<?xml version="1.0"?><rss version="2.0"><channel><title><![CDATA[Taiwan heute - Kultur]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/]]></link><description><![CDATA[RSS]]></description><language><![CDATA[Deutsch]]></language><image><title><![CDATA[Taiwan heute - Kultur]]></title><url><![CDATA[https://taiwanheute.tw/images/logo.jpg]]></url><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/]]></link></image><item><title><![CDATA[NMTL belebt Interesse an taiwanesischer Literatur]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/171483/NMTL-belebt-Interesse-an-taiwanesischer-Literatur]]></link><guid>171483</guid><pubDate>2020/02/15</pubDate><description><![CDATA[Das Nationalmuseum f&uuml;r taiwanesische Literatur (NMTL)&nbsp;begeistert viele neue Fans f&uuml;r die Werke einheimischer Autoren.<br />
<br />
Das 2003 gegr&uuml;ndete und in Tainan City in S&uuml;dtaiwan ans&auml;ssige NMTL widmet sich nicht nur dem Sammeln, Ausstellen, Restaurieren, Bewahren und Erforschen des literarischen Erbes des Landes, sondern stellt auch sicher, dass lokale Werke ein breiteres Publikum erreichen. Zu diesem Zweck besteht eines der neuen Ziele von NTML darin, Sprachbarrieren zu &uuml;berwinden, mit denen die Literatur des Landes beim Eintritt in neue M&auml;rkte konfrontiert ist.<br />
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&bdquo;Unsere Hauptaufgabe ist es, lokale Autoren auf der globalen B&uuml;hne zu f&ouml;rdern&quot;, sagte NMTL-Direktorin Su Shuo-bin. &bdquo;&Uuml;bersetzungen von Werken einheimischer Autoren erweitern nicht nur die Reichweite der taiwanesischen Literatur, sondern bieten auch Lehrmittel f&uuml;r diejenigen, die sich f&uuml;r das Thema begeistern&quot;, f&uuml;gte er hinzu.<br />
&nbsp;<br />
Bis heute hat das Museum mehr als 110 hochwertige &Uuml;bersetzungen in Sprachen wie Tschechisch, Englisch, Franz&ouml;sisch, Deutsch, Japanisch, Koreanisch und Spanisch erstellt. Zu den prominenten Autoren, deren Werke &uuml;bersetzt wurden, geh&ouml;ren Badai, Chi Pang-Yuan, Li Ang und Pai Hsien-Yung.<br />
&nbsp;<br />
Im vergangenen Jahr wurde der Neue Talent Preis zur j&auml;hrlichen Verleihung des Taiwan Literatur Preises (Taiwan Literature Award) hinzugef&uuml;gt, um junge und aufstrebende lokale Schriftsteller mit einem Preisgeld von insgesamt 3,4 Mio. NT $ (111.475 US $) zu ermutigen. Die Gewinner wurden sp&auml;ter auf Buchmessen in Taipeh, Taichung und Tainan vorgestellt.<br />
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&bdquo;Die eingereichten Arbeiten spiegeln die wachsende Vielfalt an Stil und Themen in der taiwanesischen Literatur wider, sei es Fantasie, Feminismus, Mysterium, Romantik, Science-Fiction oder Thriller&quot;, sagte Su. Er sei froh, dass immer mehr Menschen in ihrer Muttersprache schreiben.<br />
&nbsp;<br />
Laut Su bestehe eine weitere Aufgabe des NMTL darin, die literarische Welt mit den Film-, TV-Show- und Videospielbranchen zu verbinden. Die Verleihung des Literaturpreises wird zum Beispiel vom Museum zusammen mit einer Networking-Veranstaltung ausgerichtet, die den Gewinnern die M&ouml;glichkeit bietet, sich mit F&uuml;hrungskr&auml;ften und Branchenkennern zu treffen und die Wahrscheinlichkeit zu erh&ouml;hen, dass ihre Werke zum n&auml;chsten Page-to-Screen Crossover-Hit werden.<br />
&nbsp;<br />
Die Einnahmen aus Finanzierungskampagnen und Verfilmungen sichern den Schriftstellern des Landes eine gesunde Zukunft, sagte Su. &bdquo;Dieses Erbe wird nur weiter wachsen, wenn immer mehr Werke in andere Sprachen &uuml;bersetzt werden und die taiwanesische Literatur ihren rechtm&auml;&szlig;igen Platz in der Vorstellungskraft der Welt einnimmt&quot;, f&uuml;gte er hinzu.&nbsp;]]></description></item><item><title><![CDATA[Gestichelte Schönheit]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101634/Gestichelte-Sch%C3%B6nheit]]></link><guid>101634</guid><pubDate>2015/09/04</pubDate><description><![CDATA[<p>Manchmal beginnt der Weg zum k&uuml;nstlerischen Schaffen mit einer beil&auml;ufigen Bemerkung. So begab es sich bei Lin Hsin-chen, die es bei der Quilt-Kunst zu Meisterschaft gebracht hat. &bdquo;Mein Ehemann kann gut mit Nadel und Faden umgehen&ldquo;, erz&auml;hlt Lin von einem peinlichen Augenblick vor 28 Jahren. &bdquo;Einmal machte er sich &uuml;ber mich lustig, weil ich noch nicht mal wusste, wie man einen Knopf ann&auml;ht.&ldquo; Die Stichelei des Gatten veranlasste sie, ihre N&auml;h-Fertigkeiten zu perfektionieren, was sie wiederum dazu brachte, es mit Patchwork zu versuchen und dann die Quilt-Kunst zu erkunden. Im Jahr 2004 wurde eine ihrer Kreationen erstmals im Ausland ausgestellt, an der Indiana University of Pennsylvania in den USA. Die K&uuml;nstlerin betrachtet dies als Wendepunkt f&uuml;r sie in der Welt der Quilt-Kunst. Drei Jahre sp&auml;ter gr&uuml;ndete Lin in der s&uuml;dtaiwanischen Stadt Tainan die Kunstquilt-Gesellschaft Taiwan (<em>Taiwan Art Quilt Society</em>, TAQS), ein Meilenstein bei der Entwicklung der Kunstform im Inland.</p>

<p>Die Herstellung von Patchwork-Accessoires wie Handtaschen und Geldb&ouml;rsen ist seit langem ein beliebtes Hobby in Taiwan, besonders bei Frauen. Die ersten Schritte unternehmen viele, indem sie ein Buch &uuml;ber das Kunsthandwerk lesen oder einschl&auml;gige Kurse besuchen. Lin lernte Patchwork autodidaktisch und las dazu westliche Publikationen, auch wenn das meiste verf&uuml;gbare Lehrmaterial in Taiwan von japanischen Fachleuten verfasst worden war. &bdquo;Durch diese B&uuml;cher haben japanische Kunsthandwerker eine entscheidende Rolle dabei gespielt, vielen Interessierten in Taiwan dabei zu helfen, ihr K&ouml;nnen beim Patchwork zu verfeinern&ldquo;, meint Lin. &bdquo;Allerdings ging der japanische Einfluss nicht wirklich dar&uuml;ber hinaus.&ldquo;</p>

<div class="pic left"><img alt="&lt;em&gt;Neid&lt;/em&gt; (2014). 102 × 79 cm, von Chuang Huei-lan. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20220804114537650.jpg" />
<p><em>Neid</em> (2014). 102 &times; 79 cm, von Chuang Huei-lan. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)</p>
</div>

<p>Yeh Mei-hua kam 1993 mit der Herstellung von Patchwork-Accessoires in Ber&uuml;hrung, als sie an Kursen in der zentraltaiwanischen Stadt Taichung teilnahm. Drei Jahre sp&auml;ter er&ouml;ffnete sie in der Stadt ihr eigenes Atelier und begann, Anf&auml;ngern Unterricht zu erteilen. Sie hatte jedoch noch nie Quilt-Kunst zu Gesicht bekommen, bis sie die erste internationale Quilt-Ausstellung Taiwan besuchte, die 2009 von der TAQS in Tainan organisiert wurde. &bdquo;Ich war &uuml;berw&auml;ltigt&ldquo;, beschreibt die 48-J&auml;hrige ihren Eindruck von den Exponaten bei der Ausstellung. &bdquo;Ich hatte nicht geahnt, dass Patchwork dieses k&uuml;nstlerische Niveau erreichen konnte. Was ich bei der Ausstellung zu sehen bekam, war v&ouml;llig anders als das, was ich machte.&ldquo;</p>

<p>&bdquo;Bei der Herstellung einer Handtasche geht es ausschlie&szlig;lich darum, ein toll aussehendes Patchwork-Design mit geometrischen Mustern anzufertigen, doch bei der Quilt-Kunst spielen die Seele und der Geist des K&uuml;nstlers eine zentrale Rolle&ldquo;, definiert die Quilt-K&uuml;nstlerin Chen Chin-luan. &bdquo;Es dreht sich darum, die eigenen Gef&uuml;hle auszudr&uuml;cken, wenn man alleine mit der Nadelarbeit dasitzt.&ldquo; Chen f&uuml;gt hinzu, dass sie sich besonders ruhig f&uuml;hlt, wenn sie an einem St&uuml;ck arbeitet.</p>

<p>Ohne Zweifel hat die TAQS der Quilt-Kunst in Taiwan gro&szlig;en Auftrieb gegeben. Die Organisation entstand aus einem Patchwork-Kurs, den Lin seit dem Jahr 2000 an einer Volkshochschule in Tainan erteilt, und die TAQS hat heute &uuml;ber 60 Mitglieder im ganzen Land (nur eines von ihnen m&auml;nnlichen Geschlechts). Die Gruppe dient als Forum f&uuml;r diese Liebhaber der Quilt-Kunst, die sich regelm&auml;&szlig;ig treffen, um gegenseitig ihre Kreationen zu begutachten. Noch wichtiger ist, dass TAQS Veranstaltungen organisiert wie die internationale Quilt-Ausstellung Taiwan, die nicht nur den Horizont der einheimischen K&uuml;nstler erweitern soll, sondern auch die Talente aus dem Inland der Welt vorstellt. Bislang hat die TAQS diese Ausstellung zweimal ausgerichtet, n&auml;mlich 2009 und 2012. Die dritte Ausstellung ist f&uuml;r M&auml;rz 2016 vorgesehen und soll unter dem Motto &bdquo;Umweltschutz&ldquo; stehen. Die TAQS hat bereits begonnen, Arbeiten aus dem In- und Ausland zu sammeln, die vor November dieses Jahres den Veranstaltern vorgelegt werden m&uuml;ssen, um bei der Ausstellung dabei sein zu k&ouml;nnen.</p>

<p>&bdquo;Bei dem Ablauf, Quilt-Kunst zu schaffen, gibt es viele &Uuml;berraschungen&ldquo;, enth&uuml;llt Chuang Huei-lan, die 2002 erst mit Patchwork und sp&auml;ter mit der Quilt-Kunst anfing, nachdem sie als Lehrerin in den Ruhestand getreten war. &bdquo;Wenn ich Stofffetzen mit unterschiedlichen Mustern und Farben zusammensetze, k&ouml;nnen die Ergebnisse sehr interessant und &uuml;berraschend sein.&ldquo; Die internationale Ausstellung von TAQS f&uuml;hrte sogar zu noch mehr &Uuml;berraschungen: &bdquo;K&uuml;nstler aus dem Westen sorgen f&uuml;r viel Inspiration&ldquo;, lobt sie. &bdquo;Sie sind so k&uuml;hn und frei mit ihren k&uuml;nstlerischen Kreationen, und sie verwenden bei ihrer Arbeit ein gro&szlig;es Spektrum von Materialien.&ldquo;</p>

<div class="pic left"><img alt="Das ursprüngliche Design von &lt;em&gt;Unschuldige Glückseligkeit&lt;/em&gt; (2013) wurde von Lin Hsin-chen aus Taiwan gestaltet. Danach arbeiteten Keiko Morita aus Japan und Park So-young aus Südkorea an dem Quilt mit den Abmessungen 114 × 86 cm. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20220804114611355.jpg" />
<p>Das urspr&uuml;ngliche Design von <em>Unschuldige Gl&uuml;ckseligkeit</em> (2013) wurde von Lin Hsin-chen aus Taiwan gestaltet. Danach arbeiteten Keiko Morita aus Japan und Park So-young aus S&uuml;dkorea an dem Quilt mit den Abmessungen 114 &times; 86 cm. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)</p>
</div>

<p>Gleichzeitig hat sich die TAQS-Ausstellung nach und nach im Ausland einen Namen gemacht. W&auml;hrend sich die erste und die zweite Ausstellung auf einzelne K&uuml;nstlerinnen und K&uuml;nstler konzentrierten, werden bei der dritten Gruppenbeitr&auml;ge von nationalen Quilt-Organisationen aus aller Welt im Mittelpunkt stehen, und viele von ihnen werden Kunstwerke schicken, die von ihren bekanntesten Mitgliedern geschaffen wurden. Laut Lin hatten sich bis Mai dieses Jahres bereits Organisationen aus 12 L&auml;ndern f&uuml;r die Ausstellung im kommenden Jahr angemeldet.</p>

<p>Lins Ruf ist sicherlich hilfreich dabei, die Aufmerksamkeit internationaler Quilt-K&uuml;nstler auf die Ausstellung zu lenken. Die K&uuml;nstlerin z&auml;hlt zu den 16 taiwanischen Mitgliedern von Studio Art Quilt Associates, einer der angesehensten Quilt-Gruppen der Welt mit Sitz in Storrs (Connecticut, USA). Au&szlig;erdem ist sie die einzige K&uuml;nstlerin aus Taiwan, die zur Ausstellung &bdquo;Quilt National&ldquo; eingeladen wurde, die alle zwei Jahre in Ohio stattfindet und als eine der gr&ouml;&szlig;ten und wichtigsten Ereignisse ihrer Art gilt.</p>

<p>TAQS organisiert daneben die Ausstellung &bdquo;Horizons of Art Quilts&ldquo;, eine f&uuml;r taiwanische K&uuml;nstler vorbehaltene Ausstellung. Diese fand erstmals 2010 in Tainan statt, die zweite ging 2011 auf Schaupl&auml;tzen in Taichung und Tainan &uuml;ber die B&uuml;hne. Zwar pausierte die Ausstellung 2012 und 2013, erfuhr jedoch im vergangenen Jahr als Wanderausstellung ein Comeback. Dabei wurden vier Schaupl&auml;tze im ganzen Land besucht, darunter das Mode-Institut Taipeh, eine multifunktionale Einrichtung, die vom Textilverband Taiwan &mdash; einer Gewerbevereinigung mit staatlicher Finanzierung &mdash; betrieben wird. Die Ausstellung von 2014 zeigte 51 Quilts und war auch deswegen bedeutsam, weil sie mit einer Schau verbunden wurde, die Objekte vom Round Robin Quilt Creative Project vorf&uuml;hrte, einem internationalen Programm f&uuml;r die Schaffung von Gemeinschaftsarbeiten. Die gemeinsame Ausstellung erwies sich als so popul&auml;r, dass TAQS sie ins Jahr 2015 ausdehnte und dem Tourneeplan vier weitere Stationen hinzuf&uuml;gte.</p>

<p>Nach Lins Worten war das Round Robin Quilt Creative Project, das gleichfalls von TAQS organisiert wurde, in der Welt der Quilt-Kunst eine Neuheit. Je zwanzig K&uuml;nstlerinnen und K&uuml;nstler wurden aus drei L&auml;ndern ausgew&auml;hlt &mdash; Taiwan, Japan und S&uuml;dkorea. Jeder dieser 60 K&uuml;nstler initiierte einen Quilt und legte auch das Thema f&uuml;r die Arbeit fest. Das St&uuml;ck wurde dann an je einen Quilt-K&uuml;nstler in den beiden anderen L&auml;ndern weitergeschickt, welche die Arbeit an dem St&uuml;ck fortsetzten. Der Initiator jedes Quilt hatte dann das letzte Wort dar&uuml;ber, wie das St&uuml;ck am Schluss aussehen sollte, und blieb &uuml;berdies im Besitz der Eigentumsrechte an dem vollendeten Objekt. Lin hatte die Idee 2011 an TAQS-Schwesterorganisationen in Japan und S&uuml;dkorea &uuml;bermittelt, im Jahr darauf nahmen die K&uuml;nstlerinnen und K&uuml;nstler die Arbeit an ihren Quilts auf. Bis 2013 waren alle 60 Quilts fertig.</p>

<p>&bdquo;Das Projekt war durchf&uuml;hrbar, weil die drei L&auml;nder viele kulturelle Merkmale gemeinsam haben&ldquo;, meint Lin. Ein Beispiel ist <em>Whirlpool</em>, ein von Chang Su-ping in Taiwan initiierter Quilt. Das St&uuml;ck besteht aus Indigo-gef&auml;rbtem Stoff, und diese traditionelle Handwerkstechnik ist in allen drei L&auml;ndern bekannt. Die Vermischung ostasiatischer &Auml;sthetik hatte oft aufregend unerwartete Resultate zur Folge, berichtet Lin. Sie vermerkt jedoch, dass manche Quiltk&uuml;nstler im Westen von der Idee weniger angetan waren, da es ihnen laut Lin nicht passte, dass andere K&uuml;nstler bei ihren Kreationen mitzureden hatten. Dennoch ist Lin hinsichtlich k&uuml;nftiger Kooperationsprojekte optimistisch. &bdquo;Durch dieses Programm wollte ich au&szlig;erdem die Botschaft &uuml;bermitteln, dass TAQS im Rahmen ihrer Bem&uuml;hungen, global aktiv zu sein, bereit w&auml;re, auch mit K&uuml;nstlern anderswo in der Welt zu arbeiten&ldquo;, begr&uuml;ndet sie.</p>

<p>In jedem Fall lassen taiwanische K&uuml;nstler in der Regel typisch lokale Elemente in ihre Werke einflie&szlig;en, ob die Objekte nun als Teil kooperativer Anstrengungen entstehen oder als Solo-St&uuml;cke. In dem Quilt <em>Unschuldige Gl&uuml;ckseligkeit</em>, der aus dem Round Robin Quilt Creative Project hervorging, verwendete Lin ein St&uuml;ck Stoff mit einem Motiv des historischen Fort Zeelandia in Tainan. Das Werk <em>Mu&szlig;e</em>, ein Individualwerk von der TAQS-Pr&auml;sidentin Lin Mei-hui, besteht wiederum zum Teil aus traditionellem taiwanischen Stoff mit P&auml;onien-Blumenmuster, und es wurde 2013 beim Internationalen Quilt- und Faser-Festival der Jurys und Juroren, welches das La Conner Quilt and Textile Museum im US-amerikanischen Bundesstaat Washington organisiert hatte, mit dem Juroren-Preis ausgezeichnet.</p>

<div class="pic left"><img alt="&lt;em&gt;Muße &lt;/em&gt;(2012). 90 × 74 cm, von Lin Mei-hui.(Huang Chung-hsin)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20220804114628079.jpg" />
<p><em>Mu&szlig;e </em>(2012). 90 &times; 74 cm, von Lin Mei-hui.(Huang Chung-hsin)</p>
</div>

<p>Quilt-Macher schenken der Art von Textilien, die in einem Werk verarbeitet werden, sorgf&auml;ltige Aufmerksamkeit und achten nicht nur auf die darauf gedruckten Muster. Lin benutzt f&uuml;r ihre Werke zum Beispiel kein Leinen, weil in Taiwan kein Flachs angebaut wird, w&auml;hrend solcher Stoff von K&uuml;nstlern aus L&auml;ndern mit Flachsanbau wie Japan und S&uuml;dkorea verwendet wird. Chuang Huei-lan denkt dar&uuml;ber nach, zur Herstellung von Werken Stoff von einem <em>Qipao</em> &mdash; einem klassischen chinesischen Etuikleid &mdash; zu benutzen sowie Stoffst&uuml;cke, die ihre verstorbene Mutter und Schwiegermutter hinterlie&szlig;en. &bdquo;Diese Textilien mit einzuarbeiten ist bedeutsam, weil sie einzigartige Verm&auml;chtnisse aus einem bestimmten Zeitabschnitt in der Vergangenheit sind&ldquo;, erl&auml;utert sie. Auf die Frage, ob sie es schade findet, Gew&auml;nder von &auml;lteren Generationen zu zerschneiden, antwortet Chuang mit einem entschiedenen &bdquo;Nein&ldquo; und f&uuml;hrt aus: &bdquo;Meine Nachfahren werden die Klamotten vielleicht eines Tages einfach wegwerfen, doch in meinen Kunstwerken werden die Menschen sie f&uuml;r alle Zeiten bewundern k&ouml;nnen.&ldquo;</p>

<p>In der Tat geht es bei Kunst-Quilts nicht einfach nur um &auml;sthetische Sch&ouml;nheit. Wie die TAQS-Gr&uuml;nderin Lin Hsin-chen feststellt, reflektieren sie auch Geschichte und das gemeinsame Ged&auml;chtnis eines Ortes. &bdquo;Nadelarbeit wird in der modernen Gesellschaft eigentlich gr&ouml;&szlig;tenteils ignoriert&ldquo;, urteilt sie, w&auml;hrend sie Stich f&uuml;r Stich an einem Quilt mit Taglilien-Motiv die letzten Details vollendet. &bdquo;Dabei kann man damit so viel erreichen.&ldquo; Nadelarbeit ist vielleicht heute nicht so beliebt wie in der Vergangenheit, doch dank Enthusiasten wie Lin sieht es so aus, als ob Quilt-Kunst in Taiwan bestimmt mehr Aufmerksamkeit wird erregen k&ouml;nnen und auf der Weltb&uuml;hne immer besser wahrnehmbar wird.</p>

<p>&mdash;Deutsch von Tilman Aretz<br />
&mdash;Quelle: Taiwan Review, 07/01/2015 (Juli 2015, S. 12-17)<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>

<div class="pic left"><img alt="&lt;em&gt;Kontakt&lt;/em&gt; (2014). 105 × 76 cm, von Yeh Mei-hua. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20220804114644295.jpg" />
<p><em>Kontakt</em> (2014). 105 &times; 76 cm, von Yeh Mei-hua. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)</p>
</div>

<div class="pic left"><img alt="&lt;em&gt;Wieder zu Hause &lt;/em&gt;(2014). 110 × 79 cm, von Chen Chin-luan. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20220804114654375.jpg" />
<p><em>Wieder zu Hause </em>(2014). 110 &times; 79 cm, von Chen Chin-luan. (Foto mit freundlicher Genehmigung von TAQS)</p>
</div>]]></description></item><item><title><![CDATA[Verbindung mit der Welt — Die Kunst des Kang Muxiang]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101633/Verbindung-mit-der-Welt-%E2%80%94-Die-Kunst-des-Kang-Muxiang]]></link><guid>101633</guid><pubDate>2015/07/17</pubDate><description><![CDATA[<p>Die Stadt Karlsruhe in Baden-W&uuml;rttemberg, Sitz des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs, feiert im August 2015 ihren 300. Geburtstag. Zu dem Anlass wird unter anderem ein Kunstwerk des bekannten taiwanischen Bildhauers Kang Muxiang ausgestellt.</p>

<p>Der aus der Gemeinde Sanyi im nordtaiwanischen Landkreis Miaoli stammende K&uuml;nstler widmete sein Leben der Schaffung von Kunstwerken aus Treibholz. F&uuml;r die Arbeit an einem Objekt mit asiatischem Schwerpunkt, das der Stadt Karlsruhe zum Geschenk gemacht werden sollte, wandte er sich der Herausforderung eines neuen Materials zu und verwendete Stahlseile, die bei der Herstellung der Fahrst&uuml;hle im Wolkenkratzer Taipei 101 &uuml;brig geblieben waren.</p>

<p>Das Mammut-Kunstwerk ist etwa drei Meter hoch und wiegt &uuml;ber drei Tonnen. Die sanften, leichten Linien, welche die Form kennzeichnen, stehen im Gegensatz zu der bedrohlichen K&auml;lte des Stahls. Es besitzt eine ausgewogene Sch&ouml;nheit, irgendwo zwischen Aggression und Ruhe, Neu und Alt. Kang verlieh dem Werk den Titel <em>W&uuml;nsche aus Taiwan</em>, und das St&uuml;ck ist das letzte Exemplar in seiner &bdquo;Leben&ldquo;-Reihe. Eingebettet in die Arbeit ist ein orientalisches Ornament, ein <em>ruyi</em>-Bild, das Gl&uuml;ck bringt und Karlsruhe Segensw&uuml;nsche &uuml;bermittelt.</p>

<p>&bdquo;Bei den Deutschen gibt es eine starke Betonung auf erneuerbare Ressourcen und Umweltschutz, deswegen passt dieses Werk hervorragend zu dem Geist unserer Nation&ldquo;, kommentierte Dr. Roland Wein, gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Direktor des Deutschen Wirtschaftsb&uuml;ros (DWB) in Taipeh, der gro&szlig;e Bewunderung f&uuml;r Kangs Kunst zum Ausdruck brachte. Kangs Arbeiten, die moderne Materialien mit einem traditionellen Bild vereinigen und weggeworfenen Stahlseilen neues Leben einhauchen, tragen dazu bei, eine Br&uuml;cke des guten Willens zwischen Taiwan und Deutschland zu schlagen.</p>

<div class="pic left"><img alt="Die „Leben“-Reihe wurde Kangs repräsentatives Werk. In sanften Konturen wurde hier das Verhältnis zwischen Mutter und Baby dargestellt. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20240624100740219.jpg" />
<p>Die &bdquo;Leben&ldquo;-Reihe wurde Kangs repr&auml;sentatives Werk. In sanften Konturen wurde hier das Verh&auml;ltnis zwischen Mutter und Baby dargestellt. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)</p>
</div>

<p><strong>Von der Natur lernen</strong></p>

<p>Der 54-j&auml;hrige Kang gilt als einzigartiger einheimischer K&uuml;nstler. Zwar erlernte er in seiner Jugend traditionelle Holzschnitzfertigkeiten, doch vermochte er unorthodox zu denken, um seinen eigenen Kunststil zu entwickeln.</p>

<p>&bdquo;Seit meiner Jugend hatte ich immer den klaren Gedanken, dass meine Arbeiten anders sein sollten&rdquo;, erz&auml;hlt Kang. Jeder geschickte Holzschnitzer kann Werke gem&auml;&szlig; den W&uuml;nschen der Kunden herstellen. Figuren des Gottes Guan Gong zum Beispiel haben immer einen langen Bart und ein Schwert. &bdquo;So &uuml;berleben Handwerker. Ich wollte jedoch mehr als nur &uuml;berleben &mdash; ich wollte leben!&ldquo;</p>

<p>Das Gewerbe machte w&auml;hrend der neunziger Jahre einen Wandel durch, als viele Holzschnitzer anfingen, sich auf k&uuml;nstlerisches Schaffen anstatt lediglich Produktion zu konzentrieren. Kang vollzog den Kurswechsel fr&uuml;her als die meisten seiner Kollegen, deswegen wurden seine Arbeiten bereits in Ausstellungen in S&uuml;damerika, S&uuml;dostasien und Japan popul&auml;r. Als sein kreativer Impuls in diese Richtung zu jener Zeit an seine Grenzen zu sto&szlig;en schien, ergab sich f&uuml;r ihn gl&uuml;cklicherweise eine neue Gelegenheit.</p>

<p>Im Jahr 2002 hatten sich nach mehreren Taifunen, die durch die Region gezogen waren, enorme Mengen Treibholz an Taiwans Nordostk&uuml;ste und am Strand der Guishan-Insel angesammelt. Die Verwaltung des Nationalen Landschaftsgebietes Nordostk&uuml;ste entwickelte eine f&uuml;r alle Beteiligten vorteilhafte Strategie, das Problem zu bew&auml;ltigen, und konnte auf diese Weise riesige Ausgaben f&uuml;r Aufr&auml;umarbeiten vermeiden &mdash; es wurden mehrere K&uuml;nstler eingeladen, das Treibholz als Material f&uuml;r ihre Kunstwerke zu verwenden.</p>

<div class="pic left"><img alt="Sein wallendes graues Haar und der Rauschebart sind besondere Markenzeichen von Kang geworden. Hinter dem imposanten, kantigen Äußeren verbirgt sich allerdings eine sensible und sanfte Seele. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20240624100750280.jpg" />
<p>Sein wallendes graues Haar und der Rauschebart sind besondere Markenzeichen von Kang geworden. Hinter dem imposanten, kantigen &Auml;u&szlig;eren verbirgt sich allerdings eine sensible und sanfte Seele. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)</p>
</div>

<p>Kang z&auml;hlte zu denen, die f&uuml;r diese Aufgabe ausgew&auml;hlt wurden, deswegen zog er auf die gut 9 Kilometer vor Yilan an Taiwans Ostk&uuml;ste gelegene vulkanische Guishan-Insel, auf der seit 1977 keine permanente Bev&ouml;lkerung mehr angesiedelt ist, um Kunst aus Abfall zu schaffen.</p>

<p>&bdquo;Als ich auf der Insel lebte, konnte ich wirklich die Natur aus der N&auml;he beobachten&ldquo;, berichtet Kang. W&auml;hrend er in seiner entlegenen Einsiedelei Tag f&uuml;r Tag die Sterne am Nachthimmel und das Universum betrachtete und dem Rauschen der Meeresbrandung lauschte, wurde er gewahr, wie unbedeutend und kurz das Leben verglichen mit den Ewigkeiten der Natur ist. Seine Erfahrung w&auml;hrend der einj&auml;hrigen Abgeschiedenheit auf der Insel wurde ein wichtiger Quell der Inspiration f&uuml;r seine k&uuml;nftige kreative Arbeit.</p>

<p>&bdquo;Jedes St&uuml;ck Treibholz war einstmals ein Baum, der f&uuml;r Jahrzehnte oder Jahrhunderte in den Bergen gewachsen war, am Ende von St&uuml;rmen fortgerissen und von Fl&uuml;ssen ins Meer gesp&uuml;lt wurde und schlie&szlig;lich auf meiner Insel landete&ldquo;, sinnierte Kang. &bdquo;Es muss ein besonderes Schicksal sein, welches das Treibholz und mich zusammenf&uuml;hrte.&ldquo; Er hatte mit seiner t&auml;glichen Arbeit so viel zu tun, dass er manchmal verga&szlig; zu essen, und das Jahr war schnell vor&uuml;ber, ehe er sich&rsquo;s versah.</p>

<div class="pic left"><img alt="Im Verlauf der Perfektionierung seiner Kunst aus Stahlseilen arbeitet Kang häufig ohne Schweißerschutzbrille, infolgedessen haben seine Augen gelitten. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20240624100759973.jpg" />
<p>Im Verlauf der Perfektionierung seiner Kunst aus Stahlseilen arbeitet Kang h&auml;ufig ohne Schwei&szlig;erschutzbrille, infolgedessen haben seine Augen gelitten. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)</p>
</div>

<p><strong>Unbegrenztes Leben</strong></p>

<p>Durch die Erfahrung des Lebens auf der Insel inspiriert, schuf Kang eine Reihe von Kunstwerken mit dem Titel &bdquo;Leben&ldquo;, die seine repr&auml;sentativsten aktuellen Arbeiten geworden sind.</p>

<p>Die Themen der &bdquo;Leben&ldquo;-Serie sind sehr breit angelegt. Eines der Werke zeigt eine f&uuml;llige runde Mutterfigur, die das winzige Baby in ihrem Scho&szlig; umarmt, Symbol f&uuml;r den Ursprung des Lebens. Im Ganzen steht die Figur au&szlig;erdem f&uuml;r die chinesischen Konzepte Yin und Yang und die F&uuml;nf Elemente, und sie reflektiert die Kultivierung der eigenen Pers&ouml;nlichkeit des K&uuml;nstlers &uuml;ber einen langen Zeitraum hinweg im Einklang mit der Natur.</p>

<p>Die &bdquo;Leben&ldquo;-Reihe war die ma&szlig;gebliche Kreation seines Schaffens in diesem Zeitraum und bildet die Grundlage f&uuml;r die bedeutende Sammlung seiner Galerie in Sanyi. Im Jahr 2013 gab es f&uuml;r die &bdquo;Leben&ldquo;-Reihe weiteren Fortschritt durch Zusammenarbeit mit Taipei 101.</p>

<p>Der Wolkenkratzer Taipei 101 ist nicht nur das h&ouml;chste umweltfreundliche Geb&auml;ude der Erde, sondern verf&uuml;gt auch &uuml;ber die weltweit schnellsten Hochgeschwindigkeits-Fahrst&uuml;hle. Die Stahlseile, welche die Aufzugkabinen halten und f&uuml;hren, sind nat&uuml;rlich au&szlig;erordentlich stark, doch nach jahrelanger Belastung und Verschlei&szlig; mussten sie samt und sonders ausgetauscht werden.</p>

<div class="pic left"><img alt="Diese Aufnahme zeigt den Künstler, wie er Stahlseile in die gewünschte Form bringt. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20240624100810536.jpg" />
<p>Diese Aufnahme zeigt den K&uuml;nstler, wie er Stahlseile in die gew&uuml;nschte Form bringt. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Kang Muxiang Museum)</p>
</div>

<p>&bdquo;Wir dachten an mehrere M&ouml;glichkeiten, die Seile wiederzuverwenden, allerdings erwies sich keine davon als praktikabel&ldquo;, bekennt Christina Song, die Vorsitzende von Taipei 101. &bdquo;Wir setzten uns auch mit zahlreichen K&uuml;nstlern in Verbindung und boten ihnen an, die ausrangierten Stahlseile zu benutzen, doch alle meinten, das sei unm&ouml;glich.&ldquo; Dann aber machte ein Freund von Song sie mit Kang bekannt.</p>

<p>Stahlseile bestehen aus Tausenden von d&uuml;nneren Stahldr&auml;hten, die miteinander verflochten werden. Es ist kaum m&ouml;glich, sie zu kr&uuml;mmen, geschweige denn Kunstwerke daraus zu schaffen.</p>

<p>Ein Holzschnitzer schickte sich an, das Unm&ouml;gliche zu wagen &mdash; Kunst aus Stahlseilen zu erzeugen! &bdquo;Alle dachten, ich sei &uuml;bergeschnappt, aber ich wollte es einfach versuchen&ldquo;, kommentiert Kang. &bdquo;Wenn ich nicht ein bisschen verr&uuml;ckt w&auml;re, wie k&ouml;nnte ich dann ein K&uuml;nstler sein?&ldquo; Diese wunderbar starken Stahlseile hatten 6,6 Millionen Besucher getragen, deswegen schienen Millionen von Leben in ihre Windungen gewickelt. Kang war inspiriert. &bdquo;Das Treibholz wurde recht knapp und teurer, daher fand ich, es sei ohnehin Zeit, ein neues Material auszuprobieren.&ldquo;</p>

<p>Der K&uuml;nstler und seine Assistenten arbeiteten sehr hart, um ihre gewaltige Aufgabe in 18 Monaten zu vollenden. Kang litt an Muskelbelastung und Verbrennungen, auch hatte er mit Augenverletzungen zu k&auml;mpfen, weil er lange Zeit mit einem Schwei&szlig;ger&auml;t hantieren musste. &bdquo;Es hat sich aber gelohnt&ldquo;, behauptet er. &bdquo;Ich gebe mein kurzes schlichtes Leben f&uuml;r ein St&uuml;ck ewiger Kunst, ein Verm&auml;chtnis f&uuml;r nachfolgende Generationen.&ldquo;</p>

<div class="pic left"><img alt="Für das Werk Wünsche aus Taiwan setzten sich bedeutende Persönlichkeiten ein, von links: Vanessa Shih, stellvertretende Außenministerin der Republik China; Dr. Roland Wein, Direktor des Deutschen Wirtschaftsbüros in Taipeh; der Bildhauer Kang Muxiang; und Christina Song, Vorsitzende von Taipei 101. (Chuang Kung-ju)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20240624100823880.jpg" />
<p>F&uuml;r das Werk W&uuml;nsche aus Taiwan setzten sich bedeutende Pers&ouml;nlichkeiten ein, von links: Vanessa Shih, stellvertretende Au&szlig;enministerin der Republik China; Dr. Roland Wein, Direktor des Deutschen Wirtschaftsb&uuml;ros in Taipeh; der Bildhauer Kang Muxiang; und Christina Song, Vorsitzende von Taipei 101. (Chuang Kung-ju)</p>
</div>

<p><strong>W&uuml;nsche aus Taiwan</strong></p>

<p><em>Unendliches Leben</em>, ein aus alten Fahrstuhl-Stahlseilen geschaffenes Kunstwerk, wurde inzwischen vor dem Taipei 101-Turm aufgestellt. Immer wieder bleiben Passanten stehen, um die Skulptur zu betrachten, und sobald sie das Schild mit den Erl&auml;uterungen gelesen haben, sind alle ohne Ausnahme sprachlos vor Bewunderung. &bdquo;Es ist einfach unglaublich, dass Aufzug-Stahlseile in Kunst verwandelt werden k&ouml;nnen!&ldquo; <em>Unendliches Leben</em> hat den Spa&szlig; und die phantasievolle Umgebung von Taipehs Stra&szlig;enbild bereichert.</p>

<p>Als Vanessa Shih, die stellvertretende Au&szlig;enministerin der Republik China, im vergangenen Jahr Deutschland besuchte, erfuhr sie, dass in der Stadt Karlsruhe die Planungen f&uuml;r die Feierlichkeiten zum 300-j&auml;hrigen Bestehen liefen. &bdquo;Wir wollten diese Gelegenheit nutzen, unsere Freundschaft zu verbessern&ldquo;, bemerkte Shih. &bdquo;Vorf&uuml;hrungen und &auml;hnliche Aktivit&auml;ten sind jedoch fl&uuml;chtig. Ich wollte eine bleibende Erinnerung hinterlassen.&ldquo; Schon bald hatte sie eine Idee &mdash; ein Kunstwerk als Geschenk, welches taiwanische Kultur nach Karlsruhe bringen w&uuml;rde. &bdquo;Ich rief rasch Meister Kang an und bat ihn um Hilfe.&ldquo; Kang willigte ein und erkl&auml;rte sich bereit, seine Arbeit gratis zu spenden. Shih war von dieser Geste schwer beeindruckt.</p>

<p>Taipei 101 half mit, indem die Stahlseile f&uuml;r das Unterfangen zur Verf&uuml;gung gestellt wurden, und die Reederei Evergreen Marine sponserte das Projekt mit kostenlosem Versand. Die Firma bestellte sogar besondere Container, um das massive Objekt nach Deutschland zu schaffen.</p>

<p>Kangs Verwendung ausrangierter Fahrstuhl-Stahlseile zur Schaffung von Kunstwerken ist einzigartig. Gemeinsam mit seiner Liebe zu und Respekt vor der Natur strebt er danach, seine Fertigkeiten st&auml;ndig bis an ihre Grenzen auszusch&ouml;pfen, und stellt sich der Herausforderung, &bdquo;das Unm&ouml;gliche&ldquo; zu tun.</p>

<p>Den Blick auf die St&uuml;cke von Stahlseilresten gerichtet, munter gestikulierend, w&auml;hrend der Wind durch sein graues Haar und Bart weht, verk&uuml;ndet er: &bdquo;Dieses Werk ist erst der Anfang. Die alten St&uuml;cke von Stahlseilen aus Taipei 101 werden eines Tages die Kontinente &uuml;berbr&uuml;cken und dabei helfen, die V&ouml;lker der Welt zusammenzubringen.&ldquo;</p>

<p>&mdash;Deutsch von Tilman Aretz<br />
&mdash;Quelle: Taiwan Panorama, 07/01/2015 (Juli 2015, S. 50-57)<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Die Löwen erwecken]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101632/Die-L%C3%B6wen-erwecken]]></link><guid>101632</guid><pubDate>2015/02/26</pubDate><description><![CDATA[<p>Die L&ouml;wentanz-Truppe &bdquo;WIN&ldquo; bewahrt und bereichert eine jahrhundertealte Tradition.</p>

<p>Vor ihrem ersten Auftritt in Europa, Mitte Herbst in der lettischen Hauptstadt Riga, waren die Mitglieder der L&ouml;wentanz-Truppe &bdquo;WIN&ldquo; gleichzeitig aufgeregt und besorgt. Das Tanzensemble kommt aus New Taipei City in Nordtaiwan und praktiziert eine exotische Tanztradition, die in fr&uuml;her Zeit am kaiserlichen Hof in China entwickelt wurde, aber heute auch in Hongkong, Japan und Vietnam gepflegt wird. Die T&auml;nzer waren &uuml;berzeugt, mit ihrer Darbietung das Interesse der baltischen Zuschauer erwecken zu k&ouml;nnen, aber niemand konnte vorhersehen, wie erfolgreich der Auftritt sein w&uuml;rde. Bald zeigte sich, dass die Sorge unbegr&uuml;ndet war, denn das Publikum war hellauf begeistert.</p>

<p>&bdquo;Die Leute waren hingerissen&ldquo;, erinnert sich Chen Chin-yi, der Direktor des Ensembles. Das Wetter war anfangs ein wenig regnerisch, klarte aber sp&auml;ter auf. Immer mehr Fu&szlig;g&auml;nger aus der Umgebung fanden sich im &auml;ltesten Park der Stadt, dem Vērmanes-Garten, ein, um die Darbietung zu verfolgen. Live gespielte Trommeln, chinesische Zithern und Gongs weckten die Neugierde des Publikums, das alsbald einen echten L&ouml;wentanz geboten bekam, bei dem kost&uuml;mierte T&auml;nzer gekonnt von S&auml;ule zu S&auml;ule springen, die zwischen 60 cm und 3 m hoch sind. &bdquo;Das hat uns gleich zum Beginn unserer Europatour viel Mut gemacht&ldquo;, sagt Direktor Chen. Der Auftritt in Riga war Teil einer dreiw&ouml;chigen Nordeuropa-Tournee zehn erfahrener Ensemble-Mitglieder, die weiter nach Estland, Finnland und Schweden f&uuml;hrte. Rund 7300 Zuschauer besuchten die acht kostenlosen, einst&uuml;ndigen Darbietungen. Finanziert wurde die Tournee vom Au&szlig;enministerium der Republik China.</p>

<p>Applaus sind Direktor Chen und seine T&auml;nzer gewohnt, und auch in Europa waren ehrfurchtsvolles Raunen und begeisterte Zurufe des Publikums fester Bestandteil jeder Show. Das seit 2001 bestehende Ensemble tritt regelm&auml;&szlig;ig im TaipeiEYE auf, einem 2004 mit privaten Geldern gegr&uuml;ndeten Theater in Taipeh, das sich der traditionellen chinesischen und taiwanischen Kunst verschrieben hat. Von Zeit zu Zeit geht die Tanztruppe auf Auslandstournee. Vor zwei Jahren war WIN die einzige taiwanische K&uuml;nstlergruppe, die im Rahmen der Weltausstellung im s&uuml;dkoreanischen Yeosu auftrat und im Laufe eines Monats bei 48 Darbietungen die Zuschauer begeisterte.</p>

<p><b>&bdquo;Erweckter L&ouml;we&ldquo;</b></p>

<p>Der 35-j&auml;hrige Chen ist der j&uuml;ngste von vier Br&uuml;dern. Im Alter von neun Jahren erlernte er den L&ouml;wentanzstil &bdquo;Erweckter L&ouml;we&ldquo; im ersten Tanzensemble seiner Familie, der Guang-hui-L&ouml;wentanz-Truppe. Zu der Zeit traten Guang-hui und andere Gruppen vor allem bei Tempelfesten auf. &bdquo;Wir wollten das &auml;ndern und suchten nach Auftrittsm&ouml;glichkeiten in Theatern&ldquo;, erinnert sich Chen Chin-hung, der gemeinsam mit seinen Br&uuml;dern Chen Chin-yi und Chen Chin-der das Ensemble WIN gegr&uuml;ndet hat. Der &auml;lteste Bruder Chen Chin-hui hingegen entschloss sich, bei Guang-Hui zu bleiben.</p>

<p>WIN unterscheidet sich von Guang-hui und anderen Tanzgruppen durch die Inklusion moderner Theaterelemente wie Beleuchtung und Inszenierung. In ihrer stilbildenden Darbietung &bdquo;Die Legende des erweckten L&ouml;wen&ldquo; im Jahr 2012 fanden Hightech-Elemente wie gigantische 3-D-Hologramme an den B&uuml;hnenseiten Anwendung. WIN ist au&szlig;erdem bekannt daf&uuml;r, alte L&ouml;wentanz-Themen wiederzubeleben, die andere Ensembles l&auml;ngst vergessen haben, und klassische Figuren ins Spiel aufzunehmen. Um ihre k&uuml;nstlerischen Ambitionen weiter zu vertiefen, wandten sich die Chen-Br&uuml;der sogar an Lin Min-guo, einen in Malaysia lebenden Experten f&uuml;r klassische Erz&auml;hlstoffe und deren praktische Umsetzung. Das Hauptst&uuml;ck &bdquo;Wundervolles Schicksal in den Bergen&ldquo; des Jahres 2014 basiert auf einem volkst&uuml;mlichen L&ouml;wentanzst&uuml;ck, das von einem betrunkenen L&ouml;wen und einer sogenannten &bdquo;Faulen Frau&ldquo; in den Hauptrollen handelt. Beide streiten zuerst miteinander, vers&ouml;hnen sich dann und erleben schlie&szlig;lich ein Happy-End.</p>

<p>&bdquo;Das WIN-Ensemble setzt sich h&ouml;here Ziele als andere Gruppen. Finanzielle Interessen sind nicht vorrangig&ldquo;, betont Nien Yu-hsian, Professor an der Fakult&auml;t f&uuml;r artistische Darbietungen der University of Taipei. Diese 2007 gegr&uuml;ndete Fakult&auml;t ist einzigartig in Taiwans Hochschulwesen und bietet unter anderem Kurse in Street-Dance und L&ouml;wentanz an. Professor Nien ist Fachmann f&uuml;r L&ouml;wentanz und <em>WuShu</em>,eine traditionelle chinesische Kampfkunst. Er besucht &ouml;fter L&ouml;wentanz-Ensembles in ganz Taiwan und wurde zu einem Berater f&uuml;r WIN, nachdem er erfuhr, dass die Chen-Br&uuml;der L&ouml;wentanz als Kunstform etablieren m&ouml;chten, ohne seine Traditionen zu vernachl&auml;ssigen.</p>

<p>Chen Chin-yi, der Film- und Fernsehproduktion an einer h&ouml;heren Berufsschule studierte, schreibt jedes Jahr zwei bis drei neue Choreografien, obwohl nur einige tats&auml;chlich auf der B&uuml;hne umgesetzt werden. Zu den langen St&uuml;cken von WIN z&auml;hlen seine Choreografie &bdquo;Der Rhythmus des Lebens&ldquo; (2008) und &bdquo;Leben auf Tempelfesten&ldquo; (2010). Das erste St&uuml;ck enth&auml;lt modernen Tanz sowie Live-Percussion und versucht darzustellen, wie ein ungeborenes Kind den Herzschlag seiner Mutter wahrnimmt. Das zweite St&uuml;ck ist autobiografischer Natur und thematisiert das Leben der Chen-Br&uuml;der, die schon im Kindesalter an Tempelfesten teilgenommen haben.</p>

<p><b>Tanz als Erwerbst&auml;tigkeit</b></p>

<p>Seit 2003 erh&auml;lt das WIN-Ensemble finanzielle Unterst&uuml;tzung durch lokale Beh&ouml;rden. Aber Chen Chin-hung, der nicht nur als K&uuml;nstler aktiv ist, sondern auch die gesch&auml;ftlichen Angelegenheiten regelt, verweist darauf, dass 80 Prozent der Einnahmen durch kommerzielle Auftritte erzielt werden. &bdquo;Die Zahl der Kunstfestivals in Taiwan hat zugenommen. Dadurch haben wir mehr Auftritte&ldquo;, erkl&auml;rt Chen und erg&auml;nzt, dass die Gruppe WIN vor allem zu Er&ouml;ffnungsfeiern von Festivals eingeladen wird.</p>

<p>Dennis Huang ist das dienst&auml;lteste Mitglied von WIN. Der heute 32-J&auml;hrige trat schon vor der offiziellen Gr&uuml;ndung vor 13 Jahren mit der Gruppe auf. Die meisten Menschen glauben, L&ouml;wentanz sei kein dauerhafter Job, aber der Erfolg von WIN hat neue M&ouml;glichkeiten aufgezeigt. &bdquo;Meine Freunde und Verwandten hatten nichts dagegen, dass ich als Teenager L&ouml;wentanz betrieb, aber meinten, ich sollte mir mit zunehmendem Alter eine &sbquo;normale&lsquo; Arbeit suchen&ldquo;, erinnert sich Dennis Huang. Dank zunehmender Popularit&auml;t sah sich WIN imstande, gute Mitarbeiter wie Huang langfristig zu binden. In den Anfangsjahren bekam er nur Auftrittshonorare, aber heute bezieht er ein monatliches Einkommen.</p>

<p>Neben ihrer Erwerbst&auml;tigkeit als Kunstensemble hat WIN aber auch erkannt, wie wichtig die Wahrung von Traditionen durch Bildung ist. F&uuml;nf T&auml;nzer der Gruppe, unter ihnen Dennis Huang, lehren L&ouml;wentanz an verschiedenen Schulen in New Taipei City. &bdquo;Dieses Bildungsangebot ist gleichzeitig eine gute M&ouml;glichkeit, um mehr Zuschauer f&uuml;r L&ouml;wentanz zu interessieren&ldquo;, betont Huang, der Kinder im Alter von neun bis zw&ouml;lf Jahren aus dem Stadtbezirk Tucheng unterweist. &bdquo;Die Sch&uuml;ler lernen nicht nur L&ouml;wentanz-Akrobatik, sondern erfahren zudem viel &uuml;ber Kultur und Geschichte dieser Tradition.&ldquo;</p>

<p><b>Darbietungen statt Wettbewerbe</b></p>

<p>Die Erfolge spiegeln sich in wachsendem &ouml;ffentlichen Interesse an L&ouml;wentanz wider. In Gesellschaften mit lebendiger chinesischer Kulturtradition wie Festlandchina, Malaysia und Taiwan dienen L&ouml;wentanz-Wettk&auml;mpfe als Motor f&uuml;r die Entwicklung der Kunstform. Von dort gehen auch Bem&uuml;hungen aus, L&ouml;wentanz als offizielle Sportart in die Asienspiele zu integrieren. Wichtige Unterst&uuml;tzung erhielt dieses Anliegen in Taiwan, wo bereits 2004 bei den staatlich organisierten <em>Citizens Games</em>, die seit 2000 alle zwei Jahre stattfinden, Drachen- und L&ouml;wentanz offizielle Bestandteile waren. Beide Tanztraditionen wurden urspr&uuml;nglich vom WuShu-Verband der Republik China gef&ouml;rdert. Seit 2003 wurde diese Aufgabe vom Verband f&uuml;r Drachen- und L&ouml;wentanz Chinesisch-Taipei &uuml;bernommen. Die Aufnahme in die Citizens Games 2004 war ein wichtiger Erfolg dieser Umstrukturierung. Der taiwanische Verband ist Mitglied des in Beijing ans&auml;ssigen Internationalen Dachverbands f&uuml;r Drachen- und L&ouml;wentanz. Jedes Jahr organisiert der Verband f&uuml;r Drachen- und L&ouml;wentanz Chinesisch-Taipei Wettk&auml;mpfe, um Teilnehmer f&uuml;r gro&szlig;e internationale Wettbewerbe auszuw&auml;hlen.</p>

<p>WIN hat sich jedoch entschlossen, nicht an Wettbewerben teilzunehmen, sondern sich stattdessen auf kreative Darbietungen als Kunstensemble zu konzentrieren. &bdquo;Jeder, der sich f&uuml;r das faszinierende Kulturerbe L&ouml;wentanz und den Erhalt der Tradition einsetzt, verdient Anerkennung&ldquo;, sagt Chen Chin-yi. Das wachsende Interesse am L&ouml;wentanz ist der Hingabe und dem K&ouml;nnen sowohl von Wettkampfteilnehmern als auch moderner Kunstensembles wie WIN zu verdanken. Indem sie Traditionen bewahren und gleichzeitig neue Grenzen ausloten, tragen die L&ouml;wentanz-Ensembles dazu bei, neue Bewunderer im In- und Ausland zu gewinnen.</p>

<p><b>Der Ursprung der L&ouml;wentanz-Tradition</b></p>

<p>Die Kunst des L&ouml;wentanzes l&auml;sst sich in Festlandchina zur&uuml;ckverfolgen bis zur Tang-Dynastie (618&ndash;907). Anfangs waren die Darbietungen dem kaiserlichen Hof in Nordchina vorbehalten, aber im Laufe der Zeit wurde die Kunst auch im S&uuml;den popul&auml;r und beschr&auml;nkte sich alsbald nicht mehr nur auf aristokratische Kreise. Die Hauptvarianten &mdash; der Nordchinesische L&ouml;we und der S&uuml;dchinesische L&ouml;we &mdash; unterscheiden sich in einigen Punkten. Zum Beispiel wird in der nordchinesischen Tradition zumeist ein L&ouml;wenp&auml;rchen dargestellt, wobei ein T&auml;nzer einen kugelf&ouml;rmigen Gegenstand in der Hand h&auml;lt. Im S&uuml;den ist diese Regel nicht &uuml;blich. Dank langer, struppiger Haare &auml;hneln die Kost&uuml;me der nordchinesischen T&auml;nzer st&auml;rker richtigen L&ouml;wen. In der s&uuml;dchinesischen Schule, die auch als &bdquo;Erweckter L&ouml;we&ldquo; bekannt ist, finden sich die Variationen &bdquo;Foshan-L&ouml;we&ldquo; und &bdquo;Heshan-L&ouml;we&ldquo;. Diese Namen stammen von zwei Gegenden der Provinz Guangdong, die Ursprung dieser Schulen waren. &bdquo;Der Foshan-L&ouml;we zeichnet sich durch kraftvolle Bewegungen aus, w&auml;hrend der Heshan-L&ouml;we eher verspielt und katzenhaft agiert&ldquo;, erkl&auml;rt Professor Nien Yu-hsiang von der Fakult&auml;t f&uuml;r artistische Darbietungen der University of Taipei.</p>

<p>Laut Professor Nien bezieht sich die gel&auml;ufigste Interpretation des Namens &bdquo;Erweckter L&ouml;we&ldquo; auf das Ende der Qing-Dynastie (1644-1911), als China sehr schwach war und eine b&uuml;rgerliche Regierung letztlich den Kaiser vom Thron vertrieb. Zu jener Zeit wurde China mit einem schlafenden L&ouml;wen verglichen. Um ihre Landsleute moralisch aufzurichten, beschlossen L&ouml;went&auml;nzer aus der Provinz Guangdong, k&uuml;nftig den Namen &bdquo;Erweckter L&ouml;we&ldquo; zu f&uuml;hren.</p>

<p>Nach Taiwan kam der L&ouml;wentanz mit fr&uuml;hen Einwanderern aus der festlandchinesischen Provinz Fujian. Sie brachten einen Tanzstil mit, der sich durch einen gr&uuml;ngesichtigen L&ouml;wen auszeichnet und Fertigkeiten in der Kampfsportart <em>WuShu</em> voraussetzt. Als sich Ende der vierziger Jahre die von der Nationalen Volkspartei (<em>Kuomintang</em>, KMT) gef&uuml;hrte Regierung der Republik China nach Taiwan zur&uuml;ckzog, brachten Neuank&ouml;mmlinge aus Guangdong die s&uuml;dchinesische Variante des L&ouml;wentanzes mit auf die Insel. In den sp&auml;ten sechziger Jahren &uuml;bernahmen taiwanische Tanzensembles den s&uuml;dchinesischen Stil. Der gr&uuml;ngesichtige L&ouml;we aus Fujian hat seine urspr&uuml;ngliche Popularit&auml;t vor allem deshalb eingeb&uuml;&szlig;t, weil die Guangdong-Schule durch atemberaubende Stilelemente wie S&auml;ulenspringen beeindruckt. Professor Nien erg&auml;nzt: &bdquo;Es gibt keine eigenst&auml;ndige Kategorie f&uuml;r ,Taiwanischen L&ouml;wentanz&lsquo; bei internationalen Wettk&auml;mpfen. Das hat ebenfalls die Entwicklung dieses Tanzstils beeintr&auml;chtigt.&ldquo;</p>

<p><b>(Deutsch von Sven Meier)</b></p>

<p>&mdash;Quelle: Taiwan Review, Dezember 2014<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Schichten der Innovation]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101631/Schichten-der-Innovation]]></link><guid>101631</guid><pubDate>2015/02/26</pubDate><description><![CDATA[<p>Der Keramikk&uuml;nstler Su Shih-hsiung ist f&uuml;r seine einzigartigen Glasur-Reliefarbeiten bekannt.</p>

<p>Der staatliche Handwerkspreis National Crafts Achievement Award w&uuml;rdigt eher das Lebenswerk eines K&uuml;nstler als die Qualit&auml;t einer einzelnen Arbeit. Der Preis, der im Jahr 2007 vom Rat f&uuml;r Kulturangelegenheiten (<em>Council for Cultural Affairs</em>, CCA) &mdash; im Jahr 2012 zum Kulturministerium aufgewertet &mdash; ins Leben gerufen worden war, stellt die h&ouml;chste Ehrung dar, die Kunsthandwerkern in Taiwan zuteil werden kann. Der Preistr&auml;ger des Jahres 2010 Su Shih-hsiung, der sich mit seiner einzigartigen Glasur-Relieftechnik einen Namen machte, wurde f&uuml;r sein vier Jahrzehnte langes Engagement bei Forschung und Innovation von Keramikkunst ausgezeichnet und auch daf&uuml;r, dass er sein Wissen und seine Expertise an j&uuml;ngere K&uuml;nstler weitergab.</p>

<p>Die Technik, die Su vor etwa 30 Jahren schuf, umfasst das Auftragen von Schichten unterschiedlicher Glasurmischungen auf keramische Oberfl&auml;chen und anschlie&szlig;endes Wegschnitzen an bestimmten Glasurstellen zu einer vorgesehenen Tiefe. Nach dem Brennen der Keramik im Brennofen erzeugen die verschiedenen Arten offenliegender Glasur ein Gemisch von Farben und Mustern. &bdquo;Es ist eine Technik und ein Stil, womit man Objekte herstellt, die nicht im Geringsten asiatischen oder westlichen Keramikarbeiten &auml;hneln, mit denen ich sonst vertraut bin&ldquo;, urteilt der Maler Hou Li-jen, der in den Kunstabteilungen mehrerer Universit&auml;ten in Taiwan lehrt. Zwar ist Su am besten bekannt f&uuml;r seine einzigartige Glasurschnitzmethode, doch er beherrscht daneben das ganze Spektrum traditioneller Keramiktechniken. Einen gro&szlig;en Teil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte er damit, an mehreren Oberschulen und Universit&auml;ten T&ouml;pfern zu unterrichten, bevor er sich im Jahr 2010 aus dem Lehrbetrieb zur&uuml;ckzog. Sein erstaunlicher Erfahrungsschatz und das Wissen, was der K&uuml;nstler angesammelt hat, sind umso mehr bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass er selbst nie in dem Handwerk unterwiesen wurde.</p>

<p><b>K&uuml;nstlerischer Einsersch&uuml;ler</b></p>

<p>Su, der 1935 in der s&uuml;dtaiwanischen Stadt Tainan zur Welt kam, zeigte gute Leistungen in der Schule und auch ein beachtliches k&uuml;nstlerisches Talent. Die Oberschule Tainan First Senior High School, eine der besten des Landes, schloss er als Klassenbester ab. Daher waren seine Angeh&ouml;rigen und Lehrer &uuml;berrascht, als sich Su f&uuml;r seine weiterf&uuml;hrende Ausbildung dazu entschloss, Kunst zu studieren. &bdquo;Alle meine Mitsch&uuml;ler aus der Oberschule wollten Medizin oder Jura studieren, und meine Lehrer und meine Mutter erwarteten von mir das Gleiche&ldquo;, erinnert er sich. &bdquo;Sie waren entt&auml;uscht von meinem Beschluss, Kunst zu studieren, da sie vermuteten, dass ich dann nach dem Examen nicht viele M&ouml;glichkeiten f&uuml;r eine berufliche Laufbahn haben w&uuml;rde.&ldquo; Das einzige Kunstprogramm, dass ihm damals an einer Universit&auml;t offen stand, wurde an der Kunstabteilung der P&auml;dagogischen Hochschule Taiwan (<em>National Taiwan Normal University</em>, NTNU)in Taipeh angeboten. Die NTNU bildet Lehrer f&uuml;r Sekundarschulen aus, und zum Gl&uuml;ck f&uuml;r Su bietet die Existenz als Lehrer das regelm&auml;&szlig;ige Einkommen, das er brauchte, um seiner Leidenschaft nachzugehen.</p>

<p>Das Kunstprogramm an der NTNU konzentrierte sich &uuml;berwiegend auf chinesische und westliche Malereitechniken. Zwar wurden die Studierenden dort auch mit anderen Kunstformen bekannt gemacht, doch die Keramik-Handwerkskunst stand nicht auf dem Lehrplan. Sus erste Begegnung mit Keramik ereignete sich w&auml;hrend seines dritten Studienjahres bei einer Exkursion zu einer Keramikfabrik in Taipeh. Jeder Studierende glasierte eine Vase, die im Brennofen der Fabrik gebrannt und ein paar Wochen sp&auml;ter an die Hochschule geschickt wurde. &bdquo;Es ist &uuml;ber 50 Jahre her, aber ich kann mich noch an die Freude erinnern, die ich empfand, als ich mein erstes St&uuml;ck sah&ldquo;, rekapituliert Su. &bdquo;Ich war fasziniert von dem Ablauf, Erde in Kunst zu verwandeln.&ldquo; Diese Exkursion war allerdings die einzige unmittelbare Erfahrung, die Su w&auml;hrend seines vierj&auml;hrigen Studiums mit Keramik machte.</p>

<p>Su fand nach dem Examen an der NTNU im Jahr 1959 eine Stelle als Kunstlehrer an einer Oberschule. Anfang der sechziger Jahre befasste er sich mit Industriedesign, damals im Land ein neu aufkommendes Feld. Viele der Designer der ersten Generation kamen &uuml;ber Kunststudien zu dem Fach. Su war einer der ersten Designer, die vom China Productvity Center ausgebildet wurden, einer staatlich gesponserten Beratungs- und Schulungsorganisation, die 1955 eingerichtet worden war, um einheimischen Branchen bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsf&auml;higkeit, Effizienz, Verwaltung und Produktionstechniken zu helfen. Anstatt eine Laufbahn in diesem Bereich zu verfolgen, wandte Su sich jedoch dem Unterrichten von Kunst und Industriedesign in Lehranstalten zu.</p>

<p><b>Mit Industriedesign Neuland betreten</b></p>

<p>Industriedesign bot die Gelegenheit, mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten. Su kam dadurch wieder die Zeit in Erinnerung, als er seine erste Keramikkreation an der NTNU in Augenschein genommen hatte. Im Jahr 1973 kaufte Su in der Hoffnung, die Freude jenes Moments aufs Neue zu erleben, einen kleinen elektrischen Brennofen und lie&szlig; sich in einer Metallwerkstatt eine T&ouml;pferscheibe anfertigen, damit er anfangen konnte, mit Keramik zu arbeiten. &bdquo;Die gleichen Leute, die sich dagegen ausgesprochen hatten, dass ich Kunst im Hauptfach studierte, hielten es nun f&uuml;r Zeitverschwendung von mir, Keramik zu erkunden&ldquo;, enth&uuml;llt er. &bdquo;Es galt zu jener Zeit als &uuml;berholtes und au&szlig;erordentlich stumpfsinniges Handwerk.&ldquo;</p>

<p>Unbeeindruckt vertiefte Su sich darin, sich mit den unterschiedlichen Tonsorten, Glasurrezepturen, Brenntemperaturen und Handwerkstechniken vertraut zu machen und anschlie&szlig;end zur Meisterschaft darin zu gelangen, Kenntnisse, die im damaligen taiwanischen Bildungssystem nicht vermittelt wurden. Auch war in chinesischer Sprache gedrucktes Referenzmaterial dazu schwer zu finden. Gl&uuml;cklicherweise halfen ihm seine drei Jahre Grundschulbildung w&auml;hrend der Zeit, als die Insel zwischen 1895 und 1945 unter japanischer Kolonialherrschaft stand, und neben seinen Bem&uuml;hungen, sein K&ouml;nnen in der japanischen Sprache zu bewahren, konnte er sich das, was er brauchte, in japanischen Publikationen aneignen. Indem er Keramik und industrielles Design zusammenf&uuml;hrte, unterrichtete Su ab 1978 Taiwans ersten Kurs f&uuml;r Keramik-Produktdesign an der Abteilung f&uuml;r industrielles Design der National Cheng Kung University (NCKU) im s&uuml;dtaiwanischen Tainan. In den Jahren darauf trug er dazu bei, an mehreren Lehranstalten Kurse im Bereich Keramik und &Uuml;bungswerkst&auml;tten einzurichten.</p>

<p><b>Kreativit&auml;t schnitzen</b></p>

<p>F&uuml;rs Unterrichten und die Verwaltungsarbeit an der NCKU ging viel Zeit drauf, aber Su schuf weiterhin neue Objekte. Alle Techniken zu meistern f&uuml;llte Su jedoch nicht aus, und er strebte nach einem h&ouml;heren Kreativit&auml;tsgrad. &bdquo;Es gibt Kunsthandwerker und K&uuml;nstler, die Techniken aller Art hervorragend beherrschen, doch sie wiederholen immer nur, was andere schon vorher kreiert haben&ldquo;, moniert er. &bdquo;Ich dachte mir, es w&auml;re interessant, wenn ich dieses jahrhundertealte Handwerk um etwas Innovation erg&auml;nzen w&uuml;rde.&ldquo; Inspiriert von Schnitzereien auf Lackgegenst&auml;nden begann Su mit dem Gedanken zu spielen, auf Glasur zu schnitzen. Nach seinen Worten wurde diese Technik in der Song-Dynastie (960&ndash;1279) angewandt, aber damals nur auf einer einzelnen Glasurschicht. Seine Idee war, mehrere Schichten aufzutragen und dann durch Entfernen unterschiedlicher St&auml;rken von Glasur Muster zu gestalten, was in der Theorie einfach erschien, sich in der Praxis allerdings als au&szlig;erordentlich schwierig erwies. &bdquo;Bei &Ouml;lmalerei kann man einen Fehler beheben, indem man ihn mit einer neuen Schicht Farbe bedeckt, doch wenn man in Glasur schnitzt, sind Fehler irreparabel&ldquo;, seufzt Su.</p>

<p>Eine noch gr&ouml;&szlig;ere Herausforderung ist der Brennvorgang, weil Glasur flie&szlig;en und sich mit Schichten daneben vermischen kann. &bdquo;Manchmal will ich sie mischen, damit eine neue Farbe erscheint, bei anderen St&uuml;cken muss jede Schicht farbecht herauskommen wie aufgetragen&ldquo;, doziert der K&uuml;nstler. Um mit Erfolg das gew&uuml;nschte Resultat zu erzielen, braucht man profunde Kenntnisse von den Eigenschaften diverser Glasuren. Je nach ihrer Beschaffenheit wird jede Glasur unterschiedlich dick aufgetragen, damit beim Brennen der Keramik das gew&uuml;nschte Ergebnis erzielt wird. Weil das hinsichtlich der T&ouml;pfertraditionen eine vergleichsweise neue Technik ist, musste Su in vielen Versuchen ausprobieren, wie dick eine Glasur sein muss, damit man einen bestimmten Effekt erreicht. Bis heute ist Su mit rund einem Drittel der Arbeiten aus seinem Brennofen nicht zufrieden, und er zertr&uuml;mmert jedes St&uuml;ck mit der kleinsten Unvollkommenheit. &bdquo;Ich habe nicht genug Platz, um all den Schrott hier aufzustapeln&ldquo;, rechtfertigt er sich. &bdquo;Aber ich denke, ich mag die Herausforderung, auf dem schmalen Grad zwischen Erfolg und Fehlschlag zu balancieren.&ldquo;</p>

<p><b>Produktivit&auml;t sekund&auml;r</b></p>

<p>Sus geringe Produktivit&auml;t als K&uuml;nstler ist die Folge seiner hohen Ausschussrate, und er stellt im Jahr nicht mehr als 30 St&uuml;cke her. Gleichzeitig ist seine Keramikkunst wegen des Schwierigkeitsgrades seiner Technik aber auch einzigartig und unm&ouml;glich nachzuahmen. Deswegen sind Sus Arbeiten wertvolle Sammlerst&uuml;cke, selbst wenn der K&uuml;nstler die Nachfrage des Marktes nie Einfluss auf seinen kreativen Ablauf nehmen lie&szlig;. F&uuml;r Su ist ein Mensch als K&uuml;nstler erledigt, wenn er versucht, den W&uuml;nschen der Sammler gerecht zu werden, anstatt den eigenen k&uuml;nstlerischen Zielen zu folgen. &bdquo;Ein Kunstwerk sollte keinen Titel oder keine Erkl&auml;rung brauchen&ldquo;, definiert er. &bdquo;Wenn die Botschaft einer Arbeit einfach durch Betrachten verstanden werden kann, w&uuml;rde ich das Kunst nennen.&ldquo; Nach den Worten von Lin Jenn-yang, der unl&auml;ngst als Dekan des Kunst-Colleges an der Nanhua University im s&uuml;dtaiwanischen Landkreis Chiayi pensioniert wurde, haben sich in den j&uuml;ngsten Jahren immer mehr Menschen in Taiwan der Keramikkunst zugewandt, und die Handwerker kann man grob in zwei Gruppen unterteilen &mdash; diejenigen, die traditionelle chinesische Techniken anwenden, und Jene, die von japanischen und westlichen Praktiken beeinflusst wurden. &bdquo;W&auml;hrend Su an die Bewahrung der Tradition glaubt, bringt er gleichzeitig Innovation ins Spiel&ldquo;, urteilt Lin. &bdquo;Er hat seinen eigenen Weg eingeschlagen, indem er sowohl jahrhundertealte als auch moderne Design&auml;sthetik mit einer klugen Technik hervorgerufen hat.&ldquo;</p>

<p>Der Handwerkspreis National Crafts Achievement Award w&uuml;rdigt nicht nur Sus Hingabe f&uuml;r Erziehung und Innovation im Keramikbereich, sondern auch seine Ideale &uuml;ber Kunst insgesamt. &bdquo;Anerkennung ist gleicherma&szlig;en eine Ehre und eine Verpflichtung, da ich mich weiter selbst &uuml;bertreffen muss&ldquo;, sinniert der Preistr&auml;ger, der sich seinem 80. Geburtstag n&auml;hert, aber noch keine Absichten hat, als K&uuml;nstler in den Ruhestand zu treten.</p>

<p><b>(Deutsch von Tilman Aretz)</b></p>

<p>&mdash;Quelle: Taiwan Review, Dezember 2014<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Bilder einer Stadt im Wandel]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101630/Bilder-einer-Stadt-im-Wandel]]></link><guid>101630</guid><pubDate>2015/02/05</pubDate><description><![CDATA[<p>Kontrast zur Entwicklung urbaner R&auml;ume gesetzt.</p>

<p>Allt&auml;glicher Baustellenl&auml;rm, der die Konstruktion unz&auml;hliger Schnellstra&szlig;en und &Uuml;berf&uuml;hrungen im Taipeh der achtziger Jahre begleitete, hat sich in die Erinnerungen vieler Stadtbewohner eingebrannt. Gemeinsam mit dem folgenden massiven Ausbau des &ouml;ffentlichen Nahverkehrssystems &auml;nderte sich das Antlitz der Stadt so radikal, dass manche Betrachter darin sogar eine st&auml;ndige Quelle des Nachsinnens erschlossen. So auch der K&uuml;nstler Lu Hsien-ming, der seit seiner Geburt 1959 in Taipeh lebt und die Umwandlung der Stadt hautnah erfahren hat. Dies hat ihn so beeindruckt und inspiriert, dass fast alle seiner Kunstwerke der letzten 30 Jahre die Ver&auml;nderung urbaner R&auml;ume thematisieren.</p>

<p>Lu erinnert sich noch gut daran, wie er in den sp&auml;ten achtziger Jahren mit einem Motorrad durch die Stra&szlig;en und Gassen Taipehs fuhr, wo allerorten der L&auml;rm der Baustellen widerhallte. &bdquo;Die Luft war erf&uuml;llt vom Tackern der Presslufth&auml;mmer, dem Scharren der Planierraupen und Kreischen der Betonmischer&ldquo;, wei&szlig; er zu berichten. &bdquo;Die Schnelligkeit der Ver&auml;nderungen machte mich schwindlig. Ich wollte den Wandel dokumentieren, bevor es zu sp&auml;t war.&ldquo; Daher sind in Lus Bildern oft Planierraupen, Betonmischer, Muldenkipper oder Bauarbeiter auf Ger&uuml;sten zu sehen.</p>

<p>In der zweiten H&auml;lfte der neunziger Jahre entstanden in der ganzen Stadt mehrgeschossige B&uuml;ro- und Wohnh&auml;user sowie Stra&szlig;en&uuml;berf&uuml;hrungen f&uuml;r Kraftfahrzeuge, Fu&szlig;g&auml;nger und Eisenbahnz&uuml;ge. Diese Konstruktionen &uuml;bten auf Lu eine besondere Anziehungskraft aus. &bdquo;&Uuml;berf&uuml;hrungen geh&ouml;ren zu meinen Lieblingsbauten. Sie sind ein Symbol f&uuml;r die Weiterentwicklung einer Stadt. Sie verbinden Menschen mit Orten, aber auch die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft&ldquo;, betont Lu. Es sei seine k&uuml;nstlerische Absicht, so Lu, zu zeigen, wie sich Taipeh &uuml;ber die Jahre ver&auml;ndert hat, und den Betrachter &uuml;ber die Kluft zwischen der Vision einer modernen Stadt und der entstandenen Realit&auml;t nachsinnen zu lassen.</p>

<p>Nachdem Lu 1982 sein Studium an der Kunstabteilung der Chinese Culture University in Taipeh abgeschlossen hatte, arbeitete er die n&auml;chsten acht Jahre ausschlie&szlig;lich mit &Ouml;lfarben. Mit dem &Uuml;bergang der taiwanischen Industrie ins Hightech-Zeitalter ab 1990 begann Lu mit anderen Materialien wie Eisen, Stahl und LEDs zu experimentieren, um seiner Kunst mehr Modernit&auml;t und Kreativit&auml;t zu verleihen.</p>

<p>&bdquo;Eisen, Stahl und LEDs sind Produkte industrieller Technologie und symbolisieren die moderne urbane Gesellschaft&ldquo;, erl&auml;utert Lu. &bdquo;Sie sind die perfekte Erg&auml;nzung zu meiner Kunst, die sich mit Urbanit&auml;t besch&auml;ftigt. Ich bevorzuge hochfeste Metalle, die sich kalt anf&uuml;hlen, um die Gleichg&uuml;ltigkeit und emotionale Entfremdung auszudr&uuml;cken, die man sp&uuml;rt, wenn man durch eine moderne Stadt geht.&ldquo;</p>

<p>Manche sehen Urbanisierung als einen Weg zu Fortschritt und Wohlstand, als etwas Begr&uuml;&szlig;enswertes, weil sich die Lebensbedingungen dadurch verbessern. Aber Lu bedauert den Verlust nachbarschaftlicher Viertel, die oftmals seelenlosen Konstruktionen weichen mussten. &bdquo;Die schnelllebige st&auml;dtische Umgebung hat das traditionelle Erfahren von Raum und Zeit tiefgreifend ver&auml;ndert&ldquo;, analysiert Lu. &bdquo;Gef&uuml;hle wie Entfremdung, Isolation und Einsamkeit werden verst&auml;rkt. Ich mag es, in meiner Kunst der Verbindung zwischen Menschen und ihrer Umgebung nachzusp&uuml;ren und die Folgen der rasanten Urbanisierung darzustellen.&ldquo;</p>

<p>Typische Motive in Lus Werken sind schwere Baufahrzeuge, Hochstra&szlig;enkonstrukte oder ein alter Mann, der allein eine leere Stra&szlig;e entlanggeht. Nach eigenen Worten fand Lu schon immer Gefallen daran, andere Menschen zu beobachten und sich vorzustellen, was diese schon alles erlebt haben m&ouml;gen. Er malt besonders gern alte Menschen, denn diese haben viel erfahren und gesehen oder vielleicht sogar aktiv am Wandel der Stadt teilgenommen. Die Darstellung alter Menschen, erkl&auml;rt Lu, sei ein ausdrucksstarkes Mittel, um die lange Zeitr&auml;ume &uuml;berspannende, urbane Entwicklung zu symbolisieren.</p>

<p><b>Vielfalt der Darstellung</b></p>

<p>In Lu Hsien-mings Kunst spiegeln sich pers&ouml;nliche Erfahrungen und Beobachtungen seiner Umgebung wider. &bdquo;Mein Fokus ist gleich geblieben, aber ich benutze heute verschiedenartige Darstellungsformen, Techniken und Materialien. Dies ist Ausdruck der ver&auml;nderten Umwelt und neuer Technologien&ldquo;, sagt Lu und f&uuml;gt hinzu: &bdquo;Ich hoffe, der Betrachter meiner Werke bekommt ein Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Person oder den Gegenstand, den ich zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Daseins abbilde.&ldquo;</p>

<p>Die Kunstkritikerin Lee Wei-jing berichtet, dass Lu seinen einzigartigen visuellen Stil 1991 im Zuge seiner ersten Bilderserie von Stra&szlig;en&uuml;berf&uuml;hrungen entwickelte. &bdquo;Lu malte diese Serie mit breiten Pinseln&ldquo;, erinnert sich Lee. &bdquo;Er schuf dicke Farbschichten und raue Oberfl&auml;chen mit Reliefstruktur, die die wuchtigen Strukturen und die Dynamik der urbanen Entwicklung nachvollzogen. Diese Bilder waren ohne Menschen. Sie sollten zeigen, dass neue Infrastrukturprojekte Bewohner aus ihren angestammten Nachbarschaften vertrieben hatten, weil deren Wohnh&auml;user abgerissen wurden.&ldquo;</p>

<p>1995 begann Lu eine neue Serie mit dem Titel &bdquo;Menschen&ldquo;. Zu der Zeit hatte er kein stabiles Einkommen und litt an seiner prek&auml;ren Situation. In der Serie r&uuml;ckte er arme und ausgegrenzte Menschen in den Mittelpunkt, die t&auml;glich ums &Uuml;berleben k&auml;mpfen m&uuml;ssen, wie M&uuml;llsammler, Stra&szlig;enh&auml;ndler, Obdach- und Arbeitslose. &bdquo;In seiner Serie <em>Menschen</em> zeichnete Lu sehr detailliert Personen, ihre Gesichter und Gesten. Diese realistische Wiedergabe enth&uuml;llt den emotionalen und k&ouml;rperlichen Zustand der dargestellten Individuen&ldquo;, erkl&auml;rt Lee. &bdquo;Der neue Malstil unterschied sich stark von den breiten, unb&auml;ndigen Pinselstrichen, welche die Strukturen seiner <em>&Uuml;berf&uuml;hrungen</em>-Serie auszeichneten. In der <em>Menschen</em>-Serie zeigt sich Lus menschliche Seite besser, seine Sympathie f&uuml;r Benachteiligte, die er in filigraner, realistischer Weise darstellt.&ldquo;</p>

<p>Tao Wen-yueh, Kunstdozent an der National Taiwan University of Arts (NTUA) im Bezirk Banqiao von New Taipei City, teilt Lees Einsch&auml;tzung, dass Lu Hsien-ming seinen markanten Stil bei der Arbeit an den <em>&Uuml;berf&uuml;hrungs</em>- und <em>Menschen</em>-Serien entwickelt hat. Tao beschreibt das wie folgt: &bdquo;Lu ist bekannt f&uuml;r seine urbanen Motive in seinem vielf&auml;ltigen Werk. Er verf&uuml;gt &uuml;ber einzigartige, sehr originelle k&uuml;nstlerische Mittel, um Stadtszenen in seinen Gem&auml;lden wiederzugeben. Seine Kunst reflektiert die strukturellen Ver&auml;nderungen in der taiwanischen Gesellschaft im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung.&ldquo;</p>

<p><b>Aktive Beobachtung</b></p>

<p>Tao Wen-yueh verweist darauf, dass Kunst &uuml;ber urbane R&auml;ume in der Regel mit K&uuml;nstlern assoziiert wird, die &mdash; wie Lu &mdash; selbst in St&auml;dten wohnen. Dank jahrelanger Beobachtungen und ausgefeilter Techniken ist Lu in der Lage, ein wahrheitsgetreues und lebendiges Abbild der Menschen und Strukturen in Taipeh zu schaffen. Dar&uuml;ber hinaus sch&ouml;pft Lu Hsien-ming die visuellen M&ouml;glichkeiten und Formensprache verschiedener Materialien aus. &bdquo;Lu scheut sich nicht, neue Techniken auszuprobieren. Die Inklusion scrollender LEDs und rostfreien Stahls in seine Gem&auml;lde sind ein kreativer Durchbruch. Die Zuhilfenahme industrieller Materialien macht aus einem zweidimensionalen Bild eine r&auml;umliche Anordnung, die schon fast Installationskunst darstellt&ldquo;, sagt NTUA-Dozent Tao. &bdquo;Der Kontrast zwischen &Ouml;lgem&auml;lde und Metall kreiert eine einzigartige visuelle Erfahrung.&ldquo;</p>

<p>Lu verwendet rostfreien Stahl zur Rahmung seiner Bilder oder montiert das Metall sogar direkt auf die Leinwand. Tao erg&auml;nzt, dass diese Stilelemente den Betrachter nicht zuletzt durch die Spiegelungen der polierten Metalloberfl&auml;chen &uuml;berraschen. In Taiwan werde rostfreier Stahl von einheimischen K&uuml;nstlern vor allem f&uuml;r Skulpturen verwendet. Lu Hsien-ming sei der einzige, der dieses Material in Gem&auml;lden einsetzt.</p>

<p>Der renommierte Kunstkurator und &ndash;kenner Wang Chia-chi lobt, dass Lu das Thema Urbanisierung aus einer Vielzahl innovativer Perspektiven angeht. In seiner Kunst dokumentiert und bewertet Lu die ungez&auml;hmte st&auml;dtische Entwicklung, welche die urbane Landschaft stetig ver&auml;ndert. Dar&uuml;ber hinaus sucht er aktiv nach innovativen neuen Materialien und Maltechniken, f&uuml;gt Wang hinzu. &bdquo;Lu gibt sich nicht zufrieden mit zweidimensionaler Darstellung. Er m&ouml;chte mit Hilfe von LED-Anzeigen, Stahl und dicken Malschichten eine Art zweieinhalb-dimensionale Kunst erschaffen. Die originelle Verbindung von Eisen, Stahl und &Ouml;lfarben schafft eine visuelle Intensit&auml;t, durch die er sich k&uuml;nstlerisch hervorhebt&ldquo;, sagt Wang. &bdquo;Lu hat sich der Herausforderung gestellt, den kolossalen Gebilden st&auml;dtischer Architektur gro&szlig;fl&auml;chige Kunstwerke gegen&uuml;berzustellen.&ldquo;</p>

<p>So misst jedes Einzelst&uuml;ck seines 2008 fertiggestellten vierteiligen Gem&auml;ldes <em>Vier Rhythmen Taipehs</em>, das den Wolkenkratzer Taipei 101 thematisiert, 141 x 81 Zentimeter. Das eigenst&auml;ndige Kunstwerk <em>Licht in die Dunkelheit bringen</em> (2008) ist sogar 280 x 300 cm gro&szlig;.</p>

<p>Besonders beeindruckt Wang, wie Lu dunkle Farben mit Stahl kombiniert. Der Kurator glaubt, dass diese Verbindung den Pessimismus Lus gegen&uuml;ber der gesellschaftlichen Entwicklung zum Ausdruck bringt und Elemente von Depression, Trauer und Gefahr symbolisiert. &bdquo;Die scharfen Ecken und Kanten des Stahls verursachen beim Betrachter ein unbehagliches Gef&uuml;hl. Die Verwendung von Metall, das naturgem&auml;&szlig; kalt, hart und steif ist, zeigt die moderne Stadt als gleichg&uuml;ltigen, unpers&ouml;nlichen Ort. Die bevorzugten Farben des K&uuml;nstlers &mdash; Schwarz, Braun, Dunkelblau und Grau &mdash; erzeugen eine d&uuml;stere Stimmung und lassen die Stadt als raue, trostlose Industrieumgebung erscheinen&ldquo;, deutet Wang.</p>

<p><b>Urbane Einsamkeit</b></p>

<p>Moderne Betonstrukturen, die allgemein f&uuml;r die urbane Entwicklung stehen, dominieren auch Lus Kunstwerke. Lus Geb&auml;ude und Viadukte stehen zumeist leer in scheinbar verlassenen Gegenden. Menschen sind fast nie zu sehen, weshalb sich ein Gef&uuml;hl der Vernachl&auml;ssigung und des Verfalls einstellt. &bdquo;Lus Darstellung desolater und menschenleerer urbaner Gegenden kritisiert, dass Stadterneuerung auf Kosten alter Geb&auml;ude und Gemeinschaften geht, die neuen H&auml;usern weichen m&uuml;ssen&ldquo;, erkl&auml;rt Wang. Lu Hsien-ming entstammt einer Mittelschicht-Familie. Sein Vater war beim Milit&auml;r und kam Ende der vierziger Jahre gemeinsam mit der von der Nationalen Volkspartei (<em>Kuomintang</em>, KMT) gef&uuml;hrten Regierung der Republik China nach Taiwan. Lus Mutter war Grundschullehrerin. Die umfangreiche Zerst&ouml;rung einstiger Wohnsiedlungen von Armeeangeh&ouml;rigen, die Neubauprojekten in Taipeh weichen mussten, war f&uuml;r den jungen Lu ein einschneidendes Erlebnis. Zudem hegt er tiefes Mitgef&uuml;hl zu &auml;lteren Menschen, Obdachlosen, Armen und schlecht bezahlten Menschen in einfachen Besch&auml;ftigungen, kurz &mdash; allen Benachteiligten und Vernachl&auml;ssigten.</p>

<p>&bdquo;Lu hat einen eigenen Stil entwickelt, der alle seine Werke durchzieht. Er thematisiert in seinen Bildern die Stadt und f&auml;ngt erfolgreich ihr ureigenstes Wesen ein. Dies gelingt ihm durch Darstellung urbaner Strukturen oder Menschen&ldquo;, sagt Wang. &bdquo;Seine Kunst soll den Betrachter nicht erfreuen, sondern die Wirklichkeit hinter urbanen Ver&auml;nderungen darstellen. Lu m&ouml;chte die negativen Aspekte zeigen, die Stadterneuerung welche zwischenmenschliche Beziehungen und das Leben der Armen und einfachen Leute hat. Daf&uuml;r thematisiert er allt&auml;gliche M&uuml;hsal und Einsamkeit&ldquo;, erkl&auml;rt Wang und f&uuml;gt hinzu, dass die freudlosen Szenen, die der K&uuml;nstler malt, den Betrachter zum Nachsinnen und zu Selbstreflektion einladen sollen. Lu erinnert sich, dass er in jungen Jahren oftmals unzufrieden war mit politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen und dies in seinen Werken auszudr&uuml;cken versuchte. Das Alter habe ihn jedoch milder gestimmt und jetzt, mit 55 Jahren, m&ouml;chte er Werke schaffen, die objektiv und realistisch sind. &bdquo;Ich m&ouml;chte mit meinen Stadtbildern die Ver&auml;nderungen dokumentieren, die in Taipeh unabl&auml;ssig vonstatten gehen&ldquo;, sagt Lu. &bdquo;Auch zuk&uuml;nftig m&ouml;chte ich mit Mitteln der Kunst zeigen, was ich in der Stadt beobachte. Ich muss mich bem&uuml;hen, noch genauere, facettenreichere und faszinierendere Wiedergaben zu schaffen. Als K&uuml;nstler und Einwohner Taipehs habe ich viel Spa&szlig; daran, den st&auml;ndigen Ver&auml;nderungen der Stadt nachzusp&uuml;ren und mich neuen Herausforderungen enthusiastisch zu stellen.&ldquo;</p>

<p><b>(Deutsch von Sven Meier)</b><br />
&mdash;Quelle: Taiwan Review, November 2014<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Kunsthandwerk in Familientradition]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101629/Kunsthandwerk-in-Familientradition]]></link><guid>101629</guid><pubDate>2015/01/23</pubDate><description><![CDATA[<p><em>Holzschnitzerei ist seit Generationen in Lee Ping-kuei&lsquo;s Familie verwurzelt</em></p>

<p>An einem ruhigen Wochentag im Oktober 2014 herrscht reges Treiben in einem der alten H&auml;user, die die Gassen des Ortes Lugang im taiwanischen Landkreis Changhua s&auml;umen. Gemeinsam mit drei altgedienten Mitarbeitern restauriert der 65-j&auml;hrige Holzschnitzer Lee Ping-kuei (李秉圭) eine S&auml;nfte, die am n&auml;chsten Tag in einer Ausstellung in der Nachbarstadt Taichung gezeigt werden soll. Die S&auml;nfte dient einer Gottheit bei festlichen Umz&uuml;gen als Sitzplatz. Gebaut wurde sie 1948 von Lee Ping-kuei&rsquo;s Vater, Lee Song-lin (李松林, 1907&ndash;1998). &bdquo;Bei der Restauration einer Antiquit&auml;t m&uuml;ssen urspr&uuml;ngliches Aussehen und Stil bewahrt bleiben&ldquo;, sagt Lee Ping-kuei.</p>

<p>Aufgrund des engen Zeitplans konnte die Restauration durch Lee und seine Mitarbeiter erst nach der Ausstellung, die vom Amt f&uuml;r kulturelles Erbe (BCH) organisiert wurde, fertiggestellt werden. Nach der einmonatigen Ausstellung wurde die S&auml;nfte in Lee Ping-kuei&rsquo;s Werkstatt gebracht und dort vollst&auml;ndig repariert. Danach fand sie ihren Weg zur&uuml;ck zu einem kleinen Tempel im Landkreis Yunlin, s&uuml;dlich von Changhua, wo sie seit der Fertigstellung durch Lee&rsquo;s Vater ihre Heimat hat.</p>

<p>Die Restauration der S&auml;nfte, die vom Kulturministerium (MOC), der &uuml;bergeordneten Beh&ouml;rde des BCH, in Auftrag gegeben wurde, hat Lee Ping-kuei sehr gern &uuml;bernommen. Ein Grund daf&uuml;r ist das emotionale Band, das ihn mit der Arbeit seines Vaters, der im hohen Alter von 91 Jahren verschied, verbindet. Aber Lee Ping-kuei ist unter seinen Holzschnitzkollegen auch bekannt f&uuml;r seine au&szlig;ergew&ouml;hnlichen technischen Fertigkeiten und seine Bereitschaft, besonders schwierige Aufgaben zu &uuml;bernehmen. Vater und Sohn sind landesweit respektiert f&uuml;r ihren wichtigen Beitrag zur Holzschnitzkunst. 1985 zeichnete der Kulturrat, der Vorl&auml;ufer des jetzigen Kulturministeriums, Lee Song-lin als einen der ersten K&uuml;nstler mit dem Staatlichen Kultur- und Kunstpreis aus. 2013 nahm das MOC Lee Ping-kuei in seine Liste der Bewahrer wichtiger traditioneller Kunst auf. Diese Liste existiert erst seit 2009 und teilt sich in die Kategorien traditionelle darstellende Kunst und traditionelles Kunsthandwerk. Die darin benannten Meister erfreuen sich landesweiter Hochsch&auml;tzung.</p>

<p>Die Holzschnitz-Tradition der Familie Lee wurde schon begr&uuml;ndet, als die Vorfahren der Familie noch in Quanzhou, in der festlandchinesischen Provinz Fujian, lebten. Lee Ping-kuei erz&auml;hlt, dass seine Ahnen in der ersten H&auml;lfte des 19. Jahrhunderts &uuml;ber das Meer nach Taiwan kamen und Tempelbauarbeiten in Lugang &uuml;bernahmen. Damals war Lugang eine der reichsten St&auml;dte Taiwans. Die Lee-Familie lie&szlig; sich dort nieder und startete ein Familienunternehmen, in dem M&ouml;bel, kleine Alt&auml;re und Einbauten f&uuml;r H&auml;user und Tempel, wie Fensterrahmen und Zaojings (dekorative Caisson-Decken) produziert wurden. In den sp&auml;ten 1910er Jahren erlernte Lee Song-lin das Schnitzhandwerk und schon mit 18 Jahren spielte er eine wichtige Rolle bei der vier Jahre dauernden Restauration des Luganger Mazu-Tempels.</p>

<p>&bdquo;Was mein Vater zu Hause tat, hat mich langsam, aber stetig beeinflusst. Und so versuchte ich mich ebenfalls an Holzschnitzerei&ldquo;, erinnert sch Lee Ping-kuei an seine Jugend. Manchmal bekam er sogar &Auml;rger, weil er an halbfertigen St&uuml;cken seine F&auml;higkeiten ausprobierte. Zun&auml;chst erwarb Lee Kenntnisse in zwei der wichtigsten Holzschnitz-Techniken: dem Relief-Schnitzen und dem Durchbruch-Schnitzen. Sp&auml;ter wand er sich dem weitaus schwierigeren Schnitzen dreidimensionaler Figuren zu. &bdquo;K&uuml;nstler finden diese Technik besonders kompliziert, aber irgendwann muss man sich der Herausforderung stellen, um voranzukommen&ldquo;, erkl&auml;rt Lee.</p>

<p><b>Herausforderungen meistern</b></p>

<p>Nach Beendigung seines Wehrdienstes in den sp&auml;ten 1960er Jahren begann Lee eine hauptberufliche T&auml;tigkeit als Mitarbeiter seines Vaters. Mit jedem Jahr wurde er technisch versierter und meisterte vielf&auml;ltige Projekte. &bdquo;Egal ob menschliche Figuren, Blumen oder V&ouml;gel - Lee beherrscht alle Elemente der traditionellen Holzschnitzkunst&ldquo;, sagt Chuang Po-ho (莊伯和), Experte f&uuml;r kulturelles Erbe und Vorstandsmitglied der MOC-finanzierten Staatlichen Stiftung f&uuml;r Kultur und Kunst (NCAF). Lee Ping-kuei betont, dass menschliche Figuren besonders schwer zu schnitzen seien. &bdquo;Wenn man Menschen oder Gottheiten herstellt, kann man sich weniger Nachl&auml;ssigkeit erlauben&ldquo;, sagt Lee. &bdquo;Der Betrachter ist eher bereit, Ungenauigkeiten in nicht-menschlichen Figuren zu akzeptieren, als zum Beispiel ein unproportioniert langes menschliches Bein.&ldquo;</p>

<p>&bdquo;Wichtig ist, dass Lee seine Sch&ouml;pfungen mit k&uuml;nstlerischem Wert versehen will, w&auml;hrend viele andere seiner Berufskollegen sich damit zufrieden geben, als versierte Kunsthandwerker zu gelten&ldquo;, sagt Chuang Po-ho. &bdquo;Lee ist um Kreativit&auml;t bem&uuml;ht, aber respektiert gleichzeitig die Traditionen und Regeln seines Handwerks, die zum Beispiel festlegen, dass Besonderheiten bestimmter Buddha-Figuren nicht ver&auml;ndert werden d&uuml;rfen.&ldquo; NCAF-Vorstandsmitglied Chuang verr&auml;t, dass ihn insbesondere Lee&rsquo;s Guanyin- und FeiTian-Figuren, die die G&ouml;ttin der Gnade bzw. eine Gottheit der Musik abbilden, beeindrucken. &bdquo;Lee&rsquo;s k&uuml;nstlerisches Talent kommt am besten in seinen dynamischen FeiTian-Figuren zum Ausdruck&ldquo;, f&uuml;gt Chuang hinzu. FeiTian wird in der Regel in Form einer fliegenden Frau dargestellt.</p>

<p>Lee unterscheidet sich von vielen seiner Kollegen auch durch sein Interesse f&uuml;r andere Bereiche. Bereits als Teenager erhielt Lee neben seiner normalen schulischen Ausbildung Unterricht in Kalligraphie, chinesischer Malerei, chinesischer Geschichte und Literatur. Laut Chuang Po-ho ist dies ein Grund f&uuml;r Lee&rsquo;s kulturelles Wissen und au&szlig;ergew&ouml;hnliches Kunstgef&uuml;hl. In Lugang, dessen Geschichte als wichtiges kulturelles und religi&ouml;ses Zentrum weit zur&uuml;ckreicht, gibt es eine ganze Reihe Meister mit &auml;hnlich profundem Wissen wie Lee.</p>

<p>&bdquo;Keiner dieser Privatlehrer nutzte Lehrb&uuml;cher zur Wissensvermittlung&ldquo;, erinnert sich Lee. &bdquo;Mein Wissen habe ich durch gemeinsame Gespr&auml;che &uuml;ber Literatur erhalten oder indem ich ihren geschichtlichen Erz&auml;hlungen zugeh&ouml;rt und beim kalligraphischen Zeichnen zugeschaut habe.&ldquo; Lee f&uuml;gt hinzu, dass keiner dieser Lehrmeister sehr gespr&auml;chig war. Dennoch stellte er viele Fragen, um von ihnen zu lernen. Der kalligraphische Einfluss ist besonders auff&auml;llig in Lee&rsquo;s Werken. Viele seiner Schnitzereien sind mit Kalligraphie verziert.</p>

<p>Jahrelange Verfeinerung seiner Techniken und der Wille, seinen Sch&ouml;pfungen k&uuml;nstlerischen Wert zu verleihen, haben Lee allm&auml;hlich in den Stand eines Meisterschnitzers gehoben. Bereits 1984 im Alter von 35 Jahren nahm er gemeinsam mit anderen Holzschnitzern aus Lugang an Ausstellungen teil. Seine erste Solo-Schau folgte 1992 im Landkreis Changhua. 1995 zeigten er und sein Vater ihre Kunstschnitzereien bei zwei Ausstellungen in den USA, an der Universit&auml;t von Massachusetts und auf Rode Island.</p>

<p>Obwohl Lee weiterhin auch Reparaturen an Tempeln vornimmt und Einbauten herstellt, widmet er jetzt den Gro&szlig;teil seiner Zeit k&uuml;nstlerischen St&uuml;cken. Im Jahre 2008 hat das Staatliche Forschungs- und Entwicklungsinstitut f&uuml;r taiwanisches Kunsthandwerk (NTCRI) im mitteltaiwanischen Landkreis Nantou das Yii-Projekt ins Leben gerufen, das Industriedesigner mit K&uuml;nstlern zusammenbringt, um au&szlig;ergew&ouml;hnliche und exquisite Kunstst&uuml;cke zu erschaffen. Lee geh&ouml;rte zu den acht eingeladenen K&uuml;nstlern des ersten Projektjahres. &bdquo;Die Designer hatten tolle Ideen, die sie gemeinsam mit den K&uuml;nstlern diskutiert und weiterentwickelt haben. Letztere haben diese dann umgesetzt&ldquo;, erl&auml;utert Yu hu-chia (余慧佳), die seit 2008 als NTCRI-Projektassistentin am Yii-Programm beteiligt ist. &bdquo;Die beeindruckenden Fertigkeiten von Meistern wie Lee Ping-kuei steigern enorm den &auml;sthetischen Wert guter moderner Designideen&ldquo;, erkl&auml;rt sie. Im Rahmen der ersten Ausstellung schufen Lee und sein Industriedesign-Partner einen Appearance genannten Lampensockel. Das gemeinsame Werk wurde sp&auml;ter unter anderem auf M&ouml;belmessen in Paris (2008) und Mailand (2009) gezeigt.</p>

<p>Der kommerzielle Wert seiner Kreationen ist f&uuml;r Lee nicht wichtig. &bdquo;Ich schaffe Skulpturen, weil ich diese Arbeit mag&ldquo;, sagt der K&uuml;nstler, dessen Werke besonders Gesch&auml;ftsleute gern sammeln. &bdquo;Meine St&uuml;cke sind verk&auml;uflich, aber ich behalte sie auch gern&ldquo;, sagt Lee. Gelegentlich wird er eingeladen, seine Schnitzereien im In- oder Ausland auszustellen. Im Dezember 2013 reiste er gemeinsam mit drei anderen vom MOC als Bewahrer wichtiger traditioneller Kunst ausgezeichneter Kollegen f&uuml;r eine 19-t&auml;gige Ausstellung ins belgische Boortmeerbeek. Die Reise wurde von der Landkreisverwaltung Changhua finanziert. Zw&ouml;lf Kreationen Lee&rsquo;s wurden in der kleinen Stadt nord&ouml;stlich von Br&uuml;ssel gezeigt.</p>

<p>Lee Ping-kuei und seine Vorfahren konnten von ihrem Kunsthandwerk leben und sogar kleine Ber&uuml;hmtheiten der Holzschnitzerei werden. Aber man muss leider konstatieren, dass die Tradition langsam verblasst. Es f&auml;llt den Werkst&auml;tten immer schwerer, neue junge Kr&auml;fte anzuziehen. Dies betrifft sogar die traditionellen Hochburgen wie Lugang und die Gemeinde Sanyi im nordtaiwanischen Landkreis Miaoli, wo sich das Sanyi-Museum f&uuml;r Holzschnitzereien befindet. Die Mehrzahl der heute in Taiwan verkauften Holzschnitzereien sind in Festlandchina vorgefertigt und werden in Taiwan nur noch fertiggestellt. &bdquo;Einige Leute besch&auml;ftigen sich heutzutage ausschlie&szlig;lich mit Handel&ldquo;, sagt Lee. &bdquo;Die, die noch Skulpturen schnitzen, tun dies f&uuml;r Ausstellungen. Dadurch k&ouml;nnen sie ber&uuml;hmt werden und ihre Werke Sammlern anbieten.&ldquo;</p>

<p>Chuang Po-ho verr&auml;t, dass vor 30 Jahren allein in Lugang noch fast tausend Holzschnitzer t&auml;tig waren, die zuweilen sogar nach Japan reisten, um dort tempor&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse aufzunehmen. Obwohl das Interesse an diesem traditionellen Kunsthandwerk nachgelassen hat, gibt sich der Kulturerbe-Experte hoffnungsvoll: &bdquo;Die Branche ist heute viel kleiner als fr&uuml;her und es wird weniger produziert. Aber Taiwan hat noch immer hervorragende Meister, die ausgezeichnete Qualit&auml;t liefern.&ldquo;</p>

<p>Diesen Meistern und ihrer T&auml;tigkeit geb&uuml;hrt Respekt und Anerkennung, ist Chuang &uuml;berzeugt. Lee&rsquo;s Bedeutung als Bewahrer traditioneller Kunst wird mit den Jahren noch weiter steigen.</p>

<p>Schreiben Sie an Oscar Chung unter: mhchung@mofa.gov.tw</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Schöpferische Zerstörung]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101628/Sch%C3%B6pferische-Zerst%C3%B6rung]]></link><guid>101628</guid><pubDate>2014/11/14</pubDate><description><![CDATA[<p>Chen San-huo bringt traditionelles Handwerk vom Tempeldach in die Kunstgalerien.</p>

<p>Normalerweise ist es f&uuml;r einen Porzellank&uuml;nstler &auml;u&szlig;erst frustrierend, wenn er beim &Ouml;ffnen des Brennofens feststellen muss, dass die sorgf&auml;ltig gefertigte Skulptur gesprungen oder gar zerbrochen ist. F&uuml;r Chen San-huo, einen Meister der Kunsthandwerksart <i>JianNian</i>, hingegen beginnt die Arbeit mit dem absichtlichen Zerbrechen von Schalen, Tellern und Vasen. Gem&auml;&szlig; ihrer Farben und Formen ordnet er diese Scherben alsdann auf Betonk&ouml;rpern an, die menschliche oder tierische Gestalt haben. Dadurch schafft er neue Kunstwerke. &bdquo;Wir sammeln und verwenden das, was andere wegwerfen&ldquo;, sagt Chen. &bdquo;<i>JianNian</i> ist ein Handwerk, das Abfall zu Kunst macht.&ldquo;</p>

<p>W&ouml;rtlich &uuml;bersetzt bedeutet <i>JianNian</i> &bdquo;Zerschneiden und Einf&uuml;gen&ldquo; und beschreibt die Kernidee des Handwerks, dem die Skulpturen auf chinesischen Tempeld&auml;chern zu verdanken sind. Diese Figuren haben nicht nur dekorative Zwecke, sondern direkten Bezug zur chinesischen Geschichte, Literatur, Mythologie und Religion. Eine Figurengruppe, die den Dachfirst eines Tempels ziert, kann zum Beispiel eine historische Sage widerspiegeln, inklusive reitendem General, Fu&szlig;soldaten und Gehilfen. Oder auch drei Gl&uuml;cksg&ouml;tter, die aus luftiger H&ouml;he ihren g&ouml;ttlichen Willen verk&uuml;nden. Dieses Kunsthandwerk hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. F&uuml;r neue oder renovierte Tempel wird heutzutage verst&auml;rkt farbiges Glas verwendet anstatt traditioneller Porzellanscherben, denn Glas ist billiger, leicht verf&uuml;gbar, einfacher zurechtzuschneiden und farbenfroher.</p>

<p>Die <i>JianNian-</i>Kunst stammt urspr&uuml;nglich aus den festlandchinesischen K&uuml;stenprovinzen Guangdong und Fujian. Anfang der 1910er Jahre brachten Zuwanderer diese Fertigkeiten nach Taiwan. Als der taiwanische Tempelbau in den zwanziger Jahren einen Boom erlebte, kamen sehr viele festlandchinesische Kunsthandwerker nach Taiwan, um an der Gestaltung der neuen Andachtsst&auml;tten mitzuwirken. Schon damals gab es unterschiedliche <i>JianNian</i>-Schulen, die zwar eine gemeinsame Grundlage besa&szlig;en, sich aber durch Besonderheiten und Design unterschieden. So richtete He Jin-long, ein K&uuml;nstler aus Guangdong, sein Augenmerk verst&auml;rkt auf die Haltung der Skulpturen und hatte ein Faible f&uuml;r milit&auml;rische Szenen. Hong Kun-fu hingegen, ein Meister aus Fujian, gestaltete besonders aufw&auml;ndige St&uuml;cke und bevorzugte zivile Figuren.</p>

<div class="pic left"><img alt="Chen San-huo mit seinem Werk aus 2013 „Das Ohr im Wind“." src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20240624103023755.jpg" />
<p>Chen San-huo mit seinem Werk aus 2013 &bdquo;Das Ohr im Wind&ldquo;.</p>
</div>

<p>Chen San-huo, der 1949 in der Gemeinde Madou im s&uuml;dtaiwanischen Landkreis Tainan (heute: Bezirk Madou in der Stadt Tainan) geboren wurde, stammt aus einer Familie, die im Tempel-Kunsthandwerk t&auml;tig war. Schon als Kind kam er mit den verschiedensten Techniken in Ber&uuml;hrung. In den Sommer- und Winterferien begleitete er seinen Vater und zwei &auml;ltere Br&uuml;der, die als Tempelmaler, <i>JianNian</i>-K&uuml;nstler und Steinmetz t&auml;tig waren, zur Arbeit. Chens Vater wollte, dass sein Sohn Holzschnitzerei f&uuml;r Tempel erlernt. Aber nachdem dieser einen Sommer lang die verschiedenen Kunsthandwerker im Tempel bei der Arbeit beobachtet hatte, entschied er sich f&uuml;r <i>JianNian</i>. Chen entsinnt sich: &bdquo;Ich fand es toll, wie die Kunsthandwerker Glas oder Keramik zerschnitten und dann zu neuen Kreationen zusammensetzten. Ich habe eine Weile nachgedacht und mich dann f&uuml;r <i>JianNian</i> und gegen Holzschnitzerei entschieden.&ldquo;</p>

<p><b>Lehrjahre</b></p>

<p>Der junge Chen war so begeistert von seiner Arbeit, dass er auf das Abschlussjahr der Mittelschule verzichtete, um fr&uuml;her Geselle bei seinem Bruder Li Shi-yi zu werden. Li Shi-yi hatte sein K&ouml;nnen bei zwei Sch&uuml;lern von Hong Kun-fu gelernt. Obwohl er zum Lehrmeister in famili&auml;rer Beziehung stand, konnte Chen sich nur an sehr wenigen Privilegien erfreuen. Wie bei anderen Gesellen auch reichte Chens Aufgabengebiet vom Reinigen und Essenkochen bis zur Vorbereitung der Werkzeuge und Materialien. Der einzige wirkliche Vorteil war, dass sich Meister Li Zeit nahm, seinen j&uuml;ngeren Bruder tats&auml;chlich zu unterrichten. Im normalen Meister-Gesellen-Verh&auml;ltnis war dies n&auml;mlich keineswegs selbstverst&auml;ndlich. &bdquo;Traditionell war es so, dass der Meister st&auml;ndig arbeitete und die Sch&uuml;ler ihr K&ouml;nnen durch Beobachtung und Nachahmung entwickelten&ldquo;, erkl&auml;rt Chen. &bdquo;Mein Bruder war zuweilen aufbrausend, aber er hat mir alles beigebracht, was ich f&uuml;r <i>JianNian</i> wissen musste.&ldquo;</p>

<div class="pic left"><img alt="Sprung (2001), 40 x 35 x 20 cm (Foto mit freundlicher Genehmigung von Chen San-huo)" src="https://image.taiwantoday.tw/images/content_info/img20240624103034230.jpg" />
<p>Sprung (2001), 40 x 35 x 20 cm (Foto mit freundlicher Genehmigung von Chen San-huo)</p>
</div>

<p>Chen erinnert sich an eine Begebenheit w&auml;hrend seiner Lehrjahre, als er einen Ph&ouml;nix modellierte und daf&uuml;r die Federn gleichm&auml;&szlig;ig entlang der Fl&uuml;gel anordnete. Er war auf seine Arbeit recht stolz, aber sein Meister und Bruder Li kritisierte, dass der Vogel unnat&uuml;rlich wirke. Tats&auml;chlich weiten sich n&auml;mlich die Abst&auml;nde zwischen den Federn an der Fl&uuml;gelspitze echter V&ouml;gel. &bdquo;Mein Bruder versuchte mir beizubringen, dass ich mehr beobachten und nachdenken m&uuml;sste. Ich sollte mehr auf Details achten und nicht nur andere nachahmen&ldquo;, rekapituliert Chen. &bdquo;Das Anbringen der Federn ist technisch kein Problem, aber wie dies geschieht, das unterscheidet den <i>JianNian</i>-K&uuml;nstler vom <i>JianNian</i>-Handwerker.&ldquo;</p>

<p>Chens Lehrzeit dauerte 40 Monate und endete 1969. Danach wurde er Gesch&auml;ftspartner seines Bruders. In jener Zeit waren Tempel-Kunsthandwerker sehr gut besch&auml;ftigt, denn eine Vielzahl Tempel wurde gebaut oder renoviert. In den nachfolgenden drei Jahrzehnten bis kurz nach der Jahrtausendwende arbeiteten die beiden Br&uuml;der an 100 Tempeln in ganz Taiwan. Um ihre Reisezeit zu minimieren, wohnten die Handwerker w&auml;hrend des Projektes gew&ouml;hnlich auf der Baustelle und zogen nach Fertigstellung zum n&auml;chsten Tempel. &bdquo;Das Leben als Nomade war hart&ldquo;, meint Chen r&uuml;ckblickend. &bdquo;Aber man konnte anderen Meistern bei der Arbeit zusehen, mit ihnen sprechen und st&auml;ndig hinzulernen.&ldquo;</p>

<p>Im Laufe der Zeit vervollkommnete Chen seine Fertigkeiten auch dank der Restaurationsarbeiten an alten Tempeln. Als eine der wichtigsten Erfahrungen seines Arbeitslebens benennt er die Wiederherstellungsarbeiten am Zhujai-Tempel, der durch ein starkes Erdbeben in Mitteltaiwan am 21.September 1999 stark besch&auml;digt worden war. Der Tempel stammt aus dem Jahre 1777 und befindet sich im heutigen Bezirk Fengyuan der Stadt Taichung. &Uuml;ber viele Jahre hinweg hatten zahlreiche Meister aus Festlandchina und Taiwan hier herausragende <i>JianNian</i>-Skulpturen im Zuge von Tempelerweiterungen oder Renovierungen geschaffen. &bdquo;Um diese Werke originalgetreu zu restaurieren, musste ich Materialien, Stilrichtungen, Techniken und vieles mehr &uuml;ber die urspr&uuml;nglichen Meister recherchieren&ldquo;, berichtet Chen. &bdquo;Das war viel schwieriger als die Erschaffung neuer Skulpturen, aber er&ouml;ffnete mir die Chance, von gro&szlig;en historischen K&uuml;nstlern zu lernen.&ldquo;</p>

<p>W&auml;hrend seiner Arbeit am Zhujai-Tempel entwickelte Chen seine einzigartige <i>JianNian</i>-Technik, die sich dadurch auszeichnet, dass die Glas- oder Keramikst&uuml;cke nicht, wie &uuml;ber Jahrhunderte &uuml;blich, in die gew&uuml;nschte Form und Gr&ouml;&szlig;e geschnitten, sondern mittels Zangen einfach unregelm&auml;&szlig;ig zerbrochen werden. Zum ersten Mal verwendete Chen diese Technik, als er einer Eingebung folgend Scherben einer zerbrochenen Vase zu einer menschlichen Skulptur zusammensetzte. &Uuml;berraschenderweise erregte diese Kreation viel Aufmerksamkeit unter seinen Kollegen und Besuchern des Tempels. Manche fragten sogar nach dem Kaufpreis der Figur. Befl&uuml;gelt durch diese positiven Reaktionen begann Chen, in seiner Freizeit mit der neuen Technik zu experimentieren. &bdquo;Der Trick besteht darin herauszufinden, an welcher Stelle man wie stark zuschlagen muss&ldquo;, sagt Chen. &bdquo;Ich kann das schwer erkl&auml;ren, aber es gelingt mir zumeist, die Sachen so zu zerbrechen, dass Scherben in den gew&uuml;nschten Formen entstehen.&ldquo;</p>

<p><b>Frischer Wind </b></p>

<p>Den ersten professionellen Einsatz erlebte seine neue Technik 2003, als Chen Skulpturen f&uuml;r den Tainaner Fuan-Tempel fertigte. Hsiao Chong-ray, Professor f&uuml;r Kunstgeschichte an der Geschichtsfakult&auml;t der National Cheng Kung University, lobt Chens neue Technik als einen gro&szlig;en Durchbruch f&uuml;r <i>JianNian</i>, denn sie erm&ouml;glicht neue Wege f&uuml;r diese althergebrachte Kunst. Gleichfalls bedeutend ist es, dass diese Neuentwicklung in eine Zeit fiel, als die Nachfrage nach dieser traditionellen Kunstform stark nachlie&szlig;.</p>

<p>Als Chen kurz nach der Jahrtausendwende an den Zhujai- und Fuan-Tempeln arbeitete, waren viele <i>JianNian</i>-Meister gezwungen, sich einen neuen Broterwerb zu suchen. In Massenproduktion gefertigte Baus&auml;tze popul&auml;rer <i>JianNian</i>-Motive dr&auml;ngten auf den Markt und fanden vor allem in kleineren Tempeln rege Verwendung. &bdquo;Das hat nichts mehr mit Kunsthandwerk zu tun&ldquo;, sagt Chen, &bdquo;Jeder kann die Gebrauchsanweisungen lesen und die Skulptur zusammensetzen. Das ist billiger und schneller. Aber der individuelle Stil und die k&uuml;nstlerische Sch&ouml;nheit gehen verloren.&ldquo;</p>

<p>Heute vergeben nur noch einige gro&szlig;e oder sehr alte Tempel Auftr&auml;ge an Kunsthandwerker. Um &uuml;ber die Runden zu kommen, begann Chen vor 20 Jahren einen Nebenjob, indem er Pomelos anbaut. Die 600&nbsp;000 NT$ (15&nbsp;000 Euro), die ihm dieser Nebenerwerb bei der Ernte einbringt, kann seine Familie gut gebrauchen.</p>

<p>Der pl&ouml;tzliche Tod seines Bruders Li Shi-yi und der starke Auftragsr&uuml;ckgang f&uuml;r<i> JianNian</i>-Meister &auml;nderten Chens Arbeitseinstellung. &bdquo;Ich hatte nur f&uuml;r meine Arbeit gelebt, aber nach dem Tod meines Bruders begann ich mich mehr mit <i>JianNian</i> als Kunstform zu befassen&ldquo;, erkl&auml;rt er. &bdquo;Ich &uuml;berlegte, ob man <i>JianNian</i> nicht als eigenst&auml;ndige Kunst etablieren k&ouml;nnte, anstatt nur als Tempeldekoration. Ich entschloss mich, die Skulpturen vom Tempeldach in die Kunstgalerien zu bringen.&ldquo; Nachdem er diese Entscheidung getroffen hatte, verwendete Chen viel Zeit, um Kunstwerke mit seiner speziellen Technik anzufertigen. <i>JianNian</i>-Skulpturen f&uuml;r den Kunstmarkt erwiesen sich jedoch als schwierige Herausforderung. Die Figuren auf den Tempeld&auml;chern werden aus der Entfernung betrachtet. Manche Einzelheiten wie zum Beispiel die R&uuml;ckseite der St&uuml;cke sind daher weniger wichtig. Wenn die Skulptur jedoch aus der N&auml;he angeschaut wird, muss jedes Detail perfekt sein.</p>

<p>Chens erste Soloausstellung fand 2004 im Kulturzentrum seines Heimatorts statt. Die meisten Ausstellungsst&uuml;cke orientierten sich an traditionellen <i>JianNian</i>-Motiven wie Sagengestalten und Gl&uuml;cksbringern, aber Chen zeigte auch neue Ideen, wie Kinder, die mit Feuerwerk spielen. &bdquo;Wenn ich f&uuml;r Tempel arbeite, muss ich bestimmte Regeln und Normen einhalten. Aber in meiner Werkstatt kann ich meiner Phantasie freien Lauf lassen&ldquo;, erl&auml;utert Chen. Im Jahre 2007 wurde Chens Atelier vom &bdquo;Staatlichen taiwanischen Forschungs- und Entwicklungsinstituts f&uuml;r Kunsthandwerk&ldquo; mit dem Titel &bdquo;Taiwan Kunst-Werkstatt&ldquo; geehrt. Im Rahmen dieses Programms wurden bisher 140 Unternehmen in unterschiedlichen Handwerksbereichen in ganz Taiwan f&uuml;r herausragende Fertigkeiten ausgezeichnet.</p>

<p>Aber Meister Chen ist nicht nur mit neuen Skulpturen, Ausstellungen und Tempelverzierung besch&auml;ftigt. Seit 2007 lehrt er <i>JianNian</i> an der Volkshochschule seines Heimatorts. Seine dortigen Sch&uuml;ler haben nicht den Anspruch, eines Tages <i>JianNian</i>-K&uuml;nstler zu werden. Aber das st&ouml;rt Chen nicht. &bdquo;Ich bilde keine Kunsthandwerker aus&ldquo;, sagt er, &bdquo;Ich lasse andere Menschen an meiner Arbeit teilhaben. Sie erfahren mehr &uuml;ber <i>JianNian</i> und finden vielleicht auch Gefallen daran.&ldquo;</p>

<p>2010 wurde Chen San-huo vom damaligen Rat f&uuml;r kulturelle Angelegenheiten (<i>Council for Cultural Affairs</i>, CCA) &mdash; dem Vorl&auml;ufer des heutigen Kulturministeriums &mdash; als Kunsthandwerksmeister und wichtiger Bewahrer des <i>JianNian</i>-Kulturerbes anerkannt. Ein Meister ist er zweifellos, aber vielleicht ist er eher ein Erneuerer als ein Bewahrer. Indem er seine Scherben nicht mehr zuschneidet und die <i>JianNian</i>-Kunst vom Tempeldach in die Kunstgalerie gebracht hat, hat er sein Kunsthandwerk weiterentwickelt und die Fr&uuml;chte seines Arbeitslebens neuen Bewunderern zug&auml;nglich gemacht.</p>

<p align="right"><b><i>(Deutsch von Sven Meier) </i></b></p>

<p>&mdash;Quelle: Taiwan Review, 10/01/2014 (S. 60-65)<br />
&mdash;Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com</p>]]></description></item><item><title><![CDATA[Eine Wiedergeburt von Stammestraditionen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101627/Eine-Wiedergeburt-von-Stammestraditionen]]></link><guid>101627</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Diese Szenen, diese Ereignisse,<BR>sie haben ihre Spuren im vom Taifun heimgesuchten Land hinterlassen.<BR>Ich will hinauf in die Berge,<BR>meinen Geist dem Wind folgen lassen,<BR>dort, wo ich den Noten aus meiner Seele lausche,<BR>am Flüsschen Oden für das Land singe.<BR>Ich will nochmals in Gewänder aus Wind gehüllt werden und<BR>aus Farbe, die einen alten Refrain summt.<BR>In meinen Träumen erinnere ich mich deutlich an Bergwinde, duftend wie früher.<BR>— aus: Die duftenden Bergwinde von Etan Pavavalung
<P>Im August 2009 brachte der Taifun Morakot tragische Verwüstung nach Zentral- und Südtaiwan, forderte fast 700 Menschenleben, verursachte schwere Schäden an 1766 Häusern und erzwang die dauerhafte Umsiedlung von über 10&nbsp;000 Personen, von denen die meisten in abgelegenen Bergregionen gelebt hatten. Im Dezember 2010 war Etan Pavavalung einer der Überlebenden des Taifuns aus der Gemeinde Sandimen im südtaiwanischen Landkreis Pingtung, die in permanente Behausungen in einem städtischen Umfeld am Fuße der Berge umzogen. Pavavalung ist Angehöriger des Paiwan-Stammes, und viele der Stammesmitglieder zogen in diese neuen Häuser, die kostenlos durch eine Partnerschaft zwischen Regierungsbehörden und Nichtregierungsorganisationen (<I>Nongovernmental Organization</I>, NGO) bereitgestellt werden konnten. Die Dörfler waren dankbar für die Hilfe, die sie bekamen, doch wegen der Umstellung auf eine neue Umgebung und der starken Bindung an die frühere Heimat blieben sie unstet, besonders die Älteren, die ihr Leben lang im Stammesdorf gewohnt hatten.
<P>An einem Nachmittag in der neuen Heimat saß einer der Älteren vor seinem schlecht belüfteten Haus und sang: „Oh, wie süß mundet das Wasser in der Heimat! Wie duftend ist der Wind, der den Fluss herabweht!“ Sein Gesang inspirierte Pavavalung dazu, das Gedicht <I>Die duftenden Bergwinde</I> zu schreiben sowie einen Dokumentarfilm mit dem gleichen Titel über die Umsiedlung nach der Katastrophe und die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau, welche die Menschen seines Stammes erfahren hatten, zu produzieren.
<P>Das Leben versetzte Pavavalung einen weiteren harten Schlag, als seine Mutter ein Jahr nach dem verheerenden Taifun starb. „Meine Mutter pflegte zu sagen, heutzutage hätten die Menschen weniger Respekt vor dem Land“, erinnert er sich. „Infolgedessen müssten wir wegen Abholzung und Küstenerosion eine Katastrophe nach der anderen erdulden. Durch den Tod meiner Mutter und die Entwurzelung nach der Katastrophe fühlte ich mich oft hilflos. Ich bemühte mich sehr, diese traumatischen Ereignisse zu Kunstwerken, Filmen, Bilderbüchern, Gedichten und Prosa zu verarbeiten, um neues Selbstvertrauen und eine positive Einstellung zu finden.“
<P>Pavavalung benutzt gern unterschiedliche Kunstformen, um den Wiederaufbau nach der Katastrophe zu zeigen, wobei es nicht nur um den physischen Wiederaufbau geht, sondern auch um die emotionale und spirituelle Komponente. „Mein Hauptanliegen ist, das Verhältnis zwischen Mensch und Land und das zwischen Mensch und Natur zu erforschen“, legt er dar. „Zwar leben wir in einem technologischen Zeitalter, doch wir sollten die reine Schönheit der Natur im Gedächtnis behalten und nicht vergessen, das Land zu schützen, das uns vom Schöpfer gegeben wurde. Die Vorstellung vom Schutz hat ihren Ursprung in der Philosophie des Lebens, die von unseren Ahnen an uns weitergegeben wurde.“
<DIV class=photo>
<IMG alt="Eine Wiedergeburt von Stammestraditionen-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p60.jpg" MMOID="222855">
<P>Der Paiwan-Künstler Etan Pavavalung im Taipei Fine Arts Museum (TFAM), das von März bis Mai dieses Jahres seine Kunst, Gedichte und Installationsarbeiten vorstellte. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Taipei Fine Arts Museum)</P></DIV>
<P>Der heute 51-jährige Pavavalung wirkte lange als Ölmaler, fing dann aber an, eine neue Reihe von Werken zu entwickeln, indem er auf Holzbrettern schnitzte und diese bemalte. Bei diesem künstlerischen Stil werden mit einem Gravurstichel dünne Linien in eine Holzplatte geschnitten, anschließend wird mit einem Malpinsel, einem Stift oder einem Farbroller Farbe aufgetragen. Die Idee, diese Kunstform zu schaffen, kommt von dem Paiwan-Wort „ve-ne-cik“, das sich auf Schnitzen, Sticken oder Schreiben beziehen kann. Das Ursprungswort „vecik“ bedeutet geschriebene Sprache und auch Linien und Muster auf Kleidungsstücken, Wohnstätten, Gerätschaften und Kunstwerken. „Meine Absicht ist, eine neue Schreibform zu erfinden, welche die Glaubensvorstellungen und Sitten meines Volksstammes, die eng mit den Elementen der Natur zusammenhängen, und auch den Weg zu Erholung und Wiedergeburt repräsentiert“, erläutert der Künstler. „Daneben hoffe ich, dass meine neuen Werke einen Dialog innerhalb der zeitgenössischen Gesellschaft fördern können. Ich würde mich freuen, wenn Ureinwohnerkunst nicht nur für die Ureinwohner, sondern für alle Taiwaner ein kulturell wertvolles Gut werden könnte.“
<P>In Anerkennung für Pavavalungs künstlerische Ideale und Techniken veranstaltete das Taipei Fine Arts Museum (TFAM) von März bis Mai dieses Jahres eine Ausstellung, bei der 49 geschnitzte und bemalte Holzbretter zu sehen waren, begleitet von Gedichten, dem Dokumentarfilm <I>Die duftenden Bergwinde</I> und Installationsarbeiten des Künstlers. TFAM-Direktor Huang Hai-ming freut sich, dass sein Museum eine Ausstellung für einen herausragenden Ureinwohnerkünstler wie Pavavalung organisieren konnte, denn in den vergangenen Jahren gab es für das TFAM nicht viele solche Gelegenheiten. Außerdem meint Huang, das ökologische Wissen und die Weisheit der Ureinwohner über nachhaltige Entwicklung beeindruckten ihn sehr. „Pavavalung verwandelt ein traumatisches Ereignis in kreative Energie, indem er aus Naturbildern, welche sein Stamm bevorzugt (Tiere, Pflanzen, Berge, Flüsse, Sterne und die Sonne), moderne Totems macht“, beschreibt er. „Beim Betrachten der Werke kann man die Schönheit der Natur spüren und möchte ihr nahekommen.“
<P><B>Offenkundig modern</B>
<P>Li Jun-hsian, der ehemalige Direktor des Kaohsiung Museum of Fine Arts in Südtaiwan, bekam Pavavalungs Werke erstmals 2010 zu Gesicht und war von der Kreativität und Innovation des Künstlers beeindruckt. Ihm fiel auf, dass die meisten Ureinwohnerkünstler sich auf die Schaffung dreidimensionaler Werke konzentrieren wie Skulpturen und Installationskunst, Pavavalung sich aber mit seinem Schwerpunkt auf grafischer Kunst davon abhebt. „Seine Kreationen enthalten kulturelle und traditionelle Merkmale, durch welche die Betrachter etwas über die Kultur und Lebensweise der Paiwan erfahren können“, doziert Li. „Gleichzeitig sind sie in einer modernen Kunstform mit ästhetisch ansprechenden Farbkombinationen ausgedrückt.“
<P>Im Jahr 2012 lud Li Pavavalung zur Teilnahme an einer Ausstellung ein, die er in einer privaten Galerie kuratierte. Die sechs Arbeiten des Künstlers erhielten bei der Veranstaltung erhebliche Aufmerksamkeit und waren schnell verkauft. „Er ist ein talentierter und produktiver Künstler, der unablässig neue hochwertige Werke unterschiedlicher Art hervorbringt“, lobt Li. „Ich bewundere seinen Fleiß und hege große Erwartungen für seine Kunst.“
<P>Der Paiwan-Stamm hat laut Li einen Erbadel, bei dem dekorative Kunst großgeschrieben wird, und dadurch entstanden raffinierte Designs für Accessoires, Kleider und Wohnstätten-Zierat sowie ein Bildersystem von totemistischen Darstellungen. Typische Paiwan-Totems sind etwa Abbildungen von Tieren wie dem Wildschwein, dem Hirsch und dem Adler, was zurückgeht auf seit Generationen gepflegte Jagdpraktiken und einen kulturellen Schwerpunkt auf Jagdfertigkeiten von männlichen Angehörigen des Stammes. Im Allgemeinen befassen Paiwan-Künstler sich mit solchen konventionellen Darstellungen, aber Pavavalungs Arbeit zeigt mehr Pflanzen und persönliche Erfahrungen als Tiere. Außerdem kombiniert er Holzschnitzerei mit Herstellung von Druckvorlagen und fügt frei fließende Linien mit komplizierten Details hinzu, um elegante Designs und schöne visuelle Effekte zu erzeugen, und durch all das sticht seine Kunst hervor, versichert Li.
<DIV class=photo>
<IMG alt="Eine Wiedergeburt von Stammestraditionen-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p63.jpg" MMOID="222856">
<P><I>Hinlegen, um einen ersten Blick auf die Erde zu werfen</I> (2013), 120 x 200 cm (Foto mit freundlicher Genehmigung des Taipei Fine Arts Museum)</P></DIV>
<P>Wahrscheinlich hat Pavavalungs familiärer Hintergrund seine Kunst beeinflusst, mutmaßt Li, denn sein Vater ist ein versierter Kunsthandwerker und sein älterer Bruder Sakuliu ein bekannter Künstler. „Ich beschreibe Etan Pavavalungs Arbeiten als Literatenkunst, da sie die Gedanken und Gefühle des Künstlers mit einem verfeinerten, poetischen Stil übermitteln“, sagt Li. „Sein Werk kann auch als typisches Beispiel für den zeitgenössischen austronesischen Künstler gelten, der ein Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation sucht.“
<P>Nach Ansicht des Kunstkritikers Hong Wei-zhe hängen die von Etan Pavavalung gewählten Themen überwiegend mit dem Stammesleben und der Stammeskultur zusammen, und die kulturellen Symbole in seinen Werken zeigen seine Zuneigung und Sorge für seinen Stamm. Neben der Benutzung einer Videokamera, um die Gefühle der umgesiedelten Stammesangehörigen aufzuzeichnen und ihr Leben zu präsentieren, strebt er danach, in seinen Kunstwerken ermutigende Botschaften zu übermitteln, analysiert Hong.
<P>Der Ablauf, mit dem Pavavalung die Holzbretter bearbeitet, ist ähnlich wie bei Holzschnitt, einer Form der Herstellung von Relief-Druckvorlagen. Der Hauptunterschied dabei ist, dass jeder Schritt und jede Einzelheit bei der Schnitzerei des Künstlers mit dem Ziel ausgeführt wird, jedem Kunstwerk Lebenskraft zu verleihen, anstatt lediglich Druck-Reproduktionen für den Massenmarkt auszustoßen. „Pavavalung benutzt leuchtende Farben und ausdrucksstarke Linien sowie interessante, übertriebene Muster, die traditionelle Totems enthalten und Geschichten erzählen“, bemerkt Hong. „Diese Kombination gibt seiner Kunst ein Flair der Modernität. Zwar zeigt er Engagement für viele gesellschaftliche Probleme, aber er drückt in seiner Kunst keine Traurigkeit aus. Stattdessen bieten seine Werke eine sanfte und humorvolle Betrachtung über Leben und Verlust.“
<P>Im Hinblick auf die maßgeblichen Totems, die sein Stamm verwendet, und die Bedeutungen, die in der Regel damit assoziiert werden, erläutert Pavavalung, dass die Chinesische Nasenotter (<I>Deinagkistrodon acutus</I>) als Ahnen- oder Schutzgeist verehrt wird, die Sonne steht für die Adelsklasse, Tiere und Pflanzen können Nichtadlige symbolisieren, und eine Lilie kann die Schönheit oder Tugenden einer Frau versinnbildlichen beziehungsweise die Tapferkeit oder Jagdkunst eines Mannes. „Neben diesen traditionellen Symbolen benutze ich gern Kreise, um Landstücke, Vollkommenheit oder Teilen darzustellen, Augen sollen Mutter Natur andeuten, wie sie uns beobachtet, oder dass wir die Natur anschauen müssen, um ihres Reichtums gewahr zu werden“, zählt er auf.
<P>Der Paiwan-Künstler erzählt, dass er durch seine Kindheitserfahrung des Lebens in einer natürlichen Umwelt die immense Macht der Natur verstehen lernte — ihre Schönheit, ihre Heilkraft, ihren Einfluss auf das Wohlergehen der Menschen und ihre Weisheit. Viele seiner Kunstwerke beziehen sich daher auf Erinnerungen aus seinem Heimatort, besonders solche aus der frühen Kindheit. Zum Beispiel ist <I>Hinlegen, um einen ersten Blick auf die Erde zu werfen</I> die Darstellung einer Kindheitserinnerung des Künstlers, als er und seine zwei Brüder sich auf den Boden legten, um die Blumen, die Bäume und den Himmel anzuschauen. Ein anderes Werk mit dem Titel <I>Vaters Fischkorb</I> zeigt die Fischfangmethode, die ihm sein Vater beigebracht hatte.</P>
<DIV class=photo>
<IMG alt="Eine Wiedergeburt von Stammestraditionen-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p65.jpg" MMOID="222857">
<P>Pavavalungs drei Bilderbücher — <I>Der Segen der Lilie, Die Kinder des Landes und die Sonne und Wildschwein Wildschwein</I> (im Uhrzeigersinn von rechts oben) — handeln vom alten Stammesleben sowie von den Sitten und Gebräuchen. (Foto: Courtesy Etan Pavavalung)</P></DIV>
<P><B>Seelen wiederaufbauen</B>
<P>Vor dem Taifun Morakot arbeitete Pavavalung überwiegend mit Ölfarben auf Leinwand, um Still-Leben mit Blumen, Obst und von Menschen hergestellten Objekten zu malen. Neben Schwelgen in Erinnerungen an das alte Stammesleben und Stammesgebräuche konzentrierte er sich in den jüngsten Jahren auf die Emotionen nach der Katastrophe von ihm selbst und seinen Stammesangehörigen, besonders die Beschwerlichkeiten, welche die Anpassung an ein neues und ungewohntes Umfeld mit sich brachte. Seine neuesten Arbeiten auf Holzbrettern und die Werke in drei Bilderbüchern — <I>Die Kinder des Landes und die Sonne</I>, <I>Wildschwein Wildschwein</I> sowie <I>Der Segen der Lilie</I> — sind Beispiele für diesen Schwerpunkt. „Nach der Katastrophe sprachen alle über den Wiederaufbau von Brücken, Häusern, Straßen und sonstiger Infrastruktur, deswegen wurden die meisten Mühen dafür aufgewendet“, enthüllt er. „Meiner Ansicht nach ist der Wiederaufbau von Seelen ebenso wichtig wie der Wiederaufbau von Wohnstätten. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Kunst Hoffnung erzeugen und die kulturelle Identität der Stammesgemeinschaft bewahren kann. Gleichzeitig würde ich meine Kunst als bedeutungsvoll und erfolgreich ansehen, wenn sie die Betrachter dazu bringen könnte, darüber zu sprechen und nachzudenken, wie menschliches Treiben Naturgefahren verursacht oder verschlimmert, und darüber, was getan werden kann, um ein Verhältnis mit der Natur aufzubauen, das auf harmonischer Interaktion und Koexistenz beruht.“
<P>Der unabhängige Kurator und Kunstkritiker Lin Yu-shih hält Sprache für entscheidend bei der Bewahrung einer Kultur, und Pavavalung versteht das sehr deutlich. Pavavalung bemüht sich, seine Stammessprache durch seine visuelle Kunst lebendig zu erhalten. „Der Paiwan-Künstler spürt die Dringlichkeit, die Stammessprachen nach der Umsiedlung des gesamten Stammes infolge des Taifuns Morakot zu retten“, stellt Lin fest. „Die mündliche Überlieferung kämpft in der neuen Siedlung ums Überleben, und noch schlimmer ist, dass die Bildersprache des Stammes durch die Zerstörung ihres traditionellen Gebietes — also der natürlichen Welt der Tiere, Pflanzen und Landschaften, aus der viele der Symbole abgeleitet sind — ernsthaft bedroht ist.“
<P>Diese drastischen Veränderungen in der Lebensweise haben zu einer tiefgreifenden Umformung von Pavavalungs künstlerischen Inhalten und Ausdrücken geführt, zeigt Lin auf. „Der Künstler benutzt Totem-Kunst, um das kulturelle Leben entwurzelter Stammesmitglieder zu rekonstruieren“, sagt der Kurator. „Seine Darstellungen gewöhnlicher Totem-Objekte wie Schmetterlinge, Keramiktöpfe, Chinesische Nasenottern und Wildlilien dienen als Schilderungen der Traditionen und Lebensweise seines Stammes, oder als Metaphern für bestimmte Glaubensvorstellungen und Ideen.“
<P>Den Kunstkritiker bewegen die spirituellen Sichtweisen in Pavavalungs neuer Reihe von Werken, und er ist von ihren ausdrucksstarken Linien und den Mustern mit ihren komplizierten Details fasziniert. „Seine Kreation geschnitzter und bemalter Holzbretter in den jüngsten Jahren führt seine künstlerische Kreativität und Reife vor“, rühmt Lin. „Außerdem enthüllen sie seinen Eifer, nicht nur einen einzigartigen künstlerischen Stil und neue Techniken zu entwickeln, sondern auch die Verbreitung und Bewahrung der Ureinwohnerkultur zu fördern.“
<P>Lin hat beobachtet, dass die Werke des Künstlers von primitiver Schlichtheit und Vitalität durchdrungen sind. „Pavavalung hat eine gute Methode gefunden, die Kultur, Geschichte, Sprache und Identität seiner Herkunft neu zu beleben“, findet der Kurator. „Er hat das Zeug dazu, eine der Schlüsselgestalten in der Geschichte von Taiwans Ureinwohnerkunst zu werden.“
<P>Während die Wohnungsbau- und Wiederaufbauprojekte nach dem Taifun Morakot, welche von der Regierung und NGOs angekurbelt wurden, weitgehend abgeschlossen sind, arbeitet Pavavalung nach wie vor emsig daran, sein Stammes-Kulturerbe durch verschiedene Kunstformen wieder aufzubauen. Für ihn ist das ein laufender Prozess, der nie aufhören wird. Pavavalung: „Jedes Mal, wenn ich ein Kunstwerk vollende, empfinde ich ein Gefühl der Erfüllung und inneren Stärke. Hoffentlich haben meine Werke auch die Macht, die Betrachter zu inspirieren und aufzurichten.“
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[HipHop Academy Hamburg goes Taiwan]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101626/HipHop-Academy-Hamburg-goes-Taiwan]]></link><guid>101626</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Rückblick ins Jahr 2010: Die Jugendlichen sind ziemlich aufgeregt. Sie freuen sich auf einen ganz besonderen Gast. Gleich wird die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die HipHop Academy Hamburg besuchen. In der Pumphalle des Kultur Palast Billstedt, in dem die HipHop Academy ihr Zuhause hat, erwartet die Intendantin und Geschäftsführerin Dörte Inselmann zusammen mit den Jugendlichen die Regierungschefin. Wenig später zeigen die jungen Menschen zwischen 13 und 25 Jahren mit Beatbox-, Rap- und Tanzeinlagen, was sie draufhaben. Die Kanzlerin ist begeistert.
<P>Die HipHop Academy Hamburg ist ein bislang deutschlandweit einzigartiges Projekt zur professionellen Talent- und Potenzialförderung Jugendlicher aus ganz Hamburg. Sie besitzt im Hinblick auf das Thema Integration in sozial benachteiligten Stadtteilen bundesweit Modellcharakter. Dies war der Anlass, dass Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel im Dezember 2010 die HipHop Academy besuchte und sich von dem Projekt, der Vielfalt der Kunstform Hip-Hop und den Fähigkeiten der jugendlichen Künstler sehr beeindruckt zeigte. Das Innovative des Projektes lässt sich am besten so auf einen Punkt bringen — anstatt über Integration zu reden, wird Integration in der Academy gelebt, und da Hip-Hop die weltweit größte Jugendkultur ist, arbeitet hier eine junge Generation weltweit kreativ und gestalterisch zusammen. Für niemanden in der Academy zählt, woher man kommt, sondern vielmehr, was man kann. Neben hohem künstlerischen Können imponierte dieses respektvolle Miteinander der Kanzlerin sehr.
<P>Im selben Jahr wurde die HipHop Academy von der Initiative „Deutschland — Land der Ideen“, unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler als „Ausgewählter Ort“ ausgezeichnet. Zahlreiche weitere Würdigungen folgten.
<P>Junge Talente zwischen 13 und 25 Jahren werden in der HipHop Academy in allen Ausdrucksformen der Hip-Hop-Kultur unterrichtet. Die Academy versteht sich als eine Schule für Rapper, Beatboxer, Breakdancer, DJs, Newstyler, Graffiti-Artists und Musikproduzenten. Prominente Trainer aus der Hip-Hop-Szene bilden die Teilnehmer professionell aus.
<P>Dörte Inselmann, Intendantin der HipHop Academy und Vorstandsvorsitzende der Träger-Stiftung, erzählt, wie die HipHop Academy entstanden ist: „In einem Randgebiet von Hamburg — einem Stadtgebiet mit etwa 100 000 Einwohnern — gründete das Kulturzentrum einen neuen Musikclub mit einer offenen Bühne für Nachwuchsmusiker. Gerade junge Hip-Hopper forderten dort massiv und energisch Hip-Hop-Programme ein. Nach einer deutschlandweiten Recherche und dem wachsenden Interesse der jungen Hip-Hopper wurde die Entscheidung getroffen, mehr aus dieser Begeisterung der jungen Leute für Hip-Hop zu machen und es nicht bei den kurzen Auftritten auf offener Bühne zu belassen. Damals gab es eine Initiative, die sich ,Lebenswerte Stadt‘ nannte. Die Stadt Hamburg vergab Gelder, um Randgebiete zu reaktivieren und wiederzubeleben. Das Augenmerk war auf die Förderung in sozialen Brennpunkten gerichtet. Das Konzept der Academy, Hip-Hop-begeisterte Jugendliche und Nachwuchstalente von der Straße bis hin zur professionellen Arbeit auf dem Kultur- und Musikmarkt nachhaltig und systematisch zu fördern, erhielt eine Zusage, und die HipHop Academy war geboren.“
<P>Jochen Schindlbeck, stellvertretender Geschäftsführer, erläutert das Trainingskonzept: „Die Trainings finden in verschiedenen Levels in den unterschiedlichen Sparten der Hip-Hop-Kultur statt. Dabei haben wir von Anfang an mit Schulen, Jugendhäusern und anderen Institutionen kooperiert, um Trainings und Workshops im Anfängerkurs kostenlos für Jugendliche in der gesamten Stadt und in der angrenzenden Region anzubieten. Einmalig ist auch, dass alle Partnerstandorte der Academy ihr Angebot für alle Jugendlichen öffnen und gemeinsam einen offenen Trainingskalender für Hamburg anbieten.“ 
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<IMG alt="HipHop Academy Hamburg goes Taiwan-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p53.jpg" MMOID="222852">
<P>Die HipHop Academy Hamburg macht nicht nur mit energiegeladenen Tanztheaterproduktionen von sich reden, sondern leistet im Bereich Integration zudem wertvolle Arbeit mit Jugendlichen, von denen die meisten einen Migrationshintergrund haben. (Plakatdesign © Bobby Analog)</P></DIV>
<P>Ausgehend vom Erkennen des eigenen Potenzials, der Vermittlung von Leistungsbereitschaft, Zielorientierung, Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein bietet das Level 1-Training einen starken Impuls zur Persönlichkeitsentwicklung. Alle höheren Leistungsebenen, ebenfalls kostenlos für die Studenten, sind im Kultur Palast Billstedt beheimatet.
<P>„Mit den Besten der Academy haben wir vor vier Jahren ein eigenes Ensemble gegründet, das sich mittlerweile mit preisgekrönten Produktionen im Bereich Musiktanztheater am Markt etabliert hat“, berichtet Axel Zielke, zuständig für künstlerische Programme und Produktionen der Academy.
<P>Nimmt man alle Kursbereiche zusammen, so haben im Jahr 2013 insgesamt 585 Jugendliche an der HipHop Academy trainiert. Die Academy erreicht Jugendliche aller Nationalitäten und Herkunft (80 Prozent haben einen Migrationshintergrund) und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu professionalisieren und diese mit nationalen und internationalen Auftritten sichtbar zu machen.
<P>Can Gülec, der Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters, war von Anfang an dabei. Er hat Auftritte in Videos bekannter Musiker wie Xavier Naidoo, tanzt auf großen Bühnen, und er reist zu Auftritten etwa in Europa oder Shanghai. New Style heißt sein Tanzstil, den er in der HipHop Academy gelernt hat. Mittlerweile ist er Mitglied im Profi-Ensemble der Academy und trainiert hier Jugendliche, die es ihm gleichtun wollen. Als Vorbild zeigt er ihnen, dass kontinuierlicher Einsatz und Begeisterung für eine Sache Lebenssituationen verändern und neue Wege eröffnen können.
<P>Die Academy ist mit fast 100 Auftritten im Jahr und mit über 70 000 Besuchern in Hamburg und weit über die Stadtgrenzen hinaus sehr präsent und bekannt. Dabei ist es dem Team um Dörte Inselmann sehr wichtig, die gesellschaftliche Relevanz und die kulturelle Bedeutung von Hip-Hop sichtbar zu machen. Entscheidend ist, so findet die engagierte Kulturmanagerin, immer wieder neue Wege zu gehen. So auch die Idee, mit Taiwan zu kooperieren. Nicht ohne Stolz erzählen sie und Axel Zielke von der außergewöhnlichen Musiktanztheaterproduktion „Sampled Identity“, einer Koproduktion mit dem renommierten Streichorchester „Ensemble Resonanz“. Die Uraufführung 2012 auf der Bühne der international bekannten „Kulturfabrik Kampnagel“ in Hamburg feierte das Publikum mit Standing Ovations. Die Produktion bringt das Beste aus der Welt des Hip-Hop und den Bereichen klassischer Musik und Tanz zusammen. Dabei lassen sich die klassisch ausgebildeten Musiker des jungen Orchesters und die Künstler des Hip-Hop-Ensembles auf eine spannende Begegnung von Hochkultur und Subkultur ein. Dieses Konzept könnte auch für Taiwan von großem Interesse sein.
<P>„Hip-Hop ist die weltweit größte Jugendkultur und inzwischen auf allen Kontinenten verbreitet“, erzählt Dörte Inselmann begeistert. „Deswegen war es uns auch von Anfang an wichtig, internationale Austauschprojekte durchzuführen. Jede Begegnung, die junge Menschen verschiedener Kulturen zusammenbringt, ist für beide Seiten enorm fruchtbar und hat jedes Mal zu großartigen Ergebnissen geführt.“ Dies kann Axel Zielke nur bestätigen. „Ganz nebenbei entsteht zwischen den Beteiligten gegenseitiger Respekt, aufrichtige Toleranz gegenüber anderen Kulturen und nicht selten andauernde Freundschaft.“
<P>Zu den Ländern, mit denen die HipHop Academy in der Vergangenheit erfolgreich kooperiert hat oder in denen sie bereits aufgetreten ist, zählen Frankreich, Festlandchina, Dänemark, Indien, Russland, Ägypten und die USA. Im vergangenen August folgte eine erste Kooperation mit der HRC Dance Academy in Taiwan, wo Hip-Hop-Tänzer in zunehmendem Maße das Stadtbild im ganzen Land beleben.</P>
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<IMG alt="HipHop Academy Hamburg goes Taiwan-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p56.jpg" MMOID="222853">
<P>Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zu Besuch bei der HipHop Academy Hamburg. (Foto: Kathrin Brunnhofer)</P></DIV>
<P><B>Zu Gast bei Taiwans Kulturministerin</B>
<P>Aufgrund von Kontakten der Academy zu den Taipeh-Vertretungen in Hamburg und Berlin und deren großem Engagement für einen Austausch zwischen jungen Hip-Hop-Künstlern aus Taiwan und Deutschland flogen Inselmann und Zielke im Dezember 2013 auf Einladung des Kulturministeriums der Republik China für eine Woche nach Taiwan. Dort trafen sie sich mit verschiedenen Hip-Hop-Initiativen aus Taichung, Taipeh und New Taipei City und waren begeistert von dem großzügigen Empfang und der Gastfreundschaft, die ihnen entgegengebracht wurde.
<P>Eine besondere Ehre war die Einladung durch die Kulturministerin Lung Ying-tai (龍應台) zum „Taiwan German Hip-Hop Forum“ im Kulturministerium, woran 30 verschiedene Hip-Hop-Musiker und Choreographen teilnahmen. Inselmann resümiert beeindruckt: „Die Veranstaltung trug definitiv dazu bei, Hip-Hop als ernstzunehmende Kunstform sichtbar zu machen und ihm eine Bühne zu geben.“
<P>Von ihren Begegnungen mit verschiedenen Hip-Hop-Initiativen erzählt sie weiter: „In Taipeh trafen wir auf eine blühende Hip-Hop-Szene, die von herausragenden Künstlern geprägt ist. Ein Treffen mit den Organisatoren der HRC Dance Academy und Vertretern der Stadtverwaltung von New Taipei City führte uns schnell zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit.“
<P>Bboy Bojin (陳柏均), Gründer der HRC Dance Academy und Organisator der New Taipei Bboy City Battles, führt die Kooperation weiter aus: „Die HRC Dance Academy organisiert im Auftrag der Stadtverwaltung von New Taipei City einen der größten asiatischen Tanzwettbewerbe für die urbanen Tanzstile Hip-Hop und Breakdance. Das <I>New Taipei Bboy City World Final</I> findet jährlich im November in New Taipei City statt. Über mehrere Vorentscheide — sogenannte Prelims — können sich Tänzer auf der ganzen Welt für das Finale qualifizieren. Die Prelims finden unter anderem in China, Japan, den Philippinen, Malaysia und Laos statt. Schnell war die Idee geboren, einen Vorentscheid für Europa in Hamburg zu etablieren.“
<P>In intensiven Gesprächen mit Bboy Bojin loteten Inselmann und Zielke die Rahmenbedingungen der Kooperation aus und riefen gemeinsam den <I>New Taipei Bboy City Europe Prelim</I> ins Leben. Vor mehreren hundert begeisterten Zuschauern fand am 23. und 24. August 2014 die europäische Vorentscheidung im Rahmen des großen Hamburger Street Art-Festivals „STAMP!“ statt.
<P>Für den Wettbewerb konnte die Academy international renommierte Juroren und DJs gewinnen, darunter den Juste Debout Hip-Hop-Sieger von 2012 Ben Wichert und die lebende Hip-Hop-Legende Niels „Storm“ Robitzky. In der Kategorie „Breakdance 1 on 1“ machte der niederländische Tänzer Jessy Kemper das Rennen. Am 1. und 2. November wird er Holland beim <I>New Taipei Bboy City World Final</I> in Taiwan repräsentieren.
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<IMG alt="HipHop Academy Hamburg goes Taiwan-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p57.jpg" MMOID="222854">
<P>Dörte Inselmann und Axel Zielke mit Chen Keh-miin (Mitte), der die taiwanisch-deutsche Kooperation federführend zusammen mit Vertretern der HipHop Academy Hamburg initiierte und unterstützte. (Foto mit freundlicher Genehmigung der HipHop Academy Hamburg)</P></DIV>
<P>Neben der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der HRC Dance Academy haben Dörte Inselmann und Axel Zielke zahlreiche weitere Kontakte geknüpft, die in der Zukunft Früchte tragen könnten.
<P>Für 2015/2016 plant die HipHop Academy eine Kooperation mit dem renommierten Tänzer und Choreografen Billy Chang (張逸軍). Eine gemeinsame Musiktheaterproduktion soll Hip-Hop, Contemporary, Klassik und spezifische kulturelle Spielarten Taiwans und Deutschlands vereinen. Als loser Rahmen ist die Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart anvisiert.
<P>Der ausgebildete Contemporary-Künstler Chang ist weltweit für diverse Ensembles und Institutionen aktiv, darunter das Colorado College Theatre and Dance Department und den Cirque du Soleil. Chang ist eine Schlüsselfigur in der Tanzszene Taiwans, da er als Bindeglied zwischen sogenannter Hochkultur und urbanen Kunstformen wie Hip-Hop fungiert. Aufgrund seiner außerordentlich guten Vernetzung kann er, ähnlich wie die HipHop Academy in Deutschland, Brücken zwischen verschiedenen Kulturformen bauen und innovative Kunst ins Leben rufen. Die geplante Produktion soll neben Aufführungen in Taiwan und in Deutschland auch auf eine internationale Gastspieltour gehen.
<P>„Ein besonders interessantes Treffen fand auch mit Viv Chou (周玥), der Vorsitzenden der <I>Taipei Alliance for the Advancement of Multi Art Culture</I>, statt“, erinnern sich Inselmann und Zielke. „Neben ihrem Youth Centre, in dem Chou zahlreiche Workshops für Musiker und Graffiti-Künstler organisiert, ist sie in Zusammenarbeit mit der Gruppe Citymarx für die Organisation des jährlich stattfindenden größten Graffiti-Festivals in Taipeh verantwortlich. Darüber hinaus organisiert sie Auftrittsplattformen für die Kunstform VJing, in der zu Musik in Echtzeit elektronisch Visuals programmiert und kunstvoll gestaltet sowie durch Projektion sichtbar gemacht werden. Eine Kooperation mit Viv Chou würden wir auf jeden Fall begrüßen“, bekräftigt Inselmann.
<P>Nicht zuletzt haben die Gespräche mit Gino Huang (黃柏青), dem Betreiber von THE BEST CREW (TBC), bei den Vertretern der HipHop Academy einen bleibenden Eindruck hinterlassen. TBC zählt zu den besten Breakdance-Crews Taiwans. In einem großen Tanzstudio in Taipeh werden Kurse in allen Hip-Hop-Tanzstilen angeboten. Eine mögliche Kooperation in der Zukunft wird im Bereich des Künstleraustausches erwogen.
<P>Wer die engagierte Zusammenarbeit der Hip-Hop-Künstler aus Taiwan und Deutschland weiterverfolgen möchte, kann die Webseite der HipHop Academy besuchen. Unter www.hiphopacademy-hamburg.de berichtet die Academy unter anderem über aktuelle Projekte, internationale Kooperationen und neue Tanztheaterproduktionen.]]></description></item><item><title><![CDATA[Kulturaustausch pflegen]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101625/Kulturaustausch-pflegen]]></link><guid>101625</guid><pubDate>2014/09/01</pubDate><description><![CDATA[Besucher im Nationalmuseum Tokyo (<I>Tokyo National Museum</I>, TNM) konnten sich im Sommer dieses Jahres nicht nur über die üblichen japanischen Exponate freuen, sondern auch über unschätzbare chinesische Kunstgegenstände aus dem Nationalen Palastmuseum (<I>National Palace Museum</I>, NPM) in Taipeh. Die Ausstellung in Tokyo, die vom 24. Juni bis 15. September lief, markierte das erste Mal seit Beginn der außenpolitischen Isolation der Republik China in den siebziger Jahren, dass das NPM Objekte aus seiner Sammlung an eine andere Institution in Asien auslieh. Die Ausstellung ist zudem der Beginn des größten Kulturaustausches zwischen der Republik China und Japan in den jüngsten Jahren. Nach der Ausstellung in Tokyo werden die Schätze aus dem NPM vom 7. Oktober bis 30. November im Nationalmuseum Kyushu (<I>Kyushu National Museum</I>, KNM) in der japanischen Präfektur Fukuoka gezeigt, im Gegenzug werden im Jahr 2016 Objekte aus den beiden japanischen Museen in Taiwan ausgestellt.
<P>Nach über 10 Jahren vorbereitender Gespräche und Verhandlungen besiegelten das NPM und die japanischen Museen im Oktober vergangenen Jahres in Taipeh ein Abkommen über gegenseitige Leihgaben. Das NPM, das im Jahr 1965 im Bezirk Shihlin der Stadt Taipeh eingeweiht wurde, beherbergt fast 700&nbsp;000 Kunstwerke, Artefakte und Dokumente aus der Jungsteinzeit bis zur modernen Zeit, manche Objekte sind bis zu 8000 Jahre alt. Im Jahr 2013 besuchten gut 4,5 Millionen Menschen das Museum, auf der Liste der Herkunftsländer von Auslandsbesuchern stehen Festlandchina und Japan ganz oben.
<P>NPM-Direktorin Fung Ming-chu (馮明珠) weist darauf hin, dass die Kulturen Chinas und Japans in der Geschichte der ostasiatischen Zivilisation maßgebliche Rollen gespielt haben. „Wir hoffen, dass die Bürger Japans durch die Ausstellungen die Essenz der chinesischen Kultur anerkennen können und gleichzeitig die Beziehungen zwischen der Republik China und Japan gestärkt werden“, erklärt sie. Staatspräsident Ma Ying-jeou (馬英九) betonte bei mehreren Anlässen, dass Taiwan und Japan eine besondere Partnerschaft verbindet, und er rief beide Seiten dazu auf, die Kultur-, Wirtschafts-, Handels- und Fremdenverkehrsbeziehungen zu verbessern. Der Austausch zwischen führenden Museen beider Länder steht im Einklang mit Mas Vision und wurde als historischer Durchbruch bei der bilateralen kulturellen Zusammenarbeit gepriesen.
<P>Die Ausstellung in Tokyo mit dem Titel „Geschätzte Meisterwerke aus dem Nationalen Palastmuseum Taipeh“ wurde möglich, als das japanische Parlament im März 2011 das Gesetz über die Förderung von Ausstellungen mit Kunstobjekten aus Übersee verabschiedete. Im Kern garantiert das Gesetz, dass von ausländischen Institutionen ausgeliehene Kulturobjekte in Japan nicht beschlagnahmt werden dürfen. „Der Punkt Austausch-Ausstellungen von Meisterwerken, bei denen das Prinzip der Gegenseitigkeit berücksichtigt wird, war die größte Herausforderung für die beiden Seiten, aber schließlich haben wir einen Konsens erzielt“, freut sich Fung.
<P>Das NPM hat zwei Bedingungen, wenn Objekte aus seiner Sammlung an andere Länder ausgeliehen werden. „Erstens muss es eine Garantie geben, dass die verliehenen Objekte nicht beschlagnahmt werden“, erläutert Fung. „Zweitens müssen die ausländischen Partner den offiziellen Namen unseres Museums respektieren und benutzen — das Nationale Palastmuseum.“ Vor der diesjährigen Ausstellung in Tokyo hatte das NPM Artefakte nur an Institutionen in den USA (Oktober 1991 bis Januar 1992, März 1996 bis April 1997), Frankreich (Oktober 1998 bis Januar 1999), Deutschland (Juli 2003 bis Februar 2004) und Österreich (Februar bis Mai 2008) ausgeliehen, und alle diese Länder haben Gesetze, welche die Konfiskation ausgeliehener Kulturobjekte verbieten.
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<IMG alt="Kulturaustausch pflegen-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201409p44-2.jpg" MMOID="222848">
<P>Der <I>Stein in Fleischform</I>, der einem in Sojasauce gekochten Stück Schweinebauch täuschend ähnlich sieht, ist eine der beliebtesten Attraktionen im NPM. Im Oktober dieses Jahres wird das Kleinod im japanischen Nationalmuseum Kyushu zu sehen sein. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Nationalen Palastmuseums)</P></DIV>
<P>Nachdem Japan das Gesetz, das die Rückgabe der Leihgaben garantierte, verabschiedet hatte, intensivierten Taiwan und Japan die Austauschverhandlungen. Auf der japanischen Seite legten das KNM und das TNM eine „Traumliste“ mit gewünschten Objekten vor, die man vom NPM auszuleihen hoffte. Nach einer sorgfältigen Prüfung der Liste und ausgiebigen Diskussionen zwischen Kuratoren beider Länder wurden insgesamt 231 typische chinesische Kunstschätze aus der Sammlung des NPM für die Ausstellungen in Japan ausgewählt, darunter eine breite Palette von Kategorien wie Jadeobjekte, Lackarbeiten, Bronzegegenstände, Keramik, Malerei, Kalligrafien, Stickereien und Bücher.
<P>„Die Objekte, die wir ausgewählt haben, sind in ausgezeichnetem Zustand, und wir müssen uns keine Sorgen machen über den Transport und die sichere Zurschaustellung“, glaubt Fung. „Es sind alles repräsentative Werke aus verschiedenen Perioden und bekannte Arbeiten namhafter chinesischer Meister.“ Zu den Objekten, welche an die japanischen Museen ausgeliehen werden, zählen der <I>Jadekohl mit Insekten</I> (翠玉白菜) und der <I>Stein in Fleischform</I> (肉形石), die zu den beliebtesten Attraktionen des NPM gehören. Der <I>Jadekohl mit Insekten</I> wird nur für zwei Wochen im TNM gezeigt, der <I>Stein in Fleischform</I> hat ebenfalls ein exklusives Gastspiel im KNM. Beide Werke aus der Qing-Dynastie (1644–1911) waren vorher noch nie im Ausland zur Schau gestellt worden.
<P>Der <I>Jadekohl mit Insekten</I>, 18,7 Zentimeter lang und 9,1 Zentimeter breit, ist eine Schnitzerei aus feiner Jade in Form eines Chinakohls mit einer Heuschrecke und einem Grashüpfer auf seinen Blättern. Die Schnitzerei soll vermutlich weibliche Tugenden darstellen — der weiße Strunk symbolisiert Reinheit, die Insekten stehen für Fruchtbarkeit. Der <I>Stein in Fleischform</I>, 5,73 Zentimeter hoch und 6,6 Zentimeter breit, wurde aus einem massiven Stück gestreiften Jaspis geschaffen und erinnert lebhaft an eine beliebte chinesische Speise namens „Dongpo-Schweinefleisch“ (東坡肉), ein in Sojasauce gekochtes Stück Schweinebauch.
<P>Ein weiteres berühmtes Objekt in der riesigen Sammlung des NPM ist eine umfangreiche Kompilation wichtiger chinesischer Literatur, die von mehreren Dynastien nacheinander erstellt wurde und den Titel <I>Vollständige Bibliothek der Vier Schätze</I> (四庫全書) trägt.
<P>Kalligrafien und Gemälde sind für japanische Museen gleichfalls sehr interessant. Laut Fung wurden japanische Kalligrafen und Maler lange von ihren chinesischen Kollegen beeinflusst, und viele Japaner interessieren sich für chinesische Kalligrafie und Malerei, was man an der hohen Zahl von Japanern, die im Laufe der Jahre das NPM besuchten, ablesen kann. „Wir beschlossen, viele dieser Werke in die Ausstellung aufzunehmen, um den Vorlieben der japanischen Betrachter gerecht zu werden und mehr Besucher anzulocken“, begründet die Direktorin. Infolgedessen kann man in Tokyo nun Kalligrafien bewundern wie <I>Das Fest der Kalten Speisen</I> (黃州寒食帖) von Su Shi (蘇軾, 1037-1101), <I>Traktat über die Schriftkunst</I> (書譜) von Sun Guoting (孫過庭, 646-691), <I>Reiter mit zwei Pferden</I> (牧馬圖) von Han Gan (韓幹, ca. 706-783), <I>Die Fahrt zur roten Felswand</I> (赤壁圖) von Wu Yuanzhi (武元直, ca. 12. Jahrhundert), und <I>Bankett bei Laternenschein</I> (華燈侍宴圖) von Ma Yuan (馬遠, ca. 1160-1225).</P>
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<IMG alt="Kulturaustausch pflegen-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p45.jpg" MMOID="222849">
<P><I>San Pan</I>, eine Bronzearbeit aus der Westlichen Zhou-Periode (ca. 1046–771 v. Chr.), ist einer von 231 Schätzen aus der Sammlung des NPM, die zur Zeit in Japan ausgestellt werden. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Nationalen Palastmuseums)</P></DIV>
<P><B>Ersatz für die Exponate</B>
<P>Natürlich hat das zeitweilige Ausleihen von einigen der wertvollsten Schätze aus dem NPM in Taiwan die Frage aufgeworfen, was das Museum während ihrer Abwesenheit den NPM-Besuchern als Ersatz zeigen will, auch wenn der <I>Jadekohl mit Insekten</I> und der <I>Stein in Fleischform</I> nicht gleichzeitig nach Japan geschickt werden. Der <I>Jadekohl mit Insekten</I> fehlte im NPM vom 17. Juni bis 10. Juli, der <I>Stein in Fleischform</I> wird vom 30. September bis 23. Oktober fort sein. Normalerweise stehen die beiden Objekte in Saal 302 des NPM, und ein Team unter der Leitung von Tsai Mei-fen (蔡玫芬), Chefkuratorin der Antiqitäten-Abteilung im NPM, durchforstete die gesamte Kollektion des Museums, um sechs Ersatzobjekte auszusuchen. Auswahlkriterien waren Ähnlichkeit mit den versandten Exponaten, Eignung für den Raum in Saal 302 und Übereinstimmen mit jahreszeitlichen Ereignissen.
<P>Laut Tsai wurden drei Werke anstelle des <I>Jadekohl mit Insekten</I> präsentiert. Weil das Werk auf einem Emaille-Pflanzenbehälter ruht, war das erste Ersatzobjekt der <I>Pflanzenbehälter mit Korallenschnitzerei des Prüfungsgottes</I> (珊瑚魁星點斗盆景), ein Kunstgegenstand aus der Qing-Dynastie mit einer Korallenfigur von Kuixing (魁星), dem Prüfungsgott des Taoismus. Der untere Teil besteht aus einem eckigen Blumentopf, der aus weißer Jade geschnitzt wurde und Edelsteinintarsien enthält. Die Gottheit hat einen grimmigen Gesichtsausdruck, und gemäß traditionellen Glaubensvorstellungen wacht sie über akademischen Erfolg und wird von Personen, denen eine Prüfung bevorsteht, bei Andachten geehrt. Der Zeitraum für die Zurschaustellung des Objektes wurde so festgelegt, dass er zeitlich mit der Sommer-Prüfungssaison in Taiwan zusammenfiel, um den Prüflingen Segen zu bringen, so Tsai.
<P>Der <I>Goldkelch der ewigen Stabilität</I> (金甌永固杯) und der <I>Kerzenhalter der dauerhaften Harmonie</I> (玉燭長調燭台) waren die beiden anderen Werke, welche als Vertretung für den <I>Jadekohl mit Insekten</I> ausgesucht wurden. Der Kelch hat ein Paar tierförmige geschwungene Henkel, und die äußere Oberfläche des Gefäßes ist mit Edelsteinen und Perlen besetzt. Am oberen Rand sind vier chinesische Schriftzeichen eingraviert, die territoriale Integrität und Stabilität bedeuten. Der weiße Jade-Kerzenhalter weist im oberen Teil des Schaftes zwei tellerförmige Ebenen auf, die das geschmolzene Wachs auffangen sollen. Nach Tsais Ausführungen wurden der Kelch und der Kerzenhalter vom Qing-Hof zu einer Zeremonie benutzt, bei welcher der Kaiser anlässlich des Neujahrsfestes nach dem Mondkalender glückverheißende Sprüche niederschrieb. Während der Himmelssohn schrieb, hielt der Sohn oder Enkel des Kaisers den Kerzenhalter und den Kelch, was das Konzept vererbter Traditionen und dynastischer Dauerhaftigkeit ausdrückte.
<P>Der dritte Ersatz für den <I>Jadekohl mit Insekten</I> war eine Garnitur kunstvoll geschnitzter Holzbecher aus dem 17. Jahrhundert. Die Garnitur stammte aus dem Heiligen Römischen Reich und bestand ursprünglich aus 100 papierdünnen Bechern, die ineinander gestapelt werden konnten, doch heute sind nur noch 79 übrig. „Diese Becher sind ein Beispiel für außerordentliche westliche Kunstfertigkeit“, lobt Tsai. Der größte Becher hat einen Durchmesser von 5,8 Zentimetern und einen langen Stiel. Tsai: „Am Schaft sieht man spitzenartige Zier-Schnitzereien und Blumenmuster, außerdem sind undeutlich Abdrücke von der Werkbank zu erkennen, auf der das Stück gefertigt wurde. Die Vorzüglichkeit und das geniale Design der Becher erregten nicht nur die Aufmerksamkeit des Qing-Hofes, sondern beeinflussten später auch die chinesische Handwerkskunst.“
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<IMG alt="Kulturaustausch pflegen-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201409p46.jpg" MMOID="222850">
<P>Ausschnitt aus <I>Das Fest der Kalten Speisen</I>, ein Meisterwerk des Dichters und Kalligrafen Su Shi (1037-1101) aus der Song-Dynastie (960–1279). (Foto mit freundlicher Genehmigung des Nationalen Palastmuseums)</P></DIV>
<P>Im Oktober, wenn der <I>Jadekohl mit Insekten</I> zurück in Taiwan und der <I>Stein in Fleischform</I> in Japan ist, wird das NPM zusätzlich den <I>Kleinen Jadekohl</I> (翠玉小白菜) und den <I>Jadekohl-Blumenhalter</I> (翠玉白菜花插) aufstellen. „Es ist 15 Jahre her, seit die drei Jadekohl-Skulpturen zusammen gezeigt wurden“, doziert Tsai. „Die Medien haben im Laufe der Jahre mehrmals ein solches Arrangement angeregt, doch kam es nie dazu, denn wegen der unterschiedlichen Farben, Formen und Größen der Objekte ist es nicht so einfach, sie gemeinsam auszustellen.“ Zum Beispiel braucht der <I>Jadekohl mit Insekten</I> eine helle Beleuchtung, um den durchscheinenden Stiel und die grünen Blätter hervorzuheben, doch die Mischung aus grüner und weißer Jade beim <I>Kleinen Jadekohl</I> ist weniger lichtdurchlässig, daher sollte er nicht so viel Licht bekommen. Das Museumspersonal arbeitete nach den Worten der Chefkuratorin daran, diese Herausforderungen zu überwinden, um die drei Objekte zusammen in Saal 302 zu zeigen.
<P>Im Gegenzug werden im Oktober 2016 die Museen in Tokyo und Kyushu 150 Werke für die dreimonatige Sonderausstellung „Das Beste der japanischen Kunst“ bereitstellen, die im NPM-Museum in Südtaiwan stattfinden soll. Diese NPM-Nebenstelle wird derzeit in Taibao (Landkreis Chiayi) gebaut und soll Ende 2015 eröffnet werden. Viele der Objekte, welche das KNM und das TNM zur Verfügung stellen, sind noch nie außerhalb von Japan gezeigt worden, und die Veranstaltung in Taibao wird die größte Auslandsausstellung sein, welche Japans Nationalmuseen je organisiert haben.</P>
<P><B>Nationale Schätze</B>
<P>Zu den japanischen Kunstgegenständen, welche für die Ausstellung in Taiwan ausgesucht wurden, zählen 68 Objekte, die von Japans Regierung zu Nationalschätzen erklärt wurden, ferner sind noch andere beliebte Kulturartikel dabei. Die Veranstaltung im NPM-Museum in Südtaiwan soll sich vorläufig auf sechs Hauptthemen konzentrieren — 1) Der Beginn der Kultur des Altertums: Leben und Opfer; 2) Einführung von Zivilisation: Buddhismus und Gesetz; 3) Klassische Schönheit: die Welt des Adels; 4) Krieg und Muße: kriegerische Kultur; 5) Kaufleute und Kunsthandwerker in der frühen Stadtentwicklung; und 6) Tradition und Innovation im modernen Zeitalter. „Die Sonderausstellung ,Das Beste der japanischen Kunst‘ wird eine systematische und umfassende Übersicht von der Geschichte der japanischen Kunst und Kultur präsentieren“, bemerkt Chen Jie-jin, Kurator in der Malerei- und Kalligrafie-Abteilung des NPM. „Die Besucher der Ausstellung können sich darauf freuen, ein besseres Verständnis von der japanischen Kultur zu gewinnen und aufregende neue Entdeckungen zu machen.“
<P>Zu den Leihgaben aus dem TNM zählen berühmte Gemälde wie <I>Kujaku Myoo</I> (孔雀明王), das Porträt eines Weisheitskönigs — eine Gottheit in Japans buddhistischem Pantheon — aus dem 12. Jahrhundert; der <I>Ahornbetrachtungs-Wandschirm</I> (觀楓圖屏風) und der <I>Zypressenbaum-Wandschirm</I> (檜圖屏風) aus dem 16. Jahrhundert; und das <I>Schreibkästchen mit Acht Brücken</I> (八橋蒔繪螺鈿硯箱), ein lackiertes Holzobjekt aus dem 18. Jahrhundert. Das KNM stellt alle drei Nationalschätze aus seinen Beständen zur Verfügung — die Kalligrafie <I>Erzählung von Glanz und Pracht</I> (榮花物語) aus dem 13. Jahrhundert, auch unter dem Namen „Eiga Monogatari“ bekannt; ein Tachi-Schwert aus dem 14. Jahrhundert; und die Tuschemalerei <I>Zhou Maoshu bewundert Lotuspflanzen</I> (周茂叔愛蓮說) aus dem 15. Jahrhundert.
<P>Fung hofft, dass die Sonderausstellung „Das Beste der japanischen Kunst“ zahlreiche Besucher anlocken wird und die Entwicklung des neuen NPM-Museums in Südtaiwan fördert, das den asiatischen Künsten und Kulturen gewidmet ist. Unterdessen wird das NPM weiter die Durchführbarkeit von Austauschausstellungen mit ausländischen Partnern prüfen. Das übergeordnete Ziel dabei ist, die Sammlung des taiwanischen Museums einem globalen Publikum vorzustellen. „Kunstschätze sind ein Teil der Kultur, und wer die chinesische Kultur bewundert, wird die reiche Vielfalt der Sammlung vom NPM zu schätzen wissen“, versichert die Direktorin selbstbewusst. „Gleichzeitig hoffen wir, mit zukünftigen Austausch-Ausstellungen das gegenseitige Verständnis und die Freundschaft zwischen der Republik China und anderen Ländern zu vertiefen.“
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Sammler und Taiwanfreunde]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101600/Sammler-und-Taiwanfreunde]]></link><guid>101600</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Spätestens seit der erfolgreichen Verfilmung seines Romans „Das Boot“ im Jahr 1981 ist der deutsche Schriftsteller Lothar-Günther Buchheim (1918–2007) den meisten Menschen in Deutschland und den Nachbarländern ein Begriff. Buchheims kulturelle Leistungen gehen allerdings weit über das Feld der Kriegsbewältigungsliteratur hinaus. Buchheim brillierte daneben als Maler, Fotograf, Filmemacher und nicht zuletzt als Kunstsammler. Die weiteste Malerreise, die Buchheim unternahm, führte ihn im Jahr 1972 auch nach Taiwan.
<P>Zu jener Zeit hatte das taiwanische Wirtschaftswunder gerade erst begonnen, und aus heutiger Sicht darf man die Insel während der frühen siebziger Jahre durchaus als Entwicklungsland bezeichnen. Für Buchheim mag gerade dies den Reiz ausgemacht haben, da die Natur größtenteils noch unberührt war und einem Maler mit ihren atemberaubenden Landschaften Inspirationen ohne Ende bieten konnte. Buchheim, der nach eigenem Bekunden eine enge Beziehung zu Taiwan hatte, war viel in der Bergwelt der Insel unterwegs und zeichnete beispielsweise am Ufer des Sonne-Mond-Sees im zentraltaiwanischen Landkreis Nantou Marmorsteine. Durch die Blüte des Fremdenverkehrsgewerbes ist der Sonne-Mond-See heute kein so ruhiges Fleckchen mehr wie zur Zeit von Buchheims Besuch.
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<IMG alt="Sammler und Taiwanfreunde-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p49.jpg" MMOID="221849">
<P>Taiwanische Schausteller der Honan-Oper posierten im Juli 2005 anlässlich ihres Gastspiels im „Museum der Phantasie“ mit dem Schriftsteller und Museumsgründer Lothar-Günther Buchheim, der damals schon von schwerer Krankheit gezeichnet war. (Foto: Chen Keh-miin)</P></DIV>
<P>In den siebziger Jahren kam außerdem eine andere bekannte Figur des kulturellen Lebens nach Taiwan: Rolf Italiaander (1913–1991). Der in Deutschland geborene niederländische Schriftsteller und Ethnograf machte auf seinen Reisen durch die Welt Bekanntschaft mit vielen Kulturen, Religionen und Gebräuchen. Unter anderem hielt er sich 1974 und 1976 auch in Taiwan auf. Die auf der Insel gewonnenen Eindrücke fanden Eingang in sein 1970 gegründetes Museum Rade im Naturpark Oberalster am Rande Hamburgs. Bereits 1973 erschien der Katalog „Menschen, Götter und Dämonen: Kunst und Kunsthandwerk aus der Südsee. Sonderschau: 10 Künstlerinnen aus Taiwan“, der über 500 Exponate verzeichnete.
<P>Eine faszinierende Parallele am anderen Ende der Republik ist das 2001 eröffnete Buchheim-Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger See. Es beherbergt nicht nur Buchheims eigene Werke und eine Sammlung namhafter Expressionisten, sondern ist zudem ein Volks- und Völkerkundemuseum und stellt Gegenstände aus, die Buchheim auf seinen Reisen gesammelt hat, darunter Objekte aus Taiwan.
<P>Buchheim ließ den Kontakt mit Taiwan zeitlebens nie abreißen. Hilfreich war dabei sicherlich, dass seit 1980 zwischen den Landkreisen Taipeh und Starnberg eine Partnerschaft besteht. Im Juli 2005 gastierte die Honan-Oper (豫劇) mit dem Ensemble des Staatlichen Kuo-Kuang-Musiktheaters aus der südtaiwanischen Stadt Kaohsiung in Buchheims Museum und bezauberte das Publikum mit Farbenpracht, Akrobatik, chinesischer Musikalität und hoher Schauspielkunst.
<P>Die kulturellen Beziehungen zwischen Taiwan und Deutschland sind heute eng und reichhaltig. Taiwans Kulturministerin Lung Ying-tai (龍應台), seit Februar 2012 im Amt, lebte zwischen 1988 und 1999 in Heidelberg und stattete im Juni dieses Jahres der Schweiz und Deutschland einen offiziellen Besuch ab. Besonders erwähnenswert ist die Zusammenarbeit des taiwanischen Tanztheaters „Cloud Gate“ vom berühmten taiwanischen Choreographen Lin Hwai-min (林懷民) mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, und die Ausstellung von Kunstschätzen aus dem Nationalen Palastmuseum Taipeh in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und anschließend im Alten Museum Berlin von Juli 2003 bis Februar 2004 machte internationale Schlagzeilen. Dieses besondere Verhältnis wurde sicherlich durch Vorläufer wie Buchheim und Italiaander begünstigt und gefördert.
<P>
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<IMG alt="Sammler und Taiwanfreunde-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p50.jpg" MMOID="221850">
<P>Der in Deutschland geborene niederländische Schriftsteller und Ethnograf Italiaander interessierte sich bei seinen Auslandsreisen besonders für die örtlichen Kulturen, Religionen, Sitten und Gebräuche. Das Bild links zeigt ihn im Gespräch mit Geistlichen im buddhistischen Shandao-Tempel in Taipeh. (Archivfoto)</P></DIV>]]></description></item><item><title><![CDATA[Für noch besseres Papier]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101601/F%C3%BCr-noch-besseres-Papier]]></link><guid>101601</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[Wertschätzung für ein jahrhundertealtes Werk chinesischer Kalligrafie an Orten wie dem Nationalen Palastmuseum (<I>National Palace Museum</I>, NPM) in Taipeh ist in der Regel eine Frage persönlicher Geschmacksvorlieben. Manche Menschen bewundern das Können und den Stil des Kalligrafen, andere betrachten die Nutzung von Raum, die Geschichte des Werkes oder vielleicht den persönlichen Hintergrund des Künstlers. Wang Kuo-tsai (王國財) hat eine Leidenschaft für Kalligrafie und übt sich seit Jahrzehnten in der Kunstform. Er unterscheidet sich allerdings insofern vom durchschnittlichen Museumsbesucher, als er eine ebenso starke, wenn nicht gar stärkere Leidenschaft für das Papier hegt, auf welches die Tusche aufgetragen wurde. „Selbst in einer kontrollierten Umgebung setzt bei gewöhnlichem Papier normalerweise nach ein paar Jahrzehnten der Verfall ein“, weiß er. „Diese antiken Kunstwerke können wir heute deswegen betrachten, weil sie auf dem besten Papier ausgeführt wurden.“
<P>Wang, im Jahr 1956 auf der vorgelagerten Insel Matsu geboren, ist ein Experte für seltenes Papier, der sich sowohl in Theorie als auch in der Praxis bestens auskennt. Mit Papierherstellung kam er erstmals in Kontakt, als er an der National Chung Hsing University (NCHU) in der zentraltaiwanischen Stadt Taichung Forstwesen studierte. Er befasste sich mit den Prinzipien der Papierherstellung von Hand als Schüler des mittlerweile emeritierten NCHU-Professors für Forstwesen Chang Feng-jyi (張豐吉), der ein Verfahren für die Herstellung von <I>xuan</I>-Papier (宣紙) entwickelt hatte, das oft von Malern und Kalligrafen benutzt und aus Ananasblättern gefertigt wird. Nach seinem Examen arbeitete Wang in der Holzzellstoff-Abteilung des Forstwesen-Forschungsinstituts Taiwan (<I>Taiwan Forestry Research Institute</I>, TFRI) in Taipeh. Er begann seine ungewöhnliche Laufbahn in Papierforschung im damals neu eingerichteten TFRI-Labor für handgemachte Papier-Wissenschaft. Gleichzeitig fing er ein Graduiertenstudium in Forstwissenschaft an der National Taiwan University (NTU) in Taipeh an.
<P><B>Zur Handarbeit bekehrt</B>
<P>Shyu Jiann-gwo ist derzeit der Leiter des Labors für handgemachte Papier-Wissenschaft, nach seinen Worten die einzige staatliche Organisation, die Forschung über handgemachtes Papier und seine Anwendungen durchführt. „Handgemachtes Papier wurde größtenteils durch maschinell hergestellte Produkte ersetzt, doch manchmal ist maschinell fabriziertes Papier schlicht unzureichend“, urteilt er. Wer zum Beispiel Tuschemalerei und chinesische Kalligrafie praktiziert, stellt an das verwendete Papier hohe Ansprüche. Eine Art von hochwertigem handgemachten Papier erfüllt indes nicht alle Bedürfnisse. „Papiersorten mit verschiedenen Herstellungs-Formeln reagieren unterschiedlich auf Tusche, deswegen haben einzelne Künstler aufgrund ihres Stils und Könnens ihre eigenen Papiervorlieben“, erläutert Shyu. „Weil das Gewerbe für handgemachtes Papier sich jedoch im Niedergang befindet, wird es für sie immer schwieriger, das ideale Papier aufzutreiben.“
<P>Wang interessierte sich ursprünglich für maschinell fabriziertes Papier, welches den Großteil der modernen Papierproduktion ausmacht, bis ihn ein Plausch mit einem Freund in eine andere Richtung lenkte. „Mein Freund beklagte sich, dass er kein gutes handgemachtes Papier in Taiwan finden konnte und die althergebrachten Methoden der Papierherstellung verloren gegangen seien“, kolportiert Wang. Nicht lange danach kam das TFRI durch Zufall in den Besitz einer Garnitur Werkzeuge für die Papierherstellung von Hand. Man schrieb das Jahr 1984, und Wang beschäftigt sich seitdem mit Fleiß und Beharrlichkeit mit dem Handwerk. Auch seine Pensionierung vom TFRI im Jahr 2010 konnte seiner Leidenschaft für die Papierherstellung von Hand und der Werbung dafür keinen Abbruch tun.
<P>Der Papiermeister bedauert, dass viele Arten hochwertigen Papiers, die im Laufe der langen Geschichte Chinas in Gebrauch waren, heute nur noch dem Namen nach bekannt sind. Zum Beispiel ist die Kunst der Herstellung von <I>liusha</I> (流沙, fließender Sand) — einer Papiersorte mit einem mehrfarbigen marmorierten Aussehen ähnlich wie wirbelnde Wolken und fließendes Wasser — in China seit dem Ende der Song-Dynastie (960-1279) verschwunden. In Europa wird <I>Liusha</I>-Papier noch gefertigt, und man nimmt dort an, dass es aus Japan stammt, obwohl die Japaner die Technik in Wirklichkeit von China gelernt hatten. Glücklicherweise haben sich diese Methoden der Papierherstellung seit der alten Zeit kaum gewandelt, und bestimmte Arten von Papier und die Techniken für ihre Herstellung wurden beschrieben und dokumentiert. Tatsächlich skizzierte der Song-zeitliche Gelehrte Su Yijian (蘇易簡, 958–996) die Technik für die Herstellung von <I>Liusha</I>-Papier in einer von ihm bearbeiteten Kompilation mit dem Titel <I>Die vier Schätze des Studiums</I>, in der es um die Bedeutung von Schreibpinseln, Tusche, Tuschereibsteinen und Papier für Kalligrafen und Maler geht.
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<IMG alt="Für noch besseres Papier-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p55.jpg" MMOID="221851">
<P>Von oben nach unten: Das gehärtete Rohmaterial wird gewaschen; das Material wird gebleicht; Weiterverarbeitung zu Brei; ein Bogen Papier wird geformt. (Fotos mit freundlicher Genehmigung von Taiwan Forestry Research Institute, Council of Agriculture)</P></DIV>
<P>Sus Buch erzählt, wie Handwerker einem Pasten-Werkstoff aus Mehl und Wasser Farbe zusetzten, weil das durch Mehl verdickte Wasser die Verteilung der Farbpigmente erleichterte. Man benutzte unvermutete Elemente wie Samen des Lederhülsenbaumes (<I>Gleditsia triacanthos</I>), Croton-Öl, Ingwer und sogar Kopfschuppen, um Pigmente über die Oberfläche des Substrats zu verteilen. Die Herstellung des Papiers „hinter fast geschlossenen Rolladen in einem stillen Raum“ verhütet, dass Luftströme die noch flüssigen Muster stören, welche sich an der Oberfläche zu verfestigen beginnen, und der Einsatz von „sauberen Behältern und reinem Wasser“ verhindert ebenfalls eine Verschmutzung der Pigmente. Wang hat im Laufe der Jahre Hunderte von Papiersorten nachgebildet, indem er den Anleitungen altertümlicher Text folgte wie <I>Die vier Schätze des Studiums</I>. „Bei langen Textabschnitten in klassischer chinesischer Schriftsprache wären viele andere Menschen ratlos, doch offenbar kann Wang da immer eine Menge von Informationen herausholen“, kommentiert Shyu achtungsvoll seine Erfahrung der Zusammenarbeit mit Wang.
<P>Auf manche der alten Papierherstellungstechniken wurde viel Nachdenken verwendet. Ein Beispiel ist das <I>Xuan</I>-Papier, das seit der Tang-Dynastie (618-907) häufig für Tuschemalerei und Kalligrafie benutzt wurde. <I>Xuan</I>-Papier wurde ursprünglich in der festlandchinesischen Präfektur Xuanzhou (Kreis Jing, Provinz Anhui) gefertigt und verdankt dem Ort seinen Namen, und es ist beständig gegenüber Lichteinwirkung und vergilbt nicht, nachdem das traditionell als Rohmaterial benutzte Reisstroh mehrere Monate lang unter der Sonne gebleicht wurde. Heutzutage ist es wegen der Knappheit an Raum und Zeit für Papiermühlen schwierig, dieses Verfahren nachzuahmen. In solchen Fällen wartet Wang mit einer modernen Lösung auf. „Ich bin als Wissenschaftler ausgebildet“, prahlt er. „Wenn die alten Methoden nicht anwendbar oder bestimmte Bestandteile schwer aufzutreiben sind, wende ich mich einfach der modernen Wissenschaft zu.“
<P>Seine Nachbildung von Papier der Sorte <I>Ciqing</I> (blaues Porzellan) ist ein typisches Beispiel. <I>Ciqing</I>-Papier wird mit Indigo gefärbt, um ein tiefes Blau zu erzeugen, das so aussieht wie der Farbton auf blauweißem Porzellan. Ursprünglich benutzte man es überwiegend für buddhistische Schriften mit goldener Tusche, und das Papier bringt die Würde religiöser Texte besonders gut zum Ausdruck. Wang sah <I>Ciqing</I>-Papier aus der Ming-Dynastie (1368-1644) erstmals im NPM. „Die Farbe, Textur und Qualität des <I>Ciqing</I>-Papiers beeindruckten mich so tief, dass ich es nachbilden wollte“, bekennt er.
<P>Der Ming-zeitliche Wissenschaftler Song Yingxing (宋應星, 1587–1666) beschrieb die Schritte, die für die Herstellung von <I>Ciqing</I>-Papier erforderlich sind und die mit der Gärung von Indigo-haltigen Pflanzen beginnen, indem man die Blätter und Äste sieben Tage lang in Wasser einweicht, um einen Alkohol zu erzeugen. 100 Litern des Alkohols wurden fünf Liter anorganischen Kalkpulvers zugesetzt. Die Mischung wurde wiederholt dutzendweise umgerührt, bis der Indigo ausflockte und sich, wenn das Wasser zum Stillstand kam, am Boden absetzte. Der Indigo wurde neu konstituiert, indem er in einer Alkalilösung aufgelöst wurde und dadurch „Indigo-Weiß“ entstand. Papier, das mehrmals in den Farbstoff getaucht und dann mit Wasser gespült wurde, nahm dann einen immer dunkleren blauen Farbton an, weil Indigo-Weiß sich durch den Sauerstoff in der Luft in ein intensives Blau verwandelt. Das tiefblaue <I>Ciqing</I>-Papier gewinnt man dadurch, dass man das Papier etwa 10 Mal in den Farbstoff taucht. „Es war ein zeitraubendes Verfahren, während dem das Papier leicht reißen oder knittern konnte“, sagt Wang. „Deswegen war <I>Ciqing</I>-Papier in der alten Zeit außerordentlich selten und wertvoll.“
<P>Wang versuchte sogar, mit dieser altertümlichen Methode einen Indigo-Farbstoff herzustellen. Er begab sich ins Bergland und sammelte Färberwaid (<I>Isatis tinctoria L.</I>), eine Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse, deren Blätter seit langer Zeit zur Herstellung von blauem Färbestoff verwendet wurden. Er wiederholte das altertümliche Verfahren zur Extraktion von Indigo-Blau, gewann am Ende jedoch nur genug Farbstoff, um ein Stück Papier von der Größe eines Taschentuches zu färben. Da synthetischer Indigo die gleiche chemische Zusammensetzung hat wie Natur-Indigo und leicht erhältlich ist, beschloss Wang, für sein <I>Ciqing</I>-Papier synthetischen Indigo zu benutzen. Er färbte überdies den Brei, der bei der Papierherstellung zum Einsatz kommt, anstatt das fertige Papierprodukt, wodurch er die Gefahr des Misslingens bei dem Verfahren wesentlich verringerte und die Qualität des Papiers verbesserte, weil die Farbe gleichmäßig verteilt wurde.
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<IMG alt="Für noch besseres Papier-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute images/g201407p57.jpg" MMOID="221853">
<P>Handgemachtes Papier wird in geringer Quantität und großer Vielfalt gefertigt. Von oben nach unten: Mit einem Nylonfaden an der Ecke jedes Papierbogens lassen diese sich leicht zählen; das Papier wird gepresst, um überschüssiges Wasser zu entfernen; der Papierbogen wird auf einer erhitzten Platte getrocknet. (Fotos mit freundlicher Genehmigung von Taiwan Forestry Research Institute, Council of Agriculture)</P></DIV>
<P>Der Qing-zeitliche Gelehrte Shen Chu (沈初, 1729–1799) beschrieb eine andere Papiersorte, für deren Nachbildung traditionelle Techniken heute unpraktisch wären. Papier der Sorte <I>Yangnao</I> (羊腦), zu Deutsch Schafhirn, sei „so schwarz wie Lack und glänzend wie ein Spiegel“, schrieb Shen und erläuterte, wie man für dieses besonders robuste Papier Schafhirn mit Ruß vom oberen Ende eines Kamins (wo die Rußpartikel am feinsten sind) mischt und die Mixtur in einem kühlen Keller lagert. Das Zeug wird später auf <I>Ciqing</I>-Papier geschmiert und mit einem Stein glattpoliert. Solches Papier hält sich viele Jahre, ohne zu verfallen, und hält sogar Insekten ab. „Vereinfacht gesagt, man macht <I>Yangnao</I>-Papier, indem man einen Belag auf <I>Ciqing</I>-Papier aufträgt“, doziert Wang. „Zu Forschungszwecken musste ich das altertümliche Verfahren wiederholen.“ Es gelang ihm, Ruß vom oberen Teil eines Kamins zu bekommen, aber er musste einen kompletten Schafskopf auf dem Markt kaufen, weil das Hirn nicht separat verkauft wurde. Er sägte dann den Schädel auf und entfernte das Gehirn, das ungefähr die Größe eines Hühnereis hatte. „Plötzlich wurde mir klar, dass in dem Buch nicht stand, ob das Hirn roh oder gekocht verarbeitet werden sollte“, erinnert er sich.
<P><B>Glänzend wie ein Spiegel</B>
<P>Die Zusammensetzung für den Belag nachzuahmen war gar nicht so kompliziert. Wang mutmaßte, dass ein Pigment, ein Klebstoff und ein Glanzverstärker gebraucht wurden, damit das Papier „so glänzend wie ein Spiegel“ wurde. Er dachte sich, der Ruß sei offensichtlich das schwarze Pigment, und eine Art von nicht näher beschriebenem tierischen Leim war in dem Buch als Klebstoff beschrieben. Außerdem überlegte er, das Cephalin im Schafhirn würde die Funktion eines Befeuchters erfüllen, um den Ruß gleichmäßig zu verteilen, tiefer in die Oberfläche des Papiers einzudringen und dem Papier einen satten Glanz zu verleihen. „Zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten mussten die Handwerker mit den Materialien zurechtkommen, die für sie verfügbar waren“, sinniert Wang. „Ich habe großen Respekt vor solcher antiker Weisheit, aber wir müssen wirklich nicht jeden Schritt befolgen und die gleichen Materialien wie bei diesen altertümlichen Verfahren verwenden.“ Die moderne Wissenschaft liefert reichlich Ersatz, und Wang fand schließlich einen Weg, <I>Yangnao</I>-Papier ohne Schafhirn nachzubilden.
<P>Während das Aussehen verschiedener Papiersorten anhand von Beschreibungen in alten Büchern oder Museums-Mustern nachgeahmt werden kann, muss die Qualität jeder Sorte dennoch getestet werden. Forschern stehen Geräte zur Verfügung, die genaue Daten über die Stärke, chemische Zusammensetzung und andere Eigenschaften eines Bogens Papier bieten. „Daten sind aber nur Daten, die einem nicht alles sagen“, warnt Shyu, der kurz vor Wangs Pensionierung zum Labor für handgemachte Papier-Wissenschaft kam. „Was unterm Strich wirklich zählt, ist, ob der Künstler, der auf dem Papier malt oder schreibt, es als hochwertiges Papier anerkennt.“ Wenn sein Labor eine Papiersorte herstellt, nimmt es kleine Anpassungen an der Formel vor und bittet dann Kalligrafen oder Maler, mit dem Papier zu arbeiten.
<P>Viele der Künstler, an die man sich um Mithilfe wendet, sind überaus zufrieden mit der Qualität des Papiers, das aus den Bemühungen hervorgegangen ist, und wollen es kaufen. Dem Labor ist es als staatlicher Behörde jedoch nicht gestattet, sich kommerziell zu betätigen. Wang löst das Problem, indem er Künstlern kostenlos Muster gibt und sie dann nach ihrer „professionellen Meinung zu den Forschungsergebnissen“ befragt. Wang veröffentlicht außerdem seine Formeln für Papierherstellung und Techniken, damit Künstler seine Schöpfungen in einer Papiermühle eigens fabrizieren lassen können. Dank der Empfehlungen unter Künstlern durch Flüsterpropaganda und gelegentlicher Berichterstattung in den Medien hat Wangs Papier in bestimmten Kreisen genug Anerkennung gewonnen, so dass immer mehr Künstler es benutzen wollen, und Museen bemühen sich nun um Wangs Beistand bei der Restaurierung alter Kunstwerke.
<P>Wangs Terminkalender ist nach wie vor recht voll, doch er besteht weiterhin darauf, alles selbst zu machen — die Herstellung des Zellstoffs aus Baumrinde, die Auswahl der Pflanzen für Färbemittel, das Formen der Papierbögen und das Trocknungsverfahren sowie Analyse und Experimente mit den Resultaten. Wang: „Es wäre wunderbar, wenn durch mein Papier die Kunst, die darauf geschaffen wird, noch in Jahrhunderten in Museen bewundert werden kann, so wie wir heute ein Werk Song-zeitlicher Kalligrafie im Nationalen Palastmuseum bestaunen können.“
<P><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B>]]></description></item><item><title><![CDATA[Brücken verbinden]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101602/Br%C3%BCcken-verbinden]]></link><guid>101602</guid><pubDate>2014/07/01</pubDate><description><![CDATA[<I>Hoch aufragend bleibt die Seele des Stahls wach.
<BR>Eine ernste Stille tönt.
<BR>Das heftige Rütteln des Meereswindes über der Hsilo-Ebene
<BR>Dieses Muster der Stärke, Gewebe der Schönheit, wild rüttelt es
<BR>Jeder Nerv dieses Willens-Turmes
<BR>Verzweifelt rütteln und heulen sie
<BR>Dabei halten die Zähne aus Eisennägeln fest im Biss
<BR>und die Arme der stählernen Schultern fest im Griff
<BR>eine ernste Stille.
<BR>— Aus dem Gedicht „Hsilo-Brücke“ von Yu Kwang-chung</I> (余光中), <I>1958</I>
<P>Jahrzehntelang war die in dem Gedicht des bekannten Poeten Yu Kwang-chung (geb. 1928) besungene 1939 Meter lange Hsilo-Brücke die längste Brücke Taiwans, und sie zählte auch zu den längsten Brücken der Welt. Das 1952 fertig gestellte Bauwerk bot lange Zeit den einzigen Weg, mit dem Auto den breiten Zhuoshui-Fluss zu überqueren, der die Landkreise Yunlin und Changhua in Zentraltaiwan voneinander trennt. 
<P>Durch Fortschritte bei der Bautechnik entstanden neue Brücken, welche den Titel der längsten Brücke Taiwans beanspruchten, und es wurden weitere Brücken errichtet, um die beiden Ufer des Zhuoshui-Flusses miteinander zu verbinden. Zwar spielt die 62 Jahre alte Hsilo-Brücke heute im Verkehrsnetz des Landes keine so bedeutende Rolle mehr, aber sie verknüpft weiterhin Orte, Menschen und Erinnerungen. 
<P>Optisch ansprechende Brücken, in Taiwan wie im Ausland, können sehr unterschiedlich sein. Es gibt solche aus modernsten Baumaterialien und –techniken, aber auch ältere Steingebilde über kleine Flüsschen auf dem Land. Um diesen architektonischen Errungenschaften zu huldigen, veranstaltete die Kulturstiftung Yang Ming Cultural Foundation, die im Jahr 2005 von der Reederei Yang Ming Marine Transport Corp. mit der Absicht gegründet worden war, Kultur und Kunst mit Meeresbezug zu fördern, im Februar vergangenen Jahres einen internationalen Fotowettbewerb mit Brückenthematik. Zwischen Februar und August 2013 erhielt die Stiftung als Beiträge fast 4000 Aufnahmen von Brücken in 40 Ländern. 
<P>Die Bilder wurden aufgeteilt und in zwei Kategorien bewertet, eine für Brücken in Taiwan und eine für Brücken im Ausland. Die Fotos, die man im Yang Ming-Wettbewerb mit Preisen ausgezeichnet hatte, wurden in mehreren taiwanischen Galerien ausgestellt und überdies im Fotobuch der Stiftung mit dem Titel <I>Bezaubernde Brücken</I> veröffentlicht. (Die preisgekrönten Bilder in dieser Auswahl wurden der Taiwan-Kategorie entnommen.) „Diese Aufnahmen zeigen, dass Brücken zwar für den Verkehr gebaut werden, sie aber auch zu Mikrokosmen von Kunst, Kultur und Geschichte wurden“, schrieb Wang Jaw-shen, Vorsitzender der Yang Ming-Kulturstiftung, im Vorwort der Bildersammlung. Die Bögen in den <I>Bezaubernden Brücken</I>, so scheint es, sind in der Lage, physische Hindernisse zu überwinden und auch die Tiefen in den Herzen der Menschen zu erreichen.<BR><B><I>(Deutsch von Tilman Aretz)</I></B> 
<P>
<HR>

<DIV class=photo><IMG alt="Brücken verbinden-1" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201407p58.jpg" MMOID="221854"> 
<P></P></DIV>
<P><I>Bezaubernde Brücken</I> (Huang Hsiao-si) <BR>Brücken über den Xindian-Fluss zwischen Taipeh und New Taipeh City. <BR>(Foto mit freundlicher Genehmigung von Yang Ming Cultural) 
<P>
<HR>

<DIV class=photo><IMG alt="Brücken verbinden-2" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201407p60.jpg" MMOID="221855"> 
<P></P></DIV>
<P><I>Schöne Bogenbrücke</I> (Yeh Shih-hsien)<BR>Bogenbrücke im Bezirk Xiangshan, Stadt Hsinchu. <BR>(Foto mit freundlicher Genehmigung von Yang Ming Cultural) 
<P>
<HR>

<DIV class=photo><IMG alt="Brücken verbinden-3" src="https://image.taiwantoday.tw/images/MMO/heute%20images/g201407p62.jpg" MMOID="221856"> 
<P></P></DIV>
<P><I>Sonnenaufgang</I> (Huang Heng-yu) <BR>Chashan-Hängebrücke in der Gemeinde Manzhou, Landkreis Pingtung. <BR>(Foto mit freundlicher Genehmigung von Yang Ming Cultural)</P>]]></description></item><item><title><![CDATA[Taiwanische Kultur begeistert Dresdner Publikum]]></title><link><![CDATA[https://taiwanheute.tw/Archiv/Kultur/101603/Taiwanische-Kultur-begeistert-Dresdner-Publikum]]></link><guid>101603</guid><pubDate>2014/05/01</pubDate><description><![CDATA[Beim jährlichen Kunstfest des Europäischen Zentrums der Künste im Dresdner Festspielhaus Hellerau stand dieses Mal Taiwan im Mittelpunkt. Das Festival „Taiwan Today“ unter der Schirmherrschaft vom Kulturministerium und dem Außenministerium der Republik China umfasste ab dem 25. April dieses Jahres unter anderem Vorstellungen des berühmten taiwanischen Tanztheaters Cloud Gate und des Dance Forum Taipei, außerdem gab es eine gemeinsame Darbietung des Taipeh-Männerchors Taipei Male Choir mit dem Chor des Vitzthum-Gymnasiums Dresden.
<P>Cloud Gate, von der New York Times als „Asiens führendes zeitgenössisches Tanztheater“ bezeichnet, präsentierte das neue Stück „Rice“, geschaffen von Cloud Gates Gründer Lin Hwai-min (林懷民) als Hommage an seine Heimat. Dabei ließ Lin sich von der Landschaft und Geschichte des Dorfes Chihshang inspirieren, wo die durch chemische Düngemittel belasteten Böden mit nachhaltiger Landwirtschaft wieder fruchtbar gemacht wurden. Vor der bühnengroßen Projektion eines abgebrannten, heiß dampfenden Reisfeldes bewegten sich die Tänzer in schmerzhaft schönen Rhythmen, krochen insektengleich durch die noch glimmenden Reste des Reisfeldes, verschmolzen zu einem Teil des Gesamtbildes. In großartigen choreografischen Metamorphosen schufen die Tänzer Bilder von überwältigender Schönheit und tänzerischer Perfektion.
<P>Taiwans Kulturministerin Lung Ying-tai (龍應台) erklärte, in der Zukunft soll der Austausch zwischen Taiwan und Deutschland weiter verstärkt werden. „Das ist schon ein größerer Durchbruch“, lobte Lung. „Ich denke, dass die Tür dadurch weit geöffnet wird, und hoffe zugleich, dass wir noch weitere Türen öffnen können.“
<P>Dieter Jaenicke, künstlerischer Leiter des Festspielhauses Hellerau, bewertete den aktuellen Programmschwerpunkt von „Taiwan Today“ als sehr bedeutend für den gegenseitigen Kulturaustausch der beiden Länder. So könne das deutsche Publikum mehr über die Kultur Taiwans erfahren, meinte er.
<P>Im Rahmen des weiteren Austauschs soll im November dieses Jahres das Horse Dance Theatre in Dresden auftreten, für das Festival im kommenden Jahr ist eine Vorstellung des Trommler-Ensembles U Theatre anberaumt.</P>]]></description></item></channel></rss>