können wir das im größeren Maßstab fortsetzen. Wir wollen nur ein kleines Fenster öffnen.“ 
<P>In der Tat ist der FEPZ-Plan, der ab dem Zeitpunkt der Umsetzung für eine Periode von 10 Jahren in Kraft bleiben wird, letztendlich nur ein Pilotprojekt. Durch ihn kann Taiwan in kleinem Umfang mit Deregulierungsmaßnahmen und neuen Geschäftsmodellen experimentieren und gleichzeitig die negativen Auswirkungen auf Taiwans Wirtschaft und Gesellschaft studieren, bevor man Anpassungen vornimmt und sich dann voranbewegt. Wang: „Dieses kleine Fenster könnte für Taiwan viel bedeuten.“ 
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Strategien für Beteiligung]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101519/Strategien-f%C3%BCr-Beteiligung]]></link><guid>101519</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Im Einklang mit internationalen Trends beschleunigt die Republik China ihre Anstrengungen zur Beteiligung an regionalen Wirtschaftsblöcken. Im Jahr 2010 unterzeichnete Taiwan das Rahmenabkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit (<I>Economic Cooperation Framework Agreement</I>, ECFA) mit Festlandchina, Taiwans größtem Handelspartner, und 2011 wurde ein bilaterales Investitionsabkommen mit Japan, Taiwans zweitgrößtem Handelspartner, unter Dach und Fach gebracht. Mehrere zusätzliche Schritte in Richtung regionaler Wirtschaftsintegration wurden im vergangenen Jahr unternommen. Im März 2013 nahmen Taiwan und die USA nach einer Unterbrechung von über fünf Jahren Gespräche über das Handels- und Investitions-Rahmenabkommen (<I>Trade and Investment Framework Agreement</I>, TIFA) wieder auf. Im Juli des gleichen Jahres wurde das Abkommen zwischen Neuseeland und dem separaten Zollgebiet von Taiwan, Penghu, Kinmen und Matsu über wirtschaftliche Zusammenarbeit (<I>Agreement between New Zealand and the Separate Customs Territory of Taiwan, Penghu, Kinmen and Matsu on Economic Cooperation</I>, ANZTEC) unterzeichnet, im November das Abkommen zwischen Singapur und dem separaten Zollgebiet von Taiwan, Penghu, Kinmen und Matsu über wirtschaftliche Partnerschaft (<I>Agreement between Singapore and the Separate Customs Territory of Taiwan, Penghu, Kinmen and Matsu on Economic Partnership</I>, ASTEP).
<P>Indes bleibt noch allerhand zu tun, besonders angesichts der Fortschritte, die bei Verhandlungen über zwei wichtige regionale Wirtschaftsblöcke erzielt wurden — die Regionale Umfassende Wirtschaftspartnerschaft (<I>Regional Comprehensive Economic Partnership</I>, RCEP), hinter welcher der Verband südostasiatischer Nationen (<I>Association of Southeast Asian Nations</I>, ASEAN) steht, und die von den USA geförderte Transpazifische Partnerschaft (<I>Trans-Pacific Partnership</I>, TPP). Die 16 Länder, die an den RCEP-Verhandlungen beteiligt sind, machen etwa 57 Prozent von Taiwans gesamtem Außenhandel aus, und die 12 Teilnehmerstaaten der TPP-Gespräche machen dementsprechend über 34 Prozent aus.
<P>Am 17. Februar dieses Jahres organisierten das Außenministerium und das Wirtschaftsministerium in Taipeh ein viertägiges Seminar für wirtschaftliche Berater und Gesandte der Republik China in den 17 Ländern, die bei den RCEP- und TPP-Gesprächen dabei sind. Durch das Seminar sollten Strategien entwickelt werden, mit denen Taiwan Mitgliedschaft in beiden Handelsblöcken erlangen kann. Am Eröffnungstag des Seminars unterstrich Staatspräsident Ma Ying-jeou (馬英九) den Punkt, dass ein Beitritt zu RCEP und zu TPP für die Wirtschaftsentwicklung des Landes von entscheidender Bedeutung sei. Das langsame Tempo der multilateralen Handelsgespräche im Rahmen der Welthandelsorganisation (<I>World Trade Organization</I>, WTO) in den vergangenen zehn Jahren brachte viele Länder dazu, ihr Augenmerk auf bilaterale oder regionale Freihandelsabkommen (<I>Free Trade Agreement</I>, FTA) zu richten, heute sind laut Ma weltweit 384 FTAs in Kraft. Trotz der unvergleichlich schwierigen außenpolitischen Bedingungen, mit denen die Republik China zu kämpfen hat, ging das Land seit seinem Amtsantritt im Mai 2008 dynamisch dazu über, die Wirtschaftsbeziehungen mit den wichtigeren Handelspartnern auszuweiten, ergänzte das Staatsoberhaupt.
<P>Ma hob hervor, dass TPP und RCEP für Taiwans Zukunft gleichermaßen bedeutsam sind, deswegen verfolgt die Regierung einen zweigleisigen Ansatz zur Mitgliedschaft. „Wenn sich die Gelegenheit ergibt, möchten wir in der Lage sein, uns an beiden Gruppierungen zu beteiligen“, sagte Ma. Zwischen den beiden Gebilden gibt es allerdings wesentliche Unterschiede. RCEP zum Beispiel nimmt nur dann neue Mitglieder auf, wenn Gespräche zwischen den aktuellen 16 Verhandlungspartnern abgeschlossen wurden, und damit ist nicht vor Ende 2015 zu rechnen, wogegen TPP prinzipiell bereits jetzt anderen Volkswirtschaften der Region offen steht.
<P>Präsident Ma verwies überdies darauf, dass aufgrund der Prinzipien der Gleichheit und Gegenseitigkeit, die bei Verhandlungen über Wirtschafts- und Handelsliberalisierungen gelten, Taiwan keinen „Freifahrtschein“ zu RCEP oder TPP erhalten wird. Mit anderen Worten, wenn Taiwan günstige Bedingungen auf Exportmärkten anstrebt, muss es sich erkenntlich zeigen und die eigenen Märkte öffnen. Ma appellierte an die Öffentlichkeit, darauf zu vertrauen, dass Taiwans Wirtschaft den durch Handelsliberalisierung entstehenden Herausforderungen standhalten könne. Das solle indes nicht heißen, dass die Regierung nicht darauf vorbereitet sei, mögliche Auswirkungen von Handelsliberalisierung auf bestimmte Wirtschaftssektoren abzumildern. So seien etwa 98,2 Milliarden NT$ (2,39 Milliarden Euro) dafür bereitgestellt, um betroffenen Branchen über einen Zeitraum von zehn Jahren zu helfen.
<P>Im Hinblick auf den diesbezüglichen gesetzlichen Rahmen bemerkte Ma, dass Taiwan in den vergangenen fünf Jahren über 900 Gesetze und Bestimmungen gelockert und damit ein deutliches Signal an ausländische Regierungen und Unternehmen über Taiwans Entschlossenheit, seine Märkte zu öffnen und zu deregulieren, geschickt habe. Wesentliche Fortschritte in Richtung einer Umformung Taiwans zu einer „Freiwirtschaftsinsel“ wurden im August 2013 vollzogen, als die erste Phase der Freiwirtschafts-Pilotzonen der Regierung in Gang gesetzt wurde. Die fünf größeren wirtschaftlichen Tätigkeiten, die für Entwicklung in den Zonen ausgewählt wurden, sind finanzielle Dienstleistungen für Vermögensverwaltung, innovative Bildungs-Dienstleistungen, internationale Gesundheitsfürsorge-Dienstleistungen, Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und kluge Logistik-Dienstleistungen.
<P>Lee Chun ist stellvertretender geschäftsführender Direktor des Taiwan WTO and RTA Center am Chunghua-Institut für Wirtschaftsforschung (<I>Chung-Hua Institution for Economic Research</I>, CIER), einer 1981 gegründeten staatlich finanzierten Denkfabrik in Taipeh. Lee war bei dem Seminar in Taipeh als Referent dabei und sagte zu diesem Anlass, ein Beitritt zu RCEP und TPP wäre für Taiwan ein wesentlicher Schritt. Der regionale Integrationsmechanismus der Blöcke würde dazu beitragen, die Produktionsketten des Landes zu bewahren, rechtliche Reformen zu fördern und einheimische Firmen besser für den Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten auf fairer und gleichberechtigter Grundlage zu wappnen, behauptete er.
<P>Für Freihandelsabkommen müssen die beteiligten Länder in der Regel die Transparenz der administrativen Verfahren gewährleisten (etwa indem neue Gesetze oder Bestimmungen mindestens 40 Tage vorher angekündigt werden), finanzielle Gesetze und Bestimmungen vereinfachen, internationale Standards für Inspektion und Quarantäneverfahren annehmen sowie Einschätzungen über Auswirkungen von Bestimmungen einführen. Im Prinzip sollten alle diese Anforderungen erfüllt werden, wenn ein FTA in Kraft tritt. „Solche Verpflichtungen gehen mit Reformen im Inland einher, und sie sind sicherlich nicht weniger schwierig als die Anpassungen, denen sich die Industrie unterziehen muss“, urteilt Lee. Für den Beitritt zu TPP müsse daher zuerst „eine Reform der Bestimmungen durchgeführt werden, um dafür zu sorgen, dass einheimische Systeme mit dem Abkommen übereinstimmen“, empfiehlt er. Die wichtigsten Elemente der laufenden Vorbereitungen der Regierung auf einen TPP-Beitritt sind der Abschluss solcher Reformen der Bestimmungen und institutionelle Anpassungen, außerdem Aufbau von Mechanismen für Kommunikation mit Branchen, Gruppen und Einzelpersonen, von denen zu erwarten ist, dass sie betroffen sein werden; und Beibehaltung problemloser Wirtschaftsbeziehungen über die Taiwanstraße, weil die internationale Gemeinschaft die Haltung Festlandchinas gegenüber Taiwans Beteiligung an TPP berücksichtigen wird, gibt der CIER-Funktionär zu bedenken.
<P>Während der globale Trend in Richtung Wirtschaftsintegration an Schwung gewinnt, ist das Potenzial für Konkurrenz und Kooperation zwischen den drei Haupt-Wirtschaftszentren der Welt — die EU, ASEAN und die an den TPP-Verhandlungen beteiligten Länder — immer offenkundiger geworden. „Taiwan befindet sich quasi momentan in Wettkampfserien mit seinen Handelspartnern, und dieses Jahr kann man als Halbfinale ansehen“, vergleicht Liang Kuo-hsin (梁國新), Berater des Regierungskabinetts der Republik China und ehemaliger Vize-Wirtschaftsminister. Die wirtschaftliche Integration in der asiatisch-pazifischen Region schreite schneller als erwartet voran, und Taiwan müsse sein Tempo erhöhen, um mit der internationalen Gemeinschaft Schritt halten zu können, fährt Liang fort.
<P>Im März dieses Jahres sagte Kin Moy, stellvertretender Assistenzsekretär im State Department für ostasiatische und pazifische Angelegenheiten, bei einer Anhörung des Komitees für auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses aus und ließ sich dabei folgendermaßen vernehmen: „Wir beraten über Taiwans Interesse, Erkundungsgespräche für ein Bilaterales Investitionsabkommen (<I>Bilateral Investment Agreement</I>, BIA) neu aufzunehmen, und wir begrüßen Taiwans Interesse an TPP.“ Moys Bemerkungen deuten auf eine Anerkennung von Taiwans Vorbereitungen und Entschlossenheit, TPP beizutreten, durch die US-Regierung hin.
<P>Im Laufe der vergangenen fünf Jahre hat Taiwan Abkommen zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit oder Partnerschaft mit Japan, Festlandchina, Neuseeland und Singapur geschlossen. Mit der Unterzeichnung jedes dieser Abkommen zeigte Taiwan seine wachsende Bereitschaft zu Integration mit der Weltwirtschaft. Zwar wird ein Beitritt zu RCEP und TPP schwierig, doch diese Ziele zu erreichen birgt die Verheißung, dass in den kommenden Jahren große Gelegenheiten für Taiwan und seine Handelspartner geschaffen werden.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B><BR></P>]]></description></item><item><title><![CDATA[Mittelständischer Weltmarktführer Deutschland als Vorbild]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101520/Mittelst%C3%A4ndischer-Weltmarktf%C3%BChrer-Deutschland-als-Vorbild]]></link><guid>101520</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Obwohl in Taiwan viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) vom Umfang her nicht groß sind, ist die Professionalität ihrer Produkte international als einzigartig angesehen, außerdem sind die Firmen überaus flexibel und belastbar. Die Globalisierung birgt Chancen für Taiwans KMU, allerdings müssen sie sich in die regionale Wirtschaft integrieren. 
<P>Der Beitrag der taiwanischen KMU für die Wirtschaftsentwicklung des Landes ist sehr bedeutsam. Taiwans KMU bieten 75 Prozent der Beschäftigungsmöglichkeiten, ihre Exporte machen 60 Prozent aller taiwanischen Ausfuhren aus, und von den 1,3 Millionen taiwanischen Unternehmen zählen 1,28 Millionen zur Kategorie KMU. 
<P>Taiwans KMU sind in der Weltgemeinschaft sehr aktiv, und obwohl der Wirtschaftsumfang des Landes nicht groß und anfällig gegenüber internationalen Wirtschaftsschwankungen ist, gehört das Exportvolumen Taiwans zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, davon kommen nicht weniger als 97 Prozent von den KMU. In der Wirtschaft des Landes spielen sie eine Schlüsselrolle. 
<P><B>Bewahrung der Wettbewerbfähigkeit</B> 
<P>Die Stärke von Taiwans KMU beruht in ihrer Belastbarkeit. Wenn man ihre Entwicklung langfristig beobachtet, kann man feststellen, dass sie gegenüber konjunkturellen Veränderungen sehr empfindlich sind, deswegen sind sie auch in der Lage, die Veränderungen der Weltwirtschaft gut zu erkennen sowie die Hauptströmung der globalen Trends zu erfassen. Die taiwanischen KMU sind sehr flexibel bei der Unternehmensführung und können schnell auf den Welthandel reagieren. 
<P>Ein Beispiel. Taiwans Inlandsmarkt ist klein, daher fehlen Möglichkeiten, bei Produktnormen federführend zu wirken. Trotzdem können Taiwans KMU, sobald sie ein neues Produkt auf Markt bringen, die Gelegenheit ergreifen, sich schnell in die internationale Lieferkette einzuschalten und dort ihre Rolle zu spielen. Egal ob in Bereichen wie Kreativität für Produkt-Design, OEM-Komponenten, Lieferkettenverwaltung, Handelsbüros, Markenführung oder Handelslogistik, taiwanische KMU sind dabei durchweg stark. 
<DIV class=photo><IMG alt="Mittelständischer Weltmarktführer Deutschland als Vorbild-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201407p8-2.jpg" MMOID="221829"> 
<P>Die Sheico Group ist der weltweit größte Hersteller von Neoprenanzügen und damit einer von Taiwans „Hidden Champions“ (heimliche Weltführer). (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P>Wenn wir uns mit dem Konkurrenten Südkorea vergleichen, stellt das südkoreanische Unternehmensmodell „Chaebol“ zwar eine sehr starke Konkurrenz dar, aber die taiwanischen KMU weisen eine bessere Betriebsfähigkeit auf. Natürlich stellt die Globalisierung die taiwanischen KMU vor große Herausforderungen. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren, müssen die taiwanischen KMU sich vom vergangenen Modell des Preiswettbewerbs lösen und innovative Fähigkeiten entwickeln, so dass das Konzept „Made in Taiwan“ für qualitativ hochwertige Produkte verbessert wird. Taiwans Maschinenindustrie wächst sehr schnell, und die Textil- und Bekleidungsindustrie ist gleichfalls kein sterbendes Gewerbe. Die Kunststoff- und Kautschukindustrie Taiwans haben einen festen Platz auf dem internationalen Markt, so ist zum Beispiel die Sheico Group der weltweit größte Hersteller von Neoprenanzügen und damit einer von Taiwans „Hidden Champions“ (heimliche Weltführer). In Taiwan gibt es eben nicht nur die Entwicklung der Elektronikindustrie. Dies ist eine der Strategien, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit von KMU in Taiwan verbessert wird. 
<P>Der Begriff der „Hidden Champions“ war erstmals im Jahr 1990 vom deutschen Wirtschaftsprofessor Hermann Simon geprägt worden. Simon vertrat die Ansicht, dass der eigentliche Motor der deutschen Exporte nicht die Wirtschaftsriesen wie die großen multinationalen Unternehmen Siemens oder Mercedes seien, sondern die Tausenden von Spitzen-Unternehmen in bestimmten Branchen, die eher keine Großunternehmen und wenig bekannt sind wie etwa Zeiss. Diese Firma hat eine Geschichte von 160 Jahren und ist auf optische Fertigungstechnik spezialisiert. Ihr Markenimage ist weit bekannt. Diese zu den „Hidden Champions“ zählenden Unternehmen sind nicht groß angelegt, aber sie haben für ihre Produkte eine Nische auf dem Weltmarkt gefunden. In ihren jeweiligen Marktsegmenten beherrschen sie auch die Kern-Technologie und innovative Konzepte mit hohem Marktanteil und spielen sogar eine Rolle als Marktführer. 
<P>Taiwan und Deutschland haben gemeinsam, dass es dort zahlreiche Unternehmen der Art „Hidden Champions“ gibt. Meist handelt es sich dabei um kleine und mittelständische Unternehmen, von denen die taiwanischen Firmen im Hinblick auf ihr Format wohl nicht immer an die „Hidden Champions“ Deutschlands heranreichen mögen. Dennoch belegen in vielen Branchen taiwanische KMU weltweit einen Marktanteil der obersten drei Ränge. Diese „<I>zhongjian</I>-Unternehmen“ (中堅企業), zu Deutsch etwa mittelständische Weltmarktführer, werden heute von der Regierung der Republik China energisch mit dem Ziel gefördert, in diesen Nischen noch mehr taiwanische „Hidden Champions“ zu schaffen. 
<DIV class=photo><IMG alt="Mittelständischer Weltmarktführer Deutschland als Vorbild-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201407p9.jpg" MMOID="221830"> 
<P>Das Industrielle Entwicklungsamt (IDB) im Wirtschaftsministerium unterstützt Taiwans kleine und mittelständische Unternehmen und verleiht dazu seit 2013 den jährlichen Förderpreis „Taiwan Mittelstand Award“. (Foto: Chuang Kung-ju)</P></DIV>
<P>In den neunziger Jahren leistete die Bundesregierung nach der Wiedervereinigung aktiv Beistand für das Wachstum von KMU aus den produzierenden Gewerben mit hoher Qualität und hohem Wert. Diese Erfahrung sollte Taiwan unbedingt eingehend studieren. Taiwans KMU setzen bei ihrem Betrieb vor allem auf professionelle Arbeitsteilung, Effizienz und Flexibilität, was grundsätzlich der Industrie-Entwicklungsstrategie Deutschlands ähnelt. Da es von zentraler Bedeutung ist, der taiwanischen Wirtschaft neuen Schub zu geben, macht es Sinn, die deutschen Erfahrungen als Vorbild zu nehmen. 
<P>Ein sehr wichtiger Grund dafür, dass wiederholte Finanzkrisen der deutschen Wirtschaft wenig anhaben konnten und Deutschlands Ausfuhren weniger anfällig gegenüber internationalen Wirtschaftsflauten sind, beruht in der großen Zahl von mittelständischen Weltmarktführern, welche eine große Stützkraft besitzen. 
<P><B>Erfolgreiche Eingliederung in die internationale Wirtschaftsintegration</B> 
<P>Die Globalisierung beschert Taiwan zwar seit langem zahlreiche Möglichkeiten, aber um den globalen Markt zu betreten, braucht Taiwan noch mehr Internationalisierung und Marktöffnung. Ein Problem liegt darin, dass die regionale Wirtschaftsintegration für Taiwan Störungen mit sich bringt. Taiwan bemüht sich zwar um Integration in die Weltwirtschaft, muss aber rechtzeitig die Beteiligung an regionalen Wirtschaftsorganisationen wie TPP, RCEP usw. bewerkstelligen. 
<P>Südkorea, einer der schärfsten Konkurrenten Taiwans in der Region, hat bereits mit mindestens 49 Ländern Freihandelsabkommen (<I>Free Trade Agreement</I>, FTA) unterzeichnet. Verglichen dazu ist die Zahl der Länder, die mit Taiwan FTAs geschlossen haben, noch recht begrenzt, denn auf der internationalen Bühne ist der außenpolitische Spielraum für Taiwan bislang sehr eng. Deswegen sollte Taiwan sich bemühen, regionalen Wirtschaftsorganisationen beizutreten, um zu vermeiden, dass Taiwans Handel auf dem Weltmarkt marginalisiert wird. 
<DIV class=photo><IMG alt="Mittelständischer Weltmarktführer Deutschland als Vorbild-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201407p10-1.jpg" MMOID="221831"> 
<P>Chang Ta-wei ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender des Nationalverbandes kleiner und mittelständischer Unternehmen in Taiwan, sondern auch Präsident von China Credit Information Service Ltd. (CCIS). (Foto: Courtesy Chang Ta-wei)</P></DIV>
<P>Wenn es Taiwan gelingt, an regionalen Wirtschaftsbündnissen wie TPP und RCEP teilnehmen zu dürfen, kann Taiwan durch die damit erreichte regionale Integration das Ziel „über den kleinen Markt auf den großen Markt“ realisieren. Für Taiwan kann man dadurch auswärtige Märkte vergrößern. Wir können unseren Platz in der neuen Wirtschaft finden, aufs Neue unsere Fertigungskapazitäten und globale Logistik-Kompetenz integrieren, und anschließend könnte man den Anteil am enormen Markt für Dienstleistungshandel erweitern. Ganz ohne Zweifel besteht die Chance, ein neues taiwanisches Wirtschaftswunder zu schaffen. 
<P>Allerdings können Sachzwänge auch die besten Vorbereitungen zunichte machen. Taiwan muss bei jedem Schritt vorsichtig voranschreiten, aber die Zeit spielt nicht für Taiwan. Taiwan muss noch größere Anstrengungen unternehmen, um Schwierigkeiten und Widerstände zu überwinden. 
<P><B>Den Dienstleistungshandel mit Festlandchina fördern</B> 
<P>Festlandchina wurde von Taiwan lange als Weltfabrik betrachtet, aber die Weltlage hat sich verändert. Die Herstellungskosten auf dem chinesischen Festland steigen, demgegenüber wird die Kaufkraft immer stärker, daher muss Taiwan umdenken und darf nicht weiter blind dem Modell folgen, für Exporte billig drüben produzieren zu lassen. Vielmehr sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man Zugang zum festlandchinesischen Markt gewinnt. 
<P>Aus der Sicht von Taiwans KMU wird das Rahmenabkommen für wirtschaftliche Zusammenarbeit (<I>Economic Cooperation Framework Agreement</I>, ECFA) am Ende das Ziel für zollfreien Warenhandel über die Taiwanstraße verwirklichen, die Dienstleistungsmärkte werden komplett geöffnet. Dies wird Taiwan in die Lage versetzen, die Tür zum chinesischen Markt zu öffnen, und es wird für Taiwan noch günstiger, mit Festlandchina als Hinterland Geschäfte zu verfolgen. KMU verfügen wohl nicht über so viele Ressourcen wie Großunternehmen, aber solange man auf dem chinesischen Festland in fairen Wettbewerb eintreten kann, gibt es für die KMU immer noch viel Platz auf dem Markt. Das ist es, wofür wir kämpfen wollen. 
<DIV class=photo>
<IMG alt="Mittelständischer Weltmarktführer Deutschland als Vorbild-4" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p10-2.jpg" MMOID="221857">
<P>Ein starker vierachsiger Roboterarm, entwickelt und hergestellt vom in Taichung (Zentraltaiwan) ansässigen Unternehmen Hiwin Technologies. (Foto: Chuang Kung-ju)</P></DIV>
<P>Das Dienstleistungs-Handelsabkommen mit Festlandchina wird von vielen Menschen in Taiwan mit Argwohn betrachtet. Sie glauben, dass viele Wirtschaftszweige in Taiwan dadurch existenziell bedroht sind. Wenn man sich jedoch allein an den taiwanischen Markt klammert, gibt es für Taiwan keinen Raum zum Wachsen. In dieser Hinsicht muss Taiwans Regierung die Konstitution schwacher Gewerbe verbessern. Der Nationalverband kleiner und mittelständischer Unternehmen hat die Aufgabe, dabei zu einem Konsens zwischen Regierung und Unternehmern beizutragen. Wir unterstützen das Dienstleistungshandelsabkommen über die Taiwanstraße, aber wir appellieren dazu an die Regierung, die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen zu schützen. Die Tür zum chinesischen Markt soll offen bleiben, allerdings muss sie auch für die KMU geöffnet sein. Solange sich in Zukunft der aktuelle Trend von Frieden, Harmonie und Zusammenarbeit bei den Beziehungen über die Taiwanstraße fortsetzt, ist es wahrscheinlich, dass Taiwan das Problem der Marginalisierung seiner Wirtschaft wird lösen können.]]></description></item><item><title><![CDATA[Erst Unterwasserkrise, dann Fischzuchtgewinn]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101521/Erst-Unterwasserkrise%2C-dann-Fischzuchtgewinn]]></link><guid>101521</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[In der Menschenmenge beim Blauflossen-Thunfisch-Kulturfest in Tungkang (andere mögliche Schreibweise „Donggang“) im südtaiwanischen Landkreis Pingtung herrscht stets große Begeisterung, wenn zum Beginn der Veranstaltung, die gewöhnlich im Mai und Juni jedes Jahres stattfindet, der erste Blauflossen-Thunfisch — auch „Roter Thun“ (<I>Thunnus thynnus</I>) genannt — der Saison versteigert wird. Der Fisch wiegt normalerweise um die 200 Kilogramm und kann bis zu 1,7 Millionen NT$ (41&nbsp;463 Euro) einbringen, denn das Fleisch des Blauflossen-Thunfisches ist eine teure Delikatesse, wenn es für Sashimi oder Sushi in dünne Scheiben geschnitten wird.
<P>Allerdings ist die Lage für das Fest in Pingtung nicht so rosig, wie man meinen möchte, denn die Nachfrage — überwiegend aus Japan — für das zu allen Zeiten beliebte, schmackhaft cremige Aroma des Blauflossen-Thunfisches blieb stabil, wogegen der Fisch immer schwerer zu finden ist. Bei der Vollversammlung des Internationalen Wissenschaftskomitees (<I>International Scientific Committee</I>, ISC) für Thunfisch und Thunfischartige im Nordpazifik vom Juli 2013 zum Beispiel wurde erklärt, dass „Blauflossen-Thunfisch überfischt wird und Überfischung erfährt“. Gleichzeitig einigte sich die Kommission für den Schutz und die Verwaltung von Wanderfisch-Beständen im West- und Zentral-Pazifik, in der Taiwan Mitglied ist, im September vergangenen Jahres darauf, dass der diesjährige Fang von jungem Blauflossen-Thunfisch im Pazifik mindestens 15 Prozent geringer sein sollte als der Durchschnitt zwischen 2002 und 2004.
<P>Blauflossen-Thunfisch ist bei weitem nicht die einzige Thunfisch-Art, die unter solchem Druck steht, denn ein anderer ISC-Bericht der jüngeren Zeit kam zu dem Ergebnis, Jahrzehnte der Überfischung hätten weltweit zu einem dramatischen Rückgang sämtlicher Thunfisch-Arten von 96,4 Prozent (!) geführt. Diese Unterwasser-Krise hatte unweigerlich Auswirkungen auf Taiwans Fischereigewerbe, das sich ab den siebziger Jahren auf Thunfisch konzentrierte, die Gesamtmenge der jährlichen Thunfischfänge erreichte Ende der neunziger Jahre einen Höhepunkt. Als einer der sechs größten Thunfisch-Lieferanten der Welt und dominanter Exporteur nach Japan verzeichnete Taiwan in den jüngsten Jahren wegen der erschöpften Thunfisch-Bestände einen raschen Rückgang der Fangmengen, auch bedingt durch Fangquoten, welche verschiedene internationale Kommissionen für Tiefseefischereiverwaltung verfügten. Die jüngsten Statistiken des Fischereiamtes im Landwirtschaftsrat (<I>Council of Agriculture</I>, COA) der Republik China zeigen, dass im Jahr 2012 der Thunfischfang des Landes von dem Niveau, das man ein Jahrzehnt zuvor verzeichnet hatte, um 16 Prozent auf 358&nbsp;000 Tonnen gesunken war. Der Fang des Jahres 2012 hatte einen Markt-Gesamtwert von 35,2 Milliarden NT$ (858,5 Millionen Euro) und enthielt Thunfischsorten wie Echter Bonito (<I>Katsuwonus pelamis</I>) mit 50,8 Prozent, Großaugen-Thun (<I>Thunnus obesus</I>) mit 18 Prozent, Gelbflossen-Thunfisch (<I>Thunnus albacares</I>) mit 17 Prozent, Weißer Thun (<I>Thunnus alalunga</I>) mit 13,6 Prozent und Blauflossen-Thunfisch mit lediglich 0,2 Prozent.
<P>In Tungkang stürzte die Fangmenge von erstklassigem Blauflossen-Thunfisch, den Wissenschaftler wegen seines ausgeprägten Raubtierverhaltens auch „Tiger des Meeres“ nennen, laut Daten vom Fischerverband Tungkang von 1349 Tonnen im Wert von 534 Millionen NT$ (13,02 Millionen Euro) im Jahr 2001 auf 190 Tonnen im Wert von 167 Millionen NT$ (4,07 Millionen Euro) im vergangenen Jahr.
<P>Der drastische Rückgang des einheimischen Fanges belegt die weltweite Abnahme der Thunfisch-Bestände. Ein Faktor hinter der Verminderung ist die anhaltende Anwendung von Tiefsee-Ringwadenfischerei, wobei ein großes Netz um eine Fischschule herum gezogen wird, danach schließt man das Netz und hievt es an Bord. Umweltschützer lehnen Ringwadenfischerei seit langem ab, weil dabei auch nicht erstrebte Sorten ins Netz gehen, doch die Methode wird weiter von den Fischerbooten vieler Länder angewandt, darunter Taiwan. „Größere Fischerei-Nationen erlauben nach wie vor die Nutzung von Ringwadenfischerei, wodurch unweigerlich Jungfische der Blauflossen-Thunfische gefangen und bedroht werden“, kritisiert Lin Han-chou, geschäftsführender Sekretär des Verbandes. Der schrumpfende Fang und die anhaltende Nachfrage treiben die Preise in die Höhe, fügt Lin hinzu.
<P>Um die Blauflossen-Thunfischbestände in freier Wildbahn zu schützen, wird die Fischart in Japan, dem größten Thunfisch-Verbraucher und Lieferanten der Erde, seit vier Jahrzehnten künstlich gezüchtet. Taiwan liegt geografisch jedoch südlich von Japan, und die Meerwasser-Temperaturen um Taiwan erwiesen sich für die Zucht dieser Fischart als zu hoch.
<P>Stattdessen versucht Taiwan, Gelbflossen-Thunfisch zu züchten, eine in einheimischen Gewässern reichlich vorkommende Art, berichtet Wu Long-jing, Leiter des Küsten- und Offshore-Ressourcenforschungszentrums im Fischerei-Forschungsinstitut des COA. „Unser Endziel besteht darin, selbsttragende Aquakultur und Domestizierung von Gelbflossen-Thunfisch zu fördern“, gelobt Wu.
<P>Wus Zentrum fing im Jahr 1997 damit an, die Bestände der Gelbflossen-Thunfische zu taxieren, und installierte zu diesem Zweck in Gewässern, wo die Art sich gern aufhält, 42 Fischsammlungsanlagen, also künstliche Strukturen, die Fische anlocken. Im Jahr 2004 arbeitete das Zentrum mit der Kreisverwaltung Pingtung zusammen, um einen Gelbflossen-Aquakulturplan in Gang zu bringen, eine der ersten Initiativen dieser Art in Asien. Dazu fing man junge Gelbflossen-Thunfische mit einem Gewicht unter 1 Kilogramm in freier Wildbahn und hielt sie in einem Netzkäfig mit 16 Metern Durchmesser in Gewässern bei Xiaoliuqiu, einer kleinen Insel vor der Westküste des Landkreises Pingtung.
<P>Bislang war die Überlebensrate der im Netzkäfig gehaltenen Gelbflossen-Thunfische anhaltend gering, räumt Wu ein. Thunfische gleiten mühelos durchs Wasser und tun dies sogar im Schlaf, damit sauerstoffreiches Wasser durch ihre Kiemen strömt. Manche Thunfischarten können Geschwindigkeiten bis zu 80 Stundenkilometer erreichen. Solche Geschwindigkeiten führen in engen Netzkäfigen zu Problemen, denn Zusammenstöße zwischen schnell schwimmenden Fischen können tödlich ausgehen. Des Weiteren ist es eine Herausforderung für die Forscher, gezüchtete Gelbflossen-Thunfische voneinander zu trennen und zu verlegen, weil die Fische recht empfindlich sind und der Kontakt mit den Händen eines Forschers Prellungen hervorrufen kann.
<P>Noch dazu sind Gelbflossen-Thunfische sehr anfällig für die Umweltbedingungen — trübes Wasser kann ihre Kiemen verstopfen, durch zu viel Licht können sie erblinden. „Unsere größten Herausforderungen ergeben sich durch extreme Witterungsverhältnisse oder Taifune, wodurch sich die Temperatur und der pH-Wert der Küstengewässer rasch ändern kann“, enthüllt Wu. „Veränderungen bei diesen Faktoren wirken sich abträglich auf die Gesundheit der Fische im Käfig aus.“
<DIV class=photo>
<IMG alt="Erst Unterwasserkrise, dann Fischzuchtgewinn-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p33.jpg" MMOID="221842">
<P>Extreme Wetterverhältnisse und Taifune stellen die größten Herausforderungen für Züchter von Gelbflossen-Thunfischen dar, weil die Fische gegenüber ihrem ökologischen Umfeld recht empfindlich sind. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Fisheries Research Institute, Council of Agriculture)</P></DIV>
<P>Um solchen Umweltproblemen entgegenzuwirken, studiert das Zentrum nach Wus Worten die Möglichkeit, den Netzkäfig weiter vom Ufer weg zu verlegen, wo man ihn in tieferen Gewässern versenken könnte. Gerade während eines Taifuns wäre das besonders hilfreich, denn ein tieferer Käfig würde die Fische vor den stürmischen Verhältnissen an der Wasseroberfläche und verschmutzten Durchflüssen schützen. Durch eine Verlegung des Käfigs würde die Verwaltung indes teurer, schwieriger und zeitraubender, und diese Probleme müssen zuerst angepackt werden, merkt er an.
<P>Trotz solcher Strapazen erlangten die im Käfig gehaltenen einjährigen Gelbflossen-Thunfische des Zentrums ein Gewicht bis zu 10 Kilogramm, der jüngste Meilenstein des Projekts. Wu erkennt an, dass noch viel zu tun ist, weil ein 3 bis 5 Jahre alter Gelbflossen-Thunfisch in freier Wildbahn bis zu 70 Kilogramm wiegen kann.
<P>Thunfische sind gierige Fresser mit einer sehr schnellen Verdauung, weiß Wu und verweist auf die Berichte japanischer Züchter von Blauflossen-Thunfisch, gemäß denen Thunfische in Gefangenschaft nur ein Kilo an Gewicht zunahmen, nachdem man sie im Schnitt mit 20 Kilogramm kleineren Fischen gefüttert hatte.
<P>Ein so gefräßiger Appetit bedeutet, dass Aquakulturbetriebe, die Fische in freier Wildbahn fangen, um Zucht-Thunfisch zu füttern, schwere Auswirkungen auf örtliche Ökosysteme haben können. Wus Zentrum hingegen verfolgt einen einzigartigen, umweltfreundlichen Ansatz, indem man die Gelbflossen-Thunfische dort überwiegend mit gezüchteten Jung-Milchfischen (<I>Chanos chanos</I>) füttert, einem silberfarbenen Speise-Knochenfisch. Als Futter verwendete Milchfische sind im Schnitt 10 Zentimeter lang, obwohl sie in freier Wildbahn eine Länge von bis zu einem Meter erreichen können. Milchfischzucht wird in Taiwan seit Jahrhunderten betrieben, und die einheimischen landgestützten Fischfarmen haben die Fähigkeit entwickelt, Milchfisch-Larven zu erzeugen, so dass sie keinen Milchfischlaich aus dem Meer holen müssen. Dadurch trägt die Methode des Zentrums zur Fütterung der Gelbflossen-Thunfische dazu bei, die Ausbeutung von Meeres-Naturschätzen zu vermindern, lobt Wu.
<P>Das Zentrum unternahm den ungewöhnlichen Schritt, seine Milchfische mit Reiskleie zu ernähren, und Wu witzelt: „Unsere Milchfische sind sozusagen Vegetarier.“ Die Milchfische mit Reiskleie zu füttern ist gleichfalls naturschonend, denn die Kleie ist ein Nebenprodukt des Verfahrens zum Reismahlen.
<P><B>Erstklassiges Aroma</B>
<P>Die Marktnachfrage ist allgemein größer nach Thunfisch mit einem höheren Fettgehalt, der den Geschmack des Fleisches verbessert. Der Fettaufbau am Rücken und Bauch der vom Zentrum gezüchteten Gelbflossen-Thunfische ist 5 bis 10 Mal so groß wie bei Thunfisch aus freier Wildbahn. Das Fett ist auch auf andere Teile des Fisches verteilt, so dass das Fleisch eine hellrosa Farbe aufweist, und die Textur ist mit der von erstklassigem Blauflossen-Thunfisch vergleichbar, was die Züchter nach Wus Einschätzung in die Lage versetzen sollte, mit den Erzeugnissen ihrer Gelbflossen-Thunfischfarmen einen Anteil des Marktes zu erobern.
<P>Hinsichtlich der Durchführbarkeit in puncto Kosten kann das Zentrum nun Thunfisch zu durchschnittlichen Ausgaben von 30 NT$ (73 Cents) je Kilogramm züchten, höher als der Marktpreis von 20 NT$ (48 Cents) für ein Kilogramm Thunfisch aus freier Wildbahn. Wu ist zuversichtlich, dass man die Kosten von Zucht-Thunfisch so weit vermindern kann, bis der Betrieb wirtschaftlich ist.
<P>Wer sich seinen Lebensunterhalt damit verdient, Thunfisch im Meer zu fangen, betrachtet die Zuchtvariante weniger optimistisch. „Gezüchteter Thunfisch wird eventuell eine Lieferalternative bieten, doch es ist unwahrscheinlich, dass er Thunfisch aus freier Wildbahn verdrängen wird“, urteilt Edward Huang, Generalsekretär des Thunfischverbandes Taiwan.
<P>Lin vom Fischerverband Tungkang drückt gleichfalls Zweifel aus und wendet ein, gezüchteter Thunfisch schmecke nicht so gut wie Thunfisch aus freier Wildbahn. Diese Ansicht wird allerdings von David Huang, Inhaber eines japanischen Restaurants und Küchenchef, nicht geteilt. Nach Huangs Erfahrung kann Zuchtfisch genauso gut schmecken wie Wildfisch, da das Aroma überwiegend vom Futter abhängt und davon, ob der Käfig groß genug ist, dass die Fische mit ihrer normalen Geschwindigkeit schwimmen können.
<P>Das soll noch nicht heißen, dass die Verbraucher bereit wären, gezüchteten Gelbflossen-Thunfisch zu akzeptieren. „Feinschmecker sorgen sich, ob das Fleisch Chemikalien oder sogar künstliche Hormone enthält“, kolportiert David Huang.
<DIV class=photo>
<IMG alt="Erst Unterwasserkrise, dann Fischzuchtgewinn-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201407p34.jpg" MMOID="221843">
<P>Bislang zeitigten die Bemühungen, Gelbflossen-Thunfische künstlich zu laichen, nur begrenzten Erfolg. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Fisheries Research Institute, Council of Agriculture)</P></DIV>
<P>Traditionelle Fischer befürchten zudem die Auswirkungen, welche gezüchtete Gelbflossen-Thunfische auf den Markt haben könnten. „Wir freuen uns nicht auf die Aussicht von künstlich gezüchtetem Thunfisch, der unserer Meinung nach die Preise drücken wird“, geißelt Lin. Tsao Chi-hung (曹啟鴻), Vorsteher des Landkreises Pingtung, glaubt dagegen nicht, dass die Produkte aus Zuchtbetrieben für Gelbflossen-Thunfisch einen Preissturz verursachen würden, wenn der Ausstoß soweit kontrolliert wird, um eine Sättigung des Marktes zu verhindern. Wenn Produktion und Preisgestaltung stabilisiert wären, dann könnten Aquakulturbetriebe für Gelbflossen-Thunfisch die örtliche Wirtschaft vorantreiben, mutmaßt Tsao. „Der finanzielle Nutzen könnte sogar dem einer gewerblichen Ansammlung gleichkommen, die Thunfisch-Fischer, Futterlieferanten und Netzkäfig-Hersteller umfasst“, fügt er hinzu.
<P>Die Kreisverwaltung plant nach Tsaos Worten, Thunfischzucht in Australien zu erkunden, wo man seit Beginn der neunziger Jahre südlichen Blauflossen-Thunfisch (<I>Thunnus maccoyii</I>) züchtet. Ein Ziel des Studienprojekts soll sein, die Erfahrungen des Landes zu bewerten, um das passendste Geschäftsmodell für Taiwan zu entwickeln. Nach diesem Schritt will die Kreisverwaltung sich um private Investoren bemühen, weil man für die Einrichtung einer Thunfischfarm beträchtliches Kapital braucht. Ein solcher Investor ist Hung Kuo-ching, ein Arzt aus Xiaoliuqiu, der dort einen Zuchtbetrieb in Familienbesitz für Offiziersbarsche (<I>Rachycentron canadum</I>) betreibt. Hung unterstützt das Thunfischzucht-Projekt des Zentrums, und zwischen 2004 und 2011 führte er ein eigenes Zuchtprojektexperiment für Gelbflossen-Thunfisch durch, indem er die Fische in Netzkäfigen hielt, die unter der Meeresoberfläche gehalten wurden. Er investierte viel Geld in das Unterfangen, das am Ende dennoch scheiterte. Er bedauert trotzdem nichts, weil er dadurch erkannte, dass Thunfisch aus freier Wildbahn domestiziert und dessen Überlebensrate gesteigert werden kann. Nach Hungs Ansicht ist der größte Nutzen von Thunfischzucht ihr Potenzial, den Druck auf die Fischbestände in freier Wildbahn zu verringern. „Die Thunfisch-Fischerei von heute wird sich morgen nicht aufrechterhalten lassen“, warnt er. „Wir können die Schätze des Ozeans nicht weiter und weiter ausbeuten.“
<P>Mit Blick darauf, eine solche Nachhaltigkeit zu erreichen, teilt Wu mit, der COA habe das Ziel gesetzt, alle Technologien zu entwickeln, die man für die Zucht von Gelbflossen-Thunfisch brauche. „Das bedeutet, es muss uns gelingen, die Art künstlich zu laichen“, führt er aus. „Wir hoffen, in naher Zukunft eine solche Kapazität zu erreichen, dass wir unsere gezüchteten Gelbflossen-Thunfische ins Meer aussetzen können, falls die Bestände der Art bedroht sein sollten.“
<P>Gemeinsam mit dem Küsten- und Offshore-Ressourcenforschungszentrum sind andere Abteilungen unter dem Fischereiforschungsinstitut des COA an den Bemühungen beteiligt, Gelbflossen-Thunfische zu laichen. So gibt zum Beispiel Lee Yen-horn, führender Wissenschaftler im Biotechnologie-Forschungszentrum Tungkang, bekannt, die Gelbflossen-Thunfische, welche sein Labor hält, hätten zwei Mal gelaicht, der erste Erfolg wurde im Juni 2012 erzielt, der zweite im März 2013.
<P>Keine der aus diesen Bemühungen hervorgegangenen Fischlarven überlebte jedoch mehr als 12 Tage, und die Forscher des Zentrums haben die Todesursache noch nicht ermitteln können. Shukei Masuma, ein Experte für Gelbflossen-Thunfische von der Kinki-Universität in der japanischen Präfektur Wakayama, nennt als mögliche Ursachen eine falsche Wassertemperatur, schlechte Laich-Qualität, Ernährungsfaktoren wie Futter ohne ausreichenden Rädertierchengehalt und „unzureichende Fütterung unter hohen Temperaturen, welche nicht zum grundlegenden Stoffwechsel der Larven passt“.
<P>Da der Faktor, auf den die 100-prozentige Sterblichkeitsrate zurückzuführen ist, noch nicht festgestellt wurde, geht das Zentrum in Tungkang laut Lee dazu über, mehrere mögliche Ursachen gleichzeitig zu untersuchen. „Wir stehen unter Druck, denn man hat uns gesagt, wir müssten bis 2019 Erfolge beim Laichen erzielen“, sagt er. Das Zentrum arbeitet deswegen hart daran, gesunderes, nährstoffreicheres Futter sowie Technologien zu entwickeln, welche den Salzgehalt des Wassers unter 3,4 Prozent und die Temperatur zwischen 28 und 30 Grad Celsius halten.
<P><B>Klarer und kühler</B>
<P>Unterdessen entwickelt das Östliche Meeresbiologie-Forschungszentrum vom Fischerei-Forschungsinstitut im osttaiwanischen Landkreis Taitung Aquakultur-Anwendungen für Tiefseewasser, das von einem Gebiet 5 Kilometer vor der Küste und 600 Meter unter der Wasseroberfläche hergepumpt wird. Forscher glauben, dass es die Vermehrung begünstigt, wenn der Teich mit klarerem und kühlerem Tiefseewasser gefüllt wird. Im November 2012 begann das Zentrum in Taitung damit, 30 Gelbflossen-Thunfische und 5 Großaugen-Thunfische in einem besonderen Teich zu halten. Das Unterfangen erlitt einen Rückschlag, als die Pumpanlage des Zentrums durch Trümmer blockiert wurde, die der Taifun Usagi im September 2013 aufgewühlt hatte, doch die Fische werden erst in ein oder zwei Jahren geschlechtsreif, so dass wahrscheinlich genug Zeit bleibt, die Pumpleistung der Station wiederherzustellen.
<P>Im Teich des Taitunger Zentrums Großaugen-Thunfische zu päppeln deutet darauf hin, dass der COA mehr vorhat als nur Gelbflossen-Thunfisch zu laichen. „Ein weiteres langfristiges Ziel von uns ist, unsere Technologie dafür zu nutzen, andere Thunfischarten mit größerem kommerziellen Wert zu züchten wie Großaugen-Thunfisch“, begründet Wu. „Sechzig Prozent unserer Technologie ist relevant dafür, Großaugen-Thunfisch auf Farmen zu züchten.“
<P>Masuma zeigt sich optimistisch über den Ausgang der Bemühungen des COA, brauchbare Gelbflossen-Larven zu erzeugen. „Taiwan verfügt über eine anspruchsvolle Technik, Meeresfischlarven aufzuziehen“, versichert er. „Ich denke, sie werden manche Probleme für die Frühphase [zum Laichen] von Gelbflossen-Thunfisch überwinden.“ Die drei staatlichen Forschungszentren arbeiten weiterhin energisch auf dieses Ziel hin. Wenn ihre Anstrengungen sich auszahlen, wird Taiwan das einzige andere asiatische Land neben Japan sein, das zur Thunfischzucht in der Lage ist, was nicht nur großen Nutzen für das Aquakultur-Gewerbe verspricht, sondern auch für die Meeresökologie.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B><BR>_______________________<BR><I>Joyce Huang</I> (黃麗玲) <I>ist Journalistin und lebt in Taipeh.</I>
<P>Copyright © 2014 Joyce Huang]]></description></item><item><title><![CDATA[Eine Insel für Tee-Liebhaber]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101522/Eine-Insel-f%C3%BCr-Tee-Liebhaber]]></link><guid>101522</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Die eiserne Göttin liegt ganz trocken und verschrumpelt in ihrer Blechdose: Dunkelgrüne, fast schwarze Blätter, gerollt zu harten, fingernagelgroßen Bällchen. In die weißen Porzellanschälchen damit, heißes Wasser darauf, das sich sofort golden färbt. Die Teeblätter entfalten sich, ihr Duft auch. Herr Chen deckt die Becher ab. Ein paar Minuten Geduld müssen sein. Taiwans hektische Hauptstadt Taipeh ist nicht weit, doch hier im Schatten auf Chens hölzerner Terrasse, mit Blick über Teefelder auf sattgrüne Hügelketten, drängt nichts zur Eile.
<P>Tie Guanyin (鐵觀音), die Eiserne Guanyin, ist benannt nach der Verkörperung der Barmherzigkeit im chinesischen Buddhismus. Im Volksglauben wird Guanyin als Göttin verehrt. Wie muss ein Tee schmecken, um diesen Namen zu verdienen? „Stark“, sagt Chen Wei-chih (陳威志), „vollmundig und geröstet.“ Verglichen mit anderen Sorten sei Tie Guanyin wie hochprozentiger Schnaps, „für echte Männer!“ Wer sich angesprochen fühlt oder einfach den Geschmack schätzt, zahlt dem Teebauern pro Pfund 2500 NT$ (ca. 60 Euro). Unter Taiwans Teesorten ist es eine der kostbareren und selteneren, und in der Herstellung wohl am aufwändigsten. Pflücken, trocknen und ab in die Tasse — so funktioniert es nicht. Zwischen Ernte und Aufguss ist mehr Arbeit nötig, als Teebeutel-gewöhnte Durchschnittstrinker auch nur ahnen.
<P>Die Hochburg der Eisernen heißt Maokong, das „Katzenloch“. Das traditionsreiche Teeanbau-Gebiet liegt direkt am Südrand von Taipeh und gehört zum Stadtteil Muzha. Je weiter so ein Tee von hier aus reist, desto kostbarer wird er. Wer etwa in der Züricher Spiegelgasse das Teegeschäft Shui Tang (水美堂) betritt, findet dort zwischen Dutzenden Sorten einen vergleichbaren Tie Guanyin, der ebenfalls aus den Bergen von Maokong stammt. Besitzerin Chou Meng-lin (周孟霖) verkauft ihn in 100-Gramm-Päckchen zu 40 Franken (ca. 32 Euro) — umgerechnet fast das Dreifache des Preises im Hofladen von Bauer Chen.
<P>In ihrem Laden kann Chou, die es nach langen Jahren an der Uni Konstanz nach Zürich verschlug, Kunden stundenlang in die Feinheiten der verschiedenen Sorten einweisen. Sie bloggt auch auf Deutsch über Taiwans Teekultur (tee.kaywa.com). Tie Guanyin aus Muzha liegt ihr besonders am Herzen: „Das war der Tee, den mein Großvater vor 30 Jahren täglich trank“, erinnert sie sich. Im traditionellen Wohnhaus ihrer Familie in Taipeh stand der Hausaltar. „Der Raum hatte ein kleines Dachfenster, wo die Sonne gerne hinein schien. Durch die warme Sonne wurde der ansonsten dunkle Raum erhellt, und mein Großvater saß immer neben dem Altar und trank diesen Tee.“
<P><B>Mühseliger Anbau</B>
<P>Zurück in Taipeh. Der schnellste Weg zu den Teefeldern von Maokong führt durch die Luft. Per Seilbahn lassen Besucher in Sekunden den Betondschungel hinter sich. Die Fahrt mit der Gondel, für Schwindelfreie auf Wunsch mit Glasboden, bietet schöne Ausblicke auf dicht bewaldete Hügel und endet 30 Minuten später und fast 300 Meter höher zwischen an die Hänge gebauten Teehäusern und Restaurants.
<P>Nur fünf Minuten sind es zum Feld von Chen Wei-chih. Kniehoch wachsen die Teesträucher auf dem treppenförmig abfallenden Gelände und erinnern an struppige Gartenhecken. Mit 2000 Quadratmetern ist das Feld nicht besonders groß, aber so kann der 53-Jährige es alleine bewirtschaften und davon leben. Nur ab und zu muss die Familie mit anpacken.
<DIV class=photo>
<IMG alt="Eine Insel für Tee-Liebhaber-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p37.jpg" MMOID="221844">
<P>Nur ein geringer Teil der Teesorte „Tie Guanyin“ (Eiserne Guanyin) gelangt in den Export. Das Tee-Fachgeschäft Shui Tang in Zürich hat dieses Erzeugnis der Spitzenklasse im Angebot. (Foto: Courtesy Chou Meng-lin)</P></DIV>
<P>Mit Gummistiefeln und einem spitzen runden Strohhut ist Chen zwischen den Reihen unterwegs. Für Touristen ein skurriles Mitbringsel, sind solche Hüte bei der Feldarbeit in Taiwan ein Muss. Nichts schützt Gesicht und Nacken besser vor der subtropischen Sonne. Heute jätet Chen mit der schweren Hacke das frische Unkraut zwischen den Reihen. Erst in einigen Monaten wird hier wieder geerntet.
<P>Die grünen Sträucher sind auch bekannt als <I>Camellia Sinensis</I>. Alle Teesorten und Geschmacksrichtungen stammen von dieser Pflanze. Es gibt verschiedene Varianten und Züchtungen, aber entscheidend ist, was nach dem Pflücken passiert: Aus den Blättern kann unfermentierter grüner Tee werden, voll fermentierter schwarzer, oder etwas dazwischen. So wie Tie Guanyin, der zur großen Oolong-Familie gehört. Halbfermentiert und nach dem Aufguss bernsteinfarben, stehen Taiwans Oolong-Tees bei Kennern hoch im Kurs. Knapp ein Zehntel der Weltproduktion stammt von der Insel, von Feldern wie Chens in Maokong oder auch aus dem Hochgebirge.
<P>Taiwans Geographie sorgt für Vielfalt. Kleiner als die Schweiz, findet sich hier alles von der Küstenebene bis zu fast 4000 Meter hohen Gipfeln. „Es ist wie beim Kaffee“, erklärt Chen und blickt von seinem Feld auf das Häusermeer von Taipeh am Horizont. Je nach Klima und Boden gedeiht und schmeckt Tee unterschiedlich. „Zu hoch, und er ist zu süß und schwach. Zu flach, und er wird bitter.“ Natürlich findet er seine Bedingungen, auf 350 Metern, ideal. Nach dem Landwirtschaftstudium arbeitete Chen zunächst im Büro eines Bauernverbands. „Aber die Natur reizte mich mehr“, erzählt er. „Und ich sah, dass unsere Tee-Kultur in Vergessenheit geriet.“ Mit 29 pachtete er sein erstes Stück Land. Vor sieben Jahren kaufte er sein jetziges Feld.
<P>Auch Chou Meng-lin, die seit 2003 mit Tee handelt und ihren Laden in Zürich 2009 eröffnete, macht sich Sorgen um die Zukunft der traditionellen Oolong-Tees. Denn die verlangten vom Produzenten viel Zeit und Geduld, und das sei auf dem heutigen Markt immer seltener möglich. „Tee reflektiert die Veränderungen unserer Gesellschaft“, sagt sie und beklagt einen um sich greifenden „Mainstream-Geschmack mit leicht erkennbarer Note“. Traditionelle Geschmacksvarianten würden zur Rarität. „Mein Großvater und Tie Guanyin teilten das gleiche Schicksal. Sie wurden vergessene Dinge in der schnell wachsenden Gesellschaft Taiwans. Mein Großvater sprach kein Mandarin-Chinesisch und lebte in seiner eigenen Welt, und der Tee verschwand mehr und mehr.“
<P>Bauer Chen setzt trotzdem auf die alten Methoden. Dass er so oft in mühsamer Handarbeit Unkraut jäten muss, hat er sich selbst ausgesucht, denn er baut biologisch an und spritzt keine Pflanzenschutzmittel. „Der Grund war vor allem meine Familie. Tee ist nicht wie Gemüse, nach der Ernte muss man ihn noch lange weiterverarbeiten. Ich wollte nicht, dass meine Frau und Kinder ständig mit Spritzmittel in Kontakt kommen.“
<P>Viele Kollegen hätten ihm damals abgeraten und hinter seinem Rücken über ihn gespottet, sagt Chen und stapft die Reihen wieder herab: Zu viel Mühe, zu wenig Ertrag. „Aber man kann beim Tee herausschmecken, ob er gespritzt wurde oder nicht.“ Statt mit Gift bekämpft er schädliche Insekten mit Fallen, die Lockstoff-Köder enthalten. Oder er setzt im Feld ihre natürlichen Feinde aus: Gottesanbeterinnen und Marienkäfer.
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<IMG alt="Eine Insel für Tee-Liebhaber-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p39.jpg" MMOID="221845">
<P>Fertig verpackt: Der „Tie Guanyin“-Tee von Chen Wei-chih. (Foto: Klaus Bardenhagen)</P></DIV>
<P>Das Gleichgewicht der Natur in seinem Teefeld zahlt Chen mit einem um 30 bis 40 Prozent geringeren Ertrag. Fünfmal jährlich trommelt er Arbeiter zur Ernte zusammen. Mal kommen drei, mal fünf. „Es dürften gern mehr sein, aber viele müssen sich zunächst um ihre eigenen Felder kümmern.“ Sein ältester Sohn und die Tochter, die beide in der Stadt arbeiten, nehmen sich dann frei und helfen mit. Erfahren müssen die Teepflücker sein, um nur die frischen, zarten Blätter zu wählen. Mit einer am Zeigefinger befestigten Klinge schneiden sie immer eine Knospe und zwei Blätter ab, die zusammenhängen. Nur so kann Chen den Tee später zu den kleinen Bällchen rollen, die seine Kunden erwarten.
<P>Pro Tag erntet ein Arbeiter etwa 13 Kilo frische Blätter. Getrocknet und verarbeitet gibt das fünf Pfund Tee. Die Frühjahrsernte Ende April ist am ergiebigsten und beschert Chen 90 Kilo Tie Guanyin. Die Winterernte Ende Oktober bringt nur die Hälfte. Zwischendurch gibt es noch drei kleinere Ernten, die Chen zu anderen Sorten verarbeitet. Hochsommerliche Hitze etwa eignet sich besonders zur Schwarztee-Produktion. Chens Herz aber hängt an der Eisernen, und sie ist es, die seinen Hof finanziert.
<P><B>Sorgfältige Verarbeitung</B>
<P>Solch kleine Betriebe, die auf erlesene Qualität setzen statt auf Massenproduktion, sind mittlerweile typisch für Taiwans Teeindustrie. Bis in die achtziger Jahre exportierte das Land bis zu 12 000 Tonnen jährlich für den Weltmarkt, vor allem Schwarztee. Doch im gleichen Maße, wie Taiwan sich zur Hightech-Schmiede wandelte, verlor die Landwirtschaft an Bedeutung. Mit steigenden Personalkosten lohnte Teeanbau sich immer weniger, und die Fläche der Teefelder ging um mehr als die Hälfte zurück, auf heute etwa 13 000 Hektar. Wer weitermachte, musste sich eine Nische suchen — wie Chen Wei-chih, als er sich Anfang der neunziger Jahre selbstständig machte. Die Bio-Qualität würde ihm sogar den Weg auf den EU-Markt ermöglichen, doch seine 200 Kilo pro Jahr verkauft er ohne Probleme an Stammkunden im Inland.
<P>Der größte Teil von Taiwans 15 000 Tonnen Jahresproduktion geht direkt an Einheimische und Touristen. Heute exportiert Taiwan nur noch wenig teuren Tee für Genießer in alle Welt und importiert viel billige Ware für Supermärkte und Getränkeproduzenten aus Ländern wie Vietnam. Ausgeführt werden pro Jahr etwas mehr als 3000 Tonnen zum Durchschnittspreis von 11 500 US$. Oolong erzielt dabei die höchsten Preise. Eingeführt wird fast zehnmal so viel — aber für nur 1750 US$ pro Tonne.
<P>Chens Hof liegt ein paar Kilometer die Straße runter an einem anderen Berghang, umringt von dichtem Wald. Hier lebt er mit seiner Frau, die jeden Tag zur Arbeit nach Taipeh fährt. Schilder werben mit Taiwans offiziellem Biosiegel. „Wir werden streng kontrolliert“, sagt Chen, „und wir müssen jeden Arbeitsschritt protokollieren.“ Durch die offene Holzkonstruktion gelangt frische Luft in die Halle, die zugleich Lager, Laden, Teestube und Werkstatt ist. Hier stehen die Maschinen und Geräte, die aus Blättern erst den Tee machen.
<P>Die Uhr beginnt noch auf dem Feld zu laufen: Sobald die Teeblätter gepflückt sind, beginnen sie zu welken. Ähnlich wie ein aufgeschnittener Apfel, der beim Kontakt mit Sauerstoff braun anläuft, verfärben sie sich. Die Herausforderung für Bauern wie Chen liegt darin, diese Fermentation zu kontrollieren und im richtigen Moment zu unterbrechen, damit der Tee das gewünschte Aroma erhält. Dazu müssen die frischen Blätter zunächst gleichmäßig und ausreichend Feuchtigkeit verlieren. Die Industrie beschleunigt diese Prozesse, aber wer nach traditionellen Methoden produziert, muss dem Tee Zeit lassen.
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<IMG alt="Eine Insel für Tee-Liebhaber-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p41.jpg" MMOID="221846"></P></DIV>
<P>Als erstes breitet Chen die Blätter auf dem Boden aus — aber nicht in der prallen Sonne. Nach etwas mehr als einer Stunde wandern sie in flache runde Körbe von einem Meter Durchmesser, die in Chens Arbeitshalle in Gestellen übereinander hängen wie Tabletts bei der Geschirrrückgabe. Dort trocknet die Ernte einen halben Tag schonend vor sich hin und wird alle zwei Stunden per Hand gewendet, um die Feuchtigkeit in den Blättern besser zu verteilen. Als Naturprodukt reagiert Tee je nach Temperatur und Witterung unterschiedlich. In einer kühlen Nacht etwa fermentiert er langsamer als bei Hitze. Entscheidend ist die Erfahrung des Teebauern. Wenn Chen irgendwann mit fachkundigem Blick entscheidet, dass es Zeit ist, die Fermentation zu unterbrechen, erhitzt er den Tee in einer Maschine sechs Minuten lang auf knapp 300 Grad Celsius.
<P>Nun geht es darum, die Blätter auf Form zu bringen und zu trocknen. In Tüchern zu fußballgroßen Knäueln gerollt, presst und walkt ein anderes Gerät sie wieder und wieder. Zwischendurch erhitzt Chen sie auf 100 Grad. Zwanzigmal wiederholt er diesen Prozess. Jeder andere Tee wäre nun fast fertig, doch Tie Guanyin muss noch geröstet werden, und auch dafür steht eine Maschine bereit. Das größte Kunststück bei der Verarbeitung sei es, den Überblick zu behalten, sagt Chen. Tagelang rotiert er zur Erntezeit zwischen den Geräten hin und her. Rein mit dem Tee in die Kammer über der Gasflamme, rösten, rausholen und ausbreiten. Dann ruhen lassen und wieder trocknen. Zwischendurch sortieren die Chens von Hand holzige Stiele aus und nehmen dafür jedes einzelne Blatt noch einmal in Augenschein. Schließlich, 10 bis 14 Tage nach der Ernte, kann der Bauer seine Eiserne Guanyin endlich abfüllen und verpacken.
<P>In der industriellen Produktion wäre so etwas undenkbar, sagt Teehaus-Betreiberin Chou Meng-lin. Da sei alles eine Frage weniger Stunden. „Um den Geschmack der Mainstream-Trinker zu treffen, die Grüntee und Oolong fast nicht auseinanderhalten können, benutzt man sogar Klimaanlagen.“ So ein „moderner“ Oolong lasse sich nicht gut lagern und müsse schnell getrunken oder im Kühlschrank aufbewahrt werden, da er instabil sei und schnell oxidiere. „Es ist das Sinnbild des modernen Menschen“, sagt Chou. „Ein traditioneller Tee dagegen gewinnt durch die Reifung an Aromen und Farben — wie ein Mensch, der durch Schmerzen und Reflektieren seinen Charakter erhält.“
<P><B>Etwas Besonderes</B>
<P>Den Geschmack so eines authentischen Tie Guanyin könne sie kaum in Worte fassen. „Es ist eine Übertragung von Zunge zu Zunge, eine Überzeugung, die durch die Zunge geht. Man kann diesen Geschmack nicht archivieren und zum Museumsstück machen, er ist sehr fragil und zerbrechlich — deswegen muss man ihn weitergeben.“ Das sei ihre Motivation gewesen, im Herzen Europas ein Teehaus zu eröffnen: „Etwas weiter zu tragen, was in dieser Welt fast verloren ist — ein Geschmack, eine Erinnerung oder einen Funken für die Zukunft.“
<P>Von Beginn an dürfe die Herstellung hochwertiger Tees nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden, sagt Chen Wei-chih. Touristen führt er ebenso durch seine Ein-Mann-Fabrik und übers Feld wie Schüler aus der Umgebung. „Ich möchte den Leuten unsere traditionelle Tee-Kultur nahebringen, und den Bio-Anbau.“ Ein bisschen mehr Geld lässt sich mit dem Drumherum wohl auch verdienen. Chen plant ein neues Gebäude, dreistöckig und mit Platz für Gästezimmer. Die Pläne liegen schon auf dem Tisch, aber die Baugenehmigung macht noch Probleme.
<P>Und dann ist da noch die schwierige Suche nach einem neuen Stück Land, denn nach 15 Jahren lässt der Ertrag der Teepflanzen nach, und bevor Chen neue setzen kann, muss der Boden sich jahrelang erholen. Land aber ist knapp und teuer, so dicht an der Hauptstadt. Viele Bauern setzen schon ganz auf Gastronomie und kaufen ihren Tee außerhalb ein, erzählt man sich in Maokong. Außerdem dürfen Chens neue Nachbarn kein Pflanzenschutzmittel spritzen, das auf sein Feld und ins Grundwasser ziehen könnte.
<P>Chen Wei-chih geht es also wie Landwirten überall auf der Welt: Irgendwas kann immer passieren, und ohne mühsame Arbeit geht gar nichts. Wenigstens hat er eine Göttin an seiner Seite. Und immer eine Tasse Tee zum Entspannen.]]></description></item><item><title><![CDATA[Ein wichtiger Ausgangspunkt]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101523/Ein-wichtiger-Ausgangspunkt]]></link><guid>101523</guid><pubDate>2014/05/01</pubDate><description><![CDATA[Am 7. November vergangenen Jahres wurde in Singapur das Abkommen zwischen Singapur und dem separaten Zollgebiet von Taiwan, Penghu, Kinmen und Matsu über wirtschaftliche Partnerschaft (<I>Agreement between Singapore and the Separate Customs Territory of Taiwan, Penghu, Kinmen and Matsu on Economic Partnership</I>, ASTEP) unterzeichnet. In einer gemeinsamen Erklärung des taiwanischen Vertretungsbüros in Singapur und des Singapur-Handelsbüros in Taipeh zur Bekanntgabe des neuen Abkommens wurde es als „umfassendes, hochwertiges Abkommen“ gepriesen, von dem man sich eine Verbesserung der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit verspricht und das „erhebliche gegenseitige Vorteile für die Völker beider Seiten zustande bringen“ werde.
<P>Wenige Wochen nach der Unterzeichnung von ASTEP, am 1. Dezember 2013, trat das Abkommen zwischen Neuseeland und dem separaten Zollgebiet von Taiwan, Penghu, Kinmen und Matsu über wirtschaftliche Zusammenarbeit (<I>Agreement between New Zealand and the Separate Customs Territory of Taiwan, Penghu, Kinmen and Matsu on Economic Cooperation</I>, ANZTEC) in Kraft. Als ANZTEC am 10. Juli vergangenen Jahres unterzeichnet wurde, begrüßte man es als den ersten Vertrag über wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Republik China und einem Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (<I>Organisation for Economic Co-Operation and Development</I>, OECD). Entsprechend ist ASTEP Taiwans erster Wirtschaftspakt mit einer Nation in Südostasien. Während Neuseeland mit einem bilateralen Handelsvolumen von 1,21 Milliarden US$ im Jahr 2012 unzweifelhaft ein wichtiger Handelspartner für Taiwan ist, unterhält Taiwan mit Singapur noch engere Beziehungen — im gleichen Jahr erreichte der bilaterale Handel einen Umfang von 28,2 Milliarden US$.
<P>„ANZTEC hat eine große symbolische Bedeutung“, interpretiert Liang Kuo-hsin (梁國新), stellvertretender Wirtschaftsminister der Republik China, denn das Vertragswerk ist Taiwans erste formale Übereinkunft mit einem Land, zu dem keine diplomatischen Beziehungen bestehen. „ASTEP wird jedoch eine Menge mehr konkrete wirtschaftliche Vorteile bringen, denn Singapur ist unser fünftgrößter Handelspartner und viertgrößter Exportmarkt.“ (Für Singapur wiederum ist Taiwan der achtgrößte Handelspartner, der zehntgrößte Exportmarkt und der fünftgrößte Importlieferant.)
<P>Wie ANZTEC war ASTEP so gestaltet worden, dass es mit den Standards der Welthandelsorganisation (<I>World Trade Organisation</I>, WTO), in der Taiwan, Neuseeland und Singapur allesamt Mitglieder sind, übereinstimmt. Tatsächlich gehen die Klauseln in ASTEP so wie auch in vielen ähnlichen bilateralen Abkommen über die WTO-Maßgaben hinaus, indem die Zölle für bestimmte Dienstleistungen gesenkt werden und zu größerer Wirtschaftsintegration aufgerufen wird. „[ASTEP] baut einen Dialogmechanismus zwischen den beiden Ländern zur Harmonisierung ihrer Wirtschafts- und Handelssysteme auf“, enthüllt Liang.
<P>Im Wesentlichen ist ASTEP ein Marktliberalisierungsabkommen, das Zölle für Güterhandel aufhebt und auch Bereiche erfasst wie Wettbewerbspolitik, Zollverfahren, Mechanismen für Beilegung von Streitigkeiten, E-Handel, Rechte an geistigem Eigentum, Investitionen, technische Handelshindernisse und Dienstleistungshandel. Die Zölle für die meisten Produkte fallen mit dem Inkrafttreten des Abkommens weg, für die überwiegende Mehrheit der übrigen Güter werden sie über maximal 15 Jahre nach und nach entfernt. Am Ende werden Zölle für 99,48 Prozent von Singapurs zollpflichtigen Produkten für den Export nach Taiwan, wie sie in den Zolltariflisten des Landes aufgeführt sind, liberalisiert sein, bei Taiwans Exporten nach Singapur wird die Befreiungsquote gar 100 Prozent betragen.
<P>Nach 15 Jahren wird Taiwan lediglich auf 40 von Singapurs ursprünglich zollpflichtigen Agrarprodukten Einfuhrzölle erheben, darunter Knoblauch, flüssige Milch, Mangos, Ananas, rote Bohnen, Reis, geschälte gemahlene Nüsse und <I>Shiitake</I>-Pilze. Um übermäßige Auswirkungen auf Taiwans landwirtschaftlichen Sektor zu verhindern, gestattete auch ANZTEC, dass Einfuhrzölle auf Neuseelands Reis beibehalten werden.
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<IMG alt="Ein wichtiger Ausgangspunkt-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p13.jpg" MMOID="219410">
<P>Forscher aus Taiwan und Singapur arbeiten bei der Entnahme von Korallenproben für eine Klimawandel-Studie zusammen. Neben wirtschaftlichen Vorteilen verspricht man sich von ASTEP mehr zwischenmenschlichen Austausch. (Foto: Central News Agency)</P></DIV>
<P>ASTEP enthält zudem einen Abschnitt über Herkunftsregeln. Die Regeln sind aus Taiwans Perspektive wichtig, da sie verhindern sollen, dass ein Drittland über den Hafen Singapur Ware nach Taiwan verschifft, um die Vorzugsbedingungen von ASTEP auszunutzen, so Liang. „Unsere Behörden werden gemäß den Herkunftsregeln die Prüfungen importierter Güter aus Singapur verstärken“, kündigt er an.
<P>Schätzungen der Chunghua-Institution für Wirtschaftsforschung (<I>Chung-Hua Institution for Economic Research</I>, CIER) legen nahe, dass bis ungefähr zum Jahr 2030 ASTEP über 6000 neue Arbeitsplätze in Taiwan geschaffen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes um 700 Millionen US$ gesteigert und den nationalen Produktionswert um 1,4 Milliarden US$ vermehrt haben wird. Laut CIER, einer 1981 in Taipeh gegründeten staatlich finanzierten Denkfabrik, werden über 80 Prozent der Gewinne am Produktionswert von Herstellern in Bereichen wie Kommunikationsgeräte, elektronische Komponenten, Photovoltaik-Material, Leiterplatinen und Halbleiter kommen.
<P>Zu anderen taiwanischen Gewerben, die mit Vorteilen durch ASTEP rechnen dürfen, zählen etwa solche im Dienstleistungssektor wie Anbieter von Lagerhausdiensten oder Hersteller gewisser alkoholischer Getränke. Taiwans Bierfabrikanten zum Beispiel erwarten, dass die Aufhebung von Zöllen ihnen helfen wird, in Singapur einen größeren Marktanteil zu gewinnen. Zusätzlich sind Taiwan und Singapur beide Mitglied im Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (<I>Government Procurement Agreement</I>, GPA) der WTO, weswegen ASTEP einen Abschnitt über Erwerb von Gütern und Dienstleistungen durch Regierungsbehörden beider Seiten enthält, laut dem unter anderem der Mindestbetrag für staatliche Beschaffungs-Ausschreibungen gesenkt wird.
<P>Nach den Worten von Lee Chun, stellvertretender geschäftsführender Direktor des Taiwan WTO- und RTA-Zentrums von CIER („RTA“ steht für Regional Trade Agreement, zu Deutsch: Regionales Handelsabkommen), werden ANZTEC und ASTEP sehr viel mehr bringen als lediglich unmittelbare bilaterale Handelsvorteile. Vor dem Hintergrund von Taiwans einzigartigem politischen Verhältnis mit Festlandchina führten laut Lee die beiden Abkommen der internationalen Gemeinschaft Taiwans Entschlossenheit im Hinblick auf Liberalisierung trotz politischer Fragen vor. „Das wird die Vorbehalte der anderen Handelspartner mindern, wenn sie über den Aufbau engerer Beziehungen mit Taiwan nachdenken.“
<P>Lee fügt hinzu, es sei erfreulich und ermutigend, dass Neuseeland und Singapur die Führung dabei übernommen haben, an stärkeren Beziehungen mit Taiwan zu arbeiten. „Die Taiwaner sollten solche Freundschaft begrüßen“, rät er. Liang führt diesen Gedanken noch weiter und meint, die aus ASTEP resultierende verbesserte Freundschaft läuft in beide Richtungen, denn vermehrte Geschäftskontakte werden unweigerlich engere persönliche Verbindungen zwischen den Menschen von Taiwan und Singapur nach sich ziehen.
<P>Es ist bemerkenswert, dass Forschung über die Durchführbarkeit von ASTEP im August 2010 in Angriff genommen wurde, kurz nachdem Taiwan und Festlandchina (Taiwans größter Handelspartner) im Juni des gleichen Jahres ein Rahmenabkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit (<I>Economic Cooperation Framework Agreement</I>, ECFA) unterzeichnet hatten. „Wir haben uns dafür eingesetzt, Vorzugs-Handelsverbindungen mit Festlandchina zu fördern und den Marktzugang dort auszubauen, während wir gleichzeitig danach strebten, Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit mit anderen wichtigen Handelspartnern zu erzielen“, teilt Liang mit. „Wir glauben, dass es die beste Politik ist, unsere Aufmerksamkeit gleichmäßig zwischen dem festlandchinesischen Markt und anderen Märkten aufzuteilen.“</P>
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<IMG alt="Ein wichtiger Ausgangspunkt-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p15.jpg" MMOID="219411">
<P>Taiwans Bierbrauer erwarten, dass sie dank der Aufhebung von Zöllen durch ASTEP einen größeren Anteil vom Markt in Singapur gewinnen können. (Foto: Central News Agency)</P></DIV>
<P><B>Der beste potenzielle Partner</B>
<P>Nach der Unterzeichnung von ECFA wurde Taiwans Wirtschaftsplanern klar, dass Singapur einer der besten potenziellen Partner für ein Handelsliberalisierungs-Abkommen sei, denn Australien, Japan, Neuseeland, Südkorea und die USA hatten zuvor den Stadtstaat als ihren ersten Freihandelspartner in Südostasien ausgewählt. Heute hat Singapur 20 Freihandelsabkommen mit 31 Handelspartnern unter Dach und Fach gebracht, unter ihnen Festlandchina, die jüngste Einigung war im September vergangenen Jahres mit der Europäischen Union (EU) unterschrieben worden.
<P>Bei einem Empfang im Taipeh-Gästehaus zur Feier der Unterzeichnung von ASTEP sagte Staatspräsident Ma Ying-jeou (馬英九), es sei von großer Bedeutung, dass Singapur das erste Land gewesen sei, das nach der Unterzeichnung von ECFA eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Taiwan angeregt habe. Die Unterzeichnung von ANZTEC und ASTEP zeige, dass ECFA andere Nationen wirksam dazu ermutigte, Freihandels- oder Wirtschaftskooperations-Abkommen mit Taiwan zu unterzeichnen, freute sich der Präsident. Andere Abkommen der jüngeren Zeit waren das bilaterale Investitions-Arrangement Taiwan-Japan vom September 2011 sowie bis November 2013 fünf weitere Verträge zwischen den beiden Ländern, von denen besonders das Arrangement für gegenseitige Kooperation bei elektronischem Handel zu nennen ist. Im Hinblick auf wirtschaftliche Zusammenarbeit war der März 2013 gleichfalls ein großartiger Monat, als nach einer Pause von über fünf Jahren die Gespräche über ein Handels- und Investitions-Rahmenabkommen mit den USA wieder aufgenommen wurden.
<P>Unter Taiwans größeren Handelspartnern machen Festlandchina und Hongkong etwa 40 Prozent aller Exporte aus, während die modernen Volkswirtschaften der USA und der EU zusammen 20 Prozent aller taiwanischen Ausfuhren erhalten. In den jüngsten Jahren jedoch verzeichnete man nur in den Märkten von sechs Mitgliedern des Verbandes südostasiatischer Nationen (<I>Association of Southeast Asian Nations</I>, ASEAN) wesentliche Steigerungen der Exporte aus Taiwan: Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Im Jahr 2012 gingen 18,5 Prozent von Taiwans Exporten dorthin, gegenüber 2011 eine Zunahme von 10 Prozent. Taiwans neues Abkommen mit Singapur wird voraussichtlich eine Ausweitung dieses Trends nach sich ziehen. „ASTEP stärkt Singapur als Sprungbrett für eine stärkere Präsenz von uns auf den ASEAN-Märkten“, versichert Liang.
<P>Lee stimmt ihm zu und meint, der fundamentale Wert von ASTEP beruhe in der Aussicht, die es im Hinblick auf Ausdehnung von Taiwans Handelsstärke in ganz Südostasien berge. „Sehen Sie sich zum Beispiel die Niederlassungen an, die Taiwans größere Banken in Singapur eingerichtet haben“, begründet er. „Sie wenden sich eigentlich nicht an den Inlandsmarkt in Singapur, sondern vielmehr an die Märkte in Indonesien, Malaysia und Thailand.“ Singapur wird ähnliche Vorteile in Taiwan verzeichnen, fährt Lee fort, da die Firmen des Stadtstaates die engen Handelsverbindungen Taiwans mit Japan und Festlandchina nutzen können, um die Märkte in jenen Ländern zu erkunden und zu entwickeln.
<P><B>Vielversprechender Pakt</B>
<P>ASTEP wird überdies vermutlich bei Taiwans Streben helfen, an Abkommen über regionale Wirtschaftskooperation beteiligt zu werden. Ein solcher Pakt ist die Transpazifische Partnerschaft (<I>Trans-Pacific Partnership</I>, TPP), die 2005 zustande kam, als Brunei, Chile, Neuseeland und Singapur das Abkommen über transpazifische strategische Wirtschaftspartnerschaft unterzeichneten. 2008 nahmen die USA Verhandlungen über Handels-Liberalisierung mit der Gruppe auf, und bald begannen Gespräche über den Aufbau eines größeren Handelsblocks namens TPP. Australien, Kanada, Japan, Malaysia, Mexiko, Peru und Vietnam haben sich seither den Verhandlungen angeschlossen.
<P>„Zwar kamen Taiwans bilaterale Handelsgespräche mit Neuseeland und Singapur nicht unter den TPP-Schirm, doch man erwartete von uns, im Geist von TPP zu verhandeln, und auf diese Weise lernten wir eine Menge über die Liberalisierungsstandards von TPP“, sinniert Liang. Beispielsweise erlaubt Taiwan seit langem ausschließlich Regierungsbehörden und Branchenverbänden, Zertifikate über Produktherkunft auszustellen. TPP hingegen verlangt, dass Exporteuren die Ausstellung solcher Zertifikate erlaubt wird, und das wird nach dem Inkrafttreten von ASTEP die Regel werden. „Diese bilateralen Gespräche trugen dazu bei, unsere zukünftigen TPP-Verhandlungen vorzubereiten“, kommentiert der Vizeminister.
<P>Ein weiterer entstehender Handelsblock ist die Regionale Umfassende Wirtschaftspartnerschaft (<I>Regional Comprehensive Economic Partnership</I>, RCEP), die erstmals 2011 bei einer ASEAN-Konferenz ins Gespräch gebracht worden war. Der vorgeschlagene Handelsblock umfasst die zehn ASEAN-Mitglieder und ihre sechs Handelspartner. Die Unterzeichnung eines Abkommens über wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Singapur hilft Taiwan bei der Vorbereitung auf RCEP, weil der Stadtstaat im Verlauf der ASTEP-Verhandlungen mit Taiwans Wirtschaft und Exporten sehr vertraut wurde. „Das bedeutet, dass wir mit einer Partei weniger eingehende Verhandlungen über zukünftige Regionalgespräche werden führen müssen“, sagt Lee.
<P>In einer abschließenden Analyse könnte man sagen, dass ASTEP nicht nur den Verbrauchern und Unternehmen in beiden Ländern nutzen wird, sondern auch den Weg für Taiwans Beteiligung an der zunehmend integrierten globalen Wirtschaft bereiten wird. Für ein exportorientiertes Land wie Taiwan ist ASTEP in der Tat eine willkommene Neuigkeit.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Ein digitales Zeitalter einläuten]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101524/Ein-digitales-Zeitalter-einl%C3%A4uten]]></link><guid>101524</guid><pubDate>2014/05/01</pubDate><description><![CDATA[Als nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten rund um den Erdball Sicherheitssorgen zunahmen, wuchs Vivotek Inc., im Jahr zuvor von einer Gruppe Absolventen der National Taiwan University (NTU) in Taipeh gegründet, allmählich zu einem führenden Hersteller von Videonetz-Überwachungsprodukten.
<P>Die Firma, die 2008 in Kalifornien eine US-Niederlassung einrichtete und ihre Waren in über 80 Ländern verkauft, ging auf eine Idee von Chen Liang-gee (陳良基) zurück, der zur Zeit als Professor an der Abteilung für Elektrotechnik der NTU lehrt, einer der besten akademischen Institutionen des Landes. Chen, der bei der Gründung mehrerer anderer Hightechfirmen behilflich war, ist außerdem NTUs Vizepräsident für akademische Angelegenheiten. Einige Forschungsprogramme der NTU sind den besten der Welt ebenbürtig, eines davon im Bereich von Ein-Chip-System-Technologie für integrierte Schaltkreise, gleichfalls ein geschäftlicher Schwerpunkt von Vivotek.
<P>„Taiwan erzielt bessere Ergebnisse bei Forschung zu modernster Informations- und Kommunikationstechnologie (<I>Information and Communications Technology</I>, ICT) als enge Konkurrenten wie Südkorea“, behauptet Chen und fügt hinzu, solche Forschung sollte die industrielle Anwendung technologischer Innovationen fördern und die Beziehungen zwischen dem akademischen und dem kommerziellen Sektor verbessern.
<P>Chen ist überdies der ehemalige Präsident der Nationalen Laboratorien für Angewandte Forschung (<I>National Applied Research Laboratories</I>, NARL), deren Zentrale sich in Taipeh befindet und die größtenteils vom Ministerium für Wissenschaft und Technologie (<I>Ministry of Science and Technology</I>, MOST) finanziert werden. „NARL ist ein Forum für ursprüngliche wissenschaftliche Experimente, die entsprechenden geschäftlichen Unternehmungen helfen“, erläutert Chen. Als Beispiel führt er eine von elf NARL-Organisationen auf, das Nationalzentrum für hohe Computerleistung (<I>National Center for High-performance Computing</I>, NCHC), das Filmemachern Unterstützung bietet wie Render Farm, ein Trickfilmsoftware-Forum, das im Jahr 2011 in der NARL-Supercomputeranlage entstand. Laut Chen zeigte Render Farm „die Fähigkeit, anspruchsvolle digitale Bilder zu erstellen“. Daneben gibt es das Nationale Chip-Verwirklichungszentrum (<I>National Chip Implementation Center</I>, CIC) von NARL und andere Institutionen, welche bei den langfristigen Anstrengungen des MOST helfen, im Inland geplante Forschungsprojekte zu unterstützen wie jene, welche von Chen und seinen Wissenschaftler-Kollegen angeregt werden.
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<IMG alt="Ein digitales Zeitalter einläuten-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p19.jpg" MMOID="219412">
<P>Taiwan ist ein führender Hersteller vieler ICT-Produkte, darunter Hauptplatinen für Computer. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P>In Taiwan wird seit langem ein besonderes Gewicht auf die ICT-Entwicklung gelegt, besonders auf konventionelle und drahtlose Breitbandnetze. Im Jahr 2001 bildete der Exekutiv-Yuan (行政院), also Taiwans Regierungskabinett oder Ministerrat, das Nationale Informations- und Kommunikationsinitiativkomitee (<I>National Information and Communications Initiative Committee</I>, NICI) und begann damit, staatliche Projekte für ICT-Infrastrukturentwicklung anzuleiten. Chang San-cheng (張善政), MOST-Minister und Leiter von NICI, verweist auf den Erfolg der Regierung in dem Bereich unter Hinweis auf den Index für Vernetzte Bereitschaft im Bericht über globale Informationstechnologie 2013 vom Weltwirtschaftsforum (<I>World Economic Forum</I>, WEF), der Taiwan unter 144 geprüften Volkswirtschaften auf Rang 10 einstuft (einen Rang höher als im Vorjahr), „in Asien zweitplatziert hinter Singapur“.
<P>Die Einstufung beruht auf der Fähigkeit einer Volkswirtschaft, digitale Technologie, einschlägige Regulierungen und geschäftliche Gelegenheiten zu entwickeln, auch werden Faktoren berücksichtigt wie der ICT-Nutzungsgrad sowie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von ICT. Zu den maßgeblichen Indikatoren gehören e-Verwaltungsdienste, Internetzugang, Mobiltelefonverträge, Patentanwendungen und Verfügbarkeit von Risikokapital. Laut den Höhepunkten im Bericht von 2013 dominierten Taiwan und die drei anderen asiatischen Tiger (Hongkong, Singapur und Südkorea) gemeinsam mit skandinavischen Ländern den Index jenes Jahres „wegen ihres wirtschaftsfreundlichen Ansatzes, der hochqualifizierten Bevölkerung, Investitionen in Infrastruktur und sonstigen Stärken“. Außerdem stand Taiwans Geschäfts- und Innovationsumfeld im Index für Vernetzte Bereitschaft 2013 auf Rang 4.
<P>Chang macht darauf aufmerksam, dass Breitband- und Drahtlosdienste in Taiwan allgemein verfügbar sind. Der Sättigungsgrad von Taiwans Mobiltelefonmarkt und der Anteil der häufigen Internet-Nutzer im Land gehören zu den höchsten der Welt. Anfang 2002 überschritt die Mobiltelefon-Verbreitungsrate die 100-Prozent-Marke und ist mittlerweile weiter auf über 120 Prozent gestiegen, denn viele Nutzer haben sich mehr als nur ein Mal angemeldet. Der Minister leitet zudem das politische Initiativkomitee digitale Konvergenz, welches das Digitalkonvergenz-Entwicklungsprogramm 2010-2015 beaufsichtigt. Das Programm soll weiter ICT-Infrastruktur in Bereichen entwickeln wie Ausbau von Festnetz- und Drahtlos-Breitband und Glasfasernetze. Taiwan ist eines der am dichtesten vernetzten Länder der Erde, verrät Chang und meint, das Land sei in ein Übergangsstadium eingetreten, in dem breitere Anwendungen und Wünsche eine Führungsrolle dabei übernehmen, die Verbesserungen bei ICT-Infrastruktur auf ein noch höheres Niveau zu führen. Allerdings merkt der Minister an, dass die Menschen „keine Veranlassung sehen werden, ihren Breitbandzugang auf 100 Megabits pro Sekunde zu vergrößern, wenn sie kein besonderes Interesse für Online-Inhalte wie Filme empfinden“.
<P>Die ICT-Kenntnisse in der allgemeinen Bevölkerung auszuweiten ist eine wichtige Aufgabe des Instituts für Informationsindustrie (III). Als halbstaatliche, gemeinnützige Organisation, die 1979 in Taipeh ins Leben gerufen worden war, ist das Institut außerdem zuständig dafür, Forschung und Geschäftsentwicklung im ICT-Bereich zu fördern. „Einfach gesagt, ,digitale Konvergenz‘ bedeutet, drei Dinge miteinander zu kombinieren — Telefon, Fernseher (Television) und Computer“, definiert III-Präsident Wu Ruey-beei (吳瑞北). „Drei Teles in einem“ ist das Schlagwort, das er in chinesischer und englischer Sprache benutzt, denn das chinesische Wort für Computer kann man wörtlich mit Elektrohirn oder „Tele-Gehirn“ (電腦) übersetzen. Als NTU-Professor ist Wu Fachmann für Signalintegrität-Technik, welche die Verzerrung oder den Verlust von übertragenen elektrischen Signalen analysiert und mildert, um ein Versagen des Systems oder Geräts zu verhindern. Diese Expertise ist für die Verpackung und Zusammensetzung von Elektronik in Bereichen von internen Verbindungen eines integrierten Schaltkreises bis zu Verbindungen von Systemen untereinander von entscheidender Bedeutung. So hat Wu Partnerschaften mit mehreren taiwanischen internationalen ICT-Gewerberiesen gebildet wie Hon Hai Technology Group, MediaTek Inc., Realtek Semiconductor Corp., Portwell Inc. und Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC).
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<IMG alt="Ein digitales Zeitalter einläuten-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p20.jpg" MMOID="219413">
<P>Jährliche ICT-Messen im Welthandelszentrum Taipeh locken stets große Besuchermassen an. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P>„Wenn sie Probleme jeglicher Art sehen oder voraussehen, helfe ich ihnen bei der Suche nach Lösungen mit meinen Studenten, die vielleicht später für die betreffende Firma arbeiten werden“, sagt Wu. „Wenn die Ergebnisse unserer Studie im akademischen Sektor veröffentlicht werden, können sie eine Quelle für Patentanmeldungen im gewerblichen Sektor werden.“ Ein solches Modell für anhaltende Entwicklung von talentiertem Nachwuchs und technologischer Stärke ist ausschlaggebend für die Beständigkeit von Taiwans ICT-Gewerbe.
<P><B>Vereinigte Kommunikation</B>
<P>Die Abkürzung ICT wird zwar häufig für Informationstechnologie allgemein benutzt, doch tatsächlich bezieht sie sich auf vereinigte Kommunikations- und Internetsysteme, mit denen die Benutzer Informationen durch Audio-Video-Geräte und Software abrufen, übertragen, speichern und bearbeiten können. Der Markt für solche Arten von ICT-Produkten wurde Mitte der neunziger Jahre in Taiwan lebendig, als der Telekommunikationsbereich für Mobil-, Satelliten- und Festnetz-Kommunikationsdienste liberalisiert und der Privatwirtschaft geöffnet wurde.
<P>Die Einkünfte aus Telekom-Dienstleistungen beliefen sich im Jahr 2012 auf 12,94 Milliarden US$, ein Anstieg um 147 Prozent gegenüber den 5,24 Milliarden US$, die man im Jahr 1996 erwirtschaftet hatte. Gerade der Anteil von Mobiltelefon-Service an den Telekom-Einkünften wuchs zwischen 1996 und 2012 von 13 auf 58 Prozent, seit 2007 ist die Zahl der genutzten Mobiltelefone höher als die von Festnetz-Fernsprechern.
<P>Im Hinblick auf den Fernsehsektor vollendeten Taiwans fünf terrestrische Fernsehanstalten im Jahr 2012 den Übergang von analoger auf digitale Signalübertragung. Im Rahmen der Regierungsinitiativen für digitale Konvergenz bewegt sich das Kabelfernsehgewerbe außerdem in Richtung umfassender Digitalisierung, wie es nach einer Überarbeitung des Gesetzes über Kabelradio und –fernsehen, das derzeit vom Legislativ-Yuan (立法院) — also Taiwans Parlament — geprüft wird, Vorschrift sein wird.
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<IMG alt="Ein digitales Zeitalter einläuten-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p22.jpg" MMOID="219414">
<P>Cloud-Dienstleistungen für Nutzer von Vielfachbildschirmen haben für Taiwans ICT-Entwicklung ein vielversprechendes Potenzial. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P>Taiwan ist einer der größten Hersteller und Exporteure von ICT-Produkten der Welt. Nach Auskunft des Marktforschungs- und Beratungsinstituts von III wurde erwartet, dass der allgemeine Produktionswert von Taiwans Kommunikationsindustrie übers Jahr 2013 um 7 Prozent steigen und in diesem Jahr 2,37 Billionen NT$ (56,42 Milliarden Euro) erreichen würde, im Sektor der drahtlosen Kommunikation rechnete man mit einem Wachstum von 13 Prozent. Mehrere taiwanische Netzhardware-Produkte wie drahtlose Netzschnittstellen-Controller und kundenseitige Endgeräte für Abonnenten digitaler Leitungen haben den höchsten Weltmarktanteil. In solchen besonderen Bereichen haben einheimische Unternehmen gewerbliche Bezirke mit vollständiger Versorgungskette für ICT-Komponenten gebildet. „Es gibt nur wenige andere Orte in der Welt wie Taiwan, wo man das, was man braucht, leicht durch einen einfachen Abstecher nach Taipeh oder Hsinchu bekommen kann“, lobt Chen von der NTU. In Hsinchu befindet sich der Wissenschaftspark Hsinchu, ein Zentrum für Hightechgewerbe in Nordtaiwan.
<P>Wu verweist auch darauf, dass Taiwans Fertigungsbetriebe für integrierte Schaltkreise (<I>Integrated Circuits</I>, IC) und IC-Verpackungs- und Testgewerbe global führend sind. Die beiden inländischen Sektoren, die Auslandsproduktion taiwanischer Firmen nicht mitgerechnet, machten laut Statistiken des Wirtschaftsministeriums im Jahr 2012 jeweils 66 und 50,9 Prozent der Weltproduktion aus. „Unsere Firmen sind recht kreativ und reagieren auf geschäftliche Trends“, bemerkt Wu unter Hinweis auf die Chipfertigungskompetenz von TSMC und das einzigartige Transformer Book-Gerät von ASUSTEK Computer Inc., das einen abtrennbaren Tablet-Computer enthält.
<P><B>Globales Cloud-Wachstum</B>
<P>Wu macht darauf aufmerksam, dass Taiwans seit langem behauptete Stärke bei ICT-Herstellung durch Führung in neu entstehenden Märkten aufrechterhalten werden muss, daher ist es an der Zeit für die einheimischen Unternehmen, sich vom „Hardware-orientierten Denken“ zu lösen und sich darauf zu konzentrieren, direkten Kontakt mit Nutzern aufzubauen und entsprechende Dienste anzubieten.
<P>Im Jahr 2010 half III bei der Gründung des Cloud Computing-Verbandes in Taiwan, in dem heute zahlreiche große ICT-Firmen Mitglied sind. Die momentan von Inventec Corp. geführte Gruppe bemüht sich unter anderem, Taiwans Kapazitäten für den Export von Cloud Computing-Dienstleistungen zu verbessern. Das globale Gewerbe für Cloud Computing hat ein riesiges Potenzial, und Chen hebt hervor, dass Taiwan mit seinen erwiesenen gewerblichen Stärken ein breites Spektrum von geschäftlichen Gelegenheiten aus dem Cloud-Bereich nutzen kann. „Wir brauchen uns nicht allein darauf zu konzentrieren, die Wolke (,cloud‘ in englischer Sprache) zu schaffen, oder die ,Flugzeuge‘, die da reinfliegen“, vergleicht er. „Wir können unsere Kräfte auch für Service am ,Flughafen‘ einsetzen, wohin alle Flugzeuge am Schluss zurückkehren müssen.“
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<IMG alt="Ein digitales Zeitalter einläuten-4" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p23.jpg" MMOID="219416">
<P>Eine einheimische Telekomfirma bietet Service der Art „virtuelle Brieftasche“ (virtual wallet) für Smartphones. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P>III hat überdies das Forum Cloud-Anwendung für Unternehmen eingerichtet, welches es einheimischen Anbietern von ICT-Hardware und –Software ermöglicht, Produkte und Lösungen auf Cloud-Grundlage zu entwickeln. Dieses System wurde nach Wus Worten im Oktober vergangenen Jahres vom Informations-Datenzentrum der Tokai Communications Inc. in Japan formell in Dienst gestellt.
<P>Der III-Präsident nennt ein weiteres Beispiel für ein interessantes System seines Instituts auf Cloud-Grundlage, mit dem der Energieverbrauch daheim oder im Büro überprüft werden kann. „Damit kann man ermitteln, welches Gerät im Haus den meisten Strom verbraucht, zum Beispiel vielleicht überraschenderweise der Wasserkocher, der laufend in Betrieb sein muss, um das Wasser heiß zu halten“, enthüllt Wu. Chang betrachtet solche Anwendungen und Dienstleistungen im Zusammenhang mit klugem Alltagsleben zudem als äußerst vielversprechend für die zukünftige Entwicklung von Taiwans ICT. „Die Integration von Hardware und Software wird außerordentlich viel höhere Werte für das ICT-Gewerbe erzeugen“, prophezeit er.
<P>Anders gesagt wird es wohl eine steigende Nachfrage nach Cloud-Einsatzmöglichkeiten für Endnutzer-Geräteentwicklung, Systemwartung und Ähnliches geben. Weil man erwartet, dass die kluge Nutzung von so viel Daten auf Cloud-Basis dem Wirtschaftswachstum in aller Welt Schub geben wird, darf sich Taiwans ICT-Industrie sicherlich auf eine neue Wachstumsrunde freuen.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Kluge Helferlein]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101525/Kluge-Helferlein]]></link><guid>101525</guid><pubDate>2014/05/01</pubDate><description><![CDATA[Informations- und Kommunikationstechnologie (<I>Information and Communications Technology</I>, ICT) spielt im Alltagsleben vielfältige Rollen, doch für James Chen ist sie im Bereich der Gesundheitspflege besonders bedeutsam. Nachdem er viele Jahre lang in Taipeh gearbeitet hatte, ließ er im vergangenen Sommer in seiner heimatlichen Familienresidenz in der südtaiwanischen Hafenmetropole Kaohsiung ein Prüfgerät installieren. Seine Mutter, eine Diabetikerin, misst heute damit zwei Mal täglich ihren Blutzuckerspiegel, die Messwerte werden sofort zur Analyse an ein Fernpflegezentrum übertragen, das von der Medizinischen Hochschule Kaohsiung (<I>Kaohsiung Medical University</I>, KMU) eingerichtet wurde. „Meine Mutter hat auch früher ihren Blutzuckerspiegel gemessen, doch manchmal hat sie das vergessen oder hatte gelegentlich einfach keine Lust dazu“, erzählt Chen. „Nun tut sie es regelmäßig, und ich mache mir um ihren Zustand weniger Sorgen.“
<P>Das Telefonzentrum im Fernpflegezentrum ruft die Personen an, die ihre Werte nicht gemessen haben, und der Service ermutigt Menschen mit Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck, bei Gesundheit bessere Gewohnheiten anzunehmen. Das Telefonzentrum wird von Chen auch deswegen gelobt, weil es rund um die Uhr besetzt ist und dabei hilft, ärztliche Arrangements zu treffen, etwa Anmeldung für Arztbesuche und Entsendung von Krankenwagen in Notfällen. Patienten können zum Beispiel anrufen und ihre Symptome beschreiben, und das Zentrum hilft ihnen, am Chung-Ho Memorial Hospital, das an die KMU angeschlossen ist, einen Termin bei geeigneten Spezialisten zu bekommen.
<P>Nach Auskunft von KMU-Präsident Liu Ching-kuan wurde der Fern-Gesundheitsdienst Anfang 2009 eingerichtet, um Patienten mit chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes, die beide als Haupt-Risikofaktoren für einen Schlaganfallen gelten, zu beobachten. „Medizinische Dienste haben eine größere Durchdringungsrate, wenn sie durch ICT übertragen werden“, versichert Liu, der auch als Neurologe an der KMU tätig ist. „Das ist besonders bedeutsam angesichts von Taiwans rasant alternder Gesellschaft und der immer größer werdenden Herausforderung, chronische Krankheiten zu bekämpfen.“
<P>Im Jahr 2007 begann das damalige Gesundheitsministerium (<I>Department of Health</I>, DOH), das im vergangenen Jahr zum Ministerium für Gesundheit und Soziales (<I>Ministry of Health and Welfare</I>, MOHW) aufgewertet wurde, mit der Werbung für Fern-Gesundheitspflege und bezuschusste Bemühungen von Krankenhäusern auf der ganzen Insel, die erforderlichen Netze zu schaffen. Die KMU-Gruppe, eine der ersten, die Ferndienste anbot, wurde 2011 vom DOH als Drehscheibe ausersehen, um Krankenhäusern in Zentral- und Südtaiwan Anleitung zu geben, die entsprechende Institution in Nordtaiwan war das Wanfang Hospital in Taipeh. Heute gibt es 13 Kliniken in Taiwan, die solche Dienste bieten, manche von ihnen haben ein eigenes System entwickelt wie die Universitätsklinik National Taiwan University Hospital (NTUH) in Taipeh.
<P>Kluge Lebensweise nimmt in Taiwan vielfältige Formen an, auch wegen der sich entwickelnden ICT-Infrastruktur des Landes. Vom Nationalen Entwicklungsrat (<I>National Development Council</I>, NDC) — eine Behörde in Ministeriumsrang und Nachfolger der Kommission für Forschung, Entwicklung und Bewertung (<I>Research, Development and Evaluation Commission</I>, RDEC) — durchgeführte Studien ergaben Verbesserungen bei der ICT-Mobilität, der Prozentsatz von Menschen, die durch mobile Geräte Zugang zum Internet haben, stieg im vergangenen Jahr auf 77 Prozent, während es 2009 noch 42 Prozent gewesen waren. Nach Auskunft des Taiwan Network Information Center, einer gemeinnützigen Organisation, die zum Teil von der Regierung finanziert wird, hat sich die Qualität der ICT-Infrastruktur gleichfalls verbessert, im vergangenen Jahr hatten 16 Millionen Taiwaner Breitbandanschluss ans Internet gegenüber 9,4 Millionen im Jahr 2003.
<P>Die sich laufend verbessernde ICT-Infrastruktur trug dazu bei, „kluge Klassenzimmer“ und „e-Schultaschen“ populär zu machen; dabei handelt es sich um Tablet-Computer, welche die Lerneffizienz steigern und mit der Zeit konventionelle Schultaschen ersetzen sollen. Taiwans erste kluge Klassenzimmer nahmen 2002 an einer Schule in Taipeh den Betrieb auf, Teil eines Projekts im Auftrag des Bildungsministeriums, berichtet Wang Hsue-yie, Mitbegründer von HABOOK Information Technology Inc., dem Haupt-Lieferanten der Software in den e-Schultaschen. „Die damals alles andere als ideale ICT-Infrastruktur behinderte bis vor drei Jahren die Ausbreitung dieses neuen Lernkonzepts“, enthüllt Wang, der zur Zeit nebenbei am Graduierteninstitut für Netz-Lerntechnologie der National Central University im nordtaiwanischen Taoyuan lehrt.
<P>Die Kosten für die Einrichtung eines klugen Klassenraums sind in den vergangenen gut zehn Jahren ein Stück weit gesunken. Im Jahr 2002 musste man bis zu eine Million NT$ (23&nbsp;809 Euro) für entsprechendes Gerät berappen, darunter Tablet-Computer für Schüler und eine digitale Tafel anstelle der zuvor üblichen Schiefertafel, doch diese Kosten sind heute um über zwei Drittel geringer. Der Lerntechnologie-Dozent schätzt, dass e-Schultaschen in Dutzenden von Grundschulen und mehreren Oberschulen rund um die Insel benutzt werden.
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<IMG alt="Kluge Helferlein-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p25.jpg" MMOID="219417">
<P>Zum Projekt BodySmile („Körper-Lächeln“) gehört eine Gesundheitsbeobachtungs-Apparatur, die sich für den Einsatz in Organisationen eignet. (Foto: Chang Su-ching)</P></DIV>
<P>„Nachdem ich eine Frage gestellt habe, kann ich schnell die Antworten aller Schüler sehen, was dazu beiträgt, die Klassendiskussion zu beleben“, findet Wang Yu, der in der sechsten Klasse der an die University of Taipei angegliederten Experimental-Grundschule Chinesisch und Mathematik unterrichtet. (<I>Anmerkung der Redaktion</I>: In Taiwan dauert die Grundschule sechs Jahre, die anschließende Mittelschule drei Jahre und die Oberschule ebenfalls drei Jahre.) „Ich tausche mich gern mit meinen Schülern aus, und digitales Unterrichten ermöglicht zusätzliche Interaktion“, unterstreicht der Lehrer.
<P>Gleichzeitig spielen mobile Apps, von denen viele auf öffentliche Regierungsdaten zugreifen, im Fremdenverkehrsbereich eine zunehmende Rolle. „Lokalverwaltungen in ganz Taiwan brennen darauf, ,klugen Tourismus‘ zu fördern, weil dieser Sektor am besten für das Image einer Stadt werben kann“, begründet Garfield Hung, stellvertretender Generaldirektor des Instituts für Innovative DigiTech-aktive Anwendungen und Dienstleistungen (<I>Innovative DigiTech-Enabled Applications &amp; Services Institute</I>, IDEAS) im Institut für Informationsindustrie (III), und bezieht sich damit auf Touristen-Apps mit örtlichen Wetterberichten, Empfehlungen von Prominenten und Infos über Verkehr und Unterkünfte. Taiwan Giveaways zum Beispiel ist eine App, die im Dezember 2013 vom Tourismusamt gestartet wurde und sich an nordamerikanische Besucher wendet. Sie listet Touristenziele auf, die man nicht versäumen darf.
<P>Apps und ICT-Infrastruktur allein sind keine Garantie für eine kluge Lebensweise. „Um eine kluge Lebensweise zu entwickeln, muss ein Service gemäß den Reaktionen der Benutzer im wirklichen Leben geschaffen werden“, philosophiert Chen Yu-yi, Beraterin im Gewerblichen Wirtschafts- und Wissenszentrum des Forschungsinstituts für industrielle Technologie (<I>Industrial Technology Research Institute</I>, ITRI). „Man muss Produkte und Dienstleistungen auf Grundlage der Lebenserfahrungen der Benutzer gestalten und in ihnen den echten Wunsch hervorrufen, sie zu benutzen.“
<P>Chien I-kuang, Direktor des Fernpflegezentrums der KMU, nennt Geräte für die Fernaufsicht über die Gesundheit von Patienten als Beispiel für die Notwendigkeit, auf die Erfahrungen der Nutzer Rücksicht zu nehmen. „Ältere Leute benutzen Computer nur ungern, und in ihrer Vorstellung sehen die Fernprüfgeräte eben so aus“, sinniert er. „Deswegen muss man beim Design dieser Geräte sorgsam zu Werke gehen, so dass sie leicht zu gebrauchen sind, mit nur wenigen Knöpfen darauf. Mancher mag das Aussehen für billig halten, doch unsere Kunden sind willens, sie zu benutzen, und darauf kommt es ja an.“
<P>Im Jahr 2008 wurde die Mingsheng-Gemeinde in der Stadt Taipeh von IDEAS als Standort für ein Lebensweise-Laboratorium mit über 20&nbsp;000 Haushalten ausgewählt. Das Konzept eines Lebensweise-Laboratoriums, erstmals erforscht von Akademikern im Massachusetts Institute of Technology in den USA, betont eine auf den Benutzer konzentrierte Forschungsmethode, um dadurch Dienstleistungen gemäß den Erfahrungen der Nutzer verbessern zu können. In der ganzen Welt sind mittlerweile über 130 Lebensweise-Laboratorien eingerichtet worden.
<P>Bislang wurden in dieser experimentellen klugen Gemeinde 48 neu geschaffene ICT-aktive Dienste vorgeführt. Das BodySmile-Projekt umfasst iMed, ein ICT-aktives System zur Gesundheitsbeobachtung, das von AG Digital Technology Corp. entwickelt wurde, einer der Firmen, welche mit den Dienstleistungen und Produkten des Lebensweisen-Laboratoriums Mingsheng experimentieren. Das iMed-System, vorgesehen für den Einsatz in Organisationen und Firmen, wird von einer EasyCard aktiviert, einer Chipkarte, auf der ein zuvor eingezahltes Bargeld-Guthaben gespeichert ist und das überwiegend für den Zugang zu Taipehs öffentlichem Verkehrsnetz genutzt wird. Mittels Sensoren, die auf jeder Etage eines Treppenhauses im IDEAS-Gebäude installiert sind, kann das Projekt auch Menschen zum Abnehmen ermuntern. Die Benutzer können ihre EasyCard vor und nach der Benutzung des Treppenhauses an entsprechende Sensoren halten, um zu ermitteln, wie viele Kalorien sie verbrannt haben. Eine zusätzliche Maßnahme ist eine „Kalorien-Karte“, eine App, die ausgewählte Restaurants und Lokale in der Gegend anzeigt, wo Mahlzeiten mit wenig Kalorien angeboten werden.</P>
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<IMG alt="Kluge Helferlein-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p27.jpg" MMOID="219418">
<P>„Kluge Klassenzimmer“ wie hier in der an die University of Taipei angegliederte Experimental-Grundschule verbessern die Interaktion zwischen Lehrer und Schülern. (Foto: Courtesy HABOOK Information Technology Inc.)</P></DIV>
<P><B>Rechtliche Hürden</B>
<P>Beim Projekt In-Synergy (Internet kluge Energie) wurden besondere Steckdosen, welche das Institut für kluge Netzsysteme (<I>Smart Network System Institute</I>, SNSI) unter III entwickelt hatte, an 1300 Haushalte verteilt, damit die Bewohner per Mobiltelefon und durch andere tragbare Apparate den Stromverbrauch verschiedener Haushaltsgeräte beobachten konnten. „Die Bewohner können ermitteln, welche Geräte die meiste Elektrizität verbrauchen, und daraufhin Maßnahmen zum Stromsparen ergreifen“, wirbt Hung. „Wenn sie das Haus verlassen und vergessen, ein Gerät abzuschalten, können sie das sofort per Handy erledigen, um Strom zu sparen und die Sicherheit ihrer Behausung zu gewährleisten. Manche Eltern befürchten, dass während ihrer Abwesenheit von zu Hause ihre Kinder zu viel fernsehen. Sie haben uns gebeten, das System zu installieren, damit sie den Fernseher abstellen können, selbst wenn sie nicht bei ihren Kindern sind.“
<P>ICT-aktives kluges Leben hat zahlreiche Vorteile, doch es bleiben mehrere Herausforderungen. Eine Garnitur Steckdosen, wie sie im Projekt In-Synergy verwendet werden, kostet etwa 8000 NT$ (190 Euro), mehr als viele Menschen zu zahlen bereit wären, moniert Hung und fügt hinzu, dass die Forscher daran arbeiten, die Kosten zu senken. Für Telemedizin gibt es dagegen ein rechtliches Hindernis. Das Gesetz über medizinische Fürsorge schreibt vor, dass Diagnose und Behandlung, die bei Telemedizin aus der Ferne vorgenommen werden können, direkt von Angesicht zu Angesicht durchgeführt werden müssen, außer Entfernung und Zugänglichkeit machten dies unmöglich. Infolgedessen wird das Gesetz laut KMU — die Telemedizin in sieben Städten in Taiwans Bergland und auf den vorgelagerten Inseln beaufsichtigt — nun vom MOHW geprüft, um medizinische Fernbehandlung für mehr Patienten verfügbar zu machen.
<P>Chen Yu-yi findet indes, dass es wichtiger sei, den medizinischen Sektor besser auf Fernpflege vorzubereiten, als geltende Bestimmungen zu lockern. „Das Gesetz würde es erlauben, mehr Menschen medizinische Hilfe zukommen zu lassen, doch es könnte sein, dass man es nicht gut macht, weil man logistisch noch nicht bereit ist“, warnt sie.
<P>Die Einstellungen der Menschen gegenüber ICT-aktiven Diensten können ebenfalls ein Punkt sein, der Entwicklung hemmt. „Manchen Lehrern, die jahrelang auf konventionelle Weise unterrichtet haben, behagt es nicht, mit digitalen Geräten zu unterweisen“, gibt Wang Hsue-yie zu bedenken. „Und manche glauben, dass ihre Schüler hinterher in der Praxis nicht so gut sind, wenn sie auf diese Weise unterrichtet wurden.“
<P>Trotzdem ist der HABOOK-Mitbegründer im Hinblick auf die Aussichten für die Entwicklung kluger Klassenräume optimistisch, da es bei Qualität und Kosten von ICT-Ausstattung Verbesserungen gibt. „Das ist ein globaler Trend“, versichert er und fügt hinzu, die größte Einkommensquelle seines Unternehmens sei tatsächlich Festlandchina, wo man digitale Bildung seit drei Jahren recht ernst nimmt.
<P>Unterdessen beschloss im vergangenen Jahr die Taiwan-Niederlassung der Versicherung American International Assurance Co. (AIA), Fernpflege von KMU in ihr Versicherungsprogramm aufzunehmen. „AIA unternahm diesen Schritt, um sich von anderen Versicherungsfirmen abzuheben“, begründet Chien von der KMU. „Solche Dienstleistungen tragen dazu bei, die Gesundheit der Versicherten im Auge zu behalten, was die Wahrscheinlichkeit vermindert, dass ihre Kunden Versicherungs-Auszahlungen in Anspruch nehmen müssen.“
<P>Was „kluges Leben“ wirklich ausmacht, ist hingegen Spekulation, weil immer mehr Aspekte des Lebens digitalisiert werden. „Vielleicht bezeichnen manche ihre Wohnung als klug, nur weil sie mit einer Sicherheitsfirma verbunden ist, die Fernschutz bietet, in den Augen Anderer sollte eine kluge Wohnung zusätzliche Merkmale haben wie Energiesparfunktionen“, kontempliert Chen Yu-yi. Auch ein Fahrzeug mit Navi/GPS mag von manchen Fahrern schon für klug gehalten werden, wogegen Andere von klugen Autos, die in Taiwan noch nicht eingeführt wurden, erwarten, dass sie in der Lage sein sollten, Verkehrsstaus zu vermeiden und eine Route zum Fahrtziel zu planen. Beim klugen Leben scheint es keine Grenzen zu geben, und in Taiwan gibt es eindeutig Spielraum für Verbesserungen, bis dieser Aspekt einer zunehmend ICT-aktiven Welt alle Benutzer wirklich zufrieden stellt.
<P>
<HR>
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<IMG alt="Kluge Helferlein-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p29-1.jpg" MMOID="219419">
<P>Eine Mutter und ihre Tochter lernen in einem Zentrum für digitale Gelegenheiten auf der Inselgruppe Penghu vor Südwesttaiwan, wie man mit Computern umgeht. (Foto: Courtesy III)</P></DIV>
<P><B>Die digitale Kluft verkleinern</B>
<P>Die Frage der digitalen Kluft in Taiwan kam erstmals zur Sprache, als man sich bemühte, die Gebiete wieder aufzubauen, die am 21. September 1999 durch ein verheerendes Erdbeben Zerstörungen an der Bausubstanz erlitten hatten. Das Institut für Informationsindustrie (III) in Taipeh leitete im Jahr 2002 erste Schritte ein, indem es betroffenen Gemeinden Computer spendete. Zwei Jahre später richtete III das erste Zentrum für digitale Gelegenheiten (<I>Digital Opportunity Center</I>, DOC) in Chungliao im zentraltaiwanischen Landkreis Nantou ein, einer der am härtesten von der Naturkatastrophe heimgesuchten Gemeinden. „Dieses Zentrum dient als Betriebsmodell, an dem andere DOCs sich orientieren können“, sagt Lin Hsiu-ying, Managerin des III-Projekts, mit dem Taiwans digitale Kluft verkleinert werden soll. Die Erfahrung, DOCs im Inland wie das in Nantou aufzubauen, half überdies bei Taiwans späteren Bemühungen, vergleichbare Einrichtungen namens ADOC (also DOCs von APEC) im Ausland zu schaffen. Diese Initiative war von Taiwan im Rahmen der Asiatisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit (<I>Asia Pacific Economic Cooperation</I>, APEC) gestartet worden, und die ersten ADOCs wurden 2005 in Südostasien eingeweiht.
<P>„Unsere Aufgabe besteht darin, mit Kursen zu Computerkenntnissen und Rechner-Reparaturfertigkeiten Lehrerausbilder bei den Einheimischen zu schulen, die wiederum die DOCs selbständig und langfristig betreiben können“, meint Lin und verweist darauf, dass bis 2013 III 15 DOCs gegründet hatte, die meist in gemeinnützigen Organisationen wie örtlichen Gemeinde-Entwicklungsverbänden in abgelegenen Gebieten von Zentraltaiwan, im Süden und Osten der Insel untergebracht wurden. Dazu hat der Rat für Ureinwohnerangelegenheiten (<I>Council of Indigenous Peoples</I>, CIP) — eine Behörde in Ministeriumsrang — in jeder der vom Staat gekennzeichneten 55 Ureinwohnersiedlungen jeweils ein DOC aufgebaut. Daneben finanziert das Bildungsministerium heute 132 DOCs in ländlichen Gebieten von Städten und Kreisen auf ganz Taiwan, vor allem in Grundschulen. In der Stadt Taipeh wurden keine DOCs gegründet, weil die Computerkenntnisse der Bürger in der Hauptstadt bereits zu den besten der Welt zählen. Der DOC-Verbund des Bildungsministeriums war im vergangenen Jahr an der Schulung von über 36 000 Personen beteiligt, wogegen es 2005 noch gut 3100 gewesen waren.
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<IMG alt="Kluge Helferlein-4" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p29-2.jpg" MMOID="219420">
<P>Ein vom III in der südtaiwanischen Stadt Tainan betriebenes Zentrum für digitale Gelegenheiten bietet Schulkindern Kurse für Computerreparatur. (Foto: Courtesy III)</P></DIV>
<P>Die vielfältigen Bemühungen, die digitale Kluft zu schließen, haben sich nach Ansicht des Nationalen Entwicklungsrates (NDC) gelohnt. Die Studien der Behörde lassen den Schluss zu, dass 80,1 Prozent der Bewohner Taipehs der Altersgruppe über 12 Jahre im vergangenen Jahr das Internet benutzten, 2004 hatte der Anteil 73,4 Prozent betragen. In Taiwans ländlichen Gebieten ist der prozentuale Anstieg sogar noch höher. Der südtaiwanische Landkreis Chiayi zum Beispiel verzeichnete zwischen 2004 und 2013 eine Zunahme von 15,4 Prozent, nämlich von 47,7 Prozent auf 63,1 Prozent, und übertraf damit alle anderen Verwaltungsbezirke auf Kreisebene.
<P>Insgesamt ist bei Taiwans Hinwendung zu digitaler Technologie ein konstanter Anstieg zu erkennen, im vergangenen Jahr surften 76,3 Prozent aller Personen über 12 Jahre im Internet. Gegenwärtig besitzen 88,5 Prozent aller Haushalte in Taiwan mindestens einen Computer, ein Höchststand. „Das Endziel beim Schließen der digitalen Kluft ist, den Menschen in abgelegenen ländlichen Gebieten dabei zu helfen, entsprechende Fertigkeiten zu entwickeln und in örtlichen kleinen und mittleren Unternehmen Arbeit zu finden“, erklärt Lin. „So können sie in ihren Heimatorten bleiben, und die Wirtschaft dort kann gedeihen.“
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Mehr Wehrkraft dank Taiwan]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101526/Mehr-Wehrkraft-dank-Taiwan]]></link><guid>101526</guid><pubDate>2014/05/01</pubDate><description><![CDATA[Die Streitkräfte eines beliebigen Landes auszustatten ist keine leichte Aufgabe, und die Liste der Dinge, die man braucht, damit Taiwans Militär funktioniert, enthält zahllose Dinge wie Putzmittel, medizinischen Bedarf, Schrauben, Steckeradapter und vieles mehr.
<P>Großunternehmen wie Northrop Grumman Corp. und Raytheon Co. in den USA und das Chungshan-Institut für Wissenschaft und Technologie (<I>Chung-Shan Institute of Science and Technology</I>, CSIST) in Taiwan, die modernste Raketentechnologie, Granatwerfer und so weiter entwickeln und produzieren, beliefern die Streitkräfte der Republik China mit Gerät und entsprechenden Dienstleistungen. Gleichzeitig verkaufen einheimische kleine und mittlere Unternehmen viel weniger spektakuläre Dinge ans Militär wie Ausstattung aller Art, Ersatzteile, ausgesuchte Materialien und Wartungsservice.
<P>„Unsere Produkte sind sowohl für den zivilen als auch den militärischen Gebrauch, doch das Militär besteht stets auf bester Qualität“, verrät Jim Liao, Verkaufsvertreter von Jin Kou Enterprises Co. Ltd., die Schnelllösestifte aus Edelstahl oder Karbonstahl entwirft und herstellt.
<P>Jin Kou nimmt an der alle zwei Jahre stattfindenden Messe Taipei Aerospace &amp; Defense Technology Exhibition (TADTE) teil, die vom Verteidigungsministerium, dem Wirtschaftsministerium und dem Ministerium für Verkehr und Kommunikation (<I>Ministry of Transportation and Communications</I>, MOTC) gesponsert und vom Außenhandel-Entwicklungsrat Taiwan (<I>Taiwan External Trade Development Council</I>, TAITRA) organisiert wird. Die jüngste Messe ging im August vergangenen Jahres über die Bühne. „TADTE ermöglicht es Einkäufern in Taiwan, herauszufinden, welche Teile und Komponenten man im Inland fürs Militär beschaffen kann, damit Einkäufe in den USA oder in Europa im Rahmen gehalten werden können“, führt Liao aus.
<P>Liaos Firma hat ihren Sitz im Bezirk Shulin von New Taipei City und ist ein perfektes Beispiel für ein einfallsreiches kleines oder mittleres taiwanisches Unternehmen. Kleine und mittlere Unternehmen, oft als Rückgrat von Taiwans Wirtschaft beschrieben, beschäftigen laut Zahlen des Wirtschaftsministeriums fast 80 Prozent der gesamten Arbeitnehmerschaft. In der Firma sind 12 Ingenieure und Arbeiter tätig, die eher wenig aufsehenerregende Artikel herstellen wie die Schnelllösestifte und ähnliche Kleinteile und dazu Werkzeugmaschinen mit rechnergestützter numerischer Steuerung (<I>Computer Numerical Control</I>, CNC) benutzen. Die Streitkräfte der Republik China und auch das Militär in einigen anderen Ländern verwenden diese Stifte in Waffensystemen aller Art, doch um militärische Geheimnisse zu schützen, darf Liao keine technischen Details preisgeben. Dennoch lässt er sich entlocken, dass die Schnelllösestifte, wie der Name bereits andeutet, einen schnellen Positionswechsel bestimmter Objekte erlauben, etwa bei der Befestigung eines Radarsystems oder Maschinengewehrs.
<P>Jin Kou liefert solche Stifte auch an zivile Nutzer, vor allem Hersteller von Klangsystemen in den USA. „Mit unseren Stiften fixieren sie Lautsprecher, die in einer Reihe angeordnet sind“, so Liao.
<P>Eco Equipments Inc. war ein weiterer eifriger Teilnehmer an TADTE 2013 und warb dort für Simple Green, ein biologisch abbaubares, ungiftiges Reinigungsmittel, das man für die Oberflächen von Präzisionsinstrumenten benutzt, wie man sie in Flugzeugen findet. Die Hauptreihe im Sortiment von Eco Equipments sind jedoch die Ölpest-Kontrollsysteme aus eigener Gestaltung und Herstellung.
<P>„Das Umweltbewusstsein ist in den jüngsten Jahren deutlich stärker geworden, und das machte bei den Streitkräften nicht Halt“, berichtet Julia Wu, die Verkaufsrepräsentantin von Eco Equipments. „Wir wollen mit unseren Produkten einen Beitrag zu einem umweltfreundlichen Militär leisten.“
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<IMG alt="Mehr Wehrkraft dank Taiwan-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p34.jpg" MMOID="219427">
<P>Eine vom Chungshan-Institut für Wissenschaft und Technologie (CSIST) entwickelte Drohne. In Taiwan spielt unbemanntes Fluggerät eine wichtige Rolle bei Hilfsmaßnahmen nach Katastrophen. (Foto: Chen Mei-ling)</P></DIV>
<P>Nach größeren Industrieunfällen werden manchmal Wasserfahrzeuge der Kriegsmarine entsandt, doch ebenso wie bei zivilen Booten können auch von ihnen Dieseltreibstoff und andere giftige Substanzen auslaufen. Für solche Fälle produziert die Firma schwimmende Ölbarrieren, im Grunde genommen lange Schläuche oder Hindernisse, die auf der Wasseroberfläche treiben und auch bei starker Strömung eingesetzt werden können. Die Ölbarrieren werden von zwei Ingenieuren und etwa 20 Mitarbeitern in den beiden Fabriken von Eco Equipments im nordtaiwanischen Taoyuan und im südtaiwanischen Kaohsiung entworfen und gefertigt. Neben den schwimmenden Ölbarrieren, die pro Stück zwischen 40&nbsp;000 und 120&nbsp;000 US$ kosten, produziert das Unternehmen auch schwimmende Abschöpfanlagen, welche Öl an der Wasseroberfläche aufnehmen, Hochdruckreiniger, mit denen man Öl von Felsen und anderen harten Oberflächen wegspritzt, aufblasbare Zelte sowie Landtanks, in denen gesammelte Schadstoffe vorübergehend gelagert werden.
<P>Jin Kou und Eco Equipments verkaufen allgemein an die Streitkräfte, an staatliche Organisationen und den privaten Sektor, doch Ocean Technologies Co. Ltd. (OcTec), ein im zentraltaiwanischen Taichung ansässiges Unternehmen, wendet sich an Rüstungsbetriebe und die Luftfahrtindustrie. Die Firma erzeugt Werkzeugmaschinen wie Werkzeuge zum Funkenerodieren (<I>Electric Discharge Machining</I>, EDM), die mit Starkstrom-Funken Material von einem Werkstück entfernen. EDM-Werkzeuge sind wesentlich für die Fertigung von Turbinenschaufeln in Düsenstrahl-Triebwerken.
<P>„Viele Flugzeugteile bestehen aus Materialien, die sich nur schwer bearbeiten lassen, etwa Titan, bei dem sich der Gebrauch konventioneller Bohrmaschinen verbietet“, weiß OcTec-Präsident Sunny Liao. „Doch unsere EDM-Werkzeuge können Kühllöcher in Düsenstrahl-Triebwerke und Löcher in Turbinenschaufeln bohren, die nicht größer sind als 0,1 Millimeter im Durchmesser.“
<P>Sunny Liao fügt hinzu, dass OcTec zahlreiche EDM-Produkte konzipiert und fabriziert, die für 100&nbsp;000 bis 400&nbsp;000 US$ in den Handel kommen. Abgesehen von TADTE wirbt das Unternehmen auf mehreren anderen Messen im Ausland für seine Ware und ist nach seinen Worten überdies auf der internationalen Werkzeugmaschinenmesse Taipei International Machine Tools Show, die alle zwei Jahre stattfindet, vertreten.
<P>Es ist jedoch nicht so, dass das Militär der Republik China quasi mit dem Einkaufswagen die Stände auf Handelsmessen nach schnellen Schnäppchen abgrast. „Das Verteidigungsministerium fördert TADTE vor allem deswegen, um das Können des Rüstungsgewerbes von ganz Taiwan vorzuführen und auch um einheimische Anbieter dazu zu ermuntern, im Ausland zu verkaufen; aber wir werden nicht so schnell eine Entscheidung darüber treffen, welcher Aussteller von uns einen Vertrag als unser Lieferant für millionenschwere Geschäftsabschlüsse bekommt, denn das ist ein langfristiger Ablauf, wogegen die Messe ja nur ein paar Tage dauert“, rapportiert Oberst Tsou Yi-chien, stellvertretender Direktor der Materialumschlagabteilung im Beschaffungsamt des Verteidigungsministeriums.
<P><B>Jährliche Beschaffungspläne</B>
<P>Nach Tsous Auskunft kauft die Armeelogistikkommandantur der Republik China Ersatzteile und kleinere Ausrüstungsgegenstände für die Armee, sowohl in der Kriegsmarine als auch in der Luftwaffe wird diese Aufgabe von einer separaten Wartungskommandantur wahrgenommen. „Diese Kommandanturen legen einen jährlichen Beschaffungsbedarf vor, ein vollständiger Beschaffungsplan wird am Ende jedes Jahres gestaltet“, teilt er mit.
<P>Tsou spricht vom Beispiel der Motorenteile. „Die meisten dieser Fälle werden in unserer staatlichen Beschaffungswebsite veröffentlicht, damit Firmen, welche das Militär mit solchen Artikeln beliefern wollen, sich am offenen Ausschreibungsverfahren beteiligen können. Am Tag nach Ablauf der Frist fangen wir an, die Preise zu vergleichen.“ Zusätzliche Verhandlungen mit Anbietern von Teilen und Komponenten, mit denen langfristige Verträge geschlossen wurden, sind nicht erforderlich, wenn die Lieferungen die vertraglich vereinbarten Termine einhalten.
<P>Tsou lässt sich vernehmen, dass in der Regel bei gelieferten Teilen und Komponenten Stichprobenprüfungen vorgenommen werden, aber höherwertige Artikel werden einzeln getestet. „Grundsätzlich unterscheiden sich die Tests je nach dem betreffenden Teil und seinem Lieferanten“, sagt er.
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<IMG alt="Mehr Wehrkraft dank Taiwan-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p35-1.jpg" MMOID="219428">
<P>Die Schnelllösestifte von Jin Kou Enterprise werden für zivile und militärische Anwendungen benutzt wie Befestigungen von Radarsystemen oder Maschinengewehren. (Foto: Courtesy Jin Kou Enterprise Co. Ltd.)</P></DIV>
<P>Der Oberst macht unmissverständlich klar, dass festlandchinesische Firmen ausnahmslos aus Sicherheitsgründen davon ausgeschlossen sind, das Militär der Republik China mit Gütern oder Dienstleistungen zu beliefern. Des Weiteren muss bei allen Wartungsarbeiten der Dienstleistungsanbieter belegen, dass bei der Ausführung der Arbeit kein Konflikt mit den Urheberrechten des Originalherstellers besteht.
<P>Ein Vorteil für einheimische kleine und mittlere Unternehmen, welche die Streitkräfte beliefern, beruht in einer staatlichen Richtlinie, gemäß der vor Anschaffungen aus dem Ausland das Militär der Republik China eindeutig klären muss, „dass der fragliche Artikel nicht von einer taiwanischen Firma produziert werden kann, weil ansonsten ein einheimisches Unternehmen den Zuschlag erhalten muss“, kolportiert Tsou.
<P>Allerdings müssen kleine und mittlere Unternehmen bestimmte Vorschriften einhalten. Zum Beispiel gelten strenge Ausfuhrkontrollen, weil hochwertige Güter „für duale Nutzung“ nicht nur das Militär der Republik China stärken könnten, sondern auch potenzielle Gegner oder Gegner von Taiwans Verbündeten. Exportkontrollen für kommerzielle Transaktionen werden durch die Arbeitsgruppe Handelssicherheit und Exportkontrolle im Außenhandelsamt des Wirtschaftsministeriums durchgesetzt.
<P>Nach Auskunft von Shen Jyan-yi, dem stellvertretenden Vorstandssekretär der Arbeitsgruppe, benutzt Taiwan seit 2009 die Export-Kontrollliste der EU, die wiederum den Atomwaffensperrvertrag enthält, außerdem die Chemiewaffenkonvention, die Biowaffenkonvention, das Wassenaar-Abkommen (ein multilaterales Kontroll-Regelwerk für Waffen und duale Nutzungsartikel mit 41 Mitgliedsstaaten) sowie alle Resolutionen der Vereinten Nationen mit Exportkontrollbezug.
<P>„Exporteure, die strategische Hightech-Güter (<I>Strategic High-Tech Commodities</I>, SHTC), die auf dieser Liste vermerkt sind, ausführen wollen, müssen bei uns eine Exportlizenz beantragen“, sagt Shen. Nach seinen Worten enthält die SHTC-Liste vor allem Teile und Komponenten anstelle von Fertigwaren, und die Artikel sind gemäß bestimmten Eigenschaften aufgelistet. Pumpen zum Beispiel unterliegen nur ab einem gewissen Grad aufwärts der Kontrolle, und Werkzeugmaschinen nur dann, wenn sie CNC-Technologie enthalten.
<P>„Wir schauen allerdings nicht nur auf das Produkt an sich“, versichert Shen. „Wir prüfen unter anderem auch, ob der Käufer Verbindungen zum Militär hat.“ Shen fügt hinzu, seine Arbeitsgruppe delegiere die technische Untersuchung heikler Versandware ans Forschungsinstitut für industrielle Technologie (<I>Industrial Technology Research Institute</I>, ITRI), eine gemeinnützige Forschungs- und Entwicklungsorganisation im nordtaiwanischen Hsinchu.
<P><B>Im Nachteil</B>
<P>Laut Shen sind einheimische Gewerbe wegen Taiwans Ausschluss von UN-Verträgen zu Exportkontrolle benachteiligt, denn Taiwan ist es als Nicht-UN-Mitglied verwehrt, mit bestimmten Chemikalien zu handeln, durch welche Computer hitzeresistent werden. „Wir unterliegen einem Verbot, doch unsere Konkurrenten Südkorea, Festlandchina und Indien dürfen durchweg diese Chemikalien herstellen, selbst Syrien darf das, obwohl dort bekanntlich chemische Waffen gegen Zivilisten eingesetzt wurden“, geißelt Shen.
<P>Taiwanische kleine und mittlere Unternehmen, die unbemannte Luftfahrzeuge (<I>Unmanned Aerial Vehicle</I>, UAV) entwickeln und fertigen, hoffen natürlich auf große, lukrative Bestellungen vom Militär. Carbon-Based Technology Inc., dessen Firmensitz sich im Wissenschaftspark Zentraltaiwan in Taichung befindet, wirbt unter dem Markennamen Uaver für seine UAVs und damit zusammenhängende Dienstleistungen.
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<IMG alt="Mehr Wehrkraft dank Taiwan-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p35-2.jpg" MMOID="219429">
<P>Carbon-Based Technology Inc. exportiert sein unbemanntes Fluggerät unter dem Markennamen Uaver in einige Länder. (Foto: Courtesy Carbon-Based Technology Inc.)</P></DIV>
<P>Nach Darstellung von Uaver-Marketingchef Craig Wang haben mehr Länder damit begonnen, die Privatwirtschaft mit Kartografierung zu beauftragen, ein besonders wichtiges Unterfangen in vielen Teilen des sich rasant entwickelnden Kontinents Asien, wo sich die Landschaft durch Bautätigkeit buchstäblich über Nacht verändern kann. Ausländische Käufer interessieren sich zunehmend für die Swallow- und Avian-Modelle von Uaver, batteriebetriebene Starrflügler mit einer Tragflächen-Spannweite von 100 bzw. 160 Zentimetern und einer Kommunikations-Reichweite von 10 Kilometern. Ein vollständiges UAV-System des Unternehmens kostet etwa 100&nbsp;000 US$.
<P>„Malaysia und Südkorea haben im vergangenen Jahr mehrere UAVs für Kartografierzwecke von uns erworben, und Russland hat zwei angezahlt, die gleichfalls für Kartografierung genutzt werden sollen“, teilt Wang mit und fügt hinzu, Uaver führe derzeit zudem Verkaufsverhandlungen mit dem Rauschgiftbekämpfungsamt eines südostasiatischen Landes, das im vergangenen Jahr eine fünfköpfige Hubschrauberbesatzung bei einem Absturz verlor, als im Urwald nach Opiumplantagen und Amphetaminfabriken gesucht wurde.
<P>UAVs und damit zusammenhängende Dienstleistungen sind auch im Inland sehr gefragt. Laut Wang besteht zwischen Uaver und der Stadtverwaltung Kaohsiung ein offener Vertrag, gemäß dem Infrastruktur und abgelegene Dörfer inspiziert werden sollen, beispielsweise nach Taifunen, wenn die Witterungsverhältnisse für Flüge bemannter Hubschrauber noch zu gefährlich sind.
<P>Avix Technology Inc. in Taichung ist ein weiterer UAV-Fabrikant, der bei TADTE 2013 vertreten war. Das Hauptgeschäft des Unternehmens ist die Herstellung von ferngesteuerten Modellhubschraubern aus eigenem Design für JR Propo, eine bedeutende japanische Marke für ferngesteuerte Roboter und Modellflugzeuge, doch Avix entwickelt derzeit den ersten UAV-Hubschrauber, AXH-1400, der das Potenzial hat, militärische Aufklärungsflüge und Kartografierungsaufgaben durchzuführen.
<P>Nach den Erläuterungen von Cooper Chang, leitender Manager des UAV-Programms von Avix, beruhen die maßgeblichen Vorteile dieses Helikoptertyps in der außerordentlich hohen Nutzlast — bis zu 10 Kilogramm — und der Fähigkeit, von sehr engem Raum abzuheben, so dass sie sich beispielsweise für den Einsatz auf Schiffen eignen. „Immer mehr Betreiber von Hochsee-Fischerbooten wollen für die Suche nach Fisch UAVs benutzen und wenden sich an uns“, verrät Chang. „Auch Japans staatliche Medienanstalt NHK wurde bei uns vorstellig, sie brauchen ein leistungsfähiges Helikopter-UAV für ihre schweren, extrem hoch auflösenden Fernsehkameras.“ AXH-1400 wird am Ende mit Servomechanismus und Motor (aber ohne Daten-Link), Fernsteuerungskonsole und einem Autopilot-System geliefert werden, der Endpreis wird ungefähr 10&nbsp;000 US$ betragen, ein Zehntel dessen, was ein von der österreichischen Konkurrenz angefertiges UAV kosten würde, so Chang.
<P>Die verschiedenen einheimischen kleinen und mittleren Unternehmen, die sich um lukrative Geschäftsabschlüsse mit dem Militär bemühen, profitieren samt und sonders von der Direktheit von Taiwans industrieller Versorgungskette. Der EDM-Werkzeugmaschinenfabrikant OcTec etwa entschied sich für Taichung als Betriebsbasis, weil es in der Gegend zahllose Metallbearbeitungsbetriebe gibt. Solche Werkstätten benutzen Maschinenwerkzeuge, bei denen die Schleif- und Frästeile, wie sie OcTec anbietet, häufig ersetzt werden müssen. Andere Nutznießer der kurzen Zulieferketten sind die UAV-Produzenten Carbon-Based Technology und Avix Technology, die beide ihre notwendigen Metall-, Kohlefaser- und Kunststoffteile größtenteils selbst fertigen können. Teile, welche die Firmen nicht selbst herstellen können, kann man sehr kurzfristig in der Gegend beziehen.
<P>Taiwans kleine und mittlere Unternehmen stärken nicht nur die Streitkräfte der Republik China. Die Forschung und Entwicklung, die vom Militär durchgeführt wird, kann überdies dazu beitragen, die einheimischen kleinen und mittleren Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Carbon-Based Technology ist ein hervorragendes Beispiel für ein Unternehmen dieser Größe, das von solchen Technologietransfers profitierte. Genau dies war der Fall, als die Firma in den neunziger Jahren bei der Produktion von Taiwans selbst entwickeltem Kampfflugzeug „F-CK-1 Ching-kuo“ — auch „einheimisches Kampfflugzeug“ (<I>Indigenous Defense Fighter</I>, IDF) genannt — beteiligt war. IDF, vom staatlichen Luftfahrt-Entwicklungsunternehmen Aerospace Industry Development Corp. (AIDC) konzipiert, wurde in Taiwan mit amerikanischer Hilfe hergestellt, weil Washington damals vermeiden wollte, die US-Außenpolitik zu komplizieren, was durch Direktverkauf moderner amerikanischer Kampfjets nach Taiwan der Fall gewesen wäre.
<P>„Zu jener Zeit waren manche der Leute, die heute unsere maßgeblichen Ingenieure sind, Projektassistenten bei AIDC, als AIDC gemeinsam mit amerikanischen Verteidigungsunternehmen den IDF entwickelte und baute“, stellt Wang dar. Durch diese Erfahrung ist AIDC heute in der Lage, Fahrwerksklappen und Druckkabinen-Türen für Passagierflugzeuge vom Typ Boeing 737 und 747 zu produzieren. Bei Carbon-Based Technology lernte man damals ebenfalls eine Menge, und deswegen sind heute hochmoderne taiwanische UAVs auf dem Markt.
<P>„Wenn das IDF-Programm wiederbelebt würde und Taiwan moderne Kampfflugzeuge produzierte, würden taiwanische kleine und mittlere Unternehmen abermals von entsprechenden Technologietransfers profitieren, was wiederum ihrer Wettbewerbsfähigkeit enormen Schub gäbe“, sinniert Wang. Nicht nur können einheimische kleine und mittlere Unternehmen sich auf die Fahnen schreiben, eine wesentliche Rolle in Taiwans Wirtschaftsentwicklung zu spielen, sie waren auch entscheidend dabei, die nationale Sicherheit zu wahren, die Umwelt zu schützen und Beschäftigung zu fördern.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B><BR>________________________________<BR><I>Jens Kastner ist freischaffender Journalist und lebt in Taipeh.</I><BR>Copyright © 2014 Jens Kastner]]></description></item><item><title><![CDATA[Eine unorthodoxe Rezeptur]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101527/Eine-unorthodoxe-Rezeptur]]></link><guid>101527</guid><pubDate>2014/05/01</pubDate><description><![CDATA[Vor einem zu einer Seite offenen Innenhof eines Gebäudekomplexes in Hanglage an der Landstraße Nr. 139 im zentraltaiwanischen Landkreis Nantou, die zum Landschaftsgebiet Baguashan führt, steht immer eine lange Reihe von Menschen Schlange. Sobald die Besucher es ins Gebäude geschafft und Platz genommen haben, erhalten sie gratis eine Tasse Tee und ein Stück Ananaskuchen. Das Bedienungspersonal unternimmt keinen Versuch, den Gästen etwas anzudrehen, doch nur wenige der Besucher, nachdem sie von dem Gebäck gekostet haben, verlassen das Lokal, ohne mehrere Schachteln Ananaskuchen erworben zu haben. Der Bau, ursprünglich ein Wohnhaus, ist heute die Zentrale und Produktionsstätte von SunnyHills, eine der beliebtesten Ananaskuchen-Marken Taiwans.
<P>Früher betrachtete man Ananaskuchen als wenig mehr als irgendein x-beliebiges eckiges Gebäck, doch in den jüngsten Jahren sind Ananaskuchen zu den beliebtesten gebackenen Leckerbissen für Besucher aus dem In- und Ausland geworden. Manche glauben, ihr Siegeszug lasse sich auf die Öffnung Taiwans für festlandchinesische Touristen im Jahr 2008 zurückführen, weil diese gern essbare Andenken mit nach Hause nehmen. Andere sind der Überzeugung, die kleinen Kuchen seien wegen des jährlichen Ananaskuchenfests in Taipeh zum Verkaufsschlager geworden; das Fest wird seit 2006 von der Stadtverwaltung Taipeh organisiert, um bei Touristen für das Konditorei-Erzeugnis zu werben. Was auch immer die Ursache sein mag, die Gesamteinkünfte von Taiwans Ananaskuchenherstellern stiegen von 3 Milliarden NT$ (71,42 Millionen Euro) im Jahr 2006 auf 40 Milliarden NT$ (952,38 Millionen Euro) im vergangenen Jahr, teilte Taipehs Bürgermeister Hau Lung-bin (郝龍斌) im Juni jenes Jahres auf dem Ananaskuchenfest mit.
<P>Mit Blick auf einen Anteil an einem so lukrativen Markt haben alteingesessene Bäckereien und Konditoreien ihre Produktion auf Ananaskuchen umgestellt, und es entstanden daneben auch viele neue Geschäfte. SunnyHills verfolgt dagegen ein anderes Ziel. „SunnyHills ist nicht so sehr eine Bäckerei, sondern positioniert sich als Agro-Unternehmen, das den örtlichen Bauern helfen will“, beteuert Firmenchef und Mitbegründer Michael Sheu. „Wir verwenden taiwanische Agrarprodukte, und es geht uns darum, den Wert des inländischen Landwirtschaftssektors zu steigern.“
<P>Sheu und sein jüngerer Bruder, der in Nantou Tee angebaut hatte, und einer ihrer Vettern schmiedeten 2008 die ersten Pläne, in den Ananaskuchen-Markt einzusteigen. Bald wurde ihnen jedoch klar, dass das nicht so einfach sei, da es schon viel Konkurrenz gab und die drei über keine entsprechende Erfahrung verfügten.
<P>Sie wandten sich an ihren Onkel Lan Sha-zhung, früher im Backgewerbe tätig und nun im Ruhestand, und baten ihn um Hilfe. Lan sagte ihnen, dass die meisten Bäcker der Füllung Wachskürbis (<I>Benincasa hispida</I>) — im Deutschen auch „Wintermelone“ genannt — zusetzen, um das herbe Aroma und die raue Textur der Ananas auszugleichen, manche Bäcker ersetzen Ananas sogar komplett durch Wachskürbis. In beiden Fällen heißt das Gebäck trotzdem Ananaskuchen. Nach einigem Hin und Her beschloss das Team von SunnyHills, das Produkt dadurch abzuheben, dass für die Füllung ausschließlich eine Ananassorte mit der Bezeichnung „Cayenne Nr. 2“ verwendet werden sollte und man auf den Gebrauch von Wachskürbis vollständig verzichtete. „Das war ein kühner Beschluss“, prahlt Andre Hsieh, der Markenberater der Firma. „Als neue Marke brauchte SunnyHills etwas, um sich von vorhandenen Produkten zu unterscheiden.“
<P>Sheu erläutert, dass Cayenne Nr. 2 in den fünfziger und sechziger Jahren die am häufigsten angebaute Ananassorte war, als Taiwan weltweit zu den größten Exporteuren von Dosenananas zählte. In den achtziger Jahren jedoch verloren Taiwans Obstexporteure allmählich gegenüber Ländern mit niedrigeren Produktionskosten an Boden. Gleichzeitig gewannen neue Sorten, die süßer und saftiger sind, auf dem Inlandsmarkt für frisches Obst an Beliebtheit. Diese Trends hielten an, und 2008 bekamen Bauern im Landkreis Nantou für jedes taiwanische Pfund (604,789 Gramm) angebaute Ananas zwischen 1,5 und 2 NT$ (3-4 Cents), während ihre Kosten für den Anbau dieser Menge sich auf 4,5 bis 5 NT$ (10-11 Cents) beliefen. „Je mehr Ananas die Landwirte anbauten, desto mehr Geld verloren sie“, sagt Sheu. „Trotzdem baute man sie weiter an, weil die Farmer das seit Jahrzehnten getan hatten und nicht wussten, was sie sonst machen sollten.“
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<IMG alt="Eine unorthodoxe Rezeptur-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p38.jpg" MMOID="219430">
<P>In weniger als sechs Jahren mauserte SunnyHills sich von einer kleinen Bäckerei im Landkreis Nantou zu einem internationalen Betrieb, der im Dezember vergangenen Jahres eine vom japanischen Architekten Kengo Kuma gestaltete Filiale in Tokyo aufmachte (unteres Bild). (Foto mit freundlicher Genehmigung von SunnyHills)</P></DIV>
<P>Um eine ausreichende Versorgung mit Früchten zu gewährleisten, beschloss Sheu, örtliche Bauern vertraglich zu verpflichten, auf 30 Hektar Cayenne Nr. 2 anzupflanzen, und er garantierte ihnen einen Abnahmepreis von 6 NT$ (14 Cents) je Taiwanpfund. „So einen Vertrag hatte noch nie jemand angeboten, deswegen klang das zu schön, um wahr zu sein, und zuerst waren die Bauern zweifellos misstrauisch“, erinnert er sich. „Ich musste das Geld auf ein Treuhänderkonto einzahlen, bevor sie bereit waren, etwas zu unterschreiben.“ Langsam gelang es ihm, das Vertrauen der Bauern zu gewinnen, und die Nachfrage nach Cayenne Nr. 2 stieg so sehr, dass SunnyHills heute Landwirte für den Anbau der Frucht auf 300 Hektar Land zu einem garantierten Abnahmepreis von 10 NT$ (24 Cents) je Taiwanpfund unter Vertrag hat.
<P>Während Sheu sich emsig darum kümmerte, den Nachschub von Rohzutaten für die Füllung zu sichern, begann Lan, an einer anderen Rezeptur für Ananaskuchen zu arbeiten. Schließlich beschloss er, als Süßstoff ausschließlich Maltose zu verwenden und auf andere Zusätze zu verzichten, mit welchen manche Bäcker den Säuregehalt regulieren. Diese Entscheidungen hatten zur Folge, dass man nun kein einheitliches Aroma hat, der Geschmack von SunnyHills-Ananaskuchen variiert je nach Saison, denn die im Sommer geernteten Ananas-Früchte sind süßer als das zu anderen Jahreszeiten geerntete Obst. Lans zu Testzwecken gebackene Ananaskuchen mit leicht unterschiedlichen Rezepturen wurden von Freunden und Verwandten probiert, und ihre Reaktionen und Anregungen flossen in die folgenden Versuchsreihen ein.
<P>Die Größe der Ananaskuchen, welche SunnyHills vertreibt, unterscheidet sich von anderer Ware auf dem Markt. Anders als die meist 4 Zentimeter langen Ananaskuchen haben nach Sheus Worten die von seinem Unternehmen hergestellten Leckereien die „goldenen Proportionen“ von 6 × 3 × 2,5 Zentimetern.
<P>Als die Entwicklung der Backwaren im Gange war, wurde es Zeit, sich auf einen Markennamen festzulegen. „Jeder Ananaskuchen enthält Früchte, die auf diesen sonnigen Bergen angebaut werden, und hier werden sie auch gebacken“, erzählt Hsieh. „Die Firma wählte SunnyHills, weil dieser Name ein Gefühl und ein Image vermittelt.“ Das Firmenlogo — ein fahrender Radler — hat gleichfalls lokale Ursprünge, denn die an der Firmenzentrale vorbeiführende Landstraße ist bei Radfahrern beliebt. Hsieh: „Noch wichtiger ist, das Fahrrad erinnert uns daran, dass wir uns abstrampeln müssen, um voranzukommen.“
<P><B>Einen Markt schaffen</B>
<P>Nach acht Monaten Arbeit an der Rezeptur, der Verpackung und anderen Details begann SunnyHills im April 2009 mit dem Verkauf von Ananaskuchen. Die „ehrlichen Ananaskuchen“, wie Hsieh sie nennt, wurden von den einheimischen Verbrauchern schnell anerkannt. „Für uns bedeutete das, dass wir einen Markt für die Ananas Cayenne Nr. 2 geschaffen hatten und weiter in der Lage sein würden, den örtlichen Ananasbauern eine Gelegenheit zu bieten“, freut sich Sheu. „Wir dachten außerdem, wir könnten mit Arbeitsplätzen in der Bäckerei die ökonomischen Aussichten unserer Heimatstadt verbessern.“ SunnyHills erzeugt seine Ananaskuchen überwiegend mit Handarbeit, automatische Produktionsanlagen kommen nur zur Festzeit von Feiertagen wie dem Mondfest zum Einsatz, wenn die Nachfrage am höchsten ist. „Für Herstellung von Hand braucht man mehr Arbeitskräfte, und damit schafft man mehr Jobs für die Menschen in unserer Stadt“, begründet Sheu. „Für uns ist das wichtiger als Produktivität.“ Derzeit beschäftigt SunnyHills 280 örtliche Mitarbeiter im Alter zwischen 20 und 80 Jahren.
<P>Am Anfang lief indes nicht alles so wie geplant. SunnyHills hatte ursprünglich beabsichtigt, Bestellungen über Internet und Telefon anzunehmen, doch dann begannen ungeduldige Kaufinteressenten, die nicht auf die Lieferung warten wollten, am Produktionszentrum in Nantou aufzukreuzen, obwohl die Adresse nicht auf der Firmenwebsite verzeichnet war. Anstatt den Besuchern die Tür zu weisen, zeigte SunnyHills sich gastfreundlich und setzte jedem von ihnen eine Tasse Tee und ein Stück Ananaskuchen vor. „Wir hatten an der Fabrik keine ,Kunden‘ erwartet, deswegen behandelten wir sie wie Gäste“, behauptet Sheu. „Da, wo ich herkomme, erachten wir es stets als Vergnügen, Gästen Tee und Snacks anzubieten.“ Die Nachricht von SunnyHills Gastfreundlichkeit und den schmackhaften Ananaskuchen verbreitete sich durch Flüsterpropaganda und Medienberichterstattung, und die Fabrik in Nantou mauserte sich zu einem Besucherziel, das Touristen keinesfalls versäumen wollten. Im ersten Betriebsjahr von SunnyHills verzehrten Gäste, die in der Fabrik vorbeischauten, um die 300&nbsp;000 Ananaskuchen.
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<IMG alt="Eine unorthodoxe Rezeptur-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201405p39.jpg" MMOID="219431">
<P>Im Oktober 2013 eröffnete SunnyHills eine Filiale in Shanghai. Alle Gäste werden mit einem kostenlosen Stück Ananaskuchen und einer Tasse Tee begrüßt. (Foto mit freundlicher Genehmigung von SunnyHills)</P></DIV>
<P>Das Geschäft kam bald in Schwung, und im Juli 2010 machte die Firma ihre erste Verkaufsfiliale in Taipeh auf. In typischer Weise wurden die Besucher der Filiale mit einem Gratis-Ananaskuchen und einer Tasse Tee begrüßt. Gleichzeitig hatte die zunehmende Anerkennung des neuen Ananaskuchen-Rezepts von SunnyHills durch die Kundschaft zur Folge, dass viele Bäckereien mit Nachahmungen aufwarteten. Schon bald wurde der Markt mit Ananaskuchen überschwemmt, deren Füllung die Cayenne-Sorte enthielt und deren Verpackung und Markenname sehr ähnlich wie bei SunnyHills war. Sheu schätzt, dass die Produktion von Cayenne-Ananas in Taiwan quantitativ um das über 30-Fache gestiegen ist, seit SunnyHills mit dem Verkauf seiner Kuchen begann. „Eigentlich ist das eine gute Sache, denn das bedeutet, dass mehr Menschen einheimische Agrarprodukte verwenden, und das hilft dem Wachstum des Landwirtschaftssektors“, argumentiert er.
<P>Der frühe Start von SunnyHills und die stabile Anerkennung durch die Kunden hätten für die Firma ein anhaltendes Wachstum auf dem Inlandsmarkt möglich machen können. Doch anstatt auf Kosten einheimischer Geschäfte einen größeren Marktanteil im Inland anzustreben, entschied SunnyHills sich für internationale Expansion. Im August 2011 eröffnete die Firma ihre erste Auslandsfiliale im bekannten Raffles Hotel in Singapur. „Das jahrhundertealte Hotel ist ein teurer Standort, und wir mussten bestimmte Marken- und Gastronomie-Kriterien erfüllen, um hineinzukommen“, berichtet Hsieh. „Dafür werden wir vom Raffles Hotel gutgeheißen, was unseren Produkten ein klassisches Image verleiht und das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem gehobenen Marktsegment erzeugt.“ Laut Sheu läuft das Geschäft im Raffles Hotel recht gut, jeden Tag finden im Schnitt um die 5000 Ananaskuchen Abnehmer. Die Kundschaft setzt sich einigermaßen gleichmäßig aus Einheimischen und dort ansässigen Taiwanern und Japanern zusammen, und häufig kaufen Firmenkunden das Gebäck für besondere Anlässe.
<P><B>Herausforderung aus Tokyo</B>
<P>Nach dem Erfolg in Singapur machte SunnyHills im Oktober 2013 eine Filiale in Shanghai auf und im Dezember des gleichen Jahres eine in Tokyo. Sich in Tokyo geschäftlich zu betätigen erwies sich als besonders schwierig, denn Desserts sind in Japan beliebt und die Konkurrenz in dem Sektor ist im Land der aufgehenden Sonne außerordentlich intensiv, gerade in Tokyo. SunnyHills stieß indes nicht unvorbereitet auf den Markt vor, denn die Firma wandte für die Tokyo-Filiale drei Jahre Planung und beträchtliche finanzielle Mittel auf. Angesichts einer Marktstudie, gemäß der die Verbraucherakzeptanz für süßes Kleingebäck in Japan relativ gering ist, wird die Füllung der von SunnyHills in Japan verkauften Ananaskuchen ausschließlich aus Früchten zubereitet, die zwischen Juni und Juli geerntet werden und einen geringeren Säuregehalt haben. Das Unternehmen setzte außerdem den Preis der Ananaskuchen auf 300 Yen (2,11 Euro) pro Stück fest, weil die Studie diesen Betrag als Marktpreis für hochwertige Backwaren ergab. „Wir versuchen nicht, dort taiwanisches Gebäck an sich zu verkaufen“, erläutert Hsieh. „Unser Ziel ist, im oberen Marktsegment eine anerkannte taiwanische Marke zu etablieren.“
<P>Das Knifflige dabei war, dass im Einzelhandel ein Ananaskuchen von SunnyHills in Taiwan für 35 NT$ (83 Cents) und in Singapur und Shanghai für 60 NT$ (1,42 Euro) verkauft wird und die Firma eine Rechtfertigung finden musste, in Japan einen höheren Preis zu verlangen. Die Lösung fand sich, indem man das Grundrezept benutzte, hochwertige Zutaten aber austauschte und das Produktionsverfahren modernisierte. Für die auf dem japanischen Markt verkauften Ananaskuchen wird die allerbeste Butter verarbeitet (Echire-Butter aus Frankreich), und man backt sie in Präzisionsformen, die dem Gebäck eine perfekte Form geben.
<P>SunnyHills beauftragte zudem den namhaften japanischen Designer Kengo Kuma mit der Arbeit an der Fassade und Inneneinrichtung der Tokyo-Filiale. „Es gibt dort viele jahrhundertealte Konditoreibetriebe“, weiß Hsieh. „Als neue Marke auf dem Markt mussten wir nicht nur ein hochwertiges Produkt anbieten, sondern auch ein ungewöhnliches, auffälliges Ladenlokal unterhalten, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen.“ Kumas Bemühungen ergaben einen Bau, der außen mit einer Holzbalken-Gitterkonstruktion verkleidet ist. Das Design soll Passanten hereinlocken, und die Baukosten betrugen insgesamt 100 Millionen NT$ (2,38 Millionen Euro). Die Innenrichtung ist der Außenfassade nachempfunden, und gemäß der SunnyHills-Tradition begrüßt ein Mitarbeiter am Eingang die Besucher mit einer Tasse Tee und einem Stück Ananaskuchen. Laut Hsieh waren die japanischen Kunden angenehm überrascht, und die Ananasprodukte des Unternehmens finden offenbar auf dem Markt recht guten Anklang. Die Bestrebungen der Firma beschränken sich allerdings nicht auf Tokyo, denn SunnyHills plant die Ausdehnung der geschäftlichen Aktivitäten in andere asiatische Städte wie Beijing und Hongkong.
<P>Zwar begann SunnyHills als kleine örtliche Bäckerei, doch ist die Firma im Laufe der jüngsten fünf Jahre rasant gewachsen. Der maßgebliche Beschluss, in dem außergewöhnlichen Rezept Ananas der Sorte Cayenne Nr. 2 zu verarbeiten, war zweifellos einer der Gründe für diese Entwicklung, und die Übernahme eines Geschäftsmodells, das im Konditoreigewerbe nicht üblich ist, spielte augenscheinlich eine wichtige Rolle dabei, dass SunnyHills auf höchstem internationalen Niveau mithalten kann. „Wir betreiben keine lokale Bäckerei“, versichert Hsieh. „Wir schaffen eine Marke taiwanischer Agrarprodukte.“
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Die Wirtschaftsintegration vertiefen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Wirtschaft/101528/Die-Wirtschaftsintegration-vertiefen]]></link><guid>101528</guid><pubDate>2014/03/01</pubDate><description><![CDATA[Während der Legislativ-Yuan der Republik China (立法院), also Taiwans Parlament, den Entwurf für das Sondergesetz über Freiwirtschafts-Pilotzonen prüft, nähert die Republik China sich ihrem Ziel, eine Freihandelsnation zu werden. Das Sondergesetz soll Taiwans Märkte liberalisieren und die Bedingungen schaffen, welche für eine Beteiligung des Landes an regionalen Abkommen für Wirtschaftsintegration wie die Trans-Pazifische Partnerschaft (<I>Trans-Pacific Partnership</I>, TPP) und die Regionale Umfassende Wirtschaftspartnerschaft (<I>Regional Comprehensive Economic Partnership</I>, RCEP) erforderlich sind. Taiwans Einbindung in diese Verträge ist von überragender Bedeutung, weil dadurch einheimische Firmen auf internationalen Märkten faire Wettbewerbsbedingungen gewinnen.
<P>Auf dem Index für wirtschaftliche Freiheit des Jahres 2014 belegte Taiwan unlängst unter 185 Ländern Rang 17; der Index ist das Ergebnis einer jährlichen Studie, welche die Heritage Foundation und das Wall Street Journal durchführen. Taiwan hat laut der Studie wesentliche Verbesserungen bei Finanz- und Investitionsfreiheit an den Tag gelegt und verzeichnete seit 2009 anhaltende Fortschritte bei wirtschaftlicher Freiheit. Auf dieser festen Grundlage kann das Land aufbauen, und man erwartet, dass die Einrichtung von Freiwirtschafts-Pilotzonen (<I>Free Economic Pilot Zone</I>, FEPZ) Taiwan dabei helfen wird, durch weitere Liberalisierung der Wirtschaft in kürzester Zeit aufzuholen. Das Ziel der Liberalisierungsinitiative der Regierung besteht darin, Taiwans Handelsbestimmungen an jene anderer Länder, die an den TPP- und RCEP-Verhandlungen beteiligt sind, anzugleichen. Wie bedeutend es ist, dieses Niveau zu erreichen und bei solchen Handelsblöcken dabei zu sein, wird durch Statistiken des Wirtschaftsministeriums hervorgehoben, welche zeigen, dass die an den TPP-Verhandlungen beteiligten 12 Länder 35 Prozent von Taiwans Außenhandel ausmachen, und die 16 Länder bei den RCEP-Gesprächen machen sogar 56 Prozent aus.
<P>Im wesentlichen will die Regierung mit ihrem Liberalisierungs-Streben Taiwan dazu verhelfen, über das aktuelle Einhalten der Standards der Welthandelsorganisation (<I>World Trade Organization</I>, WTO) hinauszugehen und neue Standards anzunehmen, um den Weg für einen Beitritt zu TPP und RCEP zu ebnen. Indem man durch Maßnahmen wie FEPZ Taiwan in eine Freihandelsnation umformt, lässt die Regierung keinen Zweifel daran, dass Taiwan es ernst meint. Solche Bemühungen werden für den Schwung sorgen, die industrielle Grundlage des Landes neu zu strukturieren, Reformen von Bestimmungen umzusetzen und den gesetzlichen Rahmen zu harmonisieren, damit Taiwans Wettbewerbsnische in der globalen Versorgungskette gewährleistet wird.
<P>Die FEPZs kann man so betrachten, dass sie innerhalb des Hoheitsgebiets arbeiten, jedoch außerhalb des Zollterritoriums. Eingerichtet werden die Zonen am internationalen Flughafen Taiwan Taoyuan sowie den internationalen Seehäfen Keelung, Su-ao und Taipeh im Norden des Landes, dem internationalen Hafen Taichung in Zentraltaiwan, und in Südtaiwan sind die Häfen Anping und Kaohsiung und der landwirtschaftliche Biotechnologiepark Pingtung als Standorte vorgesehen.
<P>In den FEPZs werden Beschränkungen für den Warenfluss, den Zustrom ausländischer Fachleute und Kapitalzirkulation gelockert. Derzeit geltende Einschränkungen in den Aufenthaltsvorschriften für ausländische Kopfarbeiter zum Beispiel werden in den Zonen liberalisiert, und unter anderem werden dort überdies Universal-Anlaufstellen geschaffen, um behördliche Verfahren für den Erwerb von Land- und Baugenehmigungen, Zollabwicklung und Gewerbeanmeldung zu straffen. Gleichzeitig werden ausländische Firmen, die sich in FEPZs betätigen, für alle Exporte und für 10 Prozent der nach Taiwan importierten Produkte von der Gewerbesteuer befreit, und für ausländische Fachleute und einheimische Firmen, welche in den Sonderzonen investieren, gibt es Steueranreize bei Dividenden oder Einkünften aus Überseebetrieben.
<P>Die geschäftlichen Aktivitäten, die für Entwicklung in den Zonen ausgewählt wurden, sind hochwertige Dienstleistungen der Spitzenklasse mit dem Potenzial, wesentlichen wirtschaftlichen Nutzen und starkes Wachstum zu erzeugen — innovative Bildungs- und Finanzdienstleistungen; internationale Gesundheitspflege-Dienstleistungen; Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte; von Buchhaltern, Architekten und Anwälten gebotene Dienste; und intelligente Logistik-Dienste. Es wird erwartet, dass mit der Zeit in den FEPZs mehr Wirtschaftsaktivitäten angekurbelt werden.
<P>Beispielsweise wurden internationale Gesundheits-Dienstleistungen in die FEPZs aufgenommen, weil die Zonen nicht nur die Ausnutzung von Taiwans attraktiven Preisen für erstklassige medizinische Versorgung in Behandlungszentren für ausländische Patienten verheißen, sondern auch wegen der hochmodernen Forschung, Entwicklung und technologischen Kapazitäten für die Herstellung neuer medizinischer Gerätschaften. Während medizinische Zentren in den Zonen die gute medizinische Versorgung, welcher sich Bürger der Republik China erfreuen, nicht mindern werden, erwartet man von ihnen, dass sie Ausländer anlocken, die sich für kosmetische Chirurgie, Gesundheitsüberprüfungen und Behandlung ernsthafter Erkrankungen interessieren. Zentren für internationale Gesundheitskontakte wurden Ende Dezember vergangenen Jahres gemäß dem FEPZ-Plan an den Flughäfen in Taipeh, Taoyuan, Taichung und Kaohsiung eröffnet, um bei ausländischen Besuchern für die hochwertigen und erschwinglichen Gesundheits-Dienstleistungen des Landes zu werben.
<P>Der Aufbau von FEPZs soll Taiwans Wirtschaft liberalisieren, um die Beteiligung des Landes an TPP und RCEP zu erleichtern, doch daneben werden Firmen und Bürger direkten wirtschaftlichen Nutzen erfahren, etwa Zunahme des inländischen Produktionswerts, mehr gute Jobs und private Investitionen. Des Weiteren werden Taiwans kleine und mittlere Unternehmen besseren Zugang zu ausländischen Märkten gewinnen. Noch wichtiger ist, dass das Land im Falle einer Aufnahme in TPP laut einer im vergangenen Jahr durchgeführten Studie der Chunghua-Institution für Wirtschaftsforschung (<I>Chung-Hua Institution for Economic Research</I>, CIER) in Taipeh durch die Mitgliedschaft mit etwa 78 Milliarden US$ an Sozialleistungen für alle TPP-Mitglieder rechnen darf.
<P>Durch den Aufbau der Zonen werden Taiwans Stärken — die hervorragenden Flug- und Schiffsverkehrsverbindungen, zentrale Lage nahe an wichtigen Industrie-Volkswirtschaften und Verbrauchermärkten in Asien, Expertise bei Informations- und Kommunikationstechnologie, starke Wirtschaftsverbindungen mit Festlandchina und eine talentierte Arbeitnehmerschaft — genutzt, um eine liberalere, pulsierendere und kompatiblere Volkswirtschaft zu schaffen. Dadurch lassen sich Handelshindernisse leichter ausräumen, und es nützt der Weltwirtschaft insgesamt, ein Ziel, dem Taiwan bereitwillig und entschlossen nacheifern wird.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B><BR></P>]]></description></item></channel></rss>