<?xml version="1.0"?><rss version="2.0"><channel><title><![CDATA[Taiwan heute - Gesellschaft]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/]]></link><description><![CDATA[RSS]]></description><language><![CDATA[Deutsch]]></language><image><title><![CDATA[Taiwan heute - Gesellschaft]]></title><url><![CDATA[https://taiwanheute.tw/images/logo.jpg]]></url><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/]]></link></image><item><title><![CDATA[Naturschutzgebiet in Zentraltaiwan schafft ausgewogenes Naturschutz-Tourismus Verhältnis]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/171988/Naturschutzgebiet-in-Zentraltaiwan-schafft-ausgewogenes-Naturschutz-Tourismus-Verh%C3%A4ltnis]]></link><guid>171988</guid><pubDate>2020/02/24</pubDate><description><![CDATA[Das 2004 gegr&uuml;ndete Gaomei Wetlands Wildlife Refuge im zentral-taiwanischen Taichung liegt weniger als eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt. Dank des intelligenten Managements in Kombination mit spektakul&auml;ren Landschaften und zahlreichen Wildtieren ist das Naturschutzgebiet eine beliebte Attraktion f&uuml;r Besucher aus allen Lebensbereichen.<br />
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Der Erfolg kam nicht sofort und erforderte eine radikale &Uuml;berholung des 701 Hektar gro&szlig;en Schutzgebiets. Ein schlagzeilentr&auml;chtiger Unfallbrand w&auml;hrend der Dreharbeiten zu einem Popmusikvideo im Jahr 2008 f&uuml;hrte zu einem Umdenken bei den Besucherzugangspl&auml;nen. Das Entwicklungszentrum f&uuml;r K&uuml;stenressourcen und Fischerei unter der Regierung der Stadt Taichung, welches das Naturschutzgebiet verwaltet, beschloss, den Zugang der Besucher auf eine erh&ouml;hte Promenade zu beschr&auml;nken, die sich durch Gaomeis Kern- und Pufferzonen schl&auml;ngelt. Das 691 Meter lange Geb&auml;ude wurde 2013 fertiggestellt und ist heute eines der markantesten Merkmale des Naturschutzgebietes.<br />
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Besucher k&ouml;nnen bei Ebbe am Ende der Promenade frei gehen, m&uuml;ssen sich aber ansonsten an den angegebenen Weg halten, denn sonst droht eine Geldstrafe. Diese Regelung sei Basis des uneingeschr&auml;nkten Erfolgs bei der Reduzierung der Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt, so Wu. Im Jahr der Fertigstellung des Gehwegs wurden 35 Personen wegen Betretens von Schutzgebieten bestraft, 2018 jedoch keiner. &bdquo;Wir haben versucht, ein Gleichgewicht zwischen der Entwicklung des &Ouml;kotourismus und dem Schutz der Natur zu finden&quot;, sagte Wu. &bdquo;Wir m&ouml;chten, dass die Menschen Taiwans Sch&ouml;nheit bewundern k&ouml;nnen, aber sie m&uuml;ssen die Umgebung respektieren.&quot;<br />
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Die Einf&uuml;hrung der Promenade hat Gaomei mit 1,5 Millionen Besuchern im letzten Jahr zu einem der beliebtesten Naturschutzgebiete in Taiwan gemacht. Es ist ein Traum f&uuml;r Vogelbeobachter und beheimatet 127 Vogelarten, darunter die gef&auml;hrdete Schwarzschnabelm&ouml;we und den schwarzgesichtigen L&ouml;ffler. Fisch gibt es auch im &Uuml;berfluss, und zwar mit 47 Sorten.<br />
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Die Arbeit von Gaomei wird durch zwei Nichtregierungsorganisationen erm&ouml;glicht, die vom CRFDC beauftragt wurden, das Refugium zu &uuml;berwachen. Eine der Gruppen organisiert Teams von etwa 30 Personen f&uuml;r regelm&auml;&szlig;ige Aufr&auml;umarbeiten, w&auml;hrend die andere Gruppe Patrouillen einsetzt, um sicherzustellen, dass Besucher nicht gegen das Wildlife Conservation Act versto&szlig;en, indem sie von der Promenade abweichen oder den Lebensraum st&ouml;ren. &bdquo;Die harte Arbeit dieser NGOs macht die Zuflucht zu einem solchen Erfolg&quot;, sagte Wu.]]></description></item><item><title><![CDATA[Den Stimmlosen eine Stimme verleihen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101599/Den-Stimmlosen-eine-Stimme-verleihen]]></link><guid>101599</guid><pubDate>2016/02/25</pubDate><description><![CDATA[Taiwan hat sich mit seiner aufgeschlossenen und pluralistischen Gesellschaft einen Namen gemacht und gilt zudem als leuchtendes Vorbild für Gleichberechtigung der Geschlechter in Asien. Diese Tatsache wurde besonders nachdrücklich bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Republik China am 16. Januar dieses Jahres unterstrichen, als die Vorsitzende der Demokratischen Progressiven Partei (DPP) Tsai Ing-wen als erste Frau in der Geschichte des Landes zum Staatsoberhaupt gewählt wurde und Frauen eine beispiellos hohe Zahl von Sitzen im Legislativ-Yuan, also Taiwans Parlament, eroberten. In der neuen Volksvertretung sind 43 der 113 Parlamentsabgeordneten, also 38,05 Prozent, Frauen. Abgesehen von den Ländern, die im jüngsten Bericht von Freedom House, einer in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation (NGO), als nicht frei eingestuft wurden, zählt Taiwan im Hinblick auf den Frauenanteil im nationalen Parlament heute zu den zehn besten Ländern der Welt und hat prozentual mehr weibliche Abgeordnete als die USA, Großbritannien oder jedes andere demokratische Land in Asien.

Der Frauenanteil im Legislativ-Yuan ist im Laufe der vergangenen 25 Jahre bei jeder Wahl fast vollkommen kontinuierlich angestiegen, was die Entschlossenheit des Landes zeigt, eine Gesellschaft zu bilden, in der alle Einzelpersonen ungeachtet ihres Geschlechts die gleichen Gelegenheiten und Gegenleistungen erhalten. Während Taiwan weiter darauf hinarbeitet, dieses Ziel voll und ganz zu realisieren, spielt das Land auch eine bedeutende Rolle dabei, die Gleichberechtigung der Geschlechter in ganz Asien zu fördern. Allein in den jüngsten Jahren wurden zwei internationale Nichtregierungs-Foren unter Beteiligung der einheimischen NGO Stiftung Hoffnungsgarten (Garden of Hope Foundation, GOH) in Taiwan eingerichtet, um die Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen in der gesamten Region zu verbessern.

Der am 5. September 2012 formal ins Leben gerufene Asien-Verband von Frauenhäusern (Asian Network of Women’s Shelters, ANWS) setzt sich dafür ein, geschlechterbedingte Gewalt in allen Formen zu eliminieren. Die von der GOH-Vorsitzenden Zoe Chi geführte Gruppe entstand aus dem Globalen Frauenhaus-Netzverband (Global Network of Women’s Shelters) und besteht aus 18 Organisationen in Ländern und Territorien wie Hongkong, Japan, der Mongolei und Nepal. Durch die Förderung von Zusammenarbeit und Informationsaustausch will der ANWS die Frauenhausbewegung und politische Maßnahmen, welche geschlechterbedingte Gewalt anpacken sollen, stärken.

Das jüngste Forum der Organisation fand im November 2015 in den Niederlanden kurz vor der Frauenhaus-Weltkonferenz statt, und es nahmen 40 Führungspersönlichkeiten der Bereiche Gleichberechtigung und Frauenhausbewegung in Asien teil. Abgesehen davon, dass Kernprobleme wie Wohnraum- und Landrechte, Gesetzesreformen und soziale Benachteiligung ermittelt wurden, die erörtert werden müssen, ermöglichte die Veranstaltung es den Teilnehmenden, sich über erfolgreiche Strategien zum Durchführen von Dienstleistungen auszutauschen und über Fortschritte zu sprechen, Gewaltopfern dabei zu helfen, nach dem Verlassen des Frauenhauses wirtschaftliche Stabilität zu gewinnen.

Die am 10. Oktober vergangenen Jahres in Taipeh gegründete Asienallianz Mädchenrechte (Asian Girls’ Rights Alliance, AGRA) ist eine internationale Initiative mit dem Ziel, die Rechte junger Frauen im ganzen Kontinent voranzubringen. Der Verband wird von der GOH organisiert und besteht aus über 300 Gruppen in 24 Ländern und Territorien. Durch dieses Forum will die GOH den Austausch der Mädchenrechte-Gruppen untereinander stärken, regelmäßig herausragende junge Frauen aus der ganzen Region ehren und Mitgliedsorganisationen dabei helfen, für ihre diversen Ermächtigungsinitiativen Finanzierung zu finden.

Eines der Programme, das von der Allianz zusätzliche Finanzhilfe bekommen wird, ist ein Fahrradprojekt für Mädchen in Bangladesch. Indem junge Frauen mit Fahrrädern ausgestattet werden, zielt dieses Projekt darauf ab, ihr Risiko, auf dem Schulweg belästigt zu werden, zu verringern. Relativ simple Maßnahmen wie diese können beträchtliche Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung haben, indem das Selbstbewusstsein junger Frauen gefördert wird und man zu ihrer anhaltenden Beteiligung an Bildung beiträgt.

Leider bleibt geschlechterbedingte Diskriminierung und Gewalt in vielen Teilen Asiens zu verbreitet. Während Veränderungen langsam voranschreiten, helfen ANWS und AGRA dabei, Frauenrechtsgruppen mit den Informationen und Ressourcen zu versorgen, die sie brauchen, um ihre Bemühungen auszuweiten und fairere und gerechtere Gesellschaften heranzubilden. Diese Organisationen machen im Leben der Menschen wirklich etwas aus und verleihen missbrauchten und benachteiligten Frauen und Mädchen eine Stimme auf der internationalen Bühne.

—Deutsch von Tilman Aretz
—Quelle: Taiwan Review, 03/01/2016 (März 2016, S. 1)
—Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com]]></description></item><item><title><![CDATA[Den Bedürftigsten helfen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101598/Den-Bed%C3%BCrftigsten-helfen]]></link><guid>101598</guid><pubDate>2015/07/01</pubDate><description><![CDATA[Die Welt erfährt derzeit die ernsthafteste humanitäre Krise seit einer Generation. Im Jahr 2013 übertraf die Zahl der Flüchtlinge, Asylsuchenden und Vertriebenen in aller Welt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg 50 Millionen Menschen, hieß es in dem Bericht „Global Trends“, der im Juni vergangenen Jahres vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (<EM>United Nations High Commissioner for Refugees</EM>, UNHCR) veröffentlicht wurde. Die Gesamtzahl von Flüchtlingen erhöhte sich weltweit zwischen 2012 und 2013 um 6 Millionen, vor allem wegen des Bürgerkriegs in Syrien und der kriegerischen Auseinandersetzung im Nordirak, hieß es in dem Bericht.
<P>Die Republik China erkennt ihre Verantwortung als entwickelte Nation an, dabei zu helfen, die Auswirkungen dieser humanitären Katastrophe abzumildern. Bislang hat Taiwan Hilfsgüter wie Nahrungsmittel und medizinische Ausstattung im Wert von über 8 Millionen US$ gespendet, um Jenen beizustehen, die durch die Konflikte in Nahost ihre Heimat verloren.
<P>Um diese Hilfe zu überbringen, kooperiert die Republik China mit mehreren Ländern und internationalen humanitären Gruppen, darunter Jordanien, dem Vatikan, der Türkei, den Vereinigten Staaten, dem International Medical Corps, der Jordan Hashemite Charity Organization und dem Mercy Corps in den USA. Beispielsweise arbeitet Taiwan momentan mit den USA daran, Flüchtlingen im Nordirak über 350 provisorische Unterbringungs-Einheiten im Wert von 1,15 Millionen US$ zu bieten.
<P>Darüber hinaus kündigte das Außenministerium der Republik China im Januar an, es werde 500 000 US$ für einen Brunnen-Wiederherstellungsprojekt beisteuern, das syrische Flüchtlinge in den nordjordanischen Gouvernements Irbid und Mafraq mit sauberem Wasser versorgen soll. Taiwan entsendet technische Fachleute, die bei der Initiative Beistand leisten, die vom Mercy Corps und dem Internationalen Kooperations- und Entwicklungsfonds Taiwan (<EM>Taiwan International Cooperation and Development Fund</EM>, ICDF) — einer von der Regierung der Republik China unterstützten Auslandshilfeorganisation — ausgeführt wird. Laut ICDF wird das Projekt nach seiner Vollendung im Juni über 30 000 Flüchtlingen zugute kommen.
<P>Die Republik China arbeitet überdies mit ihren Partnern in der internationalen Gemeinschaft zusammen, um eine wirksame Reaktion auf den verheerenden Ausbruch des Ebola-Virus in Westafrika auf die Beine zu stellen. Diese anhaltende Epidemie, die Ende 2013 von Guinea ausging und sich anschließend nach Liberia, Sierra Leone und mehrere weitere Länder der Region ausbreitete, hat bislang über 9000 Menschenleben gefordert.
<P>Um der Ausbreitung des Virus Einhalt zu gebieten, hat die Regierung der Republik China 100 000 Einheiten von Personenschutzausrüstung in die am schlimmsten betroffenen Gebiete geschickt. Dazu wurde eine Spende in Höhe von 1 Million US$ an die US-amerikanische Stiftung Zentren für Krankheitskontrolle getätigt, um der Organisation bei ihren Anstrengungen zur Ebola-Bekämpfung zu helfen.
<P>Mitarbeiter von Taiwans Vor-Ort-Epidemiologie-Schulungsprogramm halten wiederum engen Kontakt mit Krankheitskontrollzentren in Nigeria und den USA, um zu erörtern, wie das Land zu medizinischen Beistandsprojekten beitragen kann. Darüber hinaus wird die Republik China in Partnerschaft mit den USA ein regionales Schulungszentrum in Taiwan einrichten, um medizinisches Personal in der asiatisch-pazifischen Region mit den Mitteln und Kenntnissen auszustatten, welche man brauchen würde, falls Ebola sich über Afrikas Grenzen hinaus ausbreiten sollte.
<P>Umfassende unternationale Bemühungen sind erforderlich, um sowohl die humanitäre Krise in Nahost als auch die Ebola-Epidemie in Afrika zu bewältigen. Die Republik China, die seit Jahrzehnten in Regionen rund um den Erdball engagiert Auslandshilfe leistet, behält diese kritischen Situationen sorgfältig im Auge, um zu entscheiden, wie am besten geholfen werden kann, und die Regierung ist entschlossen, eng mit staatlichen Partnern und NGOs zusammenzuarbeiten, um dazu beizutragen, das Elend für die Bedürftigsten zu lindern.
<P>—Deutsch von Tilman Aretz<BR>—Quelle: Taiwan Review, 04/01/2015 (April 2015, S. 1)<BR>—Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com<BR></P>]]></description></item><item><title><![CDATA[Historische Sichtweise]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101596/Historische-Sichtweise]]></link><guid>101596</guid><pubDate>2015/06/18</pubDate><description><![CDATA[<p>Im September letzten Jahres verlor Taiwan mit dem Ableben von Tsao Yung-ho (1920-2014) einen seiner urspr&uuml;nglichsten und einflussreichsten Historiker. Tsao wurde zu Lebzeiten als einer der f&uuml;hrenden Forscher &uuml;ber die Kolonialherrschaft der Holl&auml;nder und Spanier im 17. Jahrhundert bekannt, au&szlig;erdem bildete er j&uuml;ngere Historiker aus und f&ouml;rderte internationale akademische Zusammenarbeit. Einen gro&szlig;en Teil seines Lebens war er in der Bibliothek der National Taiwan University (NTU) in Taipeh t&auml;tig. Dieser Arbeitsplatz stillte seinen enormen Lesehunger und erm&ouml;glichte ihm Zugang zu Materialien in anderen Sprachen, wodurch er gute Sprachkenntnisse in Niederl&auml;ndisch und Englisch erwarb und sich &uuml;berdies mit Deutsch, Latein und Franz&ouml;sisch vertraut machte. Tsao f&uuml;hrte historische Forschung in all diesen Sprachen durch wie auch auf Japanisch, eine seiner Muttersprachen. Ma Ying-jeou, Staatspr&auml;sident der Republik China, pries in einer Lobrede f&uuml;r den Geschichtswissenschaftler diese Errungenschaften und mehr. Tsao war zudem die erste und einzige Person ohne Hochschulabschluss, die von der Academia Sinica, Taiwans renommiertestem Forschungsinstitut, in den Rang eines Akademiemitglieds erhoben wurde. Und im Jahr 1999 finanzierte er pers&ouml;nlich die Gr&uuml;ndung der &bdquo;Tsao Yung-ho-Stiftung f&uuml;r Kultur und Bildung&ldquo; in Taipeh, um Forschung &uuml;ber die Geschichte von maritimen Aktivit&auml;ten in Ostasien und der Insel Taiwan zu ermuntern. Tsaos drei S&ouml;hne geh&ouml;ren ebenfalls der Stiftung an, und viele der j&uuml;ngeren Bevollm&auml;chtigten sind seine ehemaligen Sch&uuml;ler.</p>

<p>Tsao wuchs w&auml;hrend der japanischen Kolonialzeit (1895-1945) in Taipeh auf. Im Jahr 1939 schloss er die Zweite Mittelschule der Pr&auml;fektur Taihoku ab, die heute Taipei Municipal Chenggong Senior High School hei&szlig;t. Nachdem er bei der College-Aufnahmepr&uuml;fung durchgefallen war, fand er Arbeit in einem Bauernverband. Im Jahr 1947 schlug er einen neuen Weg ein und begann, in der NTU-Bibliothek zu arbeiten, wo er fast vier Jahrzehnte blieb. Im Jahr 1984 &mdash; ein Jahr, bevor er als NTU-Bibliothekar in den Ruhestand trat &mdash; wurde Tsao als au&szlig;erordentlicher Forschungsmitarbeiter in Meeresgeschichte vom heutigen Forschungszentrum f&uuml;r Geistes&ndash; und Sozialwissenschaften der Academia Sinica eingestellt, wodurch er den Status eines Professors erlangte. Dies wiederum erlaubte ihm, an der Geschichtsabteilung der NTU zu unterrichten.</p>

<p>Die Arbeit in der Bibliothek war ein Wendepunkt in Tsaos Leben, bemerkt Chan Su-chuan, Forscherin am Institut f&uuml;r taiwanische Geschichte (<em>Institute of Taiwan History</em>, ITH) der Academia Sinica und Bevollm&auml;chtigte in Tsaos Stiftung. &bdquo;In der Bibliothek konnte er zahllose B&uuml;cher in einem weiten Spektrum von Themen lesen&ldquo;, wei&szlig; Chan. Durch diesen Erwerb breiten Wissens entwickelte Tsao nach ihren Worten eine langfristige Sichtweise von Taiwans Geschichte, welche die Auswirkungen gesellschaftlicher Strukturen und die Rolle der Insel beim &Uuml;berseehandel in Ostasien mit einbezog. Seine Ansichten &uuml;ber &bdquo;Taiwan-Inselgeschichte&ldquo; pr&auml;sentierte er in einem Interview, das von Chan und einem Kollegen mitgeschrieben und im Juni 1990 in einem Artikel im <em>Newsletter of Taiwan History Field Research</em> (zu Deutsch: Mitteilungen zu Prim&auml;rforschung &uuml;ber Taiwan-Geschichte) ver&ouml;ffentlicht wurde. Im Jahr 2010 gab das ITH ein Buch mit Mitschriften mehrerer Interviews heraus, die Chan und zwei weitere von Tsaos Sch&uuml;lern mit ihrem Mentor gef&uuml;hrt hatten.</p>

<p>Im Vorwort zu der Ausgabe von 2010 z&auml;hlt ITH-Forscher Hsu Hsueh-chi Tsaos Hauptleistungen auf, darunter seine Fremdsprachenkenntnisse, seine Lehrt&auml;tigkeit an der NTU zwischen 1984 und 2010, aus welcher die Tsao-Historikerschule hervorging, und seine Bem&uuml;hungen, bei der Gr&uuml;ndung des ITH mitzuwirken. Das Institut entstand zun&auml;chst 1993 als Vorbereitungsb&uuml;ro, bevor es schlie&szlig;lich im Jahr 2004 als ITH f&ouml;rmlich ins Leben gerufen wurde. W&auml;hrend dieses Zeitraums wuchs in Taiwans Gesellschaft das Interesse an der Kultur und Geschichte der Insel, und Tsaos Ansichten zu historischer Forschung &uuml;ber Taiwan gewannen unter Gelehrten an Boden. &bdquo;Anstatt Taiwans Geschichte einem chinesischen oder japanischen Rahmen unterzuordnen, dreht sich sein Ansatz um die Insel Taiwan, um eine abgegrenzte akademische Disziplin historischer Studien aufzubauen, welche strukturelle Integrit&auml;t, Gesamtheit und globale Relevanz aufweist&ldquo;, erl&auml;utert Hsu. &bdquo;Dieses Denkmuster hat einen weiten Weg in Richtung Aufbau einer neuen Sichtweise auf Taiwans Geschichte zur&uuml;ckgelegt.&ldquo;</p>

<p><b>Ansatz mit Taiwan im Mittelpunkt</b></p>

<p>Nach der Aufhebung des Kriegsrechts im Juli 1987 und der anschlie&szlig;enden Lokalisierungsbewegung in Taiwan (also Besinnung auf taiwanische Werte auf allen Ebenen) verschob sich Tsaos Forschungsschwerpunkt von Han-chinesischen Zuwanderern auf die Aktivit&auml;ten aller ethnischen Gruppen auf der Insel. &bdquo;Fr&uuml;here Studien zu taiwanischer Geschichte legten zu viel Gewicht auf die Betrachtungsweisen und die politischen Ver&auml;nderungen der Han-Chinesen, ohne die Insel Taiwan als eigenst&auml;ndiges Stadium der Geschichte zu enth&uuml;llen&ldquo;, gei&szlig;elte er in einem der Interviews im Jahr 2010. F&uuml;r Tsao ist Geschichte das Ergebnis der Verflechtung von Menschen, Orten und Zeit, und nach seinen Worten sollte man den geografischen Merkmalen Taiwans und der regionalen Bedeutung sowie all den Menschen, &bdquo;die in Taiwan lebten und Beziehungen mit Taiwan unterhielten&ldquo;, mehr Aufmerksamkeit schenken. In den Interviews &auml;u&szlig;erte er, Gedanken &uuml;ber Taiwans Geschichte sollten sich von politisierten historischen Interpretationen abheben, und sie sollten &bdquo;die Grundlage legen, eine maritime kulturelle Perspektive der Insel zu entwickeln&ldquo;.</p>

<p>Einen Teil der Inspiration f&uuml;r diese Ideen bezog Tsao von der franz&ouml;sischen Annales-Schule, welche Geschichte aufgrund der sozialen Strukturen einer Region in langen Zeitr&auml;umen beurteilt. Eine weitere wichtige Quelle &auml;hnlicher Einsichten kam von japanischen Professoren, die nach 1945 als Dozenten der NTU in Taiwan blieben, oder aus Forschungsergebnissen, die er in der Bibliothek der Lehranstalt entdeckte. Er besuchte die Kurse von Rokura Kuwata (1894-1987), der sich auf die Geschichte von Meeres-Transportwegen in S&uuml;dostasien spezialisiert hatte, und las die Aufs&auml;tze &uuml;ber s&uuml;dostasiatische Geschichte von Seiichi Iwao (1900-1988). Der junge Bibliothekar bem&uuml;hte sich zudem um Resonanz von Iwao auf seine Schriften &uuml;ber Taiwans Geschichte.</p>

<p>Von Mai 1965 bis April 1966 betrieb Tsao Forschungen an der Toyo Bunko, einer Forschungsbibliothek f&uuml;r Asienstudien in Tokyo. M&ouml;glich wurde dies durch ein Stipendium von der Organisation der Vereinten Nationen f&uuml;r Bildung, Wissenschaft und Kultur (<em>United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization</em>, UNESCO)innerhalb des &bdquo;Bedeutenden Projekts f&uuml;r gegenseitige Wertsch&auml;tzung von &ouml;stlichen und westlichen Kulturwerten&ldquo;, einem zehnj&auml;hrigen Programm, das die UNESCO Ende der f&uuml;nfziger Jahre in Gang gesetzt hatte. Tsaos Beteiligung an dem Stipendienprogramm war gr&ouml;&szlig;tenteils Iwao zu verdanken, der das UNESCO-Projekt beaufsichtigte. Der japanische Akademiker lehrte damals als Professor an der Hosei University in Tokyo und ging jede Woche zur Toyo Bunko, um seinem taiwanischen Sch&uuml;ler Niederl&auml;ndisch beizubringen. &bdquo;Meine Reise nach Toyo Bunko im Jahr 1965 hatte tiefe und weitreichende Auswirkungen auf meine akademische Laufbahn&ldquo;, gab Tsao in der Interview-Aufzeichnung zu Protokoll.</p>

<p>Im Jahr 1978 wurde Tsao von der Universit&auml;t Leiden in Holland eingeladen, um bei der Zusammenstellung und Bearbeitung einer Sammlung mit dem Titel &bdquo;De Dagregisters van het Kasteel Zeelandia&ldquo; (zu Deutsch: Die Tagesregister des Fort Zeelandia) zu helfen. Diese Dokumente sind Teil der Akten von der Vereinigten Ostindien-Kompanie (<em>Vereenigde Oostindische Compagnie</em>, VOC), die im Nationalarchiv der Niederlande in Den Haag aufbewahrt werden. Von Ende der 1620-er Jahre bis 1662 verwaltete die VOC Taiwan und beaufsichtigte Handelsangelegenheiten im S&uuml;dchinesischen Meer von Fort Zeelandia aus, einer Festung, deren &Uuml;berreste heute noch im Bezirk Anping der s&uuml;dtaiwanischen Stadt Tainan stehen. Die mit Taiwan zusammenh&auml;ngenden VOC-Akten, die eine un&uuml;berschaubare Vielfalt von Details &uuml;ber die holl&auml;ndische Niederlassung enthalten, waren das erste Beispiel f&uuml;r systematische Dokumentierung der Geschichte der Insel und bieten unsch&auml;tzbare Materialien f&uuml;r historische Forschung.</p>

<p>&Auml;hnliche Bem&uuml;hungen zur Ver&ouml;ffentlichung von Dokumenten &uuml;ber die Geschichte der Seefahrtsaktivit&auml;ten von Taiwan und Ostasien wurden mit Hilfe der Tsao-Stiftung durchgef&uuml;hrt. Zum Beispiel stellte Tsao Chang-ping, der j&uuml;ngste von Tsao Yung-hos drei S&ouml;hnen, fest, dass seit kurz nach der Jahrtausendwende die Stiftung ein gemeinsames Projekt der Universit&auml;t Leiden und der festlandchinesischen Xiamen University finanziert hat, um eine Reihe von VOC-Akten &uuml;ber die Gemeinden von Auslandschinesen in der asiatischen VOC-Kolonialzentrale in Batavia (heute Jakarta, Indonesien) zu ver&ouml;ffentlichen. Unter den anderen taiwanischen Studienprogrammen im In- und Ausland, die regelm&auml;&szlig;ig finanziell von der Stiftung gef&ouml;rdert werden, sind jene vom Osttaiwanischen Studienverband in der s&uuml;dosttaiwanischen Stadt Taitung zu nennen, und das Taiwanstudienprogramm an der London School of Economics and Political Science. Letzteres entstand aus dem London Taiwan Seminar, das im Jahr 2000 gestartet wurde, und es f&uuml;hrt laut Tsao Chang-ping vergleichende Studien &uuml;ber Taiwan und andere Orte wie Hongkong und Irland durch.</p>

<p>&bdquo;Wir streben danach, eine globale Sichtweise &uuml;ber Taiwans Geschichte zu entwickeln&ldquo;, charakterisiert er im Hiblick auf das Verm&auml;chtnis der Interpretation historischer Ereignisse durch seinen Vater, welches anerkennt, dass unterschiedliche Gruppen von Menschen w&auml;hrend verschiedener Zeitabschnitte in Taiwan lebten und welches eine klare Aufrechnung von Taiwans Platz in den Annalen der Zeit darstellt.</p>

<p>&mdash;Deutsch von Tilman Aretz<br />
&mdash;Quelle: Taiwan Review, 01/01/2015 (Januar 2015, S. 44-47)<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Kulturelle Vielfalt bewahren]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101597/Kulturelle-Vielfalt-bewahren]]></link><guid>101597</guid><pubDate>2015/06/11</pubDate><description><![CDATA[Seit der Liberalisierung und Demokratisierung der Republik China hat sich das Land zu einer pluralistischen Gesellschaft entwickelt, in der Glaubensvorstellungen und Werte aller kulturellen, ethnischen und religiösen Gruppen respektiert werden. Während der japanischen Kolonialherrschaft (1895-1945) und der Anfangsphase nach der Ankunft der von der Nationalen Volkspartei (<EM>Kuomintang</EM>, KMT) geführten Regierung der Republik China verursachte jedoch eine Politik, welche die Vorherrschaft einer einzelnen Sprache anstrebte und kulturelle Assimilierung vorantreiben wollte, einen Niedergang der Sitten und Gebräuche sowie der Muttersprachen von Taiwans Ureinwohnervölkern. Heute sind die Sprachen und Traditionen vieler Ureinwohnerstämme vom Aussterben bedroht.
<P>In den jüngsten Jahrzehnten hat sich die Regierung der Republik China gemeinschaftlich mit Ureinwohnergruppen auf allen Stufen der Gesellschaft bemüht, dieses Unrecht der Vergangenheit wiedergutzumachen. Einer der Schlüsselaspekte in diesem Ablauf ist, das Recht jeder Ureinwohnergruppe auf eigenständige Identifikation aufrechtzuerhalten. Seit dem Jahr 2001 stieg die Zahl der offiziell anerkannten Ureinwohnerstämme in Taiwan von neun auf 16, was die reiche Vielfalt des Kulturerbes unter den Ureinwohnervölkern des Landes zeigt.
<P>Die Regierung der Republik China beteiligt sich überdies aktiv an Anstrengungen zur Wiederbelebung von Ureinwohnersprachen. Die Sprachen der Ureinwohner sind seit 2001 in Ureinwohnergemeinden Pflichtfächer in den Grundschulen, und in diesem Sommer feierte Taiwan Indigenous Television, der erste Fernsehkanal Asiens, dessen Programm sich vollständig um Ureinwohner dreht, sein 10-jähriges Bestehen. Daneben arbeitet der Rat für Ureinwohnerfragen (<EM>Council of Indigenous Peoples</EM>, CIP), eine Behörde in Ministeriumsrang, daran, die Zahl von Schulen in Ureinwohnergemeinden zu steigern und die Bemühungen zur Dokumentierung der Stammeskulturen und –dialekte zu stärken.
<P>In vergleichbarer Weise hat der Rat für Hakka-Angelegenheiten (<EM>Hakka Affairs Council</EM>, HAC) sich bemüht, die Sprache und Traditionen der Hakka in Taiwan zu revitalisieren. Die Hakka, eine Untergruppe der Han-chinesischen Bevölkerungsmehrheit, machen ungefähr 20 Prozent von Taiwans Bevölkerung aus und haben eine eigene, unverwechselbare Kultur und Muttersprache. In den jüngsten Jahrzehnten wurde beobachtet, dass die Sprache der Hakka weniger gesprochen wird, deswegen hat der HAC — wie der CIP eine Behörde in Ministeriumsrang — ein Spektrum von Programmen entwickelt, welche die Sprache neu beleben sollen, etwa Schulungskurse für Lehrer und Initiativen zum Online-Lernen.
<P>Taiwan hat zudem internationale Beziehungen unter Ureinwohnergruppen gepflegt. In Anerkennung des gemeinsamen austronesischen Kulturerbes, das die Maori in Neuseeland und Taiwans Ureinwohner teilen, enthält das 2013 zwischen beiden Ländern unterzeichnete Wirtschaftsabkommen Klauseln über Ureinwohner-Kooperation. Außerdem fungiert Taiwan seit 2002 als Gastgeber der jährlichen internationalen austronesischen Konferenz.
<P>Während die Regierung der Republik China sich für die Verjüngung einheimischer Kulturen einsetzt, wird auch Respekt vor und Verständnis für die vielfältigen Traditionen unter den zahlreichen neuen Zuwanderern des Landes gefördert. Taiwan wurde im Laufe seiner Geschichte durch aufeinanderfolgende Wellen von Einwanderung gekennzeichnet, und das jüngste Beispiel für diesen Trend ist die Ankunft einer großen Zahl von neuen Mitbürgern aus Festlandchina und südostasiatischen Ländern wie Indonesien und Vietnam. Nach Angaben des Innenministeriums leben in Taiwan inzwischen über 700 000 Zuwanderer der ersten und zweiten Generation, und man schätzt, dass bis zum Jahr 2025 annähernd 13 Prozent in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren Zuwanderer der zweiten Generation sein werden.
<P>Die Regierung der Republik China hilft den neuen Bewohnern, sich in die taiwanische Gesellschaft einzufügen, darüber hinaus wurden politische Maßnahmen verfügt, welche sie und ihre Kinder ermutigen, ihre Sitten und Gebräuche beizubehalten, wovon man sich erhofft, dass diese Menschen Brücken für Wirtschafts- und Kulturaustausch werden können. Unter diesen Initiativen ist das Projekt „New Immigrant Torch“ zu nennen, ein 2012 gestartetes ministeriumsübergreifendes Programm, das neuen Zuwanderer-Eltern und ihren Kindern pädagogische Unterstützung bietet und Sprachkurse finanziert, in denen ihre Muttersprachen unterrichtet werden. Abgesehen davon zeichnet Taiwan sich durch ein tolerantes Milieu für Menschen aller Glaubensrichtungen aus, was sich an der Tatsache ablesen lässt, dass das Land im Religionsvielfalt-Index, den das Pew Research Center in den USA im vergangenen Jahr veröffentlichte, auf Platz zwei von 232 Ländern und Territorien eingestuft wurde.
<P>Zwar wurde in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge erreicht, doch die Regierung der Republik China erkennt an, dass noch mehr getan werden muss, um die Ureinwohnerkulturen zu bewahren und multikulturelles Verständnis zu fördern, und sie strebt unablässig danach, ihre Bemühungen auszuweiten und zu verbessern. Kulturelle Vielfalt stärkt und bereichert Taiwan, und das Land ist entschlossen, eine vollkommen aufgeschlossene Gesellschaft auf der Grundlage von Gleichberechtigung, Respekt und Toleranz aufzubauen.
<P>—Deutsch von Tilman Aretz<BR>—Quelle: Taiwan Review, 02/01/2015 (Februar 2015, S. 1)<BR>—Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com<BR></P>]]></description></item><item><title><![CDATA[Wo das Leben im Meer pulsiert]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101595/Wo-das-Leben-im-Meer-pulsiert]]></link><guid>101595</guid><pubDate>2014/12/12</pubDate><description><![CDATA[<p>Der Meeresnationalpark S&uuml;d-Penghu bietet nicht nur Meereslebewesen einen R&uuml;ckzugsort, sondern besticht auch dank seiner Geologie und Geschichte.</p>

<p>So viel Aufmerksamkeit wie in den letzten Monaten hat die Xiji-Insel seit langem nicht mehr bekommen. Nachdem die letzten st&auml;ndigen Bewohner 1978 die Insel verlassen hatten, war Xiji lediglich ein kleines, unbewohntes Eiland in einem entlegenen Teil der Archipelkette, die als Penghu bekannt ist und in der Taiwan-Meerenge liegt. F&uuml;r die Bev&ouml;lkerung Penghus selbst spielte die Insel kaum noch eine Rolle. Dies &auml;nderte sich schlagartig Anfang dieses Jahres, als Xiji dank einiger im Internet kursierender Fotos unerwartet ber&uuml;hmt wurde. Die Aufnahmen zeigten eine beeindruckende Gesteinsformation, die schnell als &bdquo;Blaue H&ouml;hle&ldquo; zu Ruhm kam. Sonnenstrahlen brechen durch eine gro&szlig;e kreisf&ouml;rmige &Ouml;ffnung in der steinernen Decke der H&ouml;hle und lassen die aus Basalts&auml;ulen bestehenden W&auml;nde blau ergl&uuml;hen. Nur an klaren Tagen, wenn die Sonne zur Mittagszeit hoch im Zenit steht, l&auml;sst sich das fluoreszierende Leuchten beobachten, das vom Wasser reflektiert wird und die gesamte Szene surreal erscheinen l&auml;sst. Bereits die Entdeckung der Blauen H&ouml;hle lie&szlig; die Besucherzahl Xijis kr&auml;ftig in die H&ouml;he schnellen. Die am 8. Juni verk&uuml;ndete Entscheidung des Innenministeriums der Republik China, Xiji und drei benachbarte Inseln zu Taiwans neuntem und j&uuml;ngsten Nationalpark zu machen, verhalf der Insel zu weiterer Bekanntschaft.</p>

<p>&bdquo;Die Einrichtung dieses Nationalparks auf Penghu macht die Menschen neugierig. Viele wollen jetzt diese Inseln sehen, die zuvor kaum jemand kannte&ldquo;, sagt Tu Lien-yue, der Touristen zu den vier gesch&uuml;tzten Inseln und in die umgebende Meereswelt bringt. Der Mittzwanziger plant, demn&auml;chst auch Schnorcheltouren f&uuml;r Besucher anzubieten, um ihnen die beeindruckende Unterwasserwelt des Nationalparks zu pr&auml;sentieren und neue Kunden zu gewinnen.</p>

<p>Der Meeresnationalpark S&uuml;d-Penghu wird noch in diesem Monat seine Arbeit aufnehmen, nachdem die ersten Mitarbeiter ins B&uuml;ro des Nationalparks eingezogen sind. Sitz des B&uuml;ros ist eine einstmalige Mittelschule auf der Dongji-Insel. Der Nationalpark liegt im S&uuml;den des Penghu-Archipels. Die vier Hauptinseln &mdash; Dongji, Dongyuping, Xiji und Xiyuping &mdash; sowie eine Reihe kleinerer Felsen bedecken eine Landfl&auml;che von 370 Hektar. Die Gesamtfl&auml;che des entlang der Ost-West-Achse gestreckten, rechteckigen Areals in der Taiwan-Meerenge betr&auml;gt 35 843 Hektar. Derzeit leben nur 50 Menschen st&auml;ndig im Gebiet des Nationalparks. Verwaltet wird die Inselgruppe von der Gemeinde Wang&rsquo;an des Landkreises Penghu.</p>

<p>&bdquo;Verschmutzung spielt im Nationalpark keine Rolle. Dazu ist er zu abgelegen und wird zudem kaum von menschlicher Aktivit&auml;t beeinflusst&ldquo;, sagt Yu Shyi-liang, Professor an der Fakult&auml;t f&uuml;r Tourismus und Freizeit der National Penghu University of Science and Technology (NPU). Um von der taiwanischen Hauptstadt Taipeh im Norden der Hauptinsel bis nach Dongji, der gr&ouml;&szlig;ten Insel des Nationalparks zu gelangen, muss man zuerst einen 50-min&uuml;tigen Flug von Taipeh nach Magong hinter sich bringen. Magong liegt auf Penghu, der gr&ouml;&szlig;ten Insel des gleichnamigen Archipels. Danach stehen dem Besucher anderthalb Stunden Schifffahrt bei zuweilen unruhiger See bevor, um von Magong nach Dongji zu gelangen.</p>

<div class="pic left"><img alt="Xiyuping und andere entlegene Inseln des Meeresnationalparks Penghu sind bestens geeignet als Ausgangsbasis für Naturliebhaber, die von hier aus ihre Erkundungstouren starten." src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/201410p39.jpg" />
<p>Xiyuping und andere entlegene Inseln des Meeresnationalparks Penghu sind bestens geeignet als Ausgangsbasis f&uuml;r Naturliebhaber, die von hier aus ihre Erkundungstouren starten.</p>
</div>

<p>Der Hauptsitz der Verwaltung aller taiwanischen Meeresnationalparks (<em>Marine National Park Headquarters, MNHP</em>) befindet sich in der s&uuml;dtaiwanischen Stadt Kaohsiung und untersteht dem Innenministerium. MNHP hat bereits sieben Publikationen erstellt, welche die vier Inseln des neuen Nationalparks und die angrenzenden Ozeangebiete gut verst&auml;ndlich erkl&auml;ren. Die Brosch&uuml;re &bdquo;Tauchen bei den vier s&uuml;dlichen Inseln&ldquo; entstand als Ergebnis eines von MNHP betreuten Projekts zur Erkundung der Unterwasserwelt des Parks und wurde im Dezember 2013 ver&ouml;ffentlicht. Darin werden die Tauchpl&auml;tze als Paradies f&uuml;r Scuba-Tauchen und Schnorcheln beschrieben. Mit Hilfe von Informationen erfahrener Fischer, Seekarten der Marine und wissenschaftlicher Berichte von Meeresbiologen erkundeten professionelle Taucher &uuml;ber einen Zeitraum von acht Monaten 30 Tauchpl&auml;tze, die sich durch besonders farbenpr&auml;chtige und vielf&auml;ltige Meeresfauna und &ndash;flora auszeichnen. Am Ende entstand eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die 15 besten Tauchpl&auml;tze, wobei Fragen der Sicherheit und Zug&auml;nglichkeit gleichfalls Ber&uuml;cksichtigung fanden. &bdquo;Die Korallenriffs waren spektakul&auml;r&ldquo;, urteilt Yu Shyi-liang. &bdquo;Wir haben ausgedehnte Riffs und klares Wasser vorgefunden&ldquo;, erinnert sich Yu an seine ersten Schorchelausfl&uuml;ge in die Region im Jahre 2007.</p>

<p>&bdquo;Die Einrichtung eines Nationalparks setzt voraus, dass die zu sch&uuml;tzende Natur noch relativ unber&uuml;hrt von menschlicher Aktivit&auml;t ist. Eine Voraussetzung, welche die kleinen Inseln in S&uuml;d-Penghu und das umgebende Meer erf&uuml;llen&ldquo;, betont MNHP-Direktor Yang Mo-lin. Neben dem Meeresnationalpark S&uuml;d-Penghu ist MNHP auch zust&auml;ndig f&uuml;r den gleicherma&szlig;en naturbelassenen Nationalpark Dongsha-Atoll, der im Norden des S&uuml;dchinesischen Meeres liegt und 2007 gegr&uuml;ndet wurde. Nach der Etablierung des Dongsha-Parks beauftragte das Innenministerium MNHP, nach weiteren Kandidaten f&uuml;r Meeres-Nationalparks Ausschau zu halten, um Schritt zu halten mit dem globalen Trend zur verst&auml;rkten Einrichtung von Meeresschutzgebieten.</p>

<div class="pic left"><img alt="Die Einrichtung des Meeresnationalparks Süd-Penghu wird dazu beitragen, dass sich die Fischbestände der Region erholen und gleichzeitig die beeindruckenden Korallenriffe geschützt werden." src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/201410p38.jpg" />
<p>Die Einrichtung des Meeresnationalparks S&uuml;d-Penghu wird dazu beitragen, dass sich die Fischbest&auml;nde der Region erholen und gleichzeitig die beeindruckenden Korallenriffe gesch&uuml;tzt werden.</p>
</div>

<p><b>Gef&auml;hrliches Kaltwetterph&auml;nomen</b></p>

<p>Die vom MNHP vorangetriebene Einrichtung des Nationalparks S&uuml;d-Penghu war unter anderem das Ergebnis einer l&auml;ngeren Kaltwetterperiode im Jahre 2008, die symptomatisch war f&uuml;r extreme Temperaturschwankungen, wie sie im Zuge des Klimawandels in der Region wahrscheinlich zunehmen werden.</p>

<p>Das abnormal kalte Wetter f&uuml;hrte MNHP vor Augen, wie wichtig Ma&szlig;nahmen zum Schutz des marinen Lebens sind. Flora und Fauna im s&uuml;dlichen Teil des Penghu-Archipels knapp unterhalb des Wendekreises des Krebses sind meist vitaler als in anderen Teilen der Inselgruppe. Grund daf&uuml;r ist der m&auml;chtige Kuroshio-Strom im westlichen Pazifik, der warmes Wasser aus Meeresgebieten s&uuml;d&ouml;stlich von Taiwan bis nach Japan transportiert. Ein seitlicher Arm des Stroms ergie&szlig;t sich in die Taiwan-Meerenge. Eine kalte Str&ouml;mung, die entlang der chinesischen K&uuml;ste in Nord-S&uuml;d-Richtung flie&szlig;t, erstreckt sich zwar bis Penghu, wird aber am Wendekreis des Krebses vom Kuroshio-Strom neutralisiert. Kaltes Wasser ist nachteilig f&uuml;r die Lebensvielfalt im Meer. Der warme Kuroshio hingegen l&auml;sst das Leben erbl&uuml;hen.</p>

<p>&bdquo;Im S&uuml;den Penghus besteht eine gewaltige Keimplasma-Bank. Dank der Fischereibeschr&auml;nkungen k&ouml;nnen sich Meerestiere hier sehr gut vermehren. Fischbest&auml;nde, die aufgrund extremen Wetters in anderen Teilen des Archipels dezimiert wurden, k&ouml;nnen sich im Nationalpark wieder erholen&ldquo;, sagt Yang. Aber auch die Korallenriffe, die im Park gut gedeihen, sind wichtig f&uuml;r ozeanische Spezies. &bdquo;Korallenriffe haben eine &auml;hnliche Funktion wie Regenw&auml;lder an Land. Sie sind Brutst&auml;tten und Lebensraum einer gro&szlig;en Vielzahl von Tieren&ldquo;, f&uuml;gt Yang hinzu.</p>

<p>Die geologischen Wunder der Inseln sind genauso sch&uuml;tzenswert wie das Leben im Meer. In Penghu befinden sich zwei von insgesamt 22 Landschaftsschutzgebieten Taiwans, die alle gem&auml;&szlig; dem Gesetz zur Erhaltung von Kulturerbest&auml;tten eingerichtet wurden. Das Landschaftsschutzgebiet &bdquo;Basalts&auml;ulen auf Penghu&ldquo; wurde 1992 im Norden der Inselgruppe etabliert. Im Jahre 2008 folgte das Schutzgebiet &bdquo;Basalts&auml;ulen Nanhai&ldquo;, das sich &uuml;ber die Inseln Dongji, Xiji und zwei kleinere Eilande &mdash; Toujin und Tiezhen &mdash; erstreckt. Die beiden letzteren liegen unweit der Xiyuping-Insel. Wie der Name der zwei Landschaftsschutzgebiete schon verr&auml;t, werden die Inseln dominiert von Basaltformationen, vor allem Basalts&auml;ulen. Im Einklang mit den Bestimmungen des Basalts&auml;ulen-Schutzgebietes Nanhai sind bestimmte Areale des neuen Wassernationalparks als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.</p>

<p>Es ist faszinierend, die Zugv&ouml;gel zu beobachten, wenn sie sich auf den Basaltformationen niederlassen. Am h&auml;ufigsten zu sehen sind Seeschwalbenarten, allen voran Eilseeschwalben (<em>Thalasseus bergii</em>). Laut einer von MNHP in Auftrag gegebenen Studie, die sich &uuml;ber ein Jahr erstreckte und Grundlage eines 2011 ver&ouml;ffentlichten Ornithologiebuchs wurde, fliegen 66 Zugvogelarten die Inselgruppe an, darunter 19, die als stark gef&auml;hrdet, bedroht oder gef&auml;hrdet gelten.</p>

<div class="pic left"><img alt="Verlassene Häuser auf der Dongyuping-Insel." src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/201410p39.jpg" />
<p>Verlassene H&auml;user auf der Dongyuping-Insel.</p>
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<p>&bdquo;Die Geschichte dieses Gebiets, zu dem auch der Meeresnationalpark S&uuml;d-Penghu geh&ouml;rt, unterscheidet sich stark vom Nationalpark Dongsha-Atoll&ldquo;, erkl&auml;rt Yang und verweist darauf, dass bereits Mitte des 17. Jahrhunderts Menschen aus der Provinz Fujian via Penghu-Archipel nach Taiwan auswanderten. Die Dongji-Insel war der letzte Zwischenstopp, bevor die Wagemutigen den letzten Abschnitt ihrer Reise &uuml;ber das Meer zur taiwanischen Hauptinsel in Angriff nahmen. Im Jahre 2009 rief die Regierung den Taijiang-Nationalpark in Tainan ins Leben, dessen historische Bedeutung unter anderem darin liegt, dass die Neuank&ouml;mmlinge aus der Provinz Fujian im Gebiet um Taijiang landeten. Die Dongji-Insel befindet sich in der nordwestlichen Ecke des Taijiang-Nationalparks. Die Schifffsroute von Fujian &uuml;ber Dongji nach Taijiang erinnert an den Abenteuergeist und Mut der Menschen, welche die zuweilen st&uuml;rmischen Gefilde der Taiwan-Meerenge &uuml;berquerten.</p>

<p>Auf den einst so belebten Inseln des Nationalparks in Penghu stehen nun leere H&auml;user in westlichem Baustil, einige Steinbauten und eine Handvoll chinesischer Tempel. MNHP plant eine Reihe verfallener Geb&auml;ude zu restaurieren. Man findet hier auch sogenannte <em>Cai-Zhai</em>, w&ouml;rtlich &uuml;bersetzt &bdquo;Gem&uuml;seh&auml;user&ldquo;, die eigentlich nur einfache Steinmauern sind, die das Gem&uuml;se vor dem f&uuml;r den Archipel typischen starken und salzwasserhaltigen Wind sch&uuml;tzen sollte. Derartige Steinmauern gibt es nur auf den Penghu-Inseln. &bdquo;Neben der landschaftlichen Sch&ouml;nheit bietet die surreale Atmosph&auml;re, die geschaffen wird durch verlassene H&auml;user auf dieser entlegenen aber einstmals belebten Insel, ein weiteres au&szlig;ergew&ouml;hnliches Erlebnis&ldquo;, schw&auml;rmt Reisef&uuml;hrer Tu, der selbst auch erst Anfang des Jahres zum ersten Mal eine der Inseln des Nationalparks besucht hat.</p>

<p>Aber es gibt auch Kontroversen und Bedenken hinsichtlich der staatlichen Regelungen zum Naturschutz im neuen Meeresnationalpark. &bdquo;Ich bin f&uuml;r das Projekt, denn es wird die Infrastruktur der im Park gelegenen Inseln stark verbessern. Aber mir ist auch bewusst, dass Menschen, die in der Region ihren Lebensunterhalt mit Fischfang verdienen, Bedenken &auml;u&szlig;ern. Diese Leute bef&uuml;rchten, nach Einrichtung des Nationalparks nicht mehr frei in dem Gebiet fischen zu k&ouml;nnen&ldquo;, sagt Xu Shun-long, Vorsteher des Dongji-Dorfs auf der gleichnamigen Insel.</p>

<p>Um auf diese &Auml;ngste einzugehen, suchte MNHP bereits seit 2010 den Dialog mit den betroffenen B&uuml;rgern. Der st&auml;rkste Widerstand gegen den Park formierte sich in den beiden gr&ouml;&szlig;ten Siedlungen der Wang&rsquo;an-Gemeinde, auf den Inseln Wang&rsquo;an und Jiangjin&rsquo;ao. Diese sind zwar nicht Teil des Nationalparks, aber die dort lebenden Fischer begreifen die Fischgr&uuml;nde des Parks als ihr traditionelles Fanggebiet. In pers&ouml;nlichen Gespr&auml;chen mit den Anwohnern versuchen MNHP-Mitarbeiter zu erkl&auml;ren, dass der neue Park den Fischfang gar nicht oder nur sehr wenig beeintr&auml;chtigen wird. Abgesehen von einer gesch&uuml;tzten 68 Hektar gro&szlig;en &Ouml;kozone rund um die Tiezhen-Insel im Nordwesten des Parks ist der Fischfang ohne spezielle Lizenz weiterhin erlaubt. Es gibt aber Einschr&auml;nkungen hinsichtlich der Art des Fischens. Die Nutzung von Grundschleppnetzen, die mit Gewichten beschwert direkt &uuml;ber den Meeresboden gezogen werden, ist in einem Rechteck, das 46 Prozent der Gesamtfl&auml;che des Parks ausmacht, eingeschr&auml;nkt oder verboten. Konkret bedeutet dies, dass auf 15 Prozent der Gesamtfl&auml;che, in ausgewiesenen Gebieten rund um die vier Inseln Dongji, Dongyuping, Xiji und Xiyuping, diese Fangart ganzj&auml;hrig verboten ist, in anderen Gebieten aber nur im Herbst und Winter.</p>

<p>&bdquo;Diese Schutzma&szlig;nahmen werden der lokalen Fischerei langfristig sogar nutzen, denn sie wirken nachhaltig&ldquo;, betont Direktor Yang. Weiter verweist er darauf, dass die im Juni bekanntgegebene Einrichtung des Parks beweise, dass es den Regierungsbeh&ouml;rden gelungen ist, die Bef&uuml;rchtungen der Anwohner zu zerstreuen. MNHP sprach aber nicht nur mit den derzeitigen Bewohnern Penghus, sondern auch mit Menschen, die fr&uuml;her im Gebiet des Meeresnationalparks gewohnt haben, und sogar mit Nachfahren bereits verstorbener Anwohner, die heute oftmals auf der Hauptinsel Taiwan in den Gro&szlig;st&auml;dten Tainan oder Kaohsiung leben. Manche von ihnen sind immer noch Fischer und waren besorgt, ob ihre Fangrechte im Park verlorengehen. Andere wollten wissen, wie sich die Einrichtung des Parks auf ihre ehemaligen Heimatd&ouml;rfer auswirken werde, denn viele besitzen dort noch immer eine Haushaltsregistrierung und Grundeigentum.</p>

<p>Nach langen Jahren Feldforschung und Kommunikation mit der lokalen Bev&ouml;lkerung wurde mit der Einrichtung des Meeresnationalparks S&uuml;d-Penghu nun ein Meilenstein gesetzt. Aber noch ist viel zu tun, um die langfristige Entwicklung des Parks abzusichern. Dies beginnt mit der effizienten Durchsetzung gesetzlicher Bestimmungen und erstreckt sich bis zu nachhaltigem Umweltmonitoring. &bdquo;Wir werden weiterhin meeresbiologische Forschungen betreiben und die Korallenriffs beobachten, um deren gesunde Entwicklung zu sichern&ldquo;, sagt Direktor Yang und verweist gleichzeitig darauf, dass einige Schutzma&szlig;nahmen bereits wichtige Erfolge erzielt h&auml;tten. Ein Beispiel daf&uuml;r seien die Anstrengungen, die unternommen wurden, um Korallenriffe vor dem Dornenkronen-Seestern (<em>Acanthaster planci</em>) zu sch&uuml;tzen. Diese Seesternart ist ein nat&uuml;rlicher Feind, der das Gewebe von Steinkorallen mit seinem K&ouml;rpergift verfl&uuml;ssigt und dann die N&auml;hrstoffe entzieht. Wenn der Seestern weiterzieht, bleiben wei&szlig;e Narben auf dem Korallenskelett. MNHP entfernt Seesterne seit 2011 vor allem in den Gew&auml;ssern nahe der Xiji-Insel. In den Jahren 2011 und 2012 wurden jeweils mehr als 100 Seesterne get&ouml;tet, 2013 sogar 191, die kurz vor der Fortpflanzung standen. Seesterne treten in Kolonien auf, um sich besser vermehren zu k&ouml;nnen. Dies macht aber auch das Absammeln dieser Korallenfeinde einfacher. Direktor Yang ist stolz darauf, dass in diesem Jahr noch kein einziger Seestern gefunden wurde.</p>

<div class="pic left"><img alt="Der Leuchtturm auf der Dongji-Insel. In historischer Zeit war die kleine Insel der letzte Zwischenstopp für festlandchinesische Aussiedler vor der Schiffsreise über die Meerenge nach Taiwan." src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/201410p41.jpg" />
<p>Der Leuchtturm auf der Dongji-Insel. In historischer Zeit war die kleine Insel der letzte Zwischenstopp f&uuml;r festlandchinesische Aussiedler vor der Schiffsreise &uuml;ber die Meerenge nach Taiwan.</p>
</div>

<p><b>Auswirkungen des Tourismus</b></p>

<p>Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad des Nationalparks und seiner Sehensw&uuml;rdigkeiten muss sich MNHP Gedanken machen, wie mit der wachsenden Besucherzahl und entsprechend negativen Auswirkungen auf die Umwelt umgegangen werden sollte. &bdquo;Am Wochenende besuchen t&auml;glich mehr als hundert Touristen unsere Insel. Das ist eine Belastung f&uuml;r die Wasserressourcen, die fr&uuml;her nur den Bedarf der Anwohner decken mussten. Au&szlig;erdem gibt es ein M&uuml;llproblem&ldquo;, sagt Dorfvorsteher Xu und f&uuml;gt hinzu, dass die angesprochenen Schwierigkeiten im letzten Fr&uuml;hjahr besonders pr&auml;sent waren, weil viele Touristen die Blaue H&ouml;hle besuchen wollten.</p>

<p>Die relative Abgelegenheit des Nationalparks ist dem Umweltschutz zutr&auml;glich. Reisef&uuml;hrer Tu betont, dass die meisten Touristen im Fr&uuml;hling und Sommer nach Penghu kommen, wenn das Wetter vergleichbar mild ist. In anderen Jahreszeiten sei die Zahl der G&auml;ste gering, was die Umweltbelastung durch Tourismus verringere. Dennoch k&auml;men immer mehr Besucher in Taiwans neuesten Nationalpark. Professor Yu von der NPU schl&auml;gt daher vor, eine Obergrenze von m&ouml;glichst nicht mehr als 100 Touristen pro Tag und Insel festzulegen. &bdquo;Massentourismus, der nicht ohne den Bau gro&szlig;er Hotels auskommt, sollte auf den gro&szlig;en, st&auml;rker besiedelten Inseln des Penghu-Archipels wie der Penghu-Hauptinsel gef&ouml;rdert werden. Kleine Inseln, die empfindlicher auf Bauprojekte und verst&auml;rkte menschliche Aktivit&auml;t reagieren, sollten sich auf Nischentourismus f&uuml;r Besucher mit speziellen Interessen und auf &Ouml;kotourismus beschr&auml;nken&ldquo;, schl&auml;gt Yu vor. &bdquo;Au&szlig;erdem sollten die G&auml;ste nicht auf den Inseln &uuml;bernachten. Dies w&uuml;rde die regionale Umweltbelastung ebenfalls verringern.&ldquo;</p>

<p>Professor Yu prophezeit, dass sich der Meeresnationalpark S&uuml;d-Penghu zu einem wichtigen Schutzgebiet f&uuml;r Meereslebewesen entwickeln und das Umweltbewusstsein vertiefen wird. Direktor Yang erwartet, dass weitere Meeresnationalparks dem Modell S&uuml;d-Penghu folgen werden. &bdquo;Das nachhaltige Entwicklungsprogramm wird den Menschen vor Augen f&uuml;hren, dass der Nationalpark die Region bereichert. Unsere Bem&uuml;hungen, die regionalen Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Rechte der Anwohner und Fischer nicht zu beschneiden, werden allgemein Anerkennung finden. Dies wird uns bei der Planung weiterer Parks in der Zukunft helfen&ldquo;, sagt Yang. Der Nationalpark S&uuml;d-Penghu ist nach Meinung des Direktors besser als Modellprojekt geeignet als der s&uuml;dlicher gelegene Nationalpark um das Dongsha-Atoll, weil letzterer vor allem der internationalen Forschung zur Verf&uuml;gung stehen wird. Das Dongsha-Atoll ist so weit abgelegen und schwer erreichbar, dass es f&uuml;r die meisten Menschen keinerlei Rolle spielt. Derzeit plant die Regierung der Republik China die Einrichtung von zwei weiteren Meeresnationalparks. Einer wird im S&uuml;dosten Taiwans entstehen mit L&uuml;dao (Gr&uuml;ne Insel) im Zentrum, ein zweiter Park wird drei unbewohnte Inseln &mdash; Huaping, Mianhua und Pengjia &mdash; an der Nordostk&uuml;ste umfassen. Die Erfahrungen, die beim erfolgreichen Aufbau des Nationalparks S&uuml;d-Penghu gewonnen wurden, dienen als Grundlage f&uuml;r diese beiden neuen Schutzgebiete und andere aktuelle Umweltschutzprojekte in Taiwan.</p>

<p><b><em>(Deutsch von Sven Meier)</em></b></p>

<p>&mdash;Quelle: Taiwan Review, Oktober 2014<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Bessere Verhältnisse im Ruhestand]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101594/Bessere-Verh%C3%A4ltnisse-im-Ruhestand]]></link><guid>101594</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Taiwans Gesellschaft altert so schnell, dass Behörden und zivile Institutionen reagieren müssen. Während in diesem Jahr schon 11,7 Prozent der Bevölkerung auf der Insel über 65 Jahre alt sind, werden es in vier Jahren 14 Prozent sein, so eine Prognose des Ministeriums für Gesundheit und Soziales (<I>Ministry of Health and Welfare</I>, MOHW) in Taipeh. Doch dass sich dadurch zwangsläufig die Last für die arbeitende junge Generation proportional erhöhen wird, ist ein voreiliger Trugschluss. Da gebrechliche und kranke Senioren, untergebracht in Pflegeheimen und Krankenhäusern, dem Sozialsystem viel höhere Kosten verursachen als jene, die gesund und munter lange in den eigenen vier Wänden wohnen, setzt Taiwan auf das vielversprechende Konzept „zu Hause alt werden/aktiv alt werden“. Im Zentrum dieser Idee steht ein immer dichter werdendes Netz von „Pflegebasen“, in denen die Alten nicht nur zusammen lernen, Spaß haben und gesundheitlich betreut werden, sondern von denen aus den Senioren auch zu Hause geholfen werden kann. 
<P>„Nach dem Eintritt ins Rentenalter darf nicht gleich Krankheit und das Pflegeheim kommen“, sagt Chen Su-chun (陳素春), stellvertretende Direktorin der Abteilung für Soziales und Familie im MOHW. „Weil Studien zeigen, dass Freizeitaktivitäten mit anderen Senioren und das Leben im gewohnten sozialen Umfeld den Eintritt in die Pflegebedürftigkeit hinausschieben, überziehen wir ganz Taiwan mit Pflegebasen; denn dort können sich die Alten miteinander austauschen, sich den Blutdruck messen lassen, und von dort aus werden die Senioren zu Hause angerufen und mitunter auch besucht, einfach um zu erfahren, wie es ihnen geht.“ 
<P>Chen fügt hinzu, dass im Gegensatz zu der Versorgung in der eigenen Wohnung die Unterbringung in Pflegeheimen viele Senioren effektiv von ihren Angehörigen trennt, da die Institutionen meist recht weit abseits vom eigentlichen Stadtgebiet liegen. 
<P>Den von Chen präsentierten Unterlagen zufolge gibt es mittlerweile 1885 Pflegebasen in Taiwan, und es kommen pro Jahr zirka 100 neue dazu, entsprechend dem Ziel, dass es in Zukunft in Taiwans Ballungsräumen alle hundert Meter eins geben soll. Sie erläutert, dass diese Pflegebasen entweder in einem der 377 staatlichen größeren Aktivitätszentren untergebracht sein können oder in kleineren Gemeindehäusern, Tempeln und Kirchen. Frau Chen sagt weiterhin, dass jede Pflegebasis als Anlaufpunkt für einige Dutzend in der Nachbarschaft lebende Senioren fungiert und vom MOHW jährlich mit etwa 150&nbsp;000 NT$ (3750 Euro) subventioniert wird. Die Gesamtausgaben des Staates für diese Einrichtungen würden sich in diesem Jahr auf 298 Millionen NT$ (7,45 Millionen Euro) belaufen. „Die Dimension dieses Etats ist politisch nicht kontrovers“, betont sie. „Unser Legislativ-Yuan (立法院), also Taiwans Parlament, ist sich der Wichtigkeit sehr bewusst, so dass bestimmt nichts gekürzt werden wird.“ 
<P>Huang Yi-jung (黃薏蓉), Leiterin der Unterabteilung für Seniorenwohlfahrt der Abteilung für Soziales der Stadtverwaltung Taipeh, bestätigt aus eigener Erfahrung, dass Bürger, die sich nach ihrer Pensionierung verstärkt in der Gruppe engagieren, wesentlich länger gesund und dadurch unabhängig bleiben. Ein ganz wichtiges Element in der Altenwohlfahrt in der Stadt Taipeh, die ihr zufolge 360&nbsp;000 Bürger im Alter über 65 Jahre hat, sei das gelegentliche gemeinsame Kochen und Essen, was sehr gut durch die Pflegebasen gefördert werden könne, so Huang. 
<P>„Wir bezuschussen den gemeinsamen Einkauf auf dem Gemüsemarkt, und ein anderer ganz starker Punkt der Pflegebasen ist, dass den freiwilligen Helfern und Sozialarbeitern dort schnell zu Ohren kommt, wenn etwa ein älterer Bürger einsam zu Hause auf dem Sofa hockt und dadurch den Lebensmut verliert“, sagt sie. „Denn dann klingeln die Helfer an der Türe und sagen: ,Hey, komm und verbring doch den Nachmittag in der Pflegebasis um die Ecke!‘“ 
<P>Huang erläutert ferner, dass solche Hausbesuche einen weiteren wichtigen Zweck erfüllen — einmal in der Wohnung, erkenne das Pflegebasis-Personal leicht Gefahrenpunkte wie etwa hohe Stufen oder rutschige Fliesen im Badezimmer. Dann, so fährt sie fort, kämen die Handwerker binnen einer Woche, um das Problem zu beheben, und das für Senioren bis zu einer Handwerkerrechnung von stattlichen 80&nbsp;000 NT$ (2000 Euro) sogar kostenlos. 
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<IMG alt="Bessere Verhältnisse im Ruhestand-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201409p42.jpg" MMOID="222846">
<P>Indem man Senioren bei Alltagsbesorgungen in ihrer gewohnten Umgebung wie Einkaufen hilft, trägt man dazu bei, dass sie ihren Lebensmut nicht verlieren und so länger gesund bleiben. (Foto: Jens Kastner)</P></DIV>
<P>„Wir haben dieses Programm seit Oktober 2013, und es ist bisher einmalig in Taiwan“, sagt Huang. „Da Knochenbrüche im Alter sehr oft zu anderen medizinischen Komplikationen führen, ist Unfallprävention ein wichtiger Aspekt in unserem Bestreben, den Alten das Leben in den eigenen vier Wänden länger zu ermöglichen.“ Sie stellt weiterhin klar, dass, obwohl wohlhabende Senioren von dem Programm ausgenommen sind, bislang eine Mehrzahl der Anträge genehmigt wurde. 
<P>Für die Abteilung für Soziales der Stadtverwaltung Taipeh ist neben den Pflegebasen die gute Einbindung von Vereinen und anderen Nichtregierungsorganisationen (<I>Nongovernmental Organization</I>, NGO) ein anderes sehr wirksames Instrument. Seit Huangs Abteilung Ausschreibungen zu subventionierten Förderungsprogrammen für die Seniorenwohlfahrt veröffentlicht, können sich interessierte Vereine und NGOs bewerben, vorausgesetzt, sie sind behördlich registriert. Da die Zielgruppen von sozialen Aktivitäten sich oft überschneiden, zum Beispiel wenn Senioren am Nachmittag Kleinkinder betreuen oder Grundschülern bei den Hausaufgaben helfen, ist die Bandbreite der sich bewerbenden Gruppen recht weit, so Huang. 
<P>„Das geht von Taekwondo bis zu Kalligraphie, und die Aktivitäten können entweder in den eigenen Vereinsräumen angeboten werden oder in unseren Aktivitätszentren und Pflegebasen“, erklärt sie. „Oft sieht das so aus, dass ein Verein mit einem von uns vergüteten Lehrer eine wöchentliche Unterrichtsstunde abhält, bei der vorher oder nachher zusammen gegessen wird und quasi nebenbei ein Auge auf den Gesundheitszustand der Teilnehmer geworfen werden kann.“ 
<P>Huang fügt hinzu, dass der jährliche Gesamtzuschuss pro Verein oder NGO auf 600&nbsp;000 NT$ (15&nbsp;000 Euro) begrenzt sei. Die Abteilung für Soziales beobachtet und bewertet die erbrachten Leistungen und macht gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge oder schließt sogar den Verein oder die NGO von zukünftigen Zuschussprogrammen ganz aus. 
<P>„Wir müssen beispielsweise durchsetzen, dass der Anteil der Alten in den geförderten Kursen entsprechend hoch ist und die älteren Teilnehmer den Kurs auch mögen“, erklärt sie. „Wir erscheinen unangemeldet und überprüfen Anwesenheitslisten, Rechnungen und andere Unterlagen, und wenn es nicht geht, drehen wir den Geldhahn zu.“ 
<P>Doch andererseits gibt es natürlich auch Belohnungen. Wenn die Überprüfungen durch Huangs Leute beständig positiv ausfallen, könne der Verein oder die NGO in Zukunft durchaus höhere Zuschüsse erwarten, sagt sie. Ferner übernehme Huangs Abteilung überdies die Ausgaben der Senioren für die Nutzung von Museen, Zoos und der öffentlichen Verkehrsmittel, um deren Mobilität zu fördern. Bis zu sechzig Mal im Jahr können Busse und U-Bahnen umsonst benutzt werden, sagt sie. Auch Huang ist der Meinung, dass der politische Rückhalt für all diese Förderungsmaßnahmen stark sei. 
<P>„Unser Etat ist in den vergangenen Jahren immer erhöht worden, denn die Politik ist sich der demografischen Trends sehr bewusst“, sagt sie. „In diesem Jahr sind es zum Beispiel 20 Millionen NT$ (500&nbsp;000 Euro) für unsere Einrichtungen und 3 Millionen NT$ (75&nbsp;000 Euro) für die präventiven Handwerksarbeiten in den Wohnungen der Senioren.“ 
<P><B>Für eine bessere Perspektive</B> 
<P>Wohl eine der am meisten respektierten NGOs in Taiwan im Bereich Seniorenwohlfahrt ist die Seniorenwohlfahrtsstiftung Hondao. Zwar wurde Hondao international recht bekannt durch ihren Film <I>Go Grandriders</I>, der die Geschichte von taiwanischen Senioren erzählt, die trotz altersbedingter Gebrechen mit Motorrädern die Insel umrunden, doch im normalen Alltag engagiert Hondao sich in insgesamt 178 taiwanischen Pflegebasen. Von ihrem Hauptsitz in Taipeh, der durch gut ein Dutzend hauptamtlicher Mitglieder betrieben wird, kontrolliert Hondao eine Armee von 1500 unbezahlten Freiwilligen in allen Teilen Taiwans. 
<P>„Wir blicken zurück auf neunzehn Jahre Erfahrung in Seniorenwohlfahrt, und deshalb kommen viele Gemeinden und fragen uns um Rat“, sagt Doris Lin (林依瑩), Hondaos Generaldirektorin. „Die haben viele meist ältere weibliche Bürger, die sich für die Alten engagieren wollen, aber nicht genau wissen wie, und genau da kommen unsere gut ausgebildeten Helfer ins Spiel.“ 
<P>Lin erläutert, dass die Leute von Hondao zum Beispiel vermitteln, wie man Einsatzpläne für Freiwillige erstellt, nach welchem Zeitplan bei Inkontinenz Windeln gewechselt werden, wie man „Essen auf Rädern“ organisiert, oder wie man ein Baseballteam, dessen Durchschnittsalter knapp 80 ist, aufstellt. 
<P>„Nach dem ich <I>Go Grandriders</I> sah, fing ich an, von meinem eigenen Baseballteam zu träumen“, berichtet der 75-jährige Chen Teh-ming (陳德銘) aus Tainan. „Obwohl ich den Ball nun nicht mehr weit schlagen kann und meine Beine nicht mehr schnell sind, habe ich noch so viel Leidenschaft für das Spiel, dass ich im vergangenen Jahr begann, ein Großvater-Team zusammenzutrommeln.“ Die Mannschaft ist mittlerweile auf 30 Spieler angewachsen und wird im November am Tournier Asia Baseball Evergreen Cup im südtaiwanischen Chiayi teilnehmen, fügt Chen Teh-ming stolz hinzu. 
<DIV class=photo>
<IMG alt="Bessere Verhältnisse im Ruhestand-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p43.jpg" MMOID="222847">
<P>NGOs, die Veranstaltungen und Aktivitäten für Senioren organisieren wie Sport, Kalligrafie und ähnliches, können bei ihrer zuständigen Stadtverwaltung finanzielle Zuschüsse beantragen. (Foto: Courtesy Department of Social Welfare, Taipei City Government)</P></DIV>
<P>Es ist ein besonderes Anliegen sowohl der Behörden als auch Hondaos, dem Trend zu immer mehr südostasiatischen Pflegerinnen, die individuell von Familien angestellt werden und normalerweise im Haushalt der Pflegebedürftigen wohnen, ein Ende zu setzen. Die Zahl dieser zumeist aus Indonesien kommenden Helferinnen, oder „Wailao“, wie sie im Volksmund leicht abfällig genannt werden, ist mittlerweile landesweit schon auf 210&nbsp;000 angestiegen. Das wiederherum bereitet gesellschaftliche Probleme, zum einen weil die Quote der sich illegal absetzenden Helferinnen recht hoch ist, nämlich etwa 10 Prozent, zum anderen, weil viele der jungen Frauen in ihren taiwanischen Gastfamilien als Arbeitstiere ausgebeutet und einige sogar geschlagen und sexuell missbraucht werden. 
<P>Doch Hondao hat eine sehr gute Lösung für das Problem gefunden. „Wir als Organisation stellen seit letztem Jahr selbst Wailaos ein und bringen sie als Gruppe zusammen unter, so dass sie nicht in einem taiwanischen Haushalt ein quasi isoliertes Leben fristen müssen“, erklärt Lin. „Und sie bekommen dann ihre freien Tage in der Woche, wie jeder einheimische Arbeitnehmer auch, und das trägt ebenfalls zur Lösung des Menschenrechtsproblems bei, welches Taiwan sonst mit den Wailaos hat.“ 
<P>Sie erläutert weiterhin, dass Hondaos insgesamt vierzehn Indonesierinnen nun zwanzig Senioren in deren Wohnungen versorgen, was wiederum bedeutet, dass effektiv sechs ausländische Pflegekräfte eingespart wurden. „Wir sind die erste Organisation, die Wailaos direkt einstellen durfte, und die Behörden sind bislang begeistert von unserem Experiment“, so Lin. „Bei den Hausbesuchen wechseln sich die Indonesierinnen mit einheimischen Pflegern ab, was gut ist für die Alten wegen den kulturellen und sprachlichen Problemen, und es ist auch gut für Taiwans Arbeitslosenquote.“ 
<P>Dann nachgehakt, ob es in Anbetracht von Taiwans sehr ernstem demografischen Problem noch mehr Gründe zum Optimismus gäbe, antwortet sie mit einem entschiedenem Ja. Lin zufolge sei es nämlich ein sehr gutes Zeichen, dass Hondaos neue Freiwillige in den letzten Jahren im Durchschnitt immer jünger geworden sind. Und das gilt auch für die hauptberuflichen Altenpfleger. 
<P>„Die Freiwilligen kommen jetzt mit Anfang zwanzig zu uns, was vielleicht mit unserem berühmten Film <I>Go Grandriders</I> zu tun hat, und vielleicht auch damit, dass unsere 24-köpfige ,The Hip Op-eration Crew‘ mit ihrem Durchschnittsalter von 80 Jahren nun als die älteste Hiphop-Tanztruppe der Welt im Guinness Buch der Rekorde geehrt ist“, sagt sie. „Außerdem werden die hauptberuflichen Altenpfleger in Taiwan jetzt ,Pflegesekretäre‘ genannt — nicht mehr einfach nur Helfer, und das hilft wirklich, den Job in den Augen der jungen Leute attraktiver zu machen.“ 
<P>Auch ein Blick auf die Daten des MOHW deutet darauf hin, dass sich die Zahl der jungen Taiwaner, die sich um die Alten kümmern wollen, weiter erhöhen wird. Denn demzufolge wurde am 1. Juli dieses Jahres der Mindestlohn für Pflegesekretäre von 180 NT$ (4,50 Euro) auf 200 NT$ (5 Euro) pro Stunde angehoben, was etwa 50 Prozent höher ist als das Einstiegsgehalt eines Universitätsabsolventen. 
<P>„Je mehr junge Leute sich in Taiwan für eine Karriere in der Seniorenwohlfahrt entscheiden, desto mehr taiwanische Senioren können lange gesund zu Hause leben und sich an gemeinsamen Aktivitäten erfreuen, statt krank im Pflegeheim zu vegetieren“, argumentiert Lin. 
<P>Und es gibt noch ein weiteres sicheres Anzeichen für die wachsende Solidarität der Jungen mit den Alten — die Bereitschaft zu spenden sei merkbar gestiegen, berichtet sie. Denn während der Staat Hondao immer noch stark subventioniert, kamen in den vergangenen Jahren bereits 40 Prozent von Hondaos Etat aus Spendengeldern zusammen. „Diese Tendenz verstärkt sich eindeutig, und nicht zuletzt, weil neuerdings in jedem der 5000 7-ELEVEN Bedarfsartikelläden Taiwans eine Spendenbüchse auf dem Verkaufstresen steht“, freut sich Lin.
<P>______________________________<BR><I>Jens Kastner ist freischaffender Journalist und lebt in Taipeh.</I>
<BR>Copyright © 2014 Jens Kastner]]></description></item><item><title><![CDATA[Schöne neue Generation]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101593/Sch%C3%B6ne-neue-Generation]]></link><guid>101593</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Nach 1980 geborene junge Taiwaner werden schon seit einiger Zeit von der älteren Generation als egozentrisch verunglimpft, und gleichfalls wird ihnen nachgesagt, es falle ihnen schwer, Probleme zu konfrontieren. Im März und April dieses Jahres widerlegten Tausende von Studierenden diese Ansicht, als sie drei entbehrungsreiche Wochen lang mit Protesten die Stadt Taipeh in Atem hielten. Anlass dafür war die Art und Weise, wie der Legislativ-Yuan (立法院), also das Parlament der Republik China, die Ratifizierung eines Dienstleistungshandelsabkommens zwischen Taiwan und Festlandchina bearbeitete, doch es war der Umstand, dass Angehörige der jungen Generation endlich aufstanden und sich Gehör verschafften, der ihnen in der Öffentlichkeit wirkliche Aufmerksamkeit bescherte.
<P>Nach dem unerwarteten Aufstand sind die Sichtweisen und das Potenzial von Taiwans Jugend ein heißes Gesprächsthema geworden. Im Mai dieses Jahres erwähnte Staatspräsident Ma Ying-jeou (馬英九) diesen Trend, als er vor Studierenden der Medizin in der zentraltaiwanischen Stadt Taichung eine Rede mit dem Titel „Der Jugend zuhören, Gerechtigkeit zwischen den Generationen verwirklichen“ hielt. Zwar äußerte Ma Zweifel an der Gesetzmäßigkeit der Proteste, aber er lobte die Studierenden dafür, dass sie „eine große Kraft für sozialen Wandel“ darstellten und eine „Bereitschaft zum Handeln“ vorführten. Daneben pries er das Interesse der jungen Demonstranten für öffentliche Angelegenheiten und versprach: „Ich werde bestimmt weiterhin den Stimmen und Träumen der Jugend Gehör schenken. Ich hoffe außerdem, dass sie ihre Beteiligung an Politik verstärken und dazu beitragen, einen Konsens bei Fortschritt und Reformen zu bilden.“
<P>In nicht geringem Maße ist das neue Selbstbewusstsein, das Taiwans Jugend an den Tag legte, das Ergebnis von zwei Jahrzehnten Bildungsreform, analysiert Shen Chen-lan, Schriftsteller und Arzt am Psychiatrischen Zentrum Tsaotun, das vom Ministerium für Gesundheit und Soziales (<I>Ministry of Health and Welfare</I>, MOHW) im zentraltaiwanischen Landkreis Nantou betrieben wird. 1994 arbeitete Shen als Praktikant in der Universitätsklinik der National Taiwan University (NTU) in Taipeh. Im April jenes Jahres nahm er mit der Humanistischen Bildungsstiftung und anderen Nichtregierungsorganisationen (<I>Nongovernmental Organization</I>, NGO) an einer großen Straßendemo teil, bei der gefordert wurde, Taiwans elitäres, prüfungsorientiertes Bildungsmodell durch ein pluralistischeres Modell zu ersetzen. „Trotz unserer hohen Arbeitsbelastung gingen mehrere meiner Kommilitonen und ich in jenem Frühling in Taipeh auf die Straße“, erinnert er sich. „Wir schlossen uns Gruppen anderer Leute an, die für eine Bildungsreform in Taiwan eintraten.“
<P>Im Jahr 1998 führte der Exekutiv-Yuan (行政院), also das Regierungskabinett oder Ministerrat der Republik China, den Trend in Richtung gesellschaftliche Liberalisierung fort, der in den achtziger Jahren begonnen hatte, indem die neuen Richtlinien der Kommission für Bildungsreform über Diversifizierung der Schul-Lehrpläne und Zulassungskanäle gebilligt wurden. Shen weist darauf hin, dass dank der „revolutionären Veränderungen“ durch diese Reformen einheimische Schüler und Studierende sich nun eines weniger stressigen, offeneren und stärker fördernden Lernumfeldes erfreuen können. „Die Klassengrößen wurden verkleinert, wodurch die Kinder von den Lehrern mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung erfahren können“, argumentiert er. „Das hilft ihnen, gesündere Persönlichkeiten aufzubauen. Die Abschaffung von Körperstrafen ist zudem ein Faktor bei der Verhütung geistiger Krankheiten bei Schülern.“
<P>Weitere Reformen kamen im Jahr darauf mit der Verabschiedung des Gesetzes über grundlegende Erziehung, in dem es laut Shen klar heißt, Zweck von Bildung sei, persönliche und universale Werte zu vermitteln, mit welchen man Persönlichkeiten heranbildet, die sich für die Dinge vor Ort interessieren und eine globale Sichtweise haben. In Shens Augen brachte diese breitere Sichtweise die tapfere neue Generation hervor, welche von den studentischen Demonstranten im Legislativ-Yuan repräsentiert wurde. „Ihre Leidenschaft, Courage, Sichtweise und Kreativität sind das Ergebnis von 20 Jahren Reformen im Bildungswesen“, interpretiert er. „Lehrer und Eltern, die für die Reformen sind, können stolz sein und sollten diese Bemühungen in den kommenden 20 Jahren fortsetzen.“
<P>Die Bildungsreform geht weiter, und in diesem Jahr startete Taiwan offiziell das neue Programm mit 12-jähriger Schulpflicht. Gemäß den älteren Vorschriften mussten die Kinder neun Jahre zur Schule gehen, sechs Jahre Grundschule und drei Jahre Mittelschule. Das neue System macht drei weitere Jahre in der Oberschule obligatorisch. Durch das Programm wird die Aufnahme in eine Oberschule für Schüler und ihre Familien weniger belastend, denn die Rolle der landesweiten gemeinsamen Aufnahmeprüfungen wurde stark reduziert, und für die Oberschulen fällt größtenteils kein Schulgeld an.
<P>Liu Yu-chen ist einer der jungen Leute, die das reformierte Bildungssystem durchlaufen haben. Liu absolvierte die Oberschule Kaohsiung Senior High School in der südtaiwanischen Hafenmetropole und wurde dann an der Geschichtsabteilung der NTU zugelassen. Er und viele seiner Mitschüler entschieden sich dafür, am neuen Universitäts-Aufnahmeantragsverfahren teilzunehmen anstatt an der gemeinsamen Aufnahmeprüfung. Der Beschluss war für Liu eindeutig günstig, denn die NTU gilt weithin als eine der besten Universitäten Taiwans.
<P>Im März und April dieses Jahres verfolgte er die Studentenproteste aufmerksam und nahm mit seinen Kommilitonen und Lehrern an damit zusammenhängenden Veranstaltungen teil. Seiner Einschätzung nach repräsentierte die Bewegung „das Erwachen unserer Generation hinsichtlich der Bedeutung, die eigenen Gedanken und Entschlossenheit zu entwickeln“.</P>
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<IMG alt="Schöne neue Generation" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p36.jpg" MMOID="222845">
<P>Hochschul-Studierende bei einem App-Entwicklungskurs in Taipeh. Firmen wie Studios für mobile Apps aufzubauen ist ein Anzeichen für die jugendliche unternehmerische Energie Taiwans. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P><B>Die Kreativität der Jugend</B>
<P>In seiner Ansprache unterstrich Präsident Ma zudem die zunehmende Beteiligung junger Leute an Wirtschaftsfragen. Im Hinblick auf jugendliches Unternehmer-Können lobte er die Kreativität und den innovativen Geist, den junge Menschen an den Tag legten, und pries die Unternehmungen, die sie in Bereichen wie Zeichentrickprodukte und Mobil-Apps gestartet hätten. Das Staatsoberhaupt verwies auf die Entwicklung der Whoscall-App, einen mobilen Service, der den Nutzer mit Informationen über empfangene Anrufe und Nachrichten versorgt. Die App war von drei jungen taiwanischen Hochschulabsolventen geschaffen worden, deren Firma unlängst vom Online-Telefonbetrieb LINE für 529 Millionen NT$ (13,2 Millionen Euro) gekauft wurde, ein Betrag, der über 100-mal höher war als der ursprüngliche Kapitalaufwand.
<P>In ähnlicher Weise äußerte sich Premierminister Jiang Yi-huah (江宜樺) im Juni dieses Jahres auf einer Konferenz mit dem Chinesischen Nationalverband Taiwan für Industrie und Handel (<I>Chinese National Association of Industry and Commerce, Taiwan</I>, CNAIC) mit den Worten, er sei beeindruckt von den idealistischen, risikofreudigen jungen Geschäftsleuten, mit denen er im Land gesprochen habe. Sie repräsentierten die Zukunft und Hoffnung des Landes, versicherte Jiang.
<P>Statistiken vom Wirtschaftsministerium zeigen, dass Taiwans junge Leute eine größere Rolle in der Geschäftswelt einnehmen, denn über 47 Prozent der Taiwaner unter 34 Jahren verfügen über Erfahrung der einen oder anderen Art beim Aufbau eines eigenen Geschäfts. In dieser Hinsicht folgen die jungen Unternehmer dem Beispiel der Älteren, denn kleine und mittelständische Firmen gedeihen in Taiwan seit langem. Der <I>Globale Unternehmer- und Entwicklungsindex 2014</I>, veröffentlicht vom Globalen Unternehmer- und Entwicklungsinstitut in Washington D. C. (USA), stufte etwa Taiwan bei allgemeiner Unternehmereinstellung und –potenzial auf Rang 1 in Asien und auf Rang 7 weltweit ein. Die Regierung bemüht sich, diesen Trend für die Zukunft fortzuführen, und im März dieses Jahres startete der Exekutiv-Yuan ein Programm, das Jungunternehmern dabei helfen soll, binnen drei Jahren über 2400 kleine und mittelständische Unternehmen aufzubauen.
<P>In einer jüngst gehaltenen Rede über Jugendkultur lenkte Liu I-cheng, ein bekannter Finanzfachmann und Zeitschriftenkolumnist, die Aufmerksamkeit auf die Neigung junger Taiwaner, vergleichsweise kleine geschäftliche Unternehmungen zu starten wie App-Designstudios oder Cafés. Er schrieb diesen Trend der Sehnsucht der jüngeren Generation nach einem „Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben“ und einer „Kombination aus persönlichem Interesse und Entwicklung der beruflichen Laufbahn“ zu.
<P>Junge Inhaber kleiner und mittelständischer Unternehmen profitieren offenbar davon, über ein gutes Verständnis darüber zu verfügen, was ihre Gleichgesinnten wollen und brauchen. „Junge Konsumenten haben ihren eigenen Geschmack und eigene Interessen entwickelt“, sagte Liu I-cheng und bezog sich damit darauf, dass die jüngeren Generationen im Internet zum Verkauf angebotene nachgeahmte Markenware ablehnen, was man von ihren Eltern nicht immer sagen kann. „Sie interessieren sich mehr für Produkte, die Qualität und Wert vereinen.“ Er beschrieb diese Aufrechterhaltung eines klaren Wertesystems als „kleine Renaissance“, die für innovative Unternehmer vielversprechend sei.
<P>Viele junge Menschen fühlen sich auch zu dem Konzept hingezogen, ein soziales Unternehmen zu betreiben, das Einkommen anstrebt, indem soziale Probleme benachteiligter Gruppen gelöst werden. In seiner Ansprache erörterte Präsident Ma die bevorstehende Einrichtung eines Forums durch die Regierung, mit dem junge soziale Unternehmer ihren Geschäftssinn entwickeln, relevante Ressourcen sammeln und Erfahrungen miteinander teilen können.
<P>Dank der Förderung durch ein fortschrittliches und unterstützendes Bildungssystem werden Taiwans junge Leute in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft immer bestimmender. Shen ist der Auffassung, dass die offene Einstellung und die Fähigkeit zu unabhängigem Denken, die bei den jüngeren Generationen verbreitet sind, für Taiwans langfristige Entwicklung hilfreich sein werden. Shen: „Ihre Ideen und Träume über die Welt, die Zukunft und sich selbst gehen über jene von früheren Generationen weit hinaus.“
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Umweltfreundliches Fahren angesagt]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101592/Umweltfreundliches-Fahren-angesagt]]></link><guid>101592</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[<div class="article-content-part"><p>Aufgrund von Sorgen um das Weltklima und steigender &Ouml;lpreise f&ouml;rdern Regierungen rund um den Erdball den Gebrauch von Elektrofahrzeugen. Im M&auml;rz 2012 zum Beispiel startete US-Pr&auml;sident Barack H. Obama das Projekt EV Everywhere, wobei &bdquo;EV&ldquo; f&uuml;r Electric Vehicles, zu Deutsch Elektrofahrzeuge, steht. Das Projekt soll Elektrofahrzeuge durch Verbesserung von Technologie und Kostensenkung f&uuml;r die durchschnittliche amerikanische Familie erschwinglich machen. Gleichzeitig verst&auml;rken Fahrzeughersteller angesichts des gesch&auml;ftlichen Potenzials des Elektrofahrzeug-Sektors ihre Forschungs- und Marketing-Anstrengungen.</p>

<p>In Taiwan investieren sowohl die Regierung als auch die Privatwirtschaft in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen. Nach den Worten von Jerry Wang, Direktor des F&ouml;rderb&uuml;ros f&uuml;r intelligente Elektrofahrzeuge, das im Jahr 2010 unter dem Dach des Industriellen Entwicklungsamtes (<em>Industrial Development Bureau</em>, IDB) im Wirtschaftsministerium eingerichtet worden war, ist Taiwan wegen der Urbanisierung und der hohen Bev&ouml;lkerungsdichte ein idealer Ort f&uuml;r Elektrofahrzeuge. &bdquo;Das sind die Vorteile f&uuml;r die Entwicklung von Elektrofahrzeugen&ldquo;, versichert er. &bdquo;Weil die Menschen im Allgemeinen nicht weit fahren m&uuml;ssen, ist es einfacher f&uuml;r sie, ,Entfernungs&auml;ngste&lsquo; zu bew&auml;ltigen, also die Sorge, dass ihnen der Strom ausgeht, bevor sie am Ziel ankommen.&ldquo;</p>

<p>Die Entwicklung elektrischer Kraftr&auml;der birgt in Taiwan ein vielversprechendes Potenzial, denn ann&auml;hernd zwei Drittel der 22 Millionen Motorfahrzeuge in Taiwan sind Motorr&auml;der und Roller. Das staatlich unterst&uuml;tzte Forschungsinstitut f&uuml;r industrielle Technologie (<em>Industrial Technology Research Institute</em>, ITRI) im nordtaiwanischen Hsinchu begann 1992 unter einer Kommission des Energieamtes im Wirtschaftsministerium Forschungs- und Entwicklungsarbeit an elektrischen Kraftr&auml;dern. Die Herstellung von Elektro-Motorr&auml;dern wurde sp&auml;ter vom Exekutiv-Yuan (行政院) &mdash; also Taiwans Regierungskabinett oder Ministerrat &mdash; zu einem vorrangigen Sektor f&uuml;r Entwicklung erkl&auml;rt, und Firmen, die in den Bereich investierten, gew&auml;hrte man Steueranreize.</p>

<p>&bdquo;Motorrad&ldquo; ist der allgemeine Begriff f&uuml;r ein zweir&auml;driges motorisiertes Gef&auml;hrt. Bei genauerer Betrachtung sind Motorr&auml;der und Roller unterschiedlich gestaltet. Bei einem Motorrad befindet sich der Benzintank vor dem Fahrersitz, und der Fahrer sitzt rittlings auf dem Sattel mit je einem Fu&szlig; auf einer Fu&szlig;raste an einer der beiden Seiten des Mopeds, &auml;hnlich wie ein Reiter hoch zu Ross. Der Motorroller dagegen hat den Benzintank meist unter der Sitzbank, und der Fahrer stellt beide F&uuml;&szlig;e zusammen auf eine Fl&auml;che vor dem Sitz, und die Sitzhaltung entspricht der auf einem Stuhl.</p>

<p>Die Umweltschutzverwaltung (<em>Environmental Protection Administration</em>, EPA) f&ouml;rdert ebenfalls elektrische Kraftr&auml;der, um den Aussto&szlig; von Treibhausgasen zu vermindern. 1998 startete die EPA ein Programm, welches zur Nutzung von Elektro-Kraftr&auml;dern ermunterte und f&uuml;r jedes erworbene Fahrzeug einen Zuschuss von 33 000 NT$ (825 Euro) bot. &bdquo;Mit dem Programm konnte der Preis f&uuml;r ein Elektro-Motorrad auf das Niveau eines Benzinermodells gebracht werden, doch die Nachfrage wurde dadurch nicht wirklich angeregt&ldquo;, r&auml;umt Wang ein. &bdquo;Nicht viele Menschen hatten Interesse, weil weder die Produkte noch die Infrastruktur zum Batterieaufladen gut genug waren.&ldquo; Man brauchte zum Beispiel sechs bis acht Stunden, um die Bleibatterie des Kraftrads aufzuladen, und die Reichweite beschr&auml;nkte sich auf nicht mehr als 30 Kilometer bei sehr geringer Geschwindigkeit. F&uuml;r die Dauer des EPA-Programms, das 2002 zu Ende ging, wurden nur etwa 26 000 elektrische Motorr&auml;der verkauft. Die Regierung der Republik China lie&szlig; sich von diesen Schwierigkeiten jedoch nicht abschrecken und nahm 2009 eine Reihe von Ma&szlig;nahmen in Angriff, um f&uuml;r Elektro-Roller (E-Roller) zu werben.</p>

<div class="pic left"><img alt="Das Elektro-Stadtfahrzeug Achensa, das zu über 90 Prozent von Taiwans Pihsiang Electric Vehicle Manufacturing Co. gebaut wird." src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20250204103925488.jpg" />
<p>Das Elektro-Stadtfahrzeug Achensa, das zu &uuml;ber 90 Prozent von Taiwans Pihsiang Electric Vehicle Manufacturing Co. gebaut wird, fand bereits in mehreren europ&auml;ischen L&auml;ndern Abnehmer. (Foto: Chang Su-ching)</p>
</div>

<p>Laut Wang ist der Aufbau anerkannter Standards wichtig f&uuml;r die effiziente Entwicklung des E-Roller-Gewerbes. Solche Standards sind ein Leitfaden f&uuml;r die Regierung, wenn gewerbliche Entwicklungsstrategien festgelegt sowie qualifizierte Produkte und Hersteller bezuschusst werden. Das E-Roller-Gewerbe ist ein vergleichsweise neuer Markt f&uuml;r Privatunternehmen, und die Einrichtung gewerblicher Standards kann dabei helfen, den brauchbarsten Weg zu erfolgreicher Produkt- und Gesch&auml;ftsentwicklung zu finden. Daher gab die Regierung im Jahr 2009 die Umsetzung des E-Roller-Standards Taiwan (<em>Taiwan E-Scooter Standard</em>, TES) bekannt, um Grundwerte f&uuml;r Beschleunigung, Reichweite, Haltbarkeit, Fahrverm&ouml;gen bei ansteigendem Gef&auml;lle und Sicherheitsniveau von Lithium-Ionen-Batterien bei E-Rollern festzulegen. Weitere Ma&szlig;nahmen verpflichten Hersteller von E-Rollern, Dienstleistungen f&uuml;r Wartung, Akku-Aufladen, Reparaturen und Pannendienst anzubieten. Ein Programm mit Zusch&uuml;ssen von der Zentralregierung und von Lokalverwaltungen begann gleichfalls im Jahr 2009. In den meisten Stadt- und Landkreisen gibt es f&uuml;r einen E-Roller Gesamtbeihilfen in H&ouml;he von 21 000 bis 34 000 NT$ (525-850 Euro). Je nach Modell kostet ein E-Roller nach Erhalt der Beihilfen zwischen 33 000 und 55 000 NT$ (825-1375 Euro), was ungef&auml;hr dem Preis f&uuml;r ein Benzinmotor-Modell entspricht.</p>

<p>Gleichzeitig arbeiten die Hersteller an Modellen, die schneller fahren, weniger wiegen, eine gr&ouml;&szlig;ere Reichweite haben und mit Akkus ausgestattet sind, die schneller aufgeladen werden k&ouml;nnen. Zum Beispiel erreicht das Modell EM50 von der China Motor Corp. (CMC), das im Jahr 2010 auf den Markt kam, eine H&ouml;chstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern mit einer Reichweite von 40 Kilometern, das Aufladen der Batterie dauert etwa zwei Stunden. Das st&auml;rkere Modell EM100 f&auml;hrt bis 50 Stundenkilometer schnell mit einer Reichweite von maximal 60 Kilometern, Batterieladezeit gleichfalls zwei Stunden. Zwischen 2010 und 2013 brachte CMC ungef&auml;hr 18 300 St&uuml;ck an den Mann, 57 Prozent aller in dem Zeitraum im Inland verkauften E-Roller.</p>

<p>CMC-Pr&auml;sident Liu Hsin-tai nennt als Vorz&uuml;ge von E-Rollern das Fehlen von Abgasen und geringere Energiekosten. W&auml;hrend man mit Benzin im Wert von 1 NT$ (2,5 Cents) auf einem kleinen Motorroller eine Strecke von 1 bis 1,5 Kilometern zur&uuml;cklegen kann, reicht Strom f&uuml;r 1 NT$, um mit einem E-Roller eine Strecke von 15 bis 20 Kilometern zu fahren. Sein Unternehmen investierte ab 2008 in die Entwicklung und Produktion von E-Rollern, um &mdash; wie er es ausdr&uuml;ckt &mdash; den Energieverbrauch zu senken und umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu f&ouml;rdern.</p>

<p>Neben der laufenden Forschung haben Fabrikanten begonnen, f&uuml;r feste Kurzstreckenanwendungen ihrer Produkte zu werben. Seit 2010 bietet CMC zum Beispiel einen Mietservice f&uuml;r E-Roller an einem beliebten Touristenziel im nordtaiwanischen Bezirk Shuangxi (New Taipei City). Entsprechend startete die zentraltaiwanische Stadt Taichung im vergangenen Jahr einen Mietservice f&uuml;r E-Roller, durch den Besucher die Stadt mit einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel erkunden k&ouml;nnen. Seit 2011 verteilen Polizeihelfer in verschiedenen St&auml;dten per E-Roller Strafzettel f&uuml;r Falschparker.</p>

<p><strong>Treibstoff und Abgase</strong></p>

<p>Chen Shi-zhen ist gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Direktor von Taiwan International Development Co. Ltd., die sich auf die Verwaltung von Parkplatz-Einrichtungen spezialisiert hat, und nach seinen Worten sind in Taiwan etwa 8000 E-Roller zur Parkscheinverteilung im Einsatz, jeder davon f&auml;hrt ungef&auml;hr 100 Kilometer am Tag. Das entspr&auml;che einem Benzinverbrauch von 16 Millionen Litern und 35 000 Tonnen Kohlendioxid-Aussto&szlig; im Jahr. &bdquo;Das ist eine ziemliche Menge an Sprit und Abgasen&ldquo;, unterstreicht er. Verglichen mit benzinbetriebenen Modellen spart ein E-Roller im Jahr etwa 50 000 NT$ (1250 Euro) an Treibstoff- und Wartungskosten. Nach sorgf&auml;ltiger Bewertung begann Chens Unternehmen im Jahr 2011, die Parkschein-Einsatzgruppe in der osttaiwanischen Stadt Taitung mit E-Rollern auszur&uuml;sten. In Taipeh, New Taipei City, Taichung und der nordtaiwanischen Stadt Taoyuan ist man seither diesem Beispiel gefolgt.</p>

<p>Ein weiterer potenzieller Markt f&uuml;r elektrische Kraftr&auml;der sind Taiwans vorgelagerte Inseln, wo Kurzstrecken-Pendeln im Alltag der Anwohner die Norm ist und h&auml;ufig Touristen zu Besuch sind. Ein gutes Beispiel daf&uuml;r ist die Inselgruppe Penghu in der Taiwanstra&szlig;e, deren Anzahl TES-zertifizierter E-Roller von 10 im Jahr 2010 auf 3464 Ende 2013 stieg. &bdquo;Wir versuchen, Penghu zu einem Ort zu machen, wo E-Roller ebenso bequem sind wie benzinbetriebene Kraftr&auml;der&ldquo;, verk&uuml;ndet Yu Ji-shen, Inhaber von ungef&auml;hr 20 L&auml;den auf dem Archipel, welche E-Roller vermieten. Zu Yus Kunden z&auml;hlen Touristen, Studierende und Mitarbeiter von Regierungsbeh&ouml;rden. Yu vermerkt, dass neben &uuml;ber 300 Ladestationen an 27 Stellen in Penghu etwa 30 rund um die Uhr ge&ouml;ffnete Kleinsuperm&auml;rkte (&bdquo;Convenience Stores&ldquo;) und Tankstellen einen 24-Stunden-Akkutauschservice bieten, um Reichweitensorgen so gering wie m&ouml;glich zu halten. &bdquo;Selbst wenn man all diese Stellen verpasst und einem unterwegs der Saft ausgeht, gen&uuml;gt ein Anruf, damit man sich eine frisch geladene Batterie bringen lassen kann&ldquo;, wirbt er. Die Inseln Kinmen und Xiaoliuqiu westlich von Taiwan haben ebenfalls Mietservice f&uuml;r E-Roller eingerichtet, und auf der Gr&uuml;nen Insel vor Taiwans S&uuml;dostk&uuml;ste sind die Planungen daf&uuml;r im Gange.</p>

<div class="pic left"><img alt="Mitarbeiter des Präsidialamtes der Philippinen bei einer Testfahrt mit einem Elektrobus des Typs Race 150." src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20250204103936566.jpg" />
<p>Mitarbeiter des Pr&auml;sidialamtes der Philippinen bei einer Testfahrt mit einem Elektrobus des Typs Race 150, hergestellt von Taiwans RAC Electric Vehicle Inc. (Foto: Central News Agency)</p>
</div>

<p>Gleichzeitig nimmt die Zahl von Organisationen, welche E-Roller benutzen, zu, denn sowohl staatliche Beh&ouml;rden als auch Privatunternehmen senken damit nicht nur ihre Kosten, sondern pflegen so auch ein umweltfreundlicheres Image.</p>

<p>Wenn man dagegen die Verkaufszahlen von E-Rollern insgesamt betrachtet, ist erkennbar, dass die &Ouml;ffentlichkeit gegen&uuml;ber umweltfreundlichen Verkehrsmitteln noch nicht aufgeschlossen genug ist. Als die Regierung im Jahr 2009 ihre Werbeinitiative vom Stapel lie&szlig;, setzte sie das Ziel, die Anzahl elektrisch betriebener Kraftr&auml;der bis Ende 2013 auf 160 000 zu steigern. Statistiken vom IDB zeigen allerdings, dass zwischen 2009 und 2013 die inl&auml;ndischen Verk&auml;ufe von E-Rollern lediglich 32 000 St&uuml;ck erreichten, f&uuml;r benzinbetriebene Mopeds fanden sich zwischen 600 000 und 700 000 Abnehmer im Jahr. Zur Zeit gibt es auf dem einheimischen Markt 15 Hersteller von E-Rollern, und zu ihnen z&auml;hlen alle gro&szlig;en Hersteller von Benzinmodellen. &bdquo;Die gr&ouml;&szlig;ten verbliebenen Herausforderungen sind die beschr&auml;nkte Reichweite und die unzureichende Zahl von Akku-Ladestationen&ldquo;, sinniert Wang. &bdquo;Es ist nicht sehr angenehm, wenn man das Aufladen vergessen hat oder keine Zeit dazu hatte. Pl&ouml;tzlich merkt man, dass der Strom in der Batterie zur Neige geht, und man wei&szlig; nicht, ob man es bis zur Ladestation oder Akkutauschstelle schafft.&ldquo;</p>

<p>&Auml;hnlich wie bei der Initiative f&uuml;r E-Roller begann die Regierung im Jahr 2010, die Entwicklung und Nutzung elektrischer Autos zu f&ouml;rdern, obwohl Autoproduzenten bereits mehrere Jahre lang an der Entwicklung von Elektroautos gearbeitet hatten. Die Yulon-Gruppe, Taiwans gr&ouml;&szlig;ter Autohersteller, hatte zum Beispiel im Jahr 2005 mit der Elektroauto-Entwicklung begonnen, 2009 wurde das Modell Tobe und im Jahr darauf der Luxgen EV+ vorgestellt. Laut technischen Angaben von Yulon kann der Tobe mit voll aufgeladener Batterie 100 Kilometer weit fahren, der Luxgen EV+ Minivan hat eine Reichweite von 200 Kilometern. Die Autovermietung CarPlus empfiehlt eine &bdquo;sichere&ldquo; Reichweite von 50 bis 60 Kilometern f&uuml;r den Tobe und von 100 Kilometern f&uuml;r den Luxgen EV+.</p>

<p>RAC Electric Vehicle Inc. im Landkreis Taoyuan wiederum hat sich seit der Firmengr&uuml;ndung im Jahr 2005 auf Elektrobusse spezialisiert. Anders als die Hersteller von kleineren, leichten Elektrofahrzeugen, die den Gro&szlig;teil ihrer Produkte im eigenen Haus fertigen, arbeitet RAC beim Design von Elektrobus-Batterien, Fahrgestellen und Elektromotoren mit Unternehmen im In- und Ausland zusammen, das Gleiche gilt f&uuml;r den Zusammenbau und die Konstruktion von Elektrofahrzeugen. Im Jahr 2011 wurde der RAC 150-Omnibus von RAC der erste f&uuml;r Taiwans Stra&szlig;enbetrieb zugelassene Elektrobus und wurde seitdem von Linienbusfirmen in New Taipei City, Hsinchu und der s&uuml;dtaiwanischen Hafenmetropole Kaohsiung in Dienst gestellt. Im Jahr 2012 exportierte RAC sogar einen seiner Busse in die Philippinen f&uuml;r einen Probebetrieb. RAC-Vorsitzender Alex Tsai berichtet, sein Vater habe die Firma im stolzen Alter von 70 Jahren gegr&uuml;ndet, weil er ein gro&szlig;es Potenzial im Elektrobusmarkt gesehen habe. &bdquo;Etablierte gro&szlig;e Autohersteller haben kein wirkliches Interesse an der Idee elektrischer Busse&ldquo;, schnaubt er. &bdquo;Das gibt kleinen Unternehmen die Chance, eine Nische zu entwickeln.&ldquo;</p>

<p>Zur Zeit gibt es 11 Fabrikanten von Elektroautos in Taiwan. So wie bei E-Rollern zielt das Marketing von Elektroautos tendenziell eher auf die Nutzung als Firmenfahrzeug ab oder auf den Mietwagen-Markt. Laut einer Analyse, welche Anfang dieses Jahres vom staatlich finanzierten Forschungs- und Testzentrum f&uuml;r Kraftfahrzeuge vorgestellt wurde, verwenden die Lokalverwaltungen von New Taipei City, Taichung und der s&uuml;dtaiwanischen Stadt Tainan Elektroautos. Zusammen haben &uuml;ber 43 000 Menschen in der Region Taipeh und am Sonne-Mond-See im zentraltaiwanischen Landkreis Nantou &mdash; den einzigen beiden Gegenden, wo gegenw&auml;rtig Vermietungen von Elektroautos verf&uuml;gbar sind &mdash; Fahrten mit Elektroautos unternommen.</p>

<p>Eine angenehme Besichtigungstour oder Stadtrundfahrt bedeutet indes nicht, dass die Menschen bereit sind, Elektroautos f&uuml;r den t&auml;glichen Verkehr zu benutzen. Wang stellt fest, dass der Inlandsmarkt f&uuml;r Elektroautos mit den gleichen Problemen zu k&auml;mpfen hat wie der Markt f&uuml;r elektrische Kraftr&auml;der, n&auml;mlich eine unzureichende Akkulade-Infrastruktur und ein gewisses Ma&szlig; von Verbrauchermisstrauen. Insgesamt waren bis Ende 2013 nicht mehr als rund 300 Elektro-Limousinen verkauft worden, und auf ganz Taiwan gibt es nur 490 Ladestationen. &bdquo;Den Menschen sind die Vorz&uuml;ge von Elektrofahrzeugen bekannt, aber sie entscheiden sich trotzdem f&uuml;r Autos mit Verbrennungsmotoren, selbst wenn ein Elektroauto zum gleichen Preis im Angebot ist&ldquo;, seufzt er. &bdquo;Die Bequemlichkeit und Vertrautheit von Autos mit Verbrennungsmotoren ist kaum zu schlagen.&ldquo;</p>

<div class="pic left"><img alt="Elektrofahrzeug mit größerer Reichweite wurde bei der Elektrofahrzeugmesse Taiwan 2014 zu Vorführzwecken ohne Karosserie präsentiert." src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20250204103949294.jpg" />
<p>Ein Prototyp f&uuml;r ein Elektrofahrzeug mit gr&ouml;&szlig;erer Reichweite (REEV) wurde bei der Elektrofahrzeugmesse Taiwan 2014 zu Vorf&uuml;hrzwecken ohne Karosserie pr&auml;sentiert. Mit voller Batterie haben solche Fahrzeuge eine Reichweite von 500 Kilometern und k&ouml;nnen eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern erreichen. (Foto: Chang Su-ching)</p>
</div>

<p>Zwar gilt es beim Aufbau des Inlandsmarktes noch einen weiten Weg zur&uuml;ckzulegen, doch Taiwans Hersteller von Elektrofahrzeugen hatten bereits Erfolg auf dem Exportmarkt. Zwischen 2009 und 2013 zum Beispiel exportierte Taiwan etwa 19 000 E-Roller. Laut Wang erwachte ernstes Interesse an Elektrofahrzeugen erst vor ungef&auml;hr einem Jahrzehnt. Da die Technologie f&uuml;r die Produktion von Elektrofahrzeugen und konventionell betriebenen Fahrzeugen unterschiedlich ist, braucht man f&uuml;r Elektrofahrzeuge neue Versorgungsketten. &bdquo;Das bedeutet, dass Taiwan sich am gleichen Ausgangspunkt befindet wie andere L&auml;nder&ldquo;, schlussfolgert er und f&uuml;gt hinzu, Taiwan k&ouml;nne das Profil seiner Elektrofahrzeuge auf dem Exportmarkt dadurch steigern, dass man mit Informations- und Kommunikationstechnologie (<em>Information and Communications Technology</em>, ICT) dem Fahrer Informationen bietet und Sicherheitssysteme verbessert.</p>

<p>Die meisten taiwanischen Hersteller im Elektrofahrzeug-Gewerbe sind jedoch kleine und mittelst&auml;ndische Unternehmen, die keine internationale Marketingkampagnen durchf&uuml;hren oder bezahlen k&ouml;nnen. Um ihnen Zugang zum Weltmarkt zu verschaffen, begann die Regierung im Jahr 2011 damit, die Messe Elektrofahrzeuge Taiwan zu veranstalten. Nach Auskunft vom Rat f&uuml;r Au&szlig;enhandelsentwicklung Taiwan (<em>Taiwan External Trade Development Council</em>, TAITRA), dem Veranstalter der Messe, waren bei der ersten Messe 68 Aussteller dabei, und es kamen 18 000 Besucher, 1660 davon waren ausl&auml;ndische K&auml;ufer. Bei der j&uuml;ngsten Messe, die im April dieses Jahres stattfand, stieg die Zahl der Aussteller auf 92, und 7000 der fast 51 000 Besucher kamen aus dem Ausland. &bdquo;Von Batterien und Motoren bis zu Fahrzeugelektronik und Stromverwaltungssystemen bietet die Messe den Kunden Einkaufsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r alle Produkte aus dem Bereich an einem Ort&ldquo;, beschreibt Wang.</p>

<p><strong>Kompakte Stadtflitzer</strong></p>

<p>Einer der Aussteller bei der Messe im April war der Hersteller Pihsiang Electric Vehicle Manufacturing Co., der in Hsinchu ans&auml;ssig ist und im August vergangenen Jahres die erste Lieferung von Achensa-Elektrofahrzeugen nach Europa verschiffte. Achensa ist ein sehr kompakter Zweisitzer, der f&uuml;r den Stadtverkehr entworfen wurde und eine Reichweite von 85 Kilometern hat, die Akku-Ladezeit betr&auml;gt lediglich 90 Minuten. Nach Auskunft von Donald Wu, der die Firma 1983 f&uuml;r die Herstellung von elektrischen Rollst&uuml;hlen und Ger&auml;ten f&uuml;r Personenbef&ouml;rderung gegr&uuml;ndet hatte, werden 90 Prozent der Komponenten im Achensa, darunter die Batterie, die Karosserie, das Fahrgestell, die Elektronik und die Bedienungssysteme, in der Firma oder von angeschlossenen Unternehmen fabriziert.</p>

<p>Pihsiang ist nach eigenen Angaben der erste Exporteur kompletter Fahrzeuge aus Taiwan, aber Hunderte einheimischer Hersteller von Teilen aus dem Bereich Elektrofahrzeuge spielen schon seit einiger Zeit eine Rolle in der globalen Elektrofahrzeug-Produktionskette. So plante beispielsweise die US-amerikanische Firma Tesla Motors einmal den Aufbau einer Fabrik in Taiwan, um die vollst&auml;ndige Lieferkette des Gewerbes in dem Land zu nutzen. Zwar wurde das Projekt aufgegeben, doch Tesla bezieht weiterhin Schl&uuml;sselkomponenten aus Taiwan, etwa f&uuml;r das Getriebe, den Motor und andere Teile f&uuml;r den Tesla Roadster, die von taiwanischen Fabrikanten geliefert werden.</p>

<p>Verglichen mit Autos, die von Verbrennungsmotoren angetrieben werden, sind Elektrofahrzeuge immer noch ein vergleichsweise junges Ph&auml;nomen im Verkehrsgewerbe. Es wird indes kaum jemand bestreiten, dass dem Sektor ein schnelles Wachstum bevorstehen wird. Taiwan will auf diesem Markt eine Rolle spielen und ist bereit, ordentlich Tempo zu machen.</p>

<p><em><strong>(Deutsch von Tilman Aretz)</strong></em></p>
</div>]]></description></item><item><title><![CDATA[Es geht voran]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101591/Es-geht-voran]]></link><guid>101591</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Su Yann-huei, der zwei Unternehmen in Taipeh gleichzeitig vorsteht, nämlich Kuozui Motors Ltd. und Hotai Motors Co., ist begreiflicherweise ein beschäftigter Mann, doch nahm er sich am 8. April dieses Jahres trotzdem die Zeit, an der Feier anlässlich des 30-jährigen Bestehens von Kuozui im Grand Hotel in Taipeh teilzunehmen. Während der Veranstaltung überreichte Chang Chia-juch (張家祝), bis August dieses Jahres Wirtschaftsminister der Republik China, dem Unternehmer eine Medaille für seine Führungsrolle in Taiwans Kraftfahrzeuggewerbe. Die Anwesenheit von Akio Toyoda, dem Präsidenten des japanischen Toyota-Konzerns, des größten Autoherstellers der Welt, verlieh der Zeremonie zusätzliche Bedeutung. Toyoda, der gleichfalls eine Medaille von Chang erhielt, wohnte der Veranstaltung bei, um das lange Arbeitsverhältnis zwischen dem japanischen Unternehmen und seinem taiwanischen Partner zu würdigen. 
<P>Hotai war 1947 gegründet worden und wurde 1949 der alleinige Händler von Toyota-Fahrzeugen in Taiwan. 1984 gründeten Hotai, der China Development Trust (die heutige China Development Industrial Bank/CDIB in Taipeh) und Hino Motors Ltd. aus Japan Kuozui, wobei der Löwenanteil der Investitionen von Hotai kam. Anfangs lag der Schwerpunkt von Kuozui auf der Herstellung kommerzieller Fahrzeuge, 1986 wurde das Hauptaugenmerk auf Limousinen verlegt, um im Zuge des taiwanischen Wirtschaftsbooms die steigende Nachfrage der taiwanischen Verbraucher zu bedienen. Seit der Umstellung auf Limousinen versorgte Toyota Kuozui mit Investitionen und Technologietransfer, und heute ist Toyota dort der größte Investor. Kuozui betreibt zwei Fabriken im nordtaiwanischen Landkreis Taoyuan, die im Jahr 2013 über 170&nbsp;000 Fahrzeuge produzierten und Einkünfte in Höhe von 91,2 Milliarden NT$ (2,28 Milliarden Euro) erzeugten. 
<P>In Ländern rund um den Erdball ist das Automobilgewerbe ein wichtiger Motor für Wirtschaftswachstum, weil Autohersteller Teile und Werkzeuge brauchen, die von Zulieferern der Sektoren Elektronik, Maschinen, Kunststoffe, Präzisionsinstrumente, Gummi, Stahl und Textilien gefertigt wurden, um nur einige zu nennen. Bei der Zeremonie im April lobte Wirtschaftsminister Chang Kuozui, weil die Firma Beschäftigung und das Wirtschaftswachstum gesteigert und überdies die Entwicklung der Gewerbe fertiger Kraftfahrzeuge und Autoteile des Landes gefördert habe. 
<P>Als die Inlandsnachfrage nach Autos während der weltweiten Rezession ab 2008 nachließ, begann das Wirtschaftsministerium damit, für eine Politik zu werben, welche Taiwans Exporte fertiger Fahrzeuge steigern sollte. Statistiken des Fahrzeugherstellerverbandes Taiwan (<I>Taiwan Transportation Vehicle Manufacturers Association</I>, TTVMA) in Taipeh belegen den Erfolg dieser Politik, denn im vergangenen Jahr exportierten Taiwans Autohersteller um die 82&nbsp;000 Fahrzeuge, während es 2009 weniger als 10&nbsp;000 gewesen waren. Kuozui fertigte über 90 Prozent der exportierten Fahrzeuge, von denen die meisten in nahöstliche Länder wie Saudi Arabien und Vereinigte Arabische Emirate gingen. Ein anderer taiwanischer Exporteur fertiger Kraftfahrzeuge ist China Motor Corp. (CMC), dessen Zentrale sich in Taoyuan befindet. CMC ist ein Tochterunternehmen der Yulon-Gruppe, Taiwans größtem Kraftfahrzeug-Konglomerat, und pflegt seit 1969 technische Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen Mitsubishi Motors. Bis Ende dieses Jahres werden nach Prognosen von Gewerbefachleuten Taiwans Gesamtexporte fertiger Autos ein Rekordhoch von 100&nbsp;000 Fahrzeugen erreichen. 
<P>Auf dem Inlandsmarkt betrug die Verkaufszahl von im Inland gebauten Fahrzeugen im vergangenen Jahr 263&nbsp;000 Einheiten. Importe sind dabei im Laufe der jüngsten zehn Jahre in Taiwan immer populärer geworden. Im Jahr 2003 hatten einheimische Firmen über 85 Prozent aller in Taiwan verkauften neuen Autos fabriziert, im Jahr 2013 betrug der Anteil nur noch 70 Prozent. 
<P>Der TTVMA lässt sich bis zum Jahr 1948 zurückverfolgen, als eine Gruppe von etwa zwanzig Kleinteilherstellern und Verarbeitungsbetrieben den Taiwan-Verband von Verkehrsmittelausstattungs-Fabrikanten gründete, den Vorgänger von TTVMA. Der aktuelle Name von TTVMA wurde im Jahr 1955 angenommen, und heute hat die Organisation über 600 Mitglieder, unter ihnen Kuozui und CMC. Beide Autohersteller haben zudem Repräsentanten im TTVMA-Vorstand, der aus Persönlichkeiten aus Taiwans größeren Auto-, Motorrad- und Kraftfahrzeugteil-Herstellerfirmen besteht. 
<DIV class=photo>
<IMG alt="Es geht voran-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p4.jpg" MMOID="222830">
<P>Automatische Stoßfänger-Produktion in der Fabrik der Tong Yang-Gruppe in der südtaiwanischen Stadt Tainan. Tong Yang ist einer der größten Hersteller von Fahrzeugstoßfängern der Welt. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P>Nach Ansicht von Hsu Sheng-lung, einem geschäftsführenden Fachmann in der TTVMA-Sektion für geschäftliche Angelegenheiten, haben taiwanische Hersteller sich wichtige Rollen in regionalen Kraftfahrzeugherstellernetzen geschaffen. „Unsere Unternehmen pflegen ausgiebige technologische Kooperation mit ausländischen Marken“, enthüllt er. „Einheimische Firmen haben sich zu dem Punkt entwickelt, dass sie Partnern helfen können, Fahrzeuge in den Nahen Osten und auf andere Märkte zu liefern.“ Hsu fügt hinzu, dass japanische Firmen nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami 2011, welche die Produktion in Japan beeinträchtigten, mehr Partner wie Kuozui ermächtigten, komplette Fahrzeuge zu bauen. 
<P>Annie Shih verwaltet die Abteilung Kraftfahrzeugindustrie und Systemforschung im Zentrum für industrielle Wirtschaft und Wissen (<I>Industrial Economics and Knowledge Center</I>, IEK), das vom staatlich unterstützten Forschungsinstitut für industrielle Technologie (<I>Industrial Technology Research Institute</I>, ITRI) betrieben wird. ITRI, dessen Zentrale sich im nordtaiwanischen Landkreis Hsinchu befindet, ist die größte Forschungs- und Entwicklungs-Organisation des Landes. Laut Shih erwartet man vom festlandchinesischen Markt, die nächste große Export-Gelegenheit für einheimische Fahrzeughersteller zu werden. Taiwans Fabrikanten ist es zur Zeit verboten, fertige Automobile nach Festlandchina — Taiwans größtem Handelspartner — zu exportieren. Die beiden Seiten verhandeln jedoch ein Abkommen über Warenhandel als Folgevertrag des im Juni 2010 unterzeichneten Rahmenabkommens über wirtschaftliche Zusammenarbeit (<I>Economic Cooperation Framework Agreement</I>, ECFA). Shih glaubt, dass der Pakt über Warenhandel wahrscheinlich ähnliche Auswirkungen haben wird wie das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (<I>North American Free Trade Agreement</I>, NAFTA). Nach dem Inkrafttreten von NAFTA im Jahr 1994 begannen Kraftfahrzeughersteller in Kanada und Mexiko, besondere Automodelle für den US-amerikanischen Markt zu erzeugen. „Taiwans Autofertigungskapazitäten und Designfertigkeiten werden richtig in Schwung kommen, wenn Festlandchina ein wesentliches Exportziel für bestimmte Modelle wird“, prophezeit sie. 
<P>Cliff Wu, Professor an der Abteilung für Fahrzeugtechnik der National Taipei University of Technology, bewertet Taiwans hochwertige Arbeitnehmerschaft und die Fertigungskompetenz als Hauptfaktoren, welche die steigenden Ausfuhren kompletter Fahrzeuge vorantreiben. Wu leitet das Forschungs- und Entwicklungszentrum Fahrzeugtechnologie (<I>Vehicle Technology Research and Development Center</I>, VTRDC) seiner Hochschule, das 2005 mit Finanzierung von der Abteilung für industrielle Technologie (<I>Department of Industrial Technology</I>, DoIT) im Wirtschaftsministerium und vom Nationalen Wissenschaftsrat (<I>National Science Council</I>, NSC) — der im März dieses Jahres zum Ministerium für Wissenschaft und Technologie (<I>Ministry of Science and Technology</I>, MOST) aufgewertet und umbenannt wurde — ins Leben gerufen worden war. Das VTRDC benutzt seine Forschung über Fahrzeugkommunikation, Elektrotechnik, Informationstechnologie, Materialwissenschaften und Mechanik dazu, technische Verbesserungen und Innovation in Taiwans Auto- und Motorradindustrie zu fördern. 
<P>Im Jahr 2005 richtete Yulon eine Tochterfirma namens Hua-chuang Automobile Information Technical Center Co. (HAITEC) in New Taipei City ein. HAITEC bietet nicht nur Integrationsdienste für Fahrzeugtechnik, intelligente Automobilsysteme und Systeme für Elektrofahrzeuge, sondern entwickelt auch Komponenten für intelligente Systeme und Elektrofahrzeuge. „HAITEC ist keine altmodische Autofabrik, sie hat die Aufgabe, neue Technologien zu verifizieren und zu kombinieren, bevor sie auf dem Fließband in Fahrzeuge installiert werden“, erläutert Wu. 
<P>HAITEC entwickelt und designt außerdem Fahrzeuge, die von Luxgen Motor Co. verkauft werden, Taiwans erster im eigenen Land entstandenen Automarke (Luxgens tatsächliche Montage wird von Yulon Motor Co. Ltd. durchgeführt). Das erste Modell der Marke war der Minivan Luxgen7 MPV, der 2009 in den Handel kam. Seitdem sind die Autos der Firma eine Option für Otto Normalverbraucher geworden, und zwar nicht nur auf dem Inlandsmarkt, sondern auch in Südostasien und Nahost. „Luxgens Entstehung stellt eine große Veränderung gegenüber dem Betriebsmodus von Taiwans Autoindustrie der Vergangenheit dar“, versichert Shih. 
<P>Jedes Jahr werden mehr Elektronikkomponenten und Informations- und Kommunikationstechnologie (<I>Information and Communications Technology</I>, ICT) in Autos eingebaut, und Branchenfachleute prognostizieren, dass solche Systeme bald die Hälfte vom Wert eines Fahrzeuges ausmachen werden. Wu weist darauf hin, dass HAITEC wegen seiner engen Zusammenarbeit mit Taiwans starkem ICT-Sektor im Vorteil ist. „Einige einheimische ICT-Firmen arbeiten daran, ihre Technologien in Fahrzeuge einzubringen“, berichtet er. Shih von ITRI stimmt ihm zu und sagt, „um für eine bequemere und sicherere Fahr-Erfahrung zu sorgen, werden selbst gewöhnliche Teile wie Scheinwerfer und Scheibenwischer an intelligente elektronische Untersysteme in Autos angeschlossen“. Angesichts der rückläufigen Einkünfte in den Sektoren Computer, Verbraucherelektronik und Mobiltelefone bietet das Wachstum intelligenter Fahrzeugsysteme einheimischen ICT-Firmen eine vielversprechende neue Geschäftsmöglichkeit, wirbt sie. </P>
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<IMG alt="Es geht voran-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p5.jpg" MMOID="222831">
<P>Taiwans Ausfuhren von Autoteilen und Zubehör wie Felgen, Stromgeneratoren und Stoßdämpfern erreichten im vergangenen Jahr 4,94 Milliarden Euro. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P><B>Haltbar und zuverlässig</B> 
<P>Die Kompetenz einer Firma bei der Herstellung von Verbraucherelektronik lässt sich indes nicht unbedingt automatisch auf Fahrzeugelektronik übertragen. „Jede in ein Auto eingebaute Komponente muss haltbar und zuverlässig genug sein, um Belastungen wie Hitze und Erschütterungen standzuhalten“, betont Shih. „Während der Fahrt kann man es sich nicht leisten, dass eine schadhafte elektronische Komponente einen Systemabsturz verursacht. Es wäre gefährlich, wenn man warten muss, bis das System neu startet, während gleichzeitig der Verkehr vorbeirauscht.“ 
<P>Hsu legt dar, dass zwar viele taiwanische Firmen in der Lage sind, einzelne elektronische Komponenten zu produzieren, wie man sie im Unterhaltungssystem eines Autos findet, doch erlangen nur recht wenige von ihnen Bestellungen von bedeutenden internationalen Automobilherstellern. Um Abhilfe zu schaffen, haben Fabrikanten von Komponenten begonnen, ihre Teile an die Bedürfnisse und Spezifikationen großer Autohersteller anzupassen. „Es ist keine leichte Aufgabe, und unsere Firmen fangen gerade erst an, ihre Wettbewerbsfähigkeit in diesem Bereich vorzuführen“, kommentiert er. 
<P>Hsus TTVMA trug dazu bei, den Weg für einheimische Hersteller von Fahrzeugelektronik zu ebnen, indem man in den vergangenen neun Jahren dabei half, die Handelsmesse AutoTronics Taipei zu organisieren. Die diesjährige Veranstaltung fand im April gemeinsam mit den drei Messen für Elektrofahrzeuge, Motorräder sowie Autoteile und Zubehör statt. Hauptorganisator der vier jährlichen Messen ist der Rat für Außenhandelsentwicklung Taiwan (<I>Taiwan External Trade Development Council</I>, TAITRA), eine gemeinnützige, staatlich unterstützte Organisation, die eng mit dem Außenhandelsamt (<I>Bureau of Foreign Trade</I>, BOFT) im Wirtschaftsministerium zusammenarbeitet. Die gemeinsamen Messen, die für vier Tage liefen, lockten über 1300 Aussteller und gut 7000 Käufer aus 128 Ländern an und zogen Geschäftsabschlüsse im Wert von über 600 Millionen US$ nach sich. Die Veranstaltung im kommenden Jahr soll noch größer werden, weil dann zusätzlich eine fünfte internationale Messe vorgesehen ist, nämlich mit dem Schwerpunkt Auto-Tuning und Reparaturen. 
<P>Autoteile, sowohl elektronische als auch konventionelle, sind seit langem eine wichtige Exportkategorie in Taiwan. Laut Statistiken vom TTVMA erreichten Exporte von taiwanischen Autoteilen und Zubehör im Jahr 2013 einen Umfang von 197,9 Milliarden NT$ (4,94 Milliarden Euro), gegenüber 2012 ein Anstieg von 1,2 Prozent und neuer Höchstwert. 
<P>Shih macht darauf aufmerksam, dass in den jüngsten Jahren einheimische Firmen von der Herstellung von Teilen für den Ersatzteilmarkt dazu übergegangen sind, Autoherstellern auf Auftragsbasis gefertigte Teile (<I>Original Equipment Manufacturing</I>, OEM) zu liefern. Viele Ersatzteilfabrikanten bevorzugen das OEM-Modell, weil die Bestellungen dann häufig größer und verlässlicher sind als bei Fertigung für den Ersatzteilmarkt. Wichtige OEM-Autokomponenten und –teile, die heute von einheimischen Firmen erzeugt werden, sind Karosserieteile, Scheinwerfer und Räder. 
<P>Einheimische Werkzeugmaschinenmacher haben eine wesentliche Rolle dabei gespielt, Herstellern beim Umstieg auf OEM-Produktion zu helfen. Taiwan gehört zu den fünf größten Werkzeugmaschinenherstellern der Welt, und taiwanische Firmen sind bekannt dafür, Maschinen zu entwickeln, die Autoteile mit immer komplexeren Funktionen, Formen und technischen Einzelheiten hervorbringen können. Laut Wu half solche Unterstützung beispielsweise Taiwans Ersatzteilfabrikanten dabei, technisch anspruchsvolle Aufträge anzunehmen wie Herstellung von Airbags, die absolut zuverlässig funktionieren und genauen technischen Vorschriften entsprechen müssen. 
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<IMG alt="Es geht voran-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p6.jpg" MMOID="222832">
<P>Ein Cruiser-Motorrad im US-amerikanischen Stil, ausgestellt bei der diesjährigen Motorradmesse Taiwan. Das taiwanische Unternehmen Bailey Co. Ltd. fertigt und vertreibt seit über 20 Jahren Nachrüstbauteile für solche Krafträder. (Foto: Huang Chung-hsin)</P></DIV>
<P>Größere Firmen in Taiwans Motorradgewerbe entwerfen, fertigen und verkaufen seit Jahrzehnten Motorräder und Roller. Die wichtigsten Unternehmen dabei sind Kwang Yang Motor Co. (Kymco), gegründet 1963 mit Zentrale im südtaiwanischen Kaohsiung, und Sanyang Industry Co., 1961 in Hsinchu gegründet. Die beiden Firmen entwickelten starke Markennamen und sicherten sich mit in Taiwan, Festlandchina und Vietnam fabrizierten Fahrzeugen Anteile von Märkten im In- und Ausland. 
<P>Im vergangenen Jahr verkauften Kymco, Sanyang und andere taiwanische Firmen 915&nbsp;000 komplette Roller und Motorräder, wovon fast ein Drittel auf Märkte außerhalb von Taiwan, Festlandchina und Vietnam exportiert wurde. „Taiwans inländischer Motorradmarkt ist bereits recht stark, und auch durch stetig wachsende Exporte können die Produzenten gedeihen“, analysiert Wu. Im Jahr 2013 zum Beispiel exportierten Motorradunternehmen in taiwanischem Besitz 122&nbsp;554 Fahrzeuge nach Japan, ein 11-prozentiger Anstieg gegenüber 2012, und 47&nbsp;123 Fahrzeuge nach Kolumbien, gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von sogar 58 Prozent. 
<P>Anfang der achtziger Jahre war Luftverschmutzung in Taiwan ein ernstes Problem, viel davon war auf Motorräder zurückzuführen, wobei noch zu erwähnen ist, dass Taiwan seit langem den Weltrekord für die höchste Zahl von Motorrädern je Einwohner hält. Damals bemühte sich Wu um Linderung der Luftverschmutzung, indem er für die Mechanik- und Systemforschungslabore von ITRI Forschung über Motorrad-Emissionskontrollsysteme durchführte. Gleichzeitig begann man in Taiwan und anderen Ländern damit, Gesetze zu verabschieden, welche den Schadstoffausstoß von Fahrzeugen verringern sollten. 
<P><B>Erfolg gefunden</B> 
<P>Die Forschungsanstrengungen und strengeren Emissionsstandards führten zu technischen Durchbrüchen, dank der Motorräder mit umweltfreundlicheren Direkteinspritz-Motoren allmählich die qualmenden Zweitaktmodelle der vergangenen Jahrzehnte ersetzten. „Taiwans strenge Motorrad-Emissionsstandards zwangen einheimische Firmen dazu, sauberere Technologien zu entwickeln“, bemerkt Wu. „Auch dadurch können sie jetzt Erfolge auf dem europäischen Markt erzielen, der für seine strikten Emissionsbestimmungen bekannt ist.“ Im Jahr 2013 zum Beispiel exportierten laut TTVMA-Statistiken taiwanische Hersteller 4324 Motorräder in die Niederlande, gegenüber 2012 ein Anstieg von 52 Prozent, und 14&nbsp;758 Bromfietse gingen nach Spanien, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. „Unsere im Inland gefertigten Krafträder, die meisten davon Motorroller, können nun fast alle Emissionsauflagen der Welt erfüllen“, prahlt Wu. 
<P>Zwar betrachten viele Menschen die Motorrad- und Kraftfahrzeugproduktion weiterhin als Teil der traditionellen Fertigungsgewerbe, aber Hightech-Komponenten machen einen wachsenden Teil der heutigen fahrbaren Untersätze aus. Sorgen um das Weltklima, Ansprüche der Verbraucher und hohe Spritpreise bewegen die Hersteller dazu, für die Schaffung von energiesparenderen, umweltfreundlicheren und intelligenteren Fahrzeugmodellen fortschrittliche Technologien zu entwickeln und einzusetzen. „Für die Entwicklung von sparsamen, leichten Fahrzeugen braucht man Hightech-Fortschritte in Materialwissenschaften“, versichert Shih. 
<P>Mit Blick auf die Zukunft meint Shih, Verkehrsforscher hätten bereits begonnen, Wege zu erforschen, wie man einzelne Fahrzeuge in das intelligente Verkehrssystem einer Stadt oder Region integriert, wozu Hersteller sich noch mehr mit kreativem Denken und industrieller Innovation befassen müssen. Mit jahrzehntelanger Erfahrung im Hightech-Bereich und mit blühenden Fahrzeuggewerben ist Taiwan in einer günstigen Ausgangslage, solche Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen. 
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Taiwan-Kulturwoche an der Universität Tübingen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101590/Taiwan-Kulturwoche-an-der-Universit%C3%A4t-T%C3%BCbingen]]></link><guid>101590</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Wie vielfältig und modern Taiwans Kultur ist, zeigte die Kulturwoche „Spotlight Taiwan“, die vom 7. bis 15. Juli 2014 an der Universität Tübingen stattfand. Das Taiwanforschungszentrum der Uni&shy;versität Tübingen (<I>European Research Center on Contemporary Taiwan</I>, ERCCT) hatte in Kooperation mit dem Kulturministerium der Republik China ein umfangreiches Programm mit Autorenlesungen, Film&shy;festival und Konzert, Tanzaufführungen, Vor&shy;trägen und einer Fotoausstellung organisiert.
<P>Anlass war die Aufwertung des ERCCT zu einem „Überseezentrum“ der taiwanischen Stiftung für in&shy;ter&shy;nationalen Gelehrtenaustausch Chiang Ching-kuo Foundation (CCKF). Tübingen beherbergt damit eines von weltweit nur vier dieser Zentren — die anderen drei befinden sich an der Harvard University in den USA, der Karls-Universität in Prag und der Chi&shy;ne&shy;si&shy;schen Universität von Hongkong.
<P>Im Rahmen des Programms waren für Lesungen, Vorträge und sonstige Veranstaltungen mehrere hoch&shy;karätige Taiwaner zu Gast, unter ihnen die Autorin Liu Tzu-chieh (劉梓潔), die Choreografin Chang I-wen (張懿文), der Filmschauspieler Umin Boya (馬志翔) sowie die Akademiker Dr. Ming-yeh Rawnsley Tsai (蔡明燁) von der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London, Prof. Wu Te-mei (吳德美) und Prof. Yen Liang-kung (顏良恭) von der National Chengchi University (NCCU) in Taipeh. Kulinarisch wurde die Kulturwoche mit taiwanischen Gerichten bereichert, welche die Mensa Prinz Karl an vier Tagen anbot.</P>]]></description></item><item><title><![CDATA[Die dritte Säule]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101556/Die-dritte-S%C3%A4ule]]></link><guid>101556</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Hinter vielen Gesetzen gibt es eine Geschichte über Kampf um soziale Gerechtigkeit. Dieses Jahr zum Beispiel ist der 20. Jahrestag von Taiwans Verbraucherschutzgesetz, das 1994 verkündet wurde und nicht nur einen gesetzlichen Rahmen bietet für den Schutz von Verbraucherrechten, sondern auch die Qualität von Taiwans Verbraucherumfeld verbesserte. Die Verbraucherstiftung Chinese Taipei (<I>Consumers’ Foundation Chinese Taipei</I>, CFCT) war eine der treibenden Kräfte dabei, das Gesetz zu gestalten und im legislativen Ablauf voranzubringen. Die Stiftung, eine 1980 gegründete Nichtregierungsorganisation (<I>Nongovernmental Organization</I>, NGO), verteidigt Verbraucherrechte, indem sie Verbraucherbewegungen unterstützt und sich für politische Maßnahmen einsetzt, welche sich der Sorgen von Verbrauchern annehmen.
<P>Wie in vielen anderen Ländern gelten auch in Taiwan NGOs als dritte Säule der Gesellschaft, welche die beiden älteren Säulen Staat/Regierung und Wirtschaft/Unternehmen unterstützen. NGOs werden normalerweise als Organisationen definiert, in denen Regierung und Verwaltung sowie gewinnorientierte Unternehmen keine direkte Rolle spielen. Im vergangenen Jahr waren nach Angaben des Innenministeriums der Republik China annähernd 30&nbsp;000 NGOs in Form von Bürgerinitiativen, fachlichen Verbänden und sozialen Gruppen in Taiwan gemeldet.
<P>CFCT war eine der ersten Fürsprecher-NGOs in Taiwan — darunter versteht man Bürgerorganisationen, welche bestimmte soziale Angelegenheiten und Ziele verteidigen oder für sie eintreten, indem das Bewusstsein und das Wissen darüber und die Akzeptanz dafür erhöht werden. Fürsprecher-NGOs verfechten ihre Sache durch Lobbyarbeit, Aktivisten-Veranstaltungen und Medienarbeit. So war zum Beispiel die John Tung-Stiftung (<I>John Tung Foundation</I>, JTF), eine einflussreiche Fürsprecher-NGO, im Jahr 1984 gegründet worden, um die öffentliche Gesundheit zu fördern. Ein Arbeitsschwerpunkt von JTF liegt auf Lobbyarbeit für Tabakkontrolle und Ausrichten von Veranstaltungen gegen das Rauchen. Die Bemühungen der Stiftung zeitigten Erfolg, als im Jahr 1997 das Gesetz über die Verhütung von Tabakgefahren verkündet wurde.
<P><B>Wachsender Einfluss</B>
<P>Nach Angaben von Hsin-huang Michael Hsiao, dem Gründer von CFCT und Direktor des Soziologieinstituts der Academia Sinica, Taiwans renommiertester Forschungsinstitution, stand für die Regierung vor der Aufhebung des Kriegsrechts im Juli 1987 die gesellschaftliche Entwicklung nicht im Vordergrund. „Die Regierung opferte nicht viel Zeit dafür, sich sozialer Belange anzunehmen, und die Gesetze waren nicht an den Zeitgeist angepasst worden“, tadelt er. „Also begannen die Menschen, Bürgergruppen zu organisieren, die an Einfluss gewannen und eine Kraft für die Förderung sozialer Reformen wurden.“
<P>Taiwans NGOs sind ein eher jüngeres Phänomen. In den fünfziger und sechziger Jahren waren einheimische NGOs überwiegend Wohlfahrtsorganisationen, religiöse Gruppen und Gemeindedienst-Vereine. In Taiwan gab es zudem seit der japanischen Kolonialzeit (1895-1945) mehrere eingetragene Berufsverbände, etwa für Bauern und Fischer, doch diese Verbände dienten in der Regel dazu, entsprechende Staatspolitik auszuführen, daher kann man eigentlich nicht behaupten, sie wären vollkommen unabhängig von staatlicher Kontrolle gewesen.
<P>Taiwans erste NGOs waren Untergruppen internationaler Organisationen, legt Hsiao dar. Frühe Wohlfahrtsorganisationen waren zum Beispiel die Rotkreuzgesellschaft der Republik China (gegründet 1950) und World Vision Taiwan (gegründet 1964), die dann beide nennenswerte Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung des Landes leisteten. Manche der frühesten Gemeindedienst-Vereine Taiwans waren Zusammenschlüsse des Taiwan Lions Club, 1953 entstanden als Inlands-Untergruppe des Lions Club International.
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<IMG alt="Die dritte Säule-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p14.jpg" MMOID="221832">
<P>Freiwillige von NGOs aus dem zentraltaiwanischen Landkreis Changhua bilden mit Regenschirmen eine Fläche in Form eines Chinesischen Weißen Buckeldelfins (Sousa chinensis) und die Buchstaben SOS, um zum Schutz der bedrohten Art aufzurufen. (Foto: Central News Agency)</P></DIV>
<P>Hsiao stellt fest, dass die NGOs in Ländern mit einem vergleichsweise reifen demokratischen, wirtschaftlichen und sozialen Umfeld am besten blühen und gedeihen und die größten Auswirkungen haben. Während Taiwans Wirtschaft und Gesellschaft schon vor der Aufhebung des Kriegsrechts ein recht fortgeschrittenes Entwicklungsniveau erreicht hatten, behinderten Beschränkungen für die Organisation von Bürgergruppierungen damals weiterhin die Entwicklung von NGOs. Zwar wurden das Versammlungsrecht und das Recht auf Vereinsbildung dem Namen nach von der Verfassung der Republik China geschützt, doch unterm Kriegsrecht wurde Betätigung dieser Art straff kontrolliert. „Wohlfahrtsorganisationen, religiöse Gruppen und NGOs für gesellschaftlichen Dienst waren unbedenklich, doch jene, die vielleicht Meinungen ausdrückten, die von denen der Regierung abwichen, hatten es schwer, eine Genehmigung zu bekommen“, geißelt Hsiao. „Die CFCT zum Beispiel wurde anfänglich von manchen Regierungsbeamten für eine Rebellengruppe gehalten.“
<P>Politische Hindernisse für die Entwicklung von NGOs fielen mit der Aufhebung des Kriegsrechts weg. Das Versammlungs- und Demonstrationsgesetz wurde 1988 verkündet, und 1989 wurde das Gesetz über Bürgerverbände umgesetzt. Infolgedessen stieg die Zahl von NGOs in Taiwan laut Statistiken des Innenministeriums von 11&nbsp;000 im Jahr 1987 auf 25&nbsp;000 im Jahr 2000.
<P>Lin Shu-hsin, Professorin an der Abteilung für Staatsverwaltung und –politik der National Taipei University, verweist darauf, dass das offenere politische Umfeld seit Ende des Kriegsrechts die Gründung vieler NGOs nach sich zog, die für soziale Belange eintreten. „Diese NGOs bieten nicht unbedingt immer eine Lösung, doch sie wollen, dass die Regierung und auch der Rest der Gesellschaft das Problem verstehen“, erläutert sie. „Sie haben oft wesentliche Auswirkungen auf die Staatspolitik.“
<P>Unabhängige NGOs für öffentliche Politik kamen gleichfalls nach Aufhebung des Kriegsrechts auf. Das Institut für Nationale Politikforschung (<I>Institute for National Policy Research</I>, INPR) wurde 1989 Taiwans erste nicht-parteigebundene Denkfabrik. Das INPR wird vollständig von der privaten Chang Yung-fa-Stiftung finanziert, während frühere Denkfabriken wie das 1976 gegründete Taiwan-Institut für Wirtschaftsforschung (<I>Taiwan Institute of Economic Research</I>, TIER) und das 1981 gegründete Chunghua-Institut für Wirtschaftsforschung (<I>Chung-Hua Institution for Economic Research</I>, CIER) tatsächlich massiv von staatlichen Ressourcen gestützt werden.
<P>Andere Organisationen wurden eingerichtet, um bestimmten gesellschaftlichen Gruppen eine Stimme zu verleihen. Ab 1982 zum Beispiel brachte eine Gruppen von Frauen das <I>Awakening Magazine</I> (Erwachen-Magazin) heraus, Taiwans erste Zeitschrift für die Förderung von Frauenrechten und Frauenbewusstsein. Die gleiche Gruppe bildete im Oktober 1987 die Awakening Foundation (Erwachen-Stiftung), um Frauen weiter zu mobilisieren und ihnen Zugang zu Ressourcen zu verschaffen, die beim Kampf für Gleichberechtigung der Geschlechter eingesetzt werden können. Seit ihrer Gründung wurde die Stiftung weithin für ihr aktives Eintreten für Gleichberechtigungspolitik und institutionelle Reformen anerkannt. Die Erwachen-Stiftung steuerte zu Entwurf und Änderung mehrerer Gesetze entscheidende Beiträge bei — für das Gesetz über Gleichberechtigung der Geschlechter am Arbeitsplatz von 2002, das Gesetz über Gleichberechtigung der Geschlechter bei Bildung von 2004 und die Änderung des Einwanderungsgesetzes zum Schutz der Rechte von Zuwandererfrauen im Jahr 2007.
<P>Die Umwelt ist ein weiterer Gegenstand öffentlichen Interesses, der nach Aufhebung des Kriegsrechts in den Mittelpunkt rückte. Shih Shin-min lehrt als Professor an der Abteilung für Chemietechnik der National Taiwan University (NTU) in Taipeh und war einer der Gründer der Umweltschutzunion Taiwan (<I>Taiwan Environmental Protection Union</I>, TEPU), die 1987 ins Leben gerufen wurde. Nach Shihs Worten fingen die Menschen Mitte der siebziger Jahre an, ihrer Besorgnis über die Auswirkungen der Industrialisierung auf Taiwans Umwelt Ausdruck zu verleihen. „Damals betrachtete die Regierung Umweltaktivisten als oppositionelle Kraft“, enthüllt er. „Umweltsorgen laut auszusprechen galt als Herausforderung der Autorität der Zentralregierung.“ Die Lockerung der Bestimmungen über die Organisation von Bürgergruppen ermöglichte die Gründung von Umwelt-NGOs wie TEPU und die Taiwan-Niederlassung von Greenpeace, wodurch Umweltschützer ihre Anliegen auf kollektivere und besser organisierte Weise vorantreiben konnten.
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<IMG alt="Die dritte Säule-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p15.jpg" MMOID="221833">
<P>Ein Bündnis aus 12 NGOs appelliert an die Regierung, dem Schutz und dem Wohlergehen von Kindern Priorität einzuräumen. (Foto: Central News Agency)</P></DIV>
<P>In den späten achtziger Jahren entstanden überdies viele NGOs mit örtlichen Schwerpunkten wie Gemeindeentwicklungsverbände, die als Bindeglied zwischen Gemeinden und staatlichen Entwicklungsprojekten fungierten, und daneben kamen noch unabhängige Kultur- und Geschichtsworkshops auf, welche das Bewusstsein für eine lokale Identität förderten.
<P>„Die taiwanische Gesellschaft erlangte nach Ende des Kriegsrechts allmählich neue Freiheit, doch diese Freiheit ging mit gewissen beunruhigenden Trends einher wie verbreitetes Glücksspiel“, rügt Chen Chin-huang, der Ende 1987 in der Gemeinde Xingang im südtaiwanischen Landkreis Chiayi die Hsin Kang-Stiftung für Kultur und Bildung gründete. Hsin Kang fördert die spirituelle Entwicklung als Gegengewicht zum ungehemmten Materialismus des modernen Lebens. „Wir wollen für zukünftige Generationen ein besseres Umfeld schaffen“, versichert Chen. Eine der besten Methoden, um dieses Ziel zu erreichen, besteht in seinen Augen darin, das Lesen zu fördern. Neben einer konventionellen Bibliothek mit gedruckten Werken in einem Gebäude betreibt die Stiftung auch eine mobile Bücherei, die Lesestoff zu Gemeinden und Grundschulen bringt, nämlich einen kleinen Lieferwagen voller Bücher und mit mehreren Laptops zum Sichten von Online-Artikeln.
<P>Während viele von Taiwans NGOs sich auf bestimmte Angelegenheiten oder Ortschaften konzentrieren, stellten sie ihre gemeinsame Stärke unter Beweis, als am 21. September 1999 ein schweres Erdbeben der Stärke 7,6 Zentraltaiwan heimsuchte. Die auch unter dem Namen „921-Erdbeben“ bekannte Katastrophe forderte über 2400 Menschenleben, über 10&nbsp;000 Menschen wurden verletzt, Zehntausende von Gebäuden wurden zerstört, und es entstand ein immenser wirtschaftlicher Schaden. Laut Hsiaos Studien beteiligten sich rund 260 NGOs aus dem In- und Ausland an den Hilfsmaßnahmen und am Wiederaufbau im Katastrophengebiet.
<P>Die Stiftung Neue Heimat zum Beispiel half beim Wiederaufbau der Gemeinde Taomi in der zentraltaiwanischen Gemeinde Puli, Landkreis Nantou. Stiftungspräsident Liao Chia-chan vermerkt, dass das Beben zwar ungeheure Sachschäden verursachte, die ökologische Vielfalt in Taomi dagegen relativ wenig in Mitleidenschaft gezogen wurde. In Taomi kommen 23 von Taiwans 29 Froscharten vor und 49 der 143 Libellenarten des Landes. „Reiche Naturschätze sind alles, was Taomi hat“, kommentiert Liao die Idee, mit Fröschen, Libellen und Sumpfgebieten Einkünfte zu erzeugen, um die Lebensverhältnisse der Dörfler zu verbessern.
<P>Der Vorschlag der Stiftung, Taomi in ein Ökodorf zu verwandeln, gewann in der Gemeinde breite Unterstützung, und die Stadt erholte sich soweit, dass sie sich zu einem beliebten Ökotourimus-Reiseziel mauserte. Beim Wiederaufbau nach dem 921-Erdbeben zeigten NGOs in ganz Taiwan, dass sie in der Lage waren, Bedürftigen zu helfen und zertrümmerte Gemeinden wieder aufzubauen. Das wiederum motivierte andere dazu, noch mehr NGOs zu gründen.
<P>Die Entstehung der neuen NGOs bedeutet jedoch mehr Konkurrenz um Finanzen, Freiwillige und andere Unterstützungsformen in Taiwan. „Die Zahl der NGOs ist rasch gestiegen, im Gegensatz zu dem Umfang der Ressourcen, zu denen sie Zugang haben“, bedauert Lin. „Langfristiger Betrieb und selbst das Überleben wird schwerer, weil die Konkurrenz auf diesem ,Markt‘ härter wird.“</P>
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<IMG alt="Die dritte Säule-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p17.jpg" MMOID="221834">
<P>Pfleger von einer katholischen Wohlfahrtsorganisation bieten behinderten Senioren auf ganz Taiwan mobile Wasch- und Badedienste. (Foto: Central News Agency)</P></DIV>
<P><B>Gewandelte Prioritäten</B>
<P>Guan You-yuan, Professor an der Abteilung für Sozialfürsorge der National Chung Cheng University im südtaiwanischen Landkreis Chiayi, macht darauf aufmerksam, dass die meisten von Taiwans NGOs kleine Gruppen sind, deren Fähigkeiten zum Spendensammeln zu wünschen übrig lassen. „Einzelpersonen oder Unternehmen spenden bereitwillig, wenn die Wirtschaft gut läuft, doch wenn sich die Lage ändert, haben sie andere Prioritäten“, weiß er. „Die Wirtschaft wirkt sich nicht nur auf die kleineren NGOs aus, sondern auch auf die großen.“
<P>1992 wurde United Way of Taiwan (UWT) als Mitglied des globalen United Way-Systems gegründet. Zwar ist UWT eine der größten Sozialdienst-NGOs in Taiwan, doch die Bemühungen der Organisation beim Spendensammeln zeitigen immer noch stark unterschiedliche Resultate. Die Finanzberichte von UWT zeigen, dass die NGO im Jahr 2011 zum Beispiel 480 Millionen NT$ (11,7 Millionen Euro) sammelte, im Jahr darauf kamen nur noch 360 Millionen NT$ (8,78 Millionen Euro) zusammen.
<P>Ebenso wie die internationale Mutter-Organisation verfolgt UWT die Ziele, Ressourcen zusammenzufassen, auf Bedürfnisse der Gemeinschaft zu reagieren und positive Ergebnisse anzustreben. In vielen Fällen bietet UWT in Gemeinden Sozialdienst-NGOs mit wenig Geld Finanzierung, die damit Bedürfnisse vor Ort erfüllen. „Manche Menschen halten uns für eine Organisation zum Spendensammeln, aber wir tun mehr als das“, enthüllt UWT-Generalsekretär Chen Wen-liang. Die Arbeit von UWT mit kleineren NGOs zum Beispiel hat gezeigt, dass viele von ihnen bei der Ressourcenverwaltung schlechte Leistungen erbringen. Um das Problem anzupacken, arbeitet UWT oft mit anderen Organisationen zusammen, um NGOs in Gemeinden Schulung für die Bereiche Computerfertigkeiten, Finanzverwaltung und Verwaltung von Mitarbeitern und Freiwilligen zu vermitteln. „Wir helfen kleineren NGOs, effizienter zu werden, damit sie beschränkte Ressourcen optimal ausnutzen und mehr Menschen Dienste zukommen lassen können“, sagt Chen.
<P>Laut Hsiao waren gegen Ende der achtziger Jahre manche einheimische NGOs groß genug, um ihre Arbeit ins Ausland auszudehnen. Der Taiwan-Fonds für Kinder und Familien (<I>Taiwan Fund for Children and Families</I>, TFCF) zum Beispiel entstand 1964 als Taiwan-Stützpunkt des Christian Children’s Fund. Der TFCF richtete in den ersten 20 Jahren seiner Arbeit mit in- und ausländischen Ressourcen familienähnliche Waisenhäuser für taiwanische Kinder ein, war aber bis 1985 stark genug geworden, um auf Finanzierung aus dem Ausland verzichten zu können. Seit 1987 hilft die NGO auch Kindern im Ausland, während die Arbeit in Taiwan wie gehabt weiterläuft. Als Teil der ChildFund Alliance, einem globalen Verbund von Entwicklungsorganisationen, die Gelegenheiten für benachteiligte Kinder in einigen der ärmsten Länder der Welt schaffen, führt der TFCF heute Projekte im Ausland durch. „Anfangs waren wir Hilfeempfänger“, erinnert sich Hsiao. „Nun sind wir in der Lage, die Geberrolle zu spielen.“
<P>Während die Zielsetzungen, Herausforderungen und der Umfang einheimischer NGOs sich teilweise erheblich unterscheiden, teilen sie eine Leidenschaft dafür, eine bessere Welt aufzubauen. Wenn man dieser Leidenschaft freien Lauf lässt, erhält man häufig erstaunliche Ergebnisse. Taiwans NGOs sind in der Tat eine stabile dritte Säule der Gesellschaft geworden, und sie konzentrieren sich zunehmend darauf, diese Hilfe auf die Weltgemeinschaft auszudehnen.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Auf die Welt zugehen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101557/Auf-die-Welt-zugehen]]></link><guid>101557</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Im Juli vergangenen Jahres erhielt die Atmosphäre im Internationalen Museum für Chirurgiewissenschaften, einer Abteilung des Internationalen Chirurgen-Colleges (<I>International College of Surgeons</I>, ICS) in Chicago, eine unverkennbar taiwanische Note. Schlüsselfiguren der Chirurgenwissenschaften aus Taiwan waren bei einer Zeremonie zugegen, die Max C. Downham, geschäftsführender Direktor von ICS, leitete und zum Anlass der Eröffnung des „Taiwan-Raumes“ stattfand. Dieser befindet sich im dritten Obergeschoss des Anwesens, welches das Museum beherbergt, das einzige seiner Art in Nordamerika. „Dieser Raum stellt der Welt Taiwans wesentliche Beiträge zu Chirurgie und anderen Bereichen der medizinischen Wissenschaft vor, und Taiwans Profil im Ausland wird dadurch enorm geschärft“, lobt Kwan Aij-lie, eine der 16 Vizepräsidentinnen des Colleges. Das ICS ist eine globale Nichtregierungsorganisation (<I>Nongovernmental Organization</I>, NGO), die 1935 im schweizerischen Genf gegründet worden war und heute ihren Sitz in Chicago hat. 
<P>Kwan ist Neurochirurgin am Chung-Ho Memorial Hospital, das an die südtaiwanische Hochschule Kaohsiung Medical University angegliedert ist. Im Jahr 2012 regte die Ärztin — damals Direktorin der Taiwan-Sektion vom ICS, einer aktiven, eigenständigen NGO — die Einrichtung des Taiwan-Raumes an und begann sich um Unterstützung dafür zu bemühen. Anfang 2013 wurde ein sechsjähriger Leasing-Vertrag für die Räumlichkeiten, in denen der Taiwan-Raum untergebracht werden sollte, unterzeichnet, der größte Teil der Finanzmittel dafür kam vom Außenministerium der Republik China. Das Krankenhaus in Kaohsiung beteiligte sich an der Finanzierung und betraute Fachleute mit der Aufgabe, die Ausstellung einzurichten. Zwar wurden viele der zur Zeit präsentierten Gegenstände vom Medizinmuseum Taiwan der Stadtverwaltung Kaohsiung, das sich auf Taiwans Medizingeschichte konzentriert, bereitgestellt, doch wird das Pingtung Christian Hospital (ein weiteres großes Krankenhaus in Südtaiwan) diese Exponate im Sommer dieses Jahres durch eigene Ausstellungsstücke ersetzen. 
<P>Der Taiwan-Raum zeigt die wichtigen Errungenschaften des Landes bei chirurgischer Wissenschaft, erzählt die Geschichte der Gesundheitsfürsorge in Taiwan, darunter Meilensteine wie die Gründung des Nationalen Gesundheitsversicherungssystems, und stellt den Museumsbesuchern, pro Jahr etwa 30&nbsp;000 an der Zahl, Elemente der taiwanischen Kultur vor. Des Weiteren benutzt die Taiwan-Sektion von ICS den Raum dazu, den Erfolg des Landes bei der Verbesserung der menschlichen Gesundheit durch hochwertige medizinische Dienstleistungen, welche bekannte taiwanische NGOs im Ausland bieten, hervorzuheben, auch als Beispiel für die wachsende Rolle, welche NGOs aus der Republik China auf der Weltbühne spielen. 
<P>Ein Beispiel für hochwertige medizinische Dienstleistungen taiwanischer NGOs im Ausland ist das Christliche Krankenhaus Changhua (<I>Changhua Christian Hospital</I>, CCH), das 1896 in der zentraltaiwanischen Stadt Changhua aufgebaut wurde. Der Sinn christlicher Liebe, dem die Klinik ihre Entstehung vor über einem Jahrhundert verdankt, führte auch dazu, dass das CCH im Jahr 2008 das Medizinische Auslandsmissionszentrum als NGO aus der Taufe hob, um Bedürftigen außerhalb von Taiwan beizustehen. Seitdem haben Chirurgen, Ärzte, Zahnärzte und Krankenpfleger vom CCH und sonstwo in Taiwan durch das Zentrum ihre Zeit geopfert und ihr Fachwissen zur Verfügung gestellt, um in 14 anderen Ländern Hilfe zu leisten. 
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<IMG alt="Auf die Welt zugehen-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p19.jpg" MMOID="221835">
<P>Die NGO-Allianz Taiwan AID wurde im vergangenen Jahr amtlich gemeldet. (Foto: Courtesy Taiwan AID)</P></DIV>
<P>„Ich bewundere außerordentlich, was Taiwans NGOs im Ausland erreicht haben“, lobt Charles Li, stellvertretender Generalsekretär der Abteilung für internationale NGO-Angelegenheiten im Außenministerium, und ergänzt unter Hinweis auf die buddhistische Wohlfahrtsstiftung Buddhist Compassion Relief Tzu Chi Foundation, Taiwans größte NGO, die für ihr globales Netz hochgradig effizienter Nothilfedienste bekannt ist: „Sie bieten leidenschaftlich und kreativ Dienste an und leisten Beiträge, die zuweilen über das hinausgehen, was für den öffentlichen Sektor machbar ist.“ Das CCH ist ein anderes eindrucksvolles Beispiel, wie Li selbst durch häufigen und engen Kontakt feststellen konnte, als er einen Posten in St. Lucia bekleidete, einem Inselstaat in der östlichen Karibik, der diplomatische Beziehungen mit der Republik China unterhält. „Diese Auslandsmissionen taiwanischer NGOs sind zum Teil deswegen erfolgreich, weil sie die dortigen Ressourcen optimal ausnutzen und gut mit örtlichen NGOs zusammenarbeiten“, urteilt er. 
<P>Die Auffassung reflektiert den Konsens, den die globalen Organisationen erzielten, die 2011 bei einem großen NGO-Forum im südkoreanischen Busan zusammenkamen. „Früher boten viele NGOs Hilfe einfach dadurch, dass sie den Einheimischen Geld gaben“, rekapituliert Nina Kao, geschäftsführende Direktorin des Medizinischen Auslandsmissionszentrums von CCH. „Doch der Konsens empfahl eine Lokalisierung aller Hilfsprogramme, was bedeutet, dass NGOs mit den Einheimischen und dortigen Organisationen kommunizieren sollten, um ihre wirklichen Bedürfnisse zu ermitteln, damit begrenzte Ressourcen mit der höchstmöglichen Effizienz genutzt werden können.“ Kao fügt hinzu, Hilfeempfänger sollten darüber nachdenken, wie sie selbst etwas zu einem Programm beisteuern können, etwa indem man örtliches Personal bereitstellt. „Sie sollten nicht einfach nur herumsitzen und auf Hilfe warten“, mahnt sie. „Es ist ein kooperatives Verhältnis zwischen dem Hilfegeber und dem Hilfe-Empfänger, ein Modell, welches das Selbstwertgefühl des Empfängers aufbauen kann.“ Das Medizinische Auslandsmissionszentrum von CCH arbeite überwiegend mit örtlichen Kirchen und christlichen Krankenhäusern zusammen, so Kao. 
<P><B>Die Gesundheit von Kindern schützen</B> 
<P>In gleicher Weise strebte die in Taipeh ansässige NGO Garden of Hope Foundation (GOH), als sie ab 2004 Auslandsdienste anbot, nach Zusammenarbeit mit Chinese Christian Herald Crusades, einer gemeinnützigen Organisation im Stadtteil Flushing in New York, wo viele ethnische Chinesen leben. GOH war 1988 gegründet worden, um gefährdeten Frauen und Mädchen in ganz Taiwan Schutz und Obdach zu gewähren, und arbeitete nach Auskunft von Anthony Carlisle, dem GOH-Leiter für internationale Angelegenheiten, mit der amerikanischen religiösen Gruppe zusammen, damit sich ethnisch chinesische Opfer von häuslicher Gewalt, Menschenhandel und sexuellen Übergriffen in der Stadt von ihren traumatischen Erfahrungen erholen konnten. Die beiden Gruppen starteten im Jahr 2011 in Kambodscha ein ähnliches Gemeinschaftsprojekt. Eine dritte von GOH initiierte Mission begann im Jahr darauf in einem Elendsviertel im südafrikanischen Kapstadt. Unter der Leitung eines Fachmanns der NGO aus Taiwan arbeitet das südafrikanische Projekt mit einheimischen Frauen zusammen, um ihre Kinder über sexuellen Missbrauch aufzuklären, nach Carlisles Worten ein hartnäckiges, ernstes Problem in dem Land. 
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<IMG alt="Auf die Welt zugehen-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p21-1.jpg" MMOID="221836">
<P>Ein Arzt vom CCH-Medizinischen Auslandsmissionszentrum untersucht ein Kind in Vietnam wegen Verdachts auf Mangelernährung. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Overseas Medical Mission Center, Changhua Christian Hospital)</P></DIV>
<P>Gleichzeitig haben taiwanische NGOs begonnen, Kräfte zu bündeln, um Synergie der im Ausland gebotenen Dienste zu schaffen. Die Taiwan-Allianz für internationale Entwicklung (<I>Taiwan Alliance in International Development</I>, Taiwan AID) zum Beispiel entstand 2004 als zwanglose Zusammenarbeit zwischen fünf NGOs, die in anderen Ländern tätig waren. Die Allianz wurde 2013 amtlich gemeldet und besteht heute aus 29 kleinen und mittleren NGOs in Taiwan als Mitgliedern sowie fünf weiteren als Beobachtern, daneben nehmen noch Studierende von der Chaoyang University of Technology in der zentraltaiwanischen Stadt Taichung in der Kategorie Studentengruppe — die im vergangenen Jahr eingerichtet wurde, um sich mit NGOs auszutauschen, die mit internationalen Hilfsprogrammen zu tun haben — teil. 
<P>Unter Hinweis auf jüngste Beispiele solcher gemeinsamen Anstrengungen erwähnt Kao, dass das CCH und die Zhi Shan-Stiftung, beides Mitglieder in Taiwan AID, ab 2013 ein Waisenhaus in Myanmar zu unterstützen begannen, um die Fähigkeit zur Selbstversorgung zu entwickeln, indem eigene Nutzpflanzen angebaut werden. Im Jahr 2012 kooperierten die beiden Gruppen bei einem Ernährungsprogramm in Zentralvietnam, bei dem über 300 Kinder versorgt wurden. Laut Kao ist das Vorkommen von Kinder-Mangelernährung in jener Gruppe von erschreckenden 70 Prozent auf 30 Prozent zurückgegangen, seit sie erstmals vor fast drei Jahren von dem Problem erfuhr. Ein anderes Projekt in der gleichen Gegend, an dem sich das CCH, Zhi Shan und Umwelttechnik-Experten von der Kun Shan University in der südtaiwanischen Stadt Tainan beteiligen, soll im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden, dabei kümmert man sich um Wasserqualität und –knappheit, indem man die Wasserversorgung erhöht und Abwässer wiederaufbereitet. 
<P>Die Regierung der Republik China spielte ebenfalls eine Rolle dabei, Taiwans NGOs zu einer größeren internationalen Rolle zu drängen. „In der überwiegenden Mehrheit sind die taiwanischen NGOs vom Umfang her klein, verglichen etwa mit den USA“, sagt Lin vom Außenministerium. „Wenn sie so groß wie Tzu Chi wären, müsste die Regierung da keine Hilfestellung bieten.“ Nach Lins Auskunft haben 2486 taiwanische NGOs Beziehungen mit internationalen Gruppen geknüpft, doch vielen fehlen die Erfahrungen und Ressourcen, die man für Arbeit außerhalb von Taiwan braucht. „Die Regierung ermuntert NGOs, ihren Betrieb ins Ausland auszudehnen, um Taiwans Status auf der Weltbühne aufzupolieren, und die NGOs helfen Taiwan außerdem, Verbindungen mit der Welt aufzubauen“, ergänzt er. 
<P>Das Außenministerium bietet Beistand und wies dazu seine Vertretungsbüros in aller Welt an, die Herausforderungen und Erfordernisse der von den NGOs angeregten Hilfsprogramme einzuschätzen. „Es ist in Ordnung, medizinische Dienste an einem Ort zu leisten, wo keine Ärzte verfügbar sind, doch man muss eine Hilfsmission im Ausland sorgfältig abwägen, um unbedingt dafür zu sorgen, dass es sich nicht mit etwas überschneidet, was auch die Einheimischen bieten können, damit die Hilfstätigkeit keine negativen Auswirkungen auf örtliche Arbeitsplätze hat“, begründet Li. 
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<IMG alt="Auf die Welt zugehen-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p21-2.jpg" MMOID="221837">
<P>Ein Physiotherapeut vom CCH-Medizinischen Auslandsmissionszentrum gibt einer Patientin in Thailand Reha-Behandlung. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Overseas Medical Mission Center, Changhua Christian Hospital)</P></DIV>
<P>Das Außenministerium finanziert überdies Hilfsprogramme und NGO-Schulungsmissionen, internationale Konferenzen und sonstige Aktivitäten, welche die Beziehungen zwischen Taiwan und der Welt ausweiten, doch solche Finanzhilfen sind an Bedingungen geknüpft. „Wir sponsern Programme, welche Taiwans Profil und Image fördern können“, definiert der Beamte und fährt fort: „Wir berücksichtigen Kriterien wie die Frage, ob NGO-Mitglieder eine wichtige These bei einer internationalen Konferenz vertreten können, oder noch besser, ob sie in der Lage sind, wichtige Positionen in internationalen Organisationen einzunehmen.“ 
<P>Ein wichtiges Projekt wie das CCH-Hilfsprogramm in Saint Lucia anzuleiern und fortzuführen hängt eng mit den Anstrengungen der Regierung zusammen, den globalen Wirkungsbereich taiwanischer NGOs zu fördern. Im Jahr 2008 lud das Außenministerium das CCH zunächst ein, das St. Jude-Krankenhaus zu besuchen, eine der größten Kliniken in Saint Lucia, um eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, welche zeigte, wie die NGO durch Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus den Einheimischen ihre Dienste angedeihen lassen konnte. Bald darauf schickte das CCH die ersten medizinischen Teams mit je sechs bis acht Freiwilligen in das Land los. Das Außenministerium zahlt die Kosten für Flugtickets und Unterkunft, die bei jeder Reise der Teams anfallen, etwa drei oder vier Mal im Jahr. „Das CCH führt seine Hilfsanstrengungen im Ausland aus religiöser Begeisterung weiter, aber wir arbeiten auch gern mit der Regierung zusammen, um Taiwans Einfluss im Ausland zu stärken“, sagt Kao. 
<P>Das Wirtschafts- und Kulturbüro Taipeh (<I>Taipei Economic and Cultural Office</I>, TECO) in New York, eines der Repräsentationsbüros der Republik China im Ausland, leistete Beistand dabei, Spendensammelaktionen für die Arbeit von GOH dort zu organisieren. Die NGO erhielt außerdem staatliche Unterstützung für ihre Arbeit mit der Menschenrechtskampagne asiatische Mädchen, eine Reaktion auf die Deklaration des Internationalen Mädchentages durch die Vereinten Nationen (<I>United Nations</I>, UN) im Jahr 2011. 
<P>Im Jahr 2003 schuf die GOH-Stiftung das Formosa-Töchter-Festival, das den Status von Mädchen in Taiwan verbessern soll. Die jährliche Veranstaltung umfasst eine Lagerfreizeit während der Sommerferien, auf der Mädchen lernen können, ihr Potenzial zu entfalten, und es wird der Formosa-Töchter-Preis vergeben, welcher die Leistungen junger Frauen bei Naturwissenschaften, Sport und anderen Bereichen würdigt, in denen gemäß traditionellen Vorstellungen Jungs besser abschneiden. Der internationale Mädchentag wurde acht Jahre später angekündigt, und die GOH-Stiftung startete im Jahr 2012 die Menschenrechtskampagne asiatische Mädchen. Die Organisation drängte überdies die Regierung der Republik China seit kurz nach der Jahrtausendwende, einen entsprechenden Tag in Taiwan einzuführen, schließlich wurde im vergangenen Jahr das gleiche Datum wie für den internationalen Mädchentag ausgewählt, der 11. Oktober. </P>
<DIV class=photo>
<IMG alt="Auf die Welt zugehen-4" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p22.jpg" MMOID="221838">
<P>Die Garden of Hope Foundation erzieht seit 2012 Frauen und Kinder in Kapstadt (Südafrika) über sexuellen Missbrauch. (Foto: Courtesy Garden of Hope Foundation)</P></DIV>
<P><B>Von Taiwan lernen</B> 
<P>„Mit dem Formosa-Töchter-Festival lassen wir Andere an unseren Erfahrungen teilhaben, doch wir fragten uns, wie NGOs in anderen Ländern reagieren würden“, erklärte Carlisle im Hinblick auf die von Taiwan initiierte Menschenrechtskampagne asiatische Mädchen. „Es stellte sich heraus, dass sie recht großes Interesse hatten. Indien zum Beispiel ahmt die Taiwan-Erfahrung nach, und die Kampagne wird bei NGOs in der Region immer beliebter.“ Im Jahr 2012 beteiligten sich rund 80 NGOs aus 15 Ländern in Asien und Südafrika an der Bewegung, 2013 machten 120 Gruppen aus 20 Ländern mit. 
<P>Damit die Kampagne an Kraft und Einfluss gewinnt, bemüht die GOH sich auch um Rat von bekannten Persönlichkeiten in dem Bereich wie Shulamith Koenig aus den USA, die im Jahr 2003 mit dem UN-Menschenrechtspreis geehrt wurde. Eine andere solche Persönlichkeit ist Gulalai Ismail, eine der vier Gewinnerinnen des Demokratiepreises 2013, verliehen von der National Endowment for Democracy, einer privaten, gemeinnützigen Stiftung in den USA. Die Pakistanerin Ismail, die sich seit ihrem 16. Lebensjahr für die Gleichberechtigung der Geschlechter engagiert, zählte auch zu den Juroren des Menschenrechtspreises asiatische Mädchen 2013. „Wie viele Frauen und Mädchen können wir durch vorübergehende Unterbringung schützen?“ fragte die GOH-Expertin für internationale Angelegenheiten Lilian Yap und ergänzte hinsichtlich der Notwendigkeit, mit Initiativen aufzuwarten, welche neben Bereitstellung von Nothilfe das Übel an seiner Wurzel angehen können: „Wir müssen die Struktur der Gesellschaft mit Kampagnen verändern, um das Problem grundlegend zu behandeln.“ 
<P>Dem CCH ist zudem klar, wie wichtig es ist, den ausländischen Partnern beim Aufbau von Kapazitäten zu helfen, eine Aufgabe, durch die sie leichter medizinische Dienstleistungen auf nachhaltige Weise entwickeln könnten. Im Jahr 2006 begann die Klinik, ausländische Mediziner in Taiwan auszubilden, über 70 Personen wurden im Rahmen des Programms bislang geschult. Kao: „Man erwartet von ihnen, dass sie das in Taiwan Gelernte mit nach Hause in ihre Heimatländer nehmen, wo sie als Saat wirken, die produktiv zu einer hochwertigen medizinischen Arbeiterschaft herangezüchtet werden soll.“ 
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[In Taipeh zusammenkommen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101558/In-Taipeh-zusammenkommen]]></link><guid>101558</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Taiwans NGOs legen immer größeren Wert darauf, in der ganzen Welt Beiträge zu leisten, ein Trend, der um die Jahrtausendwende in Gang kam. Der Ablauf ist deutlich erkennbar an den Bemühungen des Unternehmerinnenverbandes Taiwan (<I>Taiwanese Women’s Entrepreneurs Association</I>, TWEA), der im Juni dieses Jahres sein 34-jähriges Bestehen feierte und dessen Zentrale sich in Taipeh befindet. „Uns mit der Weltgemeinschaft zu befassen ist heute eine unserer Hauptaufgaben“, versichert TWEA-Präsidentin Lu Chin-mei. TWEA hat 1600 Mitglieder und 23 Niederlassungen in Taiwan, die meisten in Taipeh und New Taipei City. Nach Lus Ausführungen war das Engagement der NGO auf globaler Ebene bis vor vier Jahren nicht sehr gründlich, obwohl man bereits 1981, im Jahr nach der Gründung von TWEA, dem Unternehmerinnen-Weltverband (<I>Femmes Chefs d’Enterprises Mondiales</I>, FCEM) beigetreten war.
<P>Der TWEA konzentrierte sich lange auf Inlandsangelegenheiten und bot beispielsweise seinen Mitgliedern Informationen aus dem Unternehmensbereich, auch wurde wohltätige Arbeit in Taiwan geleistet, doch in diesem Jahr wird das Trachten des TWEA am besten daran erkennbar, dass die Gruppierung sich um die Ausrichtung des FCEM-Weltkongresses bemüht. Im Oktober 2012 reichte der TWEA, dem Lu seit 2010 vorsteht, einen Vorschlag beim 1945 in Frankreich gegründeten FCEM ein, die 62. Jahresveranstaltung zu organisieren, die im September dieses Jahres stattfinden soll. Sie sorgte sich, dass den meisten FCEM-Mitgliedern Taiwan kein Begriff sein möge und sie sich fragen würden, ob Taiwan eine solche internationale Konferenz organisieren könne. Um zu zeigen, dass Taiwan dazu qualifiziert sei, lud TWEA im März vergangenen Jahres drei hochrangige FCEM-Funktionärinnen nach Taipeh ein, damit diese sich ein Bild von den Konferenzörtlichkeiten und dem allgemeinen Umfeld machen konnten. Im folgenden Monat erhielt Taiwan auf dem FCEM-Weltkomitee 2013 in Marseille den Zuschlag.
<P>Der diesjährige Kongress wird ein Schauplatz, wo Unternehmerinnen aus aller Welt sich mit taiwanischen Kolleginnen austauschen können, wirbt Lu und ergänzt: „Es ist auch eine großartige Chance für sie, etwas über die geschäftlichen Gelegenheiten zu erfahren, die es in Taiwan gibt.“ Des Weiteren könnten die Gast-Unternehmerinnen Taiwan allgememein besser verstehen lernen. Die fünftägige Konferenz soll am 21. September im Grand Hotel im Nordteil der Stadt beginnen, es werden etwa 800 Teilnehmerinnen erwartet. Das Zusammentreffen erfüllt auch die Funktion eines Kanals, der die Teilnehmerinnen mit dem Rest Asiens verbindet, besonders mit Festlandchina. Taiwans erfolgreiche Bewerbung für den 2014-Kongress steht unter dem Motto: „Taiwan — Zugang zu Asien“.
<P>„Viele Menschen sind ziemlich daran interessiert, mit Festlandchinesen Geschäfte zu machen, schrecken jedoch davor zurück, das direkt zu tun“, berichtet Lu über ihre Erfahrung vom Umgang mit ausländischen Unternehmerinnen. „Deswegen kann Taiwan ihnen dabei helfen, Festlandchina zu erkunden, denn als langjährige FCEM-Mitglieder genießen wir ihr Vertrauen, und mit Festlandchina kennen wir uns ebenfalls aus.“ Der TWEA ist eine von vielen einheimischen Gruppierungen mit erwiesener Expertise und sachlicher, praktischer Erfahrung. Taiwans NGOs haben eine globale Sichtweise entwickelt, die der Republik China dabei hilft, mehr internationale Anerkennung, Respekt und Bewunderung zu erhalten.
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B><BR></P>]]></description></item><item><title><![CDATA[Arzt in Taiwan, Lehrer in Peru]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Gesellschaft/101559/Arzt-in-Taiwan%2C-Lehrer-in-Peru]]></link><guid>101559</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Kurz vor Beginn einer lärmenden Weihnachtsfeier in einer abgelegenen Bergregion in Südamerika schnattern Kinder unter einer Flagge der Republik China aufgeregt auf Spanisch über die Geschenke, die sie bekommen werden, während ihre Eltern an der Seite des Raums den Speisetisch vorbereiten. Plötzlich ertönen wiederholt Rufe „Lehrer Li“, als ein junger Taiwaner, einen Werkzeugkasten tragend, verschwitzt den Raum betritt. Sofort ist er von den Kindern umringt, die ihn umarmen. 
<P>Diese Anekdote ereignete sich in Flora Tristan, einem Städtchen in Peru ohne asphaltierte Straßen, wo selbst fließend Wasser eine Seltenheit ist. Li Shang-ju (李尚儒) war im Jahr 2011 nach Peru gereist, um an einer örtlichen Schule Englisch zu unterrichten, und wurde schließlich dort der freiwillige „Schulleiter“. Bezahlung erhielt er keine, und er hielt sich mit seinen Ersparnissen über Wasser, die er beiseite gelegt hatte, als er als Arzt in der Linkou-Nebenstelle des Chang Gung Memorial Hospitals in Nordtaiwan arbeitete. 
<P>Lin ist nur einer von vielen jungen Taiwanern, die ihre Leidenschaft für Dienst in fremden Ländern praktizieren, aber weil er Arzt ist, erhielt er viel Aufmerksamkeit. So wurde er zum Beispiel häufig gefragt, was ihn dazu bewegt habe, seine Stelle an einem Krankenhaus in Taiwan aufzugeben, um zu einem armen Gebiet in Peru zu reisen und dort eine Schule zu leiten. 
<P>In Peru endet der Unterricht in Grundschulen um 2 Uhr nachmittags. Damit Kinder nach Schulschluss einen sicheren Ort haben, arbeitete 2007 ein britischer Gast mit den Einheimischen in Flora Tristan zusammen, um eine Schule für Englisch-Sprachunterricht aufzumachen. Eine Organisation namens „Reisender, Nicht Tourist“ (<I>Traveler, Not Tourist</I>, TNT) wurde ins Leben gerufen und sammelte Spenden für die Schule und ein örtliches Waisenhaus. Heute wird die Schule von einer Nichtregierungsorganisation (<I>Nongovernmental Organization</I>, NGO) namens „Hilfe gegen Hindernisse in Peru“ (<I>Helping Overcome Obstacles Peru</I>, HOOP) gemanagt, die internationale Freiwillige anheuert, peruanischen Kindern Englisch beizubringen und sich beim Lernen und Spielen um sie zu kümmern. Keinem Kind wird der Schulbesuch verweigert, und Schulgeld wird keins verlangt. 
<P>Wenige Jahre nach der Eröffnung der Schule gab es dort fast 50 Schüler und 10 freiwillige Lehrkräfte aus dem Ausland. Viele der Lehrer melden sich deswegen freiwillig, um ihren eigenen Horizont zu erweitern, während sie Anderen helfen. Der Zeitabschnitt, den die Lehrer bleiben, kann von einigen Tagen bis zu einem Jahr dauern. 
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<IMG alt="Arzt in Taiwan, Lehrer in Peru-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p27.jpg" MMOID="221839">
<P>Zum Beginn ihrer Weihnachtsfeier sind die Kinder bei HOOP ganz aus dem Häuschen. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Aquarius Publishing)</P></DIV>
<P>Als Li 2011 dort eintraf, begann er als Englischlehrer für die jüngsten Schüler und lernte von ihnen Spanisch. Danach unterrichtete er die älteren Schüler in Mathematik und Sachkunde und wurde mit der Zeit eine bekannte Gestalt in Flora Tristan. Egal wie müde oder beschäftigt er war, Li kam nie auf den Gedanken, sich zu beklagen, weil er etwas tat, was ihm Spaß machte. 
<P><B>Ein normales Leben</B> 
<P>Da die Fluktuation von Lehrern beträchtlich war, gab es in der Schule eine ungeschriebene Regel: Wer am längsten dabei ist, wird Schulleiter. Der Schulleiter führt den Vorsitz bei Konferenzen, hält Vorträge und beaufsichtigt die Freiwilligen, muss sich aber auch um trivialere Dinge kümmern wie Klos putzen, Tische und Stühle reparieren und im Garten das Unkraut jäten. Nach neun Monaten wurde Li Schulleiter. 
<P>Als Li die Einheimischen besser kennen lernte, stellte er fest, dass sie nicht viel Ahnung von Hygiene hatten. Durch die Erkenntnis erwachte der Arzt in ihm, und er fing damit an, Familien und Kinder anzuweisen, sich die Zähne zu putzen und die Hände zu waschen. Überdies leistete er gratis Freiwilligendienst in örtlichen Arztpraxen und wurde bald in dem Bezirk zum Bereitschafts-Notarzt. 
<P>Li, der in diesem Jahr sein 32. Lebensjahr vollendet, unterbrach seine medizinische Laufbahn und diente als Freiwilliger im Ausland. Im siebten Jahr seines Medizinstudiums begann er sein Praxissemester in einem Krankenhaus, stellte jedoch fest, dass ältere Ärzte hinter den Kulissen Ränke schmiedeten und jüngere Ärzte schlecht behandelten, fast so wie in einer populären Klinik-Seifenoper im taiwanischen Fernsehen. 
<P>Der schlechte Umgang befremdete Li, und er beschloss, seine feste Stelle aufzugeben. Bald stieß er indes auf ein weiteres Problem. „Es ist sehr schwierig für Ärzte, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben, außerhalb von Krankenhäusern eine Anstellung zu finden“, enthüllt Li. Er bewarb sich um nicht-medizinische Jobs in vielen gemeinnützigen Organisationen, bekam aber kein Jobangebot. Nachdem er ein Jahr arbeitslos gewesen war, nahm er wieder eine Stelle in einem Krankenhaus an, und seine Familienmitglieder atmeten erleichtert auf, da sie glaubten, er verhalte sich endlich „normal“. 
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<IMG alt="Arzt in Taiwan, Lehrer in Peru-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p28.jpg" MMOID="221840">
<P>Das beste Mittel für internationale Freiwillige, Stress abzubauen, ist der Anblick der lächelnden Kinder. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Aquarius Publishing)</P></DIV>
<P>Allerdings steigerten die neuen Erlebnisse im medizinischen Beruf nur seine Angst. „Ich fragte mich, ,werde ich in 10 Jahren so sein?‘“ bekennt er. 
<P>Als er an einem Tag spätabends aus Zeitmangel das Abendessen hatte auslassen müssen, rief seine Mutter an. „Du hast noch nichts gegessen?“ fragte sie. „Du musst [am Tag] drei Mahlzeiten bekommen.“ Die Emotionen, die Li so lange unterdrückt hatte, brachen sich plötzlich Bahn. „Das ist das ,normale‘ Leben, das du für mich wolltest!“ raunzte er. An jenem Abend, als er sich schlaflos im Bett herumwälzte, fasste er den Plan, seine zweite feste Stelle als Arzt zu verlassen. Er beschloss zu reisen, sich selbst zu finden, nach etwas zu suchen, wofür er Leidenschaft empfand. 
<P>Schließlich entschied Li, dass er, wenn er ins Ausland ginge und „Spaß hätte“, er für diese Zeit auch echte Ergebnisse vorzuweisen haben wollte. In den über drei Monaten, während der er Informationen über Gelegenheiten zu internationaler Freiwilligenarbeit sammelte, kam er zu dem Schluss, dass seine Freiwilligenerfahrung ein Fremdsprachenstudium und intensiven Kontakt mit Einheimischen umfassen sollte. Als Li auf ein Foto der Inka-Ruinen von Machu Picchu in Peru stieß, packte ihn die plötzliche Sehnsucht, die Stätte zu besichtigen. Er erkundigte sich nach Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit in dem Land und erkannte, dass er gleichzeitig sich als Englischlehrer betätigen, Spanisch lernen und mit jungen Kindern zu tun haben könne. So erkor er Peru zu seinem Reiseziel. 
<P>„Hab ein Jahr lang Spaß, dann komm zurück und sei ein guter Arzt“, ermahnte ihn sein Vater am Flughafen, nach wie vor in der Hoffnung, der Filius würde heimkehren und seine ursprüngliche Laufbahn verfolgen. „Ich will nicht wiederkommen, um Arzt zu sein“, entgegnete Li junior. 
<P>Kurz nachdem Li Freiwilliger bei TNT wurde, kehrte der Gründer der Organisation nach Großbritannien zurück. TNT setzte seine Arbeit fort, doch die freiwilligen Mitarbeiter stellten fest, dass der Gründer Finanzen, die man für die Sprachenschule gesammelt hatte, zurück nach Großbritannien überwiesen hatte. Dass die Freiwilligen über das fehlende Geld nicht erfreut waren, braucht man kaum zu betonen. Als sie sich die Finanzen und Verwaltungsunterlagen der Organisation näher anschauten, entdeckten sie weitere Unregelmäßigkeiten. So war TNT zum Beispiel als Reisebüro registriert und nicht als offizielle NGO. </P>
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<IMG alt="Arzt in Taiwan, Lehrer in Peru-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p29.jpg" MMOID="221841">
<P>Intensives Spendensammeln ist von entscheidender Bedeutung dafür, dass HOOP langfristig überleben kann. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Aquarius Publishing)</P></DIV>
<P><B>Kalligraphie und Träume</B> 
<P>Im Jahr 2012 verließen Li und mehrere andere dienstältere Freiwillige TNT und gründeten HOOP. Die Gruppierung bietet Flora Tristan Gemeinde-Dienstleistungen, welche Bildung, Familien und Gesundheit stärken sollen. Den HOOP-Aktivisten wurde jedoch klar, dass ausgiebiges Spendensammeln erforderlich sei, sollte HOOP langfristig überleben. Li ging sogar so weit, mit seiner eigenen ungelenken Kalligraphie Geld aufzutreiben — für 2 Nuevo Sols (0,51 Euro) schrieb er den Namen einer Person in chinesischen Schriftzeichen. Schließlich kamen in vier Stunden etwa 231 Nuevo Sols (59 Euro) zusammen, ein Betrag, der ungefähr den Lebenserhaltungskosten für einen Monat in Flora Tristan entsprach. Wenn ihn später Taiwaner fragten, wie man sich in Peru den Lebensunterhalt verdienen könne, antwortete er stets spaßeshalber, „einfach Kalligraphie schreiben“. 
<P>Li grübelte unablässig darüber nach, ob die Arbeit von HOOP wirklich etwas im Leben der Kinder veränderte. Um dieses Ideal zu erreichen, beschlossen er und die anderen Freiwilligen, ein Stipendium zu finanzieren, durch das ein einheimischer Schüler mit gutem Charakter und akademischen Leistungen eine gute Privatschule besuchen konnte. „Diese Welt ist es wert, dass man Träume hat“, kommentiert Li den Beschluss, einem peruanischen Kind eine solche lebensverändernde Gelegenheit zu bieten. 
<P>Das Außenministerium und der Dokumentarfilmer Wu Yi-feng produzierten gemeinschaftlich <I>Team Taiwan</I>, einen Dokumentarfilm, der die Begeisterung vermittelt, welche taiwanische Freiwillige dafür empfinden, Bedürftigen in drei Kontinenten zu helfen. Wu reiste nach Peru und filmte dort HOOPs „Team Taiwan“ bei der Arbeit. In dem Streifen sagt eine Schülerin namens Brigitte, die das Stipendium erhielt, „ich möchte die Chance für eine andere Zukunft haben“, und ihre Augen füllen sich mit Tränen, noch bevor sie den Satz zu Ende gesprochen hat. Für sie ist Bildung keine Verpflichtung, sondern eine Rettungsleine, die ihr dabei hilft, einer Existenz in Armut zu entkommen. 
<P>Während seiner Zeit in Flora Tristan wurde Li klar, dass er mehr Erfahrung und Kenntnisse brauchte, um aus seinen beiden Leidenschaften der internationalen Medizin und NGOs eine berufliche Laufbahn zu machen. Er bewarb sich um Zulassung zu einem Graduiertenprogramm in der Abteilung für Globale Gesundheit der University of Washington in Seattle. Zur Zeit studiert er dort und hofft nach dem Examen auf eine Tätigkeit im Bereich Gesundheitsfragen bei Katastrophenhilfe, internationale Hilfe und Flüchtlingshilfe. Daneben blieb ihm noch die Zeit, in dem chinesischsprachigen Buch <I>Wo Zorn war: Ich fand innere Klarheit in einem Bergdorf</I> (本來是憤青：追尋內心的明日山城) über seine Reise und Selbsterfahrung in Peru zu schreiben. 
<P>Lis nächste Etappe? „Zentralafrika, Süd- oder Zentralasien, sogar Haiti wären Möglichkeiten“, spekuliert er. Die Zukunft wird es zeigen, doch die Seele eines Reisenden und die Seele eines Arztes werden offenbar wieder einmal rastlos. 
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B><BR>_______________________________<BR><I>Dieser Artikel erschien ursprünglich in</I> Taiwan Panorama.]]></description></item></channel></rss>